Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1912
- Issue
- Heft 48 (13.12.1912)
- Date
- 1912-12-13
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Seite 9. Nr. 48 Die Wahrheit Zuhörer durch seinen glänzenden Bortrag. Die Festrede wurde-von Herrn k. Professor Dr. Heinrich Pollak gehalten. Nach dem Festgoltesdienste Wurde die Anstalt von den Gästen besichtigt. Wien. (G o l d e n e H o ch z e i r.) Samstag, den 30. November L. I. fand im Döblinger Tempel ein besonders feierlicher Gottesdienst anläßlich der goldenen Hochzeit des Ehepaares Moritz und Henriette Spitz statt. Im Anschlüsse an den Gottesdienst hielt un Sitzungssaale des Tempelvereiues der in Vertretung des B ü r g e r m e i st e r s der Stadt Wien erschienene Bezirksvorsteher und Reichsratsabgeocdnete des Bezirkes Kuh n eine Ansprache an das Jubelpaar und überreichte demselben die gebräuchliche. Ehrenspende. Hierauf wurde vom Schriftführer des Tempelvereincs die Adresse der Kultus gemeinde Wien verlesen, da ein Vertreter derselben nicht erschienen war. Wien. Samstag, den 7. d. M., verschied nach langem, schwerem Leiden der langjährige Rabbiner der Israel. Knltnsgemeinde in Flöhan, .Herr!y;]. T s ch a s s » i. Der Verstorbene, ein Mann von seltener Jntelllgeuz und Begabung, war noch einer der alten Schule und hat sich um die Erhaltung und Förderung des Judeutuins in den Gemeinden, denen er als Seelsorger wirkte, Verdienste erworben. Er war stets daraus bedacht, in der jüdischen Jugend die Liebe zum Judentum zu wecken und,bei den Mitgliedern der Gemeinde sie zu fördern und zu erhalten. Man wird ihm allenrhalben ein ehrendes Andenken bewahren. Die Beerdigung fand am :9. d. M. in Wien am Zentralfriedhofe isr. Abt. statt. Wien. P o v u l ä r - w i s s e n s ch a s t l i ch e F r e i t a g - Abend- Borträge. auch Frauen zugänglich, im B e t - H a m i d r a s ch „T a lin nd - Thor a". TI., Malzgasse 16. Am 13. Dezember d. I.. „W a s erzählt um s der Monat T e b e t?" von Professor Antscherl. Am 20. d. M.. „Die P j a l m e n". von Rabbiner H. sche n k. Beginn -jedesmal um halb 8 Uhr abends. Wien. Der Bethans-Verein „Tefilath Jeschurnn" im Prater veranstaltete Samstag, den 7. Dezember, int III. Kaffeehause eine Akademie mit Tanzkränzchen unter dem Namen „Channkafeier", welche den jetzigen Verhältnissen entsprechend, sehr gut besucht war. Die Veranstaltung, welche .-unter der bewährten Leitung des Obmannes,. Herrn Heinrich B o n d l>. glänzend. verlies und sämtliche Besucher vollauf befriedigte, trug zur Stärkung des Bethaus-Erhaltnngsfondes erheblich bei. Unter den Anwesenden bemerkte man die Herren Bezirksräte G ü n t h e r und B a ck, Herrn Oberkantor Jos. M o r g e u st ent und andere Persönlichkeiten. Das .Fest schloß in animiertester Stimmnng in den ersten Morgenstunden. In würdiger Weise schloß sich dem Festabend die eigentliche Chauukafeier an, welche Sonntag, den 8. Dezember, nur 4 Uhr nachmittags, im Bethanse abgehalten wurde. Etwa 200 Schüler und Schülerinnen der Lese- und Bibelschule waren mit ihren Angehörigen versammelt, um das schöne Fest zu begehen. Andächtig lauschten die Anwesenden den Gesängen und Borträgen. Nach feierlichem Entzünden der Channkalichter durch zwei Knaben brachten, weitere sechs Knaben und 17 Mädchen eine' größere Anzahl, das Chanikafest behandelnde und andere Gedichte religiösen Inhaltes in vorzüglicher Weise zum Bortrag und ernteten allgemeines wohlverdientes Lob. Vollste. Anerkennung für die Mühe und den Fleiß, mit welchem sie die Feier unter zielbewußter Leitung des Bethans-Vorstandes, Herrn Moritz B o n d y, in Szene setzten, erwarben sich die Herren Lehrer Marc. Pick und B. Benedict, welch letzterer auch die wirkungsvolle Festprediqt gehalten hat. Die kantoralen Funktionen versah Herr Oberkantor C h a j t m a n höchst befriedigend. Der Obmann, Herr Heinrich B o n d y, hob die Verdienste der Herren Lehrer um die Schule in seiner Änsvrache besonders hervor. Mit dem Kaisergebet und der Bolkshymne schloß die schöne Feier. Wien. Der Jüdische Schnlverein im X. Bezirk veranstaltete am -4. Dezember im Tempel, X., Humboldtgaffe 27, eine Chauukafeier. Es war geradezu eine Augenweide, auf die große Schar der Schüler und Schülerinnen zu schauen. Erhebend war, als aus dem Munde dieser 400 Kinder das „Moaus Zur" im Chor so harmonisch erklang. Das ist ein Verdienst des Herrn Oberkautor I. Schlesinger, der in der Schule des Jüd. Schnlvereines alle liturgischen Gesänge mit den Kindern, einübt. Den Glanzpunkt dieser Feier aber bildete die meisterhaft gelungene Ansprache des Herrn Rabbiners Dr. Mandel als Leiter dieser Anstalt. An diese Feier werden sich die Kinder noch lange mit Vergnügen erinnern. Wien. Der Elternverein „Pestalozzi", I., Eßlinggasse 15, ver- .anstaltet am Mittwoch, den 18. Dezember, um halb 5 Uhr nachmittags, im Festsaale des Hotel „Bayrischer Hof" wie alljährlich auch heuer ein .Kinderfest (Kinderjause). Bei diesem Feste werden Kinder ein Liederspiel mit Deklamationen anfführen. Ebenso werden turnerische Uebungen sowie Reigentänze vorgesührr. An der Spitze des Komitees stehen die Bereius- Vizeprüsideuten, die Herren Arnold Lemberg er und städtischer Lehrer Josef Stern. Diese Heiden Herren bürgen für eine schöne und genußreiche Veranstaltung. Es ist mit Bestimmtheit anzunehmen, daß sich die Gönner des Vereines als auch die Freunde einer modernen Kinderfürsorge zahlreich einsinden werden. Wien. (M i s r a ch i-Wien, II., Zirknsgasse 20.) Die am 8. d. stattgehabte konstituierende Generalversammlung hat in die Vereinsleitung berufen die Herren: A n st e r l i tz August, Austerlitz Isidor, Leitner Julius, März Jakob. Neurath Emil, S p i e g el Markus, Stern Jakob. In .der nun folgenden Sitzung, der neuen. Vereinsleitung berief dieselbe zum Obmanne Herrn Isidor Ä u st e r l i tz. zum Obmann-Stell- Vertreter Herrn Emil Neurath und Herrn Jakob März, zum Kassier Herrn.Hülms Leit ne r. Ferner wählte die Generalversammlung als Revisoren, die Herren Mendel Ko hu und Leopold Ullmann. Wien. (K o n z e r t a! a d e m i e.) Wie alljährlich veranstaltet der Wiener Synagogensäitger-Verein auch heuer am 14. d. M. halb 10 Uhr ubends, eine große Konzertakademie im Hotel „Bayrischer Hof", bei welcher der k. k. Hofopernsänger Herr Josef S ch w a r z, Herr Oberkantor Jose 21t o r g e n st e r n, Herr Prof. Fritz B r u n e r, erster Konzertmeister der Wiener Bolksoper (Violine), Fräulein Käthe Paste, Operusäugerin, und der Männerchor des Wiener Synagogensäuger-Bereines Mitwirken werden. Das Reinerträgnis dieser. Veranstaltung fließt dem Kraukenunterstütznngsfonds der Wiener Tempelsänger zu. Karten zu X 2.