Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1912
- Issue
- Heft 50 (27.12.1912)
- Date
- 1912-12-27
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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___ Die WÄrhL 3cv. 50. - haltig. Was den ersten Eimvand betrifft, so wird derselbe schon durch -ie allgemeine Uebung entkräftet, daß alle Gräber.auf ünserer Abteilung b'erast und mit Pflanzenwuchs versehen erhalten werden, daß ein sehr großer Teil der Gräber mit Blumen geschmückt, teilweise, wie schon erwähnt, von den Familienmitgliedern. teilweise durch uns. selbst mit Blumenschmuck versehen wird. Und wir sollten diese Uebung möglichst nach Kräften fördern, weil der Zustand, wie er heute besteht, einen wohltuenden und freundlichen Eindruck aus jeden macht, der imsere Friedhofabteilnng besucht. In dem Wachstum der Pflanzen ans den Gräbern liegt geradezu ein Symbol des Wiederauflebensgedankens, indem aus der Stätte, in welcher die Hingeschiedenen ruhen, Wachstum und Leben der Pflanzen erblüht. Aber auch den zweiten Grund kann ich nicht gelten lassen. Denn es ist absolut nicht einznsehen, warum wir gerade kostspieliger arbeiten müssen, als ein Privatnnlernehmen, insbesondere. wenn wir uns bemühen, die richtigen Personen an die Spitze, eines solchen Betriebes zu stellen. Allein selbst wenn dies der Fall wäre, wenn wir auch teurer als ein Privatnnternehmen arbeiten würden, würden wir noch immer einen höheren Betrag erzielen, als den von mir angegebenen, weil wir den Parreien entgegenkommen und billiger als die Privatpersonen die Arbeiten beistellen könnten, ohne unsere Interessen damit zu beeinträchtigen. Es verdient also diese Anregung sehr reifliche Ueberlegüng und baldige Berücksichlignng, Eine Frage, die dringend der Lösung harrt, dieselbe jedoch bis heute noch immer nicht gefunden hat. muß auch heute zur Sprache gebracht werden und das ist der Bau eines der größten Kultusgemeinden des Kontinents würdigen, den Anforderungen der Gegenwart und der Hygiene entsprechenden Gemeindehauses. Der Zustand, der gegenwärtig in den beiden den Bureanzwecken unserer Gemeinde dienenden Häusern herrscht, ist ein geradezu unerträglicher. Schon der Eintritt durch einen der beiden Eingänge ist geradezu deprimierend und ich möchte sagen, beschämend für uns alle. Die Treppen der beiden Häuser müssen auch die Gesundheit derjenigen, die sie öfter zu frequentieren genötigt sind, schädigen. Der Saal, in dem wir wöchentlich einigemale in Kommissions-. Vertreter- und . Plenarsitzungen Beratungen pflegen, ist, das heutige Bild zeigt es ja klar, weder räumlich entsprechend, noch auch ist es möglich, ihn derart auch nur halbwegs herzustellen, daß man bequem und mit Muße in demselben den Obliegenheiten Nachkommen könnte. Die Bureaus, in den die ersten Beamten arbeiten, und die täglich von einer großen Anzahl von Parteien aufgesucht werden, müssen, weil sonst kein geeigneter Raum in beiden Häusern vorhanden war, in den 3. Stock verlegt werden und man braucht nur die Treppe anzusehen, deren sich die Beamten, wenn sie mit dem Präsidium in Verbindung treten wollen, :— und das kommt täglich einigemale vor — bedienen müssen, um zu dem Schluffe zu kommen, so geht es nicht weiter, hier muß Abhilfe geschaffen werden; wir haben gesorgt, daß wir, wenn wir nicht mehr sind, eine ewige Ruhestätte haben, sorgen wir dafür, daß das Heim, in dem unsere Beamtenschaft arbeitet und in welchem wir Mitglieder des Vorstandes die Angelegenheiten unserer Gemeinde beraten, in welchem täglich Hunderte unserer Gemeinde- Mitglieder verkehren, ein den Verhältnissen und der Größe unserer Gemeinde entsprechendes sei. Und so schließe ich, indem ich den Antrag stelle: Die vorliegenden Voranschläge der Einnahmen und.Ausgaben unserer Kultnsgemeinde für das Jahr 1913 anznnehmen. Generaldebatte. Der während des Referates erschienene Präsident Doktor Alfred Stern spricht zunächst dem Referenten die vollste Anerkennung und den herzlichsten Dank des Kultusvorstandes aus und. will die wirklich erschöpfenden und ausgezeichneten Ausführungen nur durch einige Bemerkungen ergänzen. Zunächst teilt er nicht den Pessimismus des Referenten betreffs der Kultusstenern und glaubt, daß der Eingang derselben auch in der'Zukunft keine Schmälerung infolge der angedeuteten Momente erleiden werde. Zur