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Die Wahrheit · 1912-12-27 · Heft 50 (27.12.1912) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 50 (27.12.1912)
Date
1912-12-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 50 Die Wadrhen Leite >. Hältuiffe sichnicht ändern, was jedoch leider für die nächste Zeit micht zu.erwarten ist, im kommenden Jahre' vielfache Ansuchen .nm Steuerermäßigungen.zn erwarten haben. Wohl ist es richtig, daß wir bisher aus Neueinschätznngen won bisher noch nicht zustande gebrachten Steuerpflichtigen ans Mehreingänge rechnen könnenallein es darf nicht übersehen .werden, daß der diesjährige Ansfall dadurch, daß durch vier Todesfälle allein an Steuern LI 26.000 Wegfällen, der Ausfall dnrch Neueinschätznngen nicht so leicht gut gemacht werden kann. Zudem ist noch folgendes zu erwägen: Unser Wohträligkeits-Budget und unsere Wohlfahrtsanstalten nehmen von -Jahr zn Jahr immer größere Mittel der Gemeinde in Anspruch und wenn auch die Zuwendungen zn den Wohlfahrtsanstalten ständig einen Zuwachs erfahren, so genügt dies durchaus nicht, um allen Anforderungen auf diesem Gebiete zn entsprechen. Ob diesfalls ein mehr ökonomischer Standpunkt als er bis heute bestanden hat, wird eingenommen werden können, fast möchte ich dies bezweifeln. - Das Bewußtsein, daß wir zum Wohlrnn verpflichtet sind, ist in uns so lebhaft und so mächtig eingewurzelt, daß wir uns schwer entschließen, „nein" zu sagen. Und diese Schwäche bildet einen Teil unserer Kraft, sie ist gewissermaßen das Bindemittel, das zum neinanderhalten führt. Und so dürfen wir hoffen, daß wir. festaltend an der von Jeremias ausgesprochenen Devise: jabi* *6, die sich durch mehr als zwei Jahrtausende zu unserem Wohle bewährt hat, auch fürderhin den Wohltätigkeits- Pflichten, welche uns obliegen, nachzukommeu in der Lage sein werden. Ob schließlich nicht durch eine Reorganisation unseres Verwaltnngswesens eine nicht unwesentliche Ersparung herbeigeführt werden könnte, das möchte ich nur der Erwägung nahe- Aegen, enthalte mich jedoch, da dieses Thema zn weit führen würde, einer weiteren Erörterung. Ich verlasse nun dieses Thema und gestatte mir zu anderen Gegenständen überzugeheu. Im nächsten und beziehungsweise in den nächstfolgenden Jahren wird der Gemeinde die Erfüllung großer Aufgaben von weittragender Bedeutung obliegen. In erster 'Reihe wird sich der Vorstand mit der Errichtung des Kinderspitales zu befassen haben und wenn wir auch heute, obwohl wir schon seit längerer Zeit wegen des zu diesem Zwecke bestgeeigneten Platzes in Verhandlung stehen und uns der Hoffnung hingeben, daß uns die Erwerbung dieses Platzes gelingen wird, an einen Bau noch nicht denken können, weil wir. wie bereits -erwähnt, den Bauplatz noch nicht haben, so steht doch zweifellos fest, daß wir unter allen Umständ"» im kommenden Jahre an den Ban des Kinderspitales schreiten werden, um der Erfüllung der uns durch die edlen Spender übertragenen Aufgabe -ehestens gerecht zu werden. Allein es wird für Zukunft daran festgehalten werden Müssen, das Kinderspital in einem solchen Umfange herzustellen nnd einzurichten, daß der Betrieb dnrch die Erträgnisse des nach 'Bestreitung der Bau- und Einrichtungskosten erübrigenden Kai-pitalsbetrages gedeckt wird, damit wir nicht wiederin den Fehler verfallen, der bisher leider in anderen Fällen begangen wurde, wonach aus Wohltaten uns dauernde Lasten erwachsen sind. Wir werden von vorherein bezüglich des Betriebes, darauf -bedacht sein müssen, daß das Hauptaugenmerk auf das Ambulatorium und nicht auf eine im eigentlichen Spitale nnter- . zubringende größte Zahl von kranken Kindern gerichtet sein muß. Dies wird umsomehr notwendig sein, als wir nicht übersehen dürfen, daß bei den derzeitigen Kursen der von den Spendern diesem Zwecke zugeweudeten Wertpapiere bei dem 'Ankäufe des Bauplatzes, der Errichtung, dem Baue und der Einrichtung des Spitales schon dnrch Kursverluste eine starke Reduktion des für den Betrieb verbleibenden Deckungskapitales eintreten wird. Ich möchte dieses Thema nicht verlassen, ohne der folgenden Bemerkung Ausdruck zn geben. Es war eine merkwürdige Fügung, daß der Mann in hochangeseheuer gesellschaftlicher Stellung der Chef eines großen Welthanses und der Mann, der in einem kleinen Kabinette wohnte, sein Leben lang sich Entbehrungen auferlegte, ja in seiner ganzen