Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1913
- Issue
- Heft 1 (3.1.1913)
- Date
- 1913-01-03
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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=*u JJiJ JJUUJiE Seite 10. Die Wahrheit Nr. 1. nicht mehr genügt. Aber mein alter Lieblingswunsch ist die Erbauung eines neuen, der großen Kultusgemeinde Wien würdigen Tempels in der . jimeren Stadt, wofür auch unzweifelhaft das Bedürfnis vorhanden ist. - Dr. Alfred S t er«, Wien (Bortrag ans jüdischer Geschichte, Literatur n n d Kultur.) Donnerstag, den 9. Jänner 1913 1ja8 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architekten-Vereines, I. Eschenüachgafie 9, ein Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Alois Schweiger aus Eger (Erlau) statt. Thema: „Die jüdische Weltanschauung." Eintritt frei, ohne Karten. Wien. (Em i g ra nt e n sü rs o r g e der Israelitischen Allianz zu Wien.) Während des Monates Dezember 1912 wurden von der Zentrale der Israelitischen Allianz in Wien insgesamt 124 Emigranten. davon 113 russische und 11 rumänische, weiterbesördert, u. zw.: 63 nach de» Vereinigten Staaten, 29 nach Argentinien, 7 nach Kanada, 5 nach England, 13 nach Frankreich und 7 nach verschiedenen anderen Ländern. In dre Heimat zurückbesördert wurden 12 Rückwanderer. Während des Aufenthaltes in Wien wurden im Dezember für 31 Personen zusammen 157 Tage Logis und volle Verpflegung gezahlt und an 112 Emigranten insgesamt 448 Speisemarken für die israelitische Volksküche -ausgegeben. Vom Jänner bis Ende Dezember 1912 wurden insgesamt von Wien aus 1246 russische und rumänische Emigranten nach überseeischen bezw. westeuropäischen Ländern weiterbefördert und 203 Rückwanderer repatriiert. Wre«. (Hilfsaktion zugunsten der I u d e n d e r Balkanländer). Der Israelitischen Allianz zu Wien sind zugunsten der durch den. Krieg in Not geratenen Juden der Balkanländer bis zum 31. Dezember 1912 Spenden in der Höhe von X 26.631*13 zugegangen. Weitere Beträge werden im Bureau der Israelitischen Allianz, Wie«) IX, Untere Donaustraße 33, in den Vormittagsstunden (außer Samstag) oder durch die Postsparkaffe (Konto-Nr. 8152) dankend in Euipfang genommen. Wie«. F r e i t a g-A b e u d-V o r t r ä g e im Be t-H a midrasch „Talmud-Thora", H., Malzgasse 16, auch Frauen zugänglich: Am 3. Jänner d. I. Herr Profesior Mor. Antscherl: „Große Gedanken in den kleinen Propheten." Am 10. Jänner: Herr Rabbiner H. S ch e n k: „D i e P s a l m e n". Beginn jedesmal um halb 6 Uhr abends. Wie«. (Jüdische T o y n b e e h a l l e, XX., Othmargaffe 46.) Beginn der Borträge: An Wochentagen ^8 Uhr, Samstag, sowie an Sonn- und Feiertagen 7 Uhr abends. Eintritt frei für jeden Erwachsenen. Vortrags-Programm für die Zeit vom 4. bis 10. Jänner 1913: Samstag, den 4. Jänner, Konzert. Arrangement Frau Else F r e u n d-F u n k. Souutag, den. 5. Jänner (Angabe des Themas und des Vortragenden folgt.) Montag, den 6. Jänner, Deutscher Literatur-Zyklus (Fortsetzung). Dienstag, den 7. Jänner, Zyklus aus der jüdischen Geschichte. Professor Dr. K. Kupfrr. Mittwoch, den 8. Jänner. Der Anteil der Inden am Kipper- und Wipperunwesen in Deutschland (1621—1623). Eduard Jonas Schachtitz. Donnerstag, den 9. Jänner, Beginn des Zyklus: Das Schöne und die „Kunst". (Gruudzüge der Aesthetik.) Negierungsrat Professor Dr. W. Jerusalem. Freitag, den 10. Jänner. Bibelvortrag. Wie«. Sonntag, den 5. Jänner, 2 Uhr nachmittags, findet im Tempel I„ Seitenstettengasse 4, die Trauung des Fräuleins Berta Herz- Tochter des Angestellten der Wiener Kultusgemeinde Herrn Juda Herz, mit Herrn Jokob F i n d e r statt. Wie«. l„M i s r a ch i" W i e n). Mittwoch, - den 8. Jänner findet im Hotel Central, II., Taborstraße, eiue Versammlung statt. Referent Herr Isidor A u st e r l i tz. Sodann Diskussion. Gäste, auch Damen, willkommen. Beginn 8 Uhr abends. Wie«. (Aus der Brigittenau.) In welcher Weise in Wiens XX. Bezirke, dem wahren Jammerbezirke unserer schönen Stadt, die heilige Pflicht der Nächstenliebe erfüllt wird, das mögen nachstehend erzählte Tatsachen bekräftigen. Am 8. Dezember 1912 wurden vom Verein „Die Brüd er", an deren Spitze Herr Heinrich Wiener als Obmann steht, in den neuen Räumlichkeiten der Bibelschule in aller Stille, ohne jede Festlichkeit, 305 arme Schulkinder mit Kleidern und Schuhen versehen, was einen Anjwand von mehr als 7000 X verursachte- Es waren aber auch die Kleider und Schuhe der Qualität nach wahrhaftig erstklassig, so daß es nicht zu verwundern ist, wenn ein antisemitischer Bezirksrat, welcher der Einladung des Vereinsvorstandes folgend, dieser Beteilung beiwohnte, staunend, ansrief: „S o w a s b r i n g e n unsere Leute n i ch t z ustande." Bei dieser Bekleidungsaktion intervenierten die Damen; Frau Dr. Emilie Welß und Marie K o h n und die Herren Josef F a l t i ts ch e k. Josef Kohn, I. S t r a ß e r, Heinrich S a l a m o n und Heinrich Wiener. Am Nachmittag besselben Tages fand in der Tempelvereinskanzlei die Generalversammlung des „BrigittenauerFrauen- Wohltätigkeits-Vereines statt. Frau Dr. Emilie Weiß, welche den ganzen Vormittag bei der Bekleidung der armen Schulkinder eifrigst mitgeholsen hatte, begrüßte als Präsidentin die erschienenen Gäste, insbesondere Frau Präsidentin K o p st e i n und Benedikt, worauf nach Erstattung des Rechnungsabschlusses seitens der Kassierin Frau Anna Gold ner der Beirat Herr Josef Kohn den Tätigkeitsbericht vortrug. Demselben war zu entnehmen, daß der Verein im abgelaufenen Jabre den ' Betrag von X 15.949•— für wohltätige Zwecke verwendet hat. Es nimmt also dieser Verein unter den Vereinen Wiens, welche sich mit offener Armenpflege befassen^ eine' hervorragende Stellung ein, denn nach dentt statistischen Handbuche der Stadt Wien für das Jahr 1912 beschäftigten sich mit der Beteilung armer-erwachsener Personen in Wien 189, Vereine, welche zusammen für Beteilungszwecke 1,402.785 X, im Durchschnitte also" pro Verein nur 7.422'— L verausgabten. Es hat also der Brigittenauer' Franenverein doppelt so viel den wohltätigen Zwecken zngesührt: Nachdem die Kontrollorin, Frau Katharine'Kohn. den Revisionsbericht zum Bortrag gebracht hatte, und dem Vorstande die Entlastung erteilt worden war, schloß Frau Dr. Weiß die 17. ordentliche Generalversammlung des Vereines. Am 17. Dezember 1912 veranstaltete der Verein „D i e Brüder"' anläßlich der Verleihung des Ehrendiploms an Frau Dr. Emilie Weißin der Restauration H. K o h n ein gemütliches Nachtmahl a la— Carte, an metcfyem sämtliche Vorstandsmitglieder des Brigittenauer israelitischen Frauenwohltätigkeits-Vereines, sowie die des Vereines „Die Brüder" und zahlreiche Ehrengäste teiluahmen. Dieser Abend gestaltete sich zu einem wahren Ehrenabende für Frau Dr. Emilie W e i ß, welche jedoch wegen ihrer überaus großen altruistischeil Tätigkeit in Wirklichkeit: nicht gen ü g geehrt werden kann. Das überreichte Ehrendiplom ist ein Meisterwerk des Kalligraphen A. Kohout. Wie«. (Jüdischer V e r e i n „E i n h e i t". II., Malzgasse 12).- Jüdischer Gemeinsinn, gepaart mit der Opferwilligkeit hiesiger Philantropen^ haben es dem Vorstand des Vereines „Einheit" ermöglicht, ein kulturell notwendiges Werk ins Leben zu rufen und in einer Weise zu vervollständigen, die wahrlich ihresgleichen sucht; die eben vergrößerten Speisesäle und Neuanlagen der „Einheit" dürfen ohneweiters eine Wiener' Sehenswürdigkeit genannt werden. Speziell die für die Studentenschaft bestimmten Lokalitäten mit ihrer schmucken und reinen Ausstattung, mir ihren lichten und luftigen Räumen sind geeignet, in jedem Besucher ein Gefühl der Behaglichkeit zu erwecken. Die Art, wie