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Die Wahrheit · 1912-12-13 · Heft 48 (13.12.1912) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 48 (13.12.1912)
Date
1912-12-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Nr. 48. Seite 8. Die Wahrheit. einem österreichischen Glaubensgenossen Simon Arzt gegründet. Gegenüber der Synagoge bestndel sich die Moschee, deren Minaret ich in Begleitung des befreundeten egyptischen Beamten ohne Anstand besteigen konnte, und nicht weit davon ist eine koptische Kirche, die in ihrem Inneren bis auf wenige Embleme nicht viel verschieden ist von einer — lehawdil — kleinstädtischen Synagoge in Galizien. Die Frauenabteilnng ist durch ein ordentliches Gitter wie in unseren orthodoxen Bethänsern abgesondert. Um 5 Uhr, als die Sonne sich senkte, setzte sich unser Schiff in Bewegung und fuhr am majestätischen Lesseps-Denkmal vorbei, das die Einfahrt in den Hafen beherrscht, um jener Meeresküste von Jaffa znznstenern, von welcher der Prophet Jona seine Reise unternommen und wo nach der griechischen Sage Andromeda au einen Felsen geschmiedet war, bis sie von Perseus befreit wurde. Die Khedivial-Schiffe sind nicht sehr bequem, aber ein herrlicher Mondschein strahlte über der ruhigen See, und das Bewußtsein, bald am Ziele zu sein, entschädigte reichlich für die Strapazen. Mein Kabmengenosse, Rev. Shandel ans Ramsgate, -er sich in Kairo als Vierter unserer Gruppe angeschlossen hatte, und ich. schliefen wenig. Um 6 Uhr früh verrichteten wir bereits auf Deck unser Morgengebet. Wir waren bei den Worten: „Ein neues Licht wirst du über Zion erstrahlen lassen und es möge uns bald vergönnt sein, es zu schauen", als die Sonne anfging und sich das Ufer von Er ez Israel unseren Blicken zeigte. M. Gmain» el Stern Mendl B'ri Stern genannt. (Zu seinem 100. Geburtstag.) Hundert Jahre sind seit der Geburt dieses hervorragenden jüdischen Schriftstellers ins Land gelaufen, und dies scheint uns begründeter Anlaß, durch einige Mitteilungen über seinen Lebenslauf und sein Wirken sein Andenken pietätvoll zn ehren. M. E. Sterns Vater war ein überaus frommer und geachteter Talmudgelehrter in Preßburg namens Isaak Stern, dessen seligster Wunsch dahin ging, seinen Sohn Mendl für den rabbinischen Berns auszubilden. Tatsächlich oblag auch der junge Stern mit großem Eifer und Erfolge den talmndischen Studien in dem berühmten Lehrhause des großen Gelehrten Rabbi M. Schreiber, ^siv NDv '*i, aber nach dem Hinscheiden seines frommen Vaters änderte er, vielleicht aus freiem Antriebe, vielleicht auch durch äußere Verhältnisse gezwungen, den Entschluß, Rabbiner zu werden, und trat als Literat und Korrektor in das große jüdische Buchdruck-Hans Anton Edlen v. Schmid ein. In diesem Welthause, wo er vielfach Gelegenheit hatte, seine wissenschaftlichen und literarischen Kenntnisse zu bereichern, begann die literarische Laufbahn des unermüdlichen Stern. Aber seine Stellung hier war zunächst keine langdauernde und wir sehen ihn bald als Oberlehrer an der jüdisch-deutschen Schule in Eifenstadt. wo er bestrebt war, der deutschen Bildung Eingang in den Unterricht zu.verschaffen. Den allgemeinen Anschauungen der damaligen Zeit entsprechend, stieß dieser Plan auf den Widerstand des orthodoxen Rabbi, der den deutschen Unterricht nicht bewilligen wollte, und so verließ M. E. Stern Eisenstadt, um eitlem Rufe der mährischeti Gemeinde Triesch Folge zu leisten. Diese kleine Gemeinde, welche nach der Vertreibung der Inden aus Jglau zu einiger Blüte gelangte, besaß stets tüchtige Seelsorger und Jugendbildner wie es auch der vor einigen Jahren daselbst Heimgegangene Rabbiner und Pädagoge M. L. Stern tvar. Nur kurze Zeit bekleidete M. E. Stern die Oberlehrerstelle in Triesch, denn wieder reflektierte das inzwischