Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1912
- Issue
- Heft 50 (27.12.1912)
- Date
- 1912-12-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3062972-3063623-3063673--08237-3075388- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 6 . ' Die Wahrheit .•. ...... Nr. 50. Diese Stiftung hat in der Verwaltung der israel. Kultusgemeinde in Wien zu verbleiben." . Für die Juden Lu den Balkanftaaten. Ueber Antrag des Vertreterkvllegiüms beschließt der Vorstand einhellig, für die zugunsten der notleidenden Juden in den Balkanstaateu eingeleitete Sammlung 5000 Kronen zu widmen und diesen Betrag der „Israel. Allianz zn Wien" als SaMmelstelle zn überweisen. Hierauf erstattet Herr Vertreter Dr. Leopold Kohn das Referat über den Borauschlag pro LSIL. Sehr geehrte H e r 'r e n! Bevor ich au die Erstattung des mir von unserem geehrten Präsidenten übertragenen Referates schreite, erachte ich es für meine Pflicht, vor allem pietätvoll desjenigen zn gedenken, der durch eine Reihe von Jahren an dieser Stätte das Bndgetreferat in ausgezeichneter und geradezu vorbildlicher Weise erstattet hat und zu unserem tiefgefühlten Bedauern iu seiner Vollkraft dem Leben entrissen wurde. Es ist mir eine tiefgefühltes Bedürfnis, diesem meinem Empstnden, welches Sie alle gewiß auch teilen, heute Ausdruck zn geben. Ich gehe sohin zur Ausführung der mir übertragenen Aufgabe über. Ich lege Ihnen hiemit die Voranschläge über die Einnahmen und Ausgaben unserer Knltusgemeiude für das Jahr 1913 vor. Inhaltlich desselben beziffern sich die Einnahmen mit K 3.327.428 65. die Ausgaben mit K 3.452.324 86. der Zuschuß ist sonach um K 21.33078 höher als im Vorjahre und ergibt einen Fehlbetrag von K 124.896 21. Zur Aufklärung über die Höhe dieses Fehlbetrages bemerke ich, daß derselbe vornehmlich in zwei außerordentlichen Ausgaben, welche nur für das Jahr 1913 in Betracht kommen, seinen Grund hat und zwar in der auf einem Plenarbeschlüsse beruhenden Post per L 70.000.—, welche den Beitrag zum Baue des Tempels in der Fugbachgasse bildet und in der Post per X 50.000.—, welche unter den außerordentlichen Ausgaben für Vorarbeiten auf dem neuen Friedhofsgrunde angeführt erscheint. Diese letztere Post bildet einen Teil des 'Anlagebetrages für den neuen Friedhof und wird seinerzeit, sowie die anderen noch bestehenden Ausgaben für diesen Friedhof zu dem Kaufschillinge zuznschlagen sein. Die Ihnen'vorliegenden Voranschläge weisen in den einzelnen Abschnitten folgende wesentliche Aenderungen aus. Abschnitt A. Bethänser. Kultus- und rituelle Angelegenheiten weist ans: Einnahmen K 250.638.—, Ausgaben K 656.365.—, erfordert daher einen Zuschuß von K 405.727.—, daher um K 92.243.— mehr als im Vorjahre. Abschnitt B. Unterrichts-Angelegenheiten weist aus Gesamteinnahmen K 61.204.96, denen Ausgaben von K 411.158.96 gegenüberstehen, daher ein Zuschuß von L 349.954.— erforderlich erscheint, gegenüber dem Vorjahre ein Plus von K 6096.—. Abschnitt C. Friedhofsuud Beerdigungs- Angelegenheiten weist aus Einnahmen K 941.165.26, Ausgaben K 502.442.—, daher Ueberschnß K 408.723.26. Abschnitt v. Israelitisches Spital weist aus Einnahmen K 248.394.09, daher K 8834.18 mehr als im Vorjahre, die Ausgaben betragen LI 457.323.— gegenüber dem Vorjahre höher um K 15.870.—. Es ist somit ein Zuschuß von K 208 952.97 erforderlich. Abschnitt D. I s r a e l i t i s ch e V e r s o r g u n g s a nstalt weist an Einnahmen aus K 130.065.91, somit gegenüber 1912 ein Plus von K 6428.81; die Ausgaben betragen K 223.532.—, daher um L 1798.:— weniger als im Jahre 1912, Zuschuß K 93.466*08. Ich darf annehmen, im Sinne des Vorstandes zu sprechen, wenn ich anläßlich des diese Institution betreffenden Teiles des Budget den Dank ausspreche dem geehrten Damenkomitee, welches seine eifrige Fürsorge dieser Wohlfahrtsanstalt zuwendet und vor allem der Frau Diamant, sowie unserem verehrten Vizepräsidenten Herrn Hofrat Rapaport, der sich mit seltenem Eifer die Angelegenheiten dieser Anstalt atigelegen sein läßt. Abschnitt L. A r m e n - u n b Wo hl t ä.t'i gkei t sang eleg en h ei te n: Einnahmen K 53.954.