die schmackhaft nnir kräftig zubereiteten Speisen gereicht und serviert wird, hat nichts gemeinsam mit der Gebahrnng von Garküchen, zeigt vielmehr eine gewiffe Vornehmheit, wie wir sie vielleicht in gutbürgerlichen Restanrants zu finden; gewohnt sind. Wer die amerikanische Kühlanlage, wer den für die Fleischzurichtung bestimmten Raum, wer die Küche und die Fleisch- und Lebensmittelvorräte besichtigt, kann begreifen, daß das Zuströmen, in die Hallender „Einheit" täglich größer wird. Neben dem Opfermute und der Hingebung des Vorstandes gereicht es allen Menschenfreunden, welche die- Bestrebungen des jüdischen Vereines „Einheit" fördern, zur Ehre, diese Institution zu erhalten. Es wäre noch erwünscht und notwendig, dast' dem Vereine durch neue Gönner und Freunde die Sorge der finanziellen. Gebahrnng erleichtert und durch reichliche Mittel aus weiten Kreisen die Möglichkeit geboten wird, das begonnene Werk, aus das wir vor allem" als Juden stolz sein dürfen, weiter auszugestalten. - - - St. Pötten In der am 20. v. M. erschienenen Nummer Ihresweitverbreiteten Blattes versucht Herr Ä. Leicht den Bericht, den ich^ über die Kultuswahlen und andere Gemeindeangelegenheiten Veröffentlichte,- in ein anderes Licht zu rücken. Dem gegenüber muß ich folgendes seststellen: Die Behauptung, daß die Verhandlungen -zwischen der Stadt-- gemeinde und der Kultusvertretung seinerzeit wegen Erwerbung des alten-. Bethauses zu keinem Resultate geführt, ist darauf zurückzuführen, daß der ersteren wegen der damals herrschenden politischen Strömung der Er-- stehungspreis zu hoch war, sie deshalb vom Ankäufe abgekommen ist^ und weil wir eine im Stadtgebiete gelegene Realität nicht verschleudern, wollten. .Es ist daher ganz absurd,' wenn-Herr Leicht behauptet, ihm sei die Stadtgemeinde entgegengekommen, als er automatisch .ans den Vorsteherstnhl gelangte, nachdem der in allen Kreisen der Bevölkerung hoch-" geachtete, verdienstvolle Kultusvorsteher Herr Siegfried Schwarz abgedankr hatte. Es handelte sich nur nm Abtretung von 127 m2 Siraßengrund und die Stadtvertretung, die ein eminentes Interesse an der endlichen Regulierung dieses Stadtteiles hatte, kaufte ohne weitere Umstände den. von der Kultusgemeinde abzutretenden -Grund zu Straßenzwecken. Es freut mich besonders, daß Herr Leichtzur Einsicht koinmt„ daß die Gebetrichtung bei der neuen nahezu vollendeten Synagoge der; allgemeinen Tradition nicht entspricht und will nur bemerken, daß'das; Gefühl für Ordnung und Recht auch in einer Kultusgemeinde gestärkt' werden muß, und das geschieht Insbesondere durch die Rücksichtnahme und Pflege der religiösen Ueberzeugung. Was die Baukostenüberschreitung anbelangt, halte ich meine Behauptung von der präliminierten Baüsumme von K 93.000 laut Protokoll aufrecht und hat doch auch Herr Leicht in seinem Tätigkeitsberichte selbst zugegeben, daß vorläufig die Kosten. X 140.000 betragen. Die Borwürfe betreffs Titelsuchi und wegen der" Zinsenvergütung der rückgezahlten Darlehen sind bereits von anderer Seite als vollkommen ungerechtfertigt qualifiziert worden - und es bedarst daher meinerseits keiner weiteren Berichtigung. Znm Schluffe noch eine Bemerkung: Wenn sich zwischen Vorsteher und Mitgliedern kein angenehmes Verhältnis zu entwickeln vermochte, so liegt die Schuld nur bei Herrn Leicht, denn ans die Dauer lassen sich Mitglieder einer Kultusgemeinde nicht demütigen. Julius Kohn. Mißlitz. Die vom hiesigen jüdischen Gesangsverein am verflossenen Samstag veranstaltete Makkabäerfeier gab Zeugnis von dem ernsten Streben der Sänger und Sängerinnen mit ihrem Chormeister Herrw Oberkantor Mayerowitsch, der es verstanden hat,in verhältnismäßig kurzer Zeit den Verein auf ein hohes Niveau zu bringen. Das zahlreicherschienene Publikum lauschte begeistert der schwungvollen Festrede unseres-