Lebensführung ^fich der äußersten Sparsamkeit, um nicht einen anderen Ausdruck zu gebrauchen, beflissen, der Kreuzer auf Kreuzer, Gulden auf Gulden legte nnd auf diese Weise ein ansehnliches Vermögen znsammeubrachte, daß diese beiden so grundverschiedenen Männer sich in dem Gedanken begegneten, 'eine Heilstätte zu schaffen, für arme kranke Kinder. Ehre ihrem Andenken! Eine zweite große Aufgabe, mit der wir uns schon längst befassen und in hohem Maße werden iu der nächsten Zeit befassen müssen, ist die Anlegung des neuen Friedhofes. ' Wie Ihnen, sehr geehrte Herren, bekannt ist, haben wir bereits im Vorjahre den hiezu geeigneten Grund gekauft, teilweise aus eigenem, teilweise durch Aufnahme eines Darleihens bezahlt. Anläßlich des Einschreitens um die Banlinie ergab sich die Notwendigkeit zu Straßengrnndabtretnngen eine weitere Grundstäche zu erwerben. Die diesbezüglichen'Verhandlungen haben zn einer Einigung geführt. Es stellte sich jedoch im weiteren Verlaufe heraus, daß nicht so viel au neu zu erwerbendem Grund notwendig ist, als ursprünglich angenommen wurde, und zwar war im Verlaufe der Zeit eine Grenzverschiebnng zu Ungnnsten des von uns zuerst erworbenen Grundstückes eingetreten und hiedurch ein geringeres Flächenmaß zn Straßengrnndzwecken zuerwerben gewesen. Nun sind wegen Richtigstellung der Grenzlinien die Arbeiten im Zuge und erst wenn dies durchgeführt nnd richtige Grenzlinien sestgestellt sein werden, wird der Vorstand an die eigentliche Arbeit schreiten können. Daß hiedurch nicht bloß ein weiterer Betrag von zirka EI 48.000.— für den Ankauf der zu Straßeugruudzwecken dienenden Grundfläche notwendig war, sondern zur Applaniernng des Grundes, Einteilung desselben, Aufführung der Umfriedungsmaner rc., sehr bedeutende Beträge notwendig sein werden, daß wir das nicht aus den budgetären Eingängen zn decken in der Lage sein werden, daß wir also wiederum zn Anleihen greifen müssen, daß ist eine Tatsache, mit der wir rechnen müssen nnd mit der wir auch gerechnet haben. Diese Altslagen werden freilich nicht im Laufe des nächsten Jahres zur Gänze ju decken sein nnd wir haben hiefür vorläufig nur, wie Ihnen dargelegt wurde, einen Betrag von 50.000 K präliminiert, allein diese Herstellnligen lverden vom nächsten Jahre an sukzessive zur Ausführung gelangen müssen, da die relativ geringfügige Anzahl von Plätzen, welche in dem derzeitigen, diesem Zwecke dienenden Teile des Zentralfriedhvfes noch belegt werden können, wenn hoch gerechnet nur für noch vier Jahre ansreichen. Es ergibt sich daher die dringende Notwendigkeit sich im Lause der 'nächsten zwei Jahre mit dieser Frage gründlich und intensiv zu befassen. Ich gestatte mir bei dieser Gelegenheit eine Anregung zn geben, welche meiner unmaßgeblichen Meinung nach eine Vermehrung der Einnahmen zur Folge haben könnte. Ich habe schon vor Jahren, das letztemal als wir mit Ballestrin wegen Herstellung von Arbeiten anf dem Friedhose nnd wegen Uebernahme der Gräberausschmücknngen verhandelt haben, die Frage aufgeworfen, warum wir die Gräberausschmncknngen nicht selbst in die Hand nehmen. Die Lösung dieser Frage ivurde damals vertagt und ist bis heute noch eine offene. Wenn dieser meiner Anregung Folge gegeben und die Berasnng und Ausschmückung der Gräber auf unserem Friedhofe von uns selbst in die Hand genommen würde, so würde dies nach meiner Neberzeugnng nnd nach den Daten, die mir vorliegen, eine beträchtliche Einnahmsquelle für unsere Gemeinde bilden. Schon der Betrag, der uns von Ballestrin als vertragsmäßiger Anteil aus den Erträgnissen der Gräberansschmücknng zufließt, ist mit X 22.000.— veranschlagt nnd haben wir hierauf im Henrigen Jahre bis Ende Oktober K 21.000.— erhalten. Es ist nun fraglos, daß diese Einnahmsqnelle von Jahr zn Jahr eine Steigerung erfährt, weil zn den bereits bestehenden Gräbern immer neue hinzukommen, deren Ausschmückung von überlebenden Familienmitgliedern angeordnet und vielfach für alle Zeiten sichergestellt wird. Wenn wir diesen Betrieb selbst in die Hand nehmen, so würde uns statt wie gegenwärtig ca. LI 22.000.— weit über K 100.000.— zufließen. Man wendet dagegen zweierlei ein, 1. es sei dies nicht dem Ritus entsprechend, 2. daß wir als Gemeinde eine teurere Verwaltung haben, als ein Privatunteruehmen. Ich halte beide Einwände nicht für stich 8

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