Friedhossfrage konstatiert er, daß dieselbe bereits vor zehn Jahren die Sorge des Kultnsvorstandes ge- ■ bildet habe. Damals, hat schon der Kultnsvorständ bel der , Kommune um Ueberlassung eines Terrains zur Erweiterung des- : Friedhofes angesncht und erst jetzt, als bereits das Areale für den neuen Friedhof erworben war, wurde ein Teil des ver-- langten Terrains der Kultnsgemeinde überlassen. Durch Erwähnung., dieser Tatsache soll unter anderem dargelan werden, daß der Kultnsvorständ sich sehr oft mit höchst wichtigen Angelegenheiten beschäftigt, dieselben aber nicht vor die Oeffentlichkeit bringen kann,- ohue die Interessen der Gemeinde zu verletzen'. Nach einigen Aufklärungen über die voraussichtlichen Kosten des neuen Friedhofes, die der Präsident auf zirka zwei Millionen veranschlägl,. sowie über die für das Kinderspiral zur Verfügung stehenden Kapitalien schließt er mit der Erwartung, daß es der Gemeinde auch in absehbarer Zeit möglich sein werde, ein neues Amtshans zu bauen, das nicht nur allgemein als.Bedürfnis empfnndew werde,. sondern auch einen alten Lieblingswunsch des Rednersbilde. Wilhelm Kuffner beantragt unter Hinweis auf das nachallen Richtungen anfklärende Referat und die wiederholten vor-- ausgegangeneu Verhandlungen en bloo-Annahme des Budgets ohne weitere Debatte. Dr. Schreiber wendet sich zunächst gegen diesen Antrag, weil es bei aller Geneigtheit, dem Expose des Referenten beiznstimmen, nicht angeht, die Gelegenheit zu schmälern, über einzelne Hauptfragen die Meinungen anszutanschen. Zunächst erscheine es nicht ganz einwandfrei, wenn die für den neuen Friedhof und die Subvention des Fngbachtempels eingestellten' Posten von L 120.000.—, welche dem errechneten Fehlbeträge' der Gebahrung nahekommen, der Jahresrechnnng zur Last geschrieben werden. Die eine Post erhöht Ewigkeitsreste der Gemeinde, die andere stellt eine außerordentliche Zuwendung an ein neues Gotteshaus dar, wofür eine fürsorgliche Verwaltung durch Ansammlung entsprechender Fonde bei Zeiten bestimmt sein soll. Mit Befriedigung begrüßt es Redner, daß durch die Einsicht des Präsidenten und seiner Kollegen im Präsidium ein langwieriger Diskurs in der Rabbinerfrage mit dem Tempelvereiue Brigittenau beseitigt wurde, und er gibt der' Hoffnung Raum, daß auch im neunten Bezirke, sowie am Leopoldstädter Tempeldie Rabbinerfrage baldigst eine, allseits befriedigende Lösung finden werde. Auch die in der Oeffentlichkeit' gegen den Rabbiner Mayersohn erhobenen Anwürfe müssen iw diesem Nahmen gestreift werden und es dürfe dem Rabbiner Mayersohn der Anspruch auf Gehör nicht versagt werden. Bei" Besprechung der Frage des Kinderspitales glaubt Redner auchauf die Kehrseite dieser gewiß segensreichen. Institution Hinweisen zu müssen, die sich darin - zeigen könnte, daß möglicherweise nufere jüdischen Aerzte, die ohnehin unter der arischen Konkurrenz, und Voreingenommenheit zu leiden haben, in ihren Exwerbsmöglichkeiten Abbruch erleiden. Nach Anerkennung der gegen-- wärtigeu Verwaltung erklärt Dr. Schreiber ohne jede Ein-- schränkung für die Annahme des Präliminares zu stimmen. It. Vizepräsident Hofrat Dr. Rappaport glaubt, auf zwei Momente Hinweisen zu müssen, die der Referent, gewiß unabsichtlich, nicht er.wähm hat: erstens die'nnabweisliche Regulierung: der Gehalte der Beamten und Funktionäre, die große Opfer' erfordern wird und zweitens die Erwägung, daß die großem Ausgaben für den neuen Friedhof keine Erhöhung der Einnahmen bringen. Das Budget der Gemeinde sei ein nicht sokarges, daß es ohne weiteres solch bedeutende Ansgabsposten wie die Erhöhung der Gehalte und die Amortisationen für den Friedhof ohne Störung des Gleichgewichtes bewältigen kann.- Znm Schlüsse dankt Redner für die ihm und dem Damenkomitee im Versorgnngshanse seitens des Referenten zum Ausdruck gebrachte Anerkennung. I. Vizepräsident Dr. Kohn erklärt in Erwiderung ans die '.Ausführungen des Dr. Sch re i b e r, daß die beiden Posten Mir K 50.00t) und K 70.000 für Friedhof und Fngbachtempell in das laufende Budget eingestellt werden müssen, da sie im heurigen Jahre verausgabt -werden. Was die eventuelle Schädigung der jüdischen Aerzte durch das Kinderspital betrifft, so dürfe zunächst die Kultnsgemeinde ans Rücksichtnahme auf individuelle Interessen nicht allgemeine Interessen vernachlassigeu