—,. Ausgaben K 410.340.—, Zuschuß JEC 356.386 —, um K 22.481.— mehr als im Vorjahre. v A b s chnitt Gr . Fina N H - un d Ä d m i n ist r a t i o n s - a n g e l e g en h e i t e n. Einnahmen L 1,639,932 35 Ausgaben K 720.722 60, Ueberschnß K 919.209 75. Hiebei ist zu . bemerken, daß die Post Knltnssteuer-' und Jmmatriknlations-- gebühren Einnahmen im Betrage von L 1.550.000 ausweisen, ein Plus von L 50.000 gegenüber dem Vorjahre. Fon d s u n d A n,st alte n. Beim Mannheimer Kinderasyl sind' Einnahmen und. Ausgaben die gleichen; ebenso bei. beu Heimstätte für jüdische Kinder. Bei der Post Israelitisches Kinderspital erscheinen derzeit nur Einnahmen im Betrage von L 137.363-68, vornehmlich bestehend aus den Zinsen der David von Gutmannschen Stiftung, ansgewiesen, da die Spitzbergersche Verlassenschaft derzeit noch nicht in Betracht gezogen werden kann, weil die Nachlaßabhandlnug noch im Zuge ist. Beim P e n s i o n s f o n d der israelitischen K n l t u sgemeinde in Wien halten sich Einnahmen und Ausgaben per K 59.002.30 das Gleichgewicht. Bevor ich meine weiteren Ausführungen fortsetze, erachte ich es als meine Pflicht, unserem bewährten Beamtenkörper, der mit anerkennenswertem Fleiß und Eifer seines Amtes waltet, unsere Anerkennung und unseren Dank ausznsprechen. Daß ich hiebei noch besonders die Leistungen unseres Liquidators Herrn Emil Katz hervorhebe, werden Sie gewiß begreiflich finden, da ich als Budgetreferent im heurigen Jahre am besten seine mühevolle Arbeit bei Ausarbeitung der Voranschläge zn würdigen in der Lage bin. Wenn ich mir das Gesamtbild unseres Budgets und dessen Details vor Angen halte, so gelange ich zn folgender Auffassung: Bei normalen Verhältnissen hätten wir allen Anlaß, von dem Voranschläge, in welchem nicht bloß auf allfällig notwendige Erhöhungen der Ausgaben, sondern auch auf eventuelle Ermäßigungen in den Einnahmen durch die Ansnahme der Reserven Bedacht genommen wurde, vollkommen befriedigt zu sein. Die Voranschläge für das Jahr 1913 sind wie in den Vorjahren sorgfältig zusammengestellt lind ebenso sorgfältig geprüft und behandelt worden und die Ansätze sowohl in den Einnahmen als auch in den Ausgaben sind vollkommen der Sachlage entsprechend. Und selbst das relativ geringfügige Defizit würde diese meine Auffassung nicht aiterieren können, weil demselben gleichfalls durch die Reserven genügend vorgesorgt erscheint. Allein, wenn mich nichtsdestoweniger ein gewisses Maß von Besorgnis schon heute wegen unserer wirtschaftlichen Gebahrnng im nächstfolgenden Jahre beschleicht, so liegt hiefür in erster Reihe der Grund darin, daß wir in einer sorgenschweren Zeit leben, vielleicht einer noch schwereren entgegensehen und aus dem allgemein befürchteten und vielfach schon, jetzt eingetretenen Niedergänge im Handel und Verkehr eine schwere Einbuße an den präliminierten Einnahmen entstehen können. Zwar haben im Jahre 1912, in welchem die Einnahmen der Knltnsstener dank unserem geschulten und äußerst eifrigen Steuerburean und dem an dessen Spitze stehenden Amtsleiter Herrn Popper und nicht minder dank den Bezirkskommissionen und der Schätznngskommission das Erträgnis das Präliminare per 1912 weit überschritten. Allein es hat .sich folgende bedenkliche Tatsache gezeigt: Im Laufe des Jahres 1912 ist durch einen Zuwachs von 1157 neuen Steuerträgern eine Mehrleistung von K 44.300 eingetreten; dagegen fallen bereits heute für das Jahr 1913 weg: infolge Todes 386 Steuerträger mit einer Gesamtsteuerleistung per K 56.920.—, infolge Verarmung 328 Steuerträger mit einer Stenerleistung von zusammen K 7.950.—-, infolge Austrittes aus dem Jildentume 60 Steuerträger mit einer Stenerleistung per L 7.690.—, infolge Uebersiedlnng 196 Steuerträger mit einer Steuerleistung per K 8120.—. Der voraussichtliche Ausfall beträgt daher K. 80.680.—. . Gegenüber dem Zuwachse von L 44.306.— durch Neueinschätznngen im Laufe des Jahres 1912 . ergibt sich bereits heute für das Jahr 1913 ein Ausfall von L 36.380.— Diese Tatsache gibt nm.so mehr zn denken, als wir, wenn die Ver-