— und X 1.— sind erhältlich beim Obmann Herrn Salo L e m b e r g e r, II., Große Schiffgasse Nr. 11, beim Kassier Herrn Michael S tr i ks, II., Schiffamtsgasse 20 und im „Cafe Reklame", Ü., Praterstraße 34. Diese künstlerische Veranstaltung erfreut sich immer des regsten Zuspruches und empfiehlt es sich daher, rechtzeitig sich die Entreekarten zu sichern. Baden. (C h a n u k a f e i e r.) Wie alljährlich veranstaltete der hierortige israelitische Franen-Wohltäiigkeitsverein, der ans dem Gebiete der Armeltunterstütznttg. insbesondere in der Badesaison, unermüdlich Großes leistet, zur Channkafeier eine Bekleidung unserer bedürftigen Schuljugend, wovei dieselbe mit vollständiger Wiitteradjustiernug ansgestattet wurde. Am Abend des ersten Chanukatages veranstaltete der Vizepräses Herr Sigmund Rausuitz für die bedachten Kinder im Hotel Gebrüder Rausnitz ein Festmahl, bei welchem die freudestrahlenden Kinder mit einer reichlichen, gute Dinge enthaltenden Jause unter musikalischen Klavierklängen bewirtet wurden. Anwesend bei diesem herzerfrenenden Feste waren die Vorstandsdamen des Vereines: Präsidentin Frau-Julie L e r t n e r, Kassaverwalterin Frau Sophie Leittier, die Frauen Rosa Schneider, Marie Schreiber. Frau Dr. Raab. Frau Dr. P o l a t s ch e k als Gast, ferner die Herren: Beirat Moritz L e i tu e r, Kultuspräsident und Sekretär I. Jnfeld. Die Stimmung der Kinder war eine sehr gehobene; ohne Aufforderung saugen sie unter Klavierbegleitung diverse Schnllieder und schloffen mit der Jntoitlerung der Bolkshymne. worauf alle Anwesenden ein dreimaliges Hoch ansbrachten. St. Pölten. Am 1. Dezember fand die Knltusansschußwahl, unter äußerst starker Beteiligung der Mitglieder statt. Unserer mehr als sechs Jahrzehnte alten Knltiisgemeinde, deren Mitglieder immer in Frieden und Harmonie gelebt, bat dieser, von Seite der „Leichtpartei", mit Terrorismus gefüyrte Wahlkampf den Frieden gekostet. Erbgeseffene, verdienstvolle Mitglieder, deren Verdienst es ist. das Problem der Tempelfrage endlich gelöst und an dem Aufbau durch drei Jahre unermüdlich mitgewirkt zu haben, wurden verdrängt, weil sie daran festhielten, der Tradition und Vorschrift gemäß das „Oron-Hakodesch" gegen „M i s r a ch" zu stellen und nicht dem Wunsche des Vorstehers Leicht gemäß gegen Nordosten, wie auch tatsächlich dem neuen Tempel diese letztere Gebetrichtung gegeben wurde. Eine weitere Ursache dieses Wahlkampfes war, daß der vräliminierte Bankostenbetrag samt Inneneinrichtung von X 93.000 um mehr als 50°/0 überschritten wurde. Vorsteher Leicht motivierte diese Ueberschreitnng mit der Ausrede, daß erstklaffiges Material genommen wurde, daun mit der Vermehrung der Sitzplätze. Dies alles war aber schon vorhergesehen bevor der Plan gemacht wurde, nur die Hausmeisterwohnuug war nicht inbegriffen. diese kostet bloß Iv 1000. Es bat daher den Anschein, daß die bedeutende Ueberschreitnng der ursprünglich prälimiuierteu Summe von 93.000 X nur der Vorwand war, um bei der Abstimmung über die Pläne dem Plan I zum Durchbruch zu verhelfen. Bemerkenswert ist. daß Vorsteher Albert Leicht mit einer geringen Majorität gewählt wurde. Biele Funktionäre der Chewra-Kadischa haben ihre Stellen niedergelegt. Eine Siegesfeier im Gasthof „zum schwarzen Adler" bildete den Schluß dieses Wahlkampfes. Sapienti sat. I. K. . Gewitsch. Eine schöne erhebende Ch annkah-Feier wurde am 8. d. M. an der hiesigen israelitisch-deutschen Volksschule abgehalten. Nach feierlichem Abendgottesdienste im hellerlenchteten Tempel, wobei die Schuljugend unter bewährter Leitung unseres Kantors Herrn Adolf Dnckesz beim Anzünden des Chaunkalichtes das „illoos Zur“ trefflich sangen, begaben sich die Kinder der hiesigen Volks- und Bürgerschule und in Begleitung der Gemeindevertretung, des Ortsichulrates und eines distinguierten Publikums in das Schulzimmer. Dortselbst hielt nach einem Chorweiheliede in Vertretung des Herrn Rabbiners Dr. David K e ß l e r der Schulleiter Herr Moritz G o t t l i e b eine kurze Ansprache, worin er auf das Licht als die Quelle der Wohltaten hinwies, gedachte hiebei der Schulstiftnugen für die armen Kinder, wie wohltätig heute bei der so armen Gemeinde solche Stiftungen für die Schule sind. Nach ernsten und heiteren Vorträgen und Liedern von seiten einzelner Schüler wurde daun die Beteilung der Bekleidung an arme Schüler vorgenommeu. Aber auch andere Knrder wurden mir schönen Geschenken bedacht, sodaß die Jugend noch lange an diesen Abend mit Freuden sich erinnern wird. Trebitsch. Sonntag, den 1. Dezember d. I. war »ns eine eigenartige Ueberraschnng zuteil. Es fand hier die Trauung des Herrn Dr. H. Schwenger, Rabbiners in Zundenbnrg. mit Fräulein C. Weisel von hier statt. Unser ehrw. Rabbiner Dr. I. S t ö ß l e r hielt nun bei dieser Gelegenheit eine rein hebräische Ansprache an den Herrn Bräutigam. Alle Anwesenden waren von dem originellen Einfall wie von der Schönheit der hebräischen Sprache entzückt. Die deutsche Traunngsrede war in Stil, Inhalt und Bortrag gleich meisterhaft und erzielte die gewünschte Wirkung. Die kantoralen Funktionen versah unser Herr Oberkantor M. Fuchs vom Tempelchore begleitet in gewohnter Gediegenheit. Die Knltusgemeinde Lnndenburg hatte eine Deputation, bestehend ans dem Kultnsvorsteher Herrn Holländer, dem Oberkantor Herrn Golden der g. dem Männerquartett des Tempelchores und deffen Obmann Herrn Roger entsendet. Auch sonst sah man unter den Anwesenden Vertreter der hiesigen Kultusnnd politischen Gemeinde, des Ortsschulrates, der Lehrerschaft rc. rc. Das Festmahl war durch gemütliche, anregende Stimmung ausgezeichnet. Es sprachen die Herren: Kultnsvorsteher Holländer, Bürgermeister A. Freund, Oberkantor Goldenberg, der Bräutigam sowie last not least ehrw. Rabbiner Dr. Stößler, der Gelegenheit gab, ihn als geiftsprühendeu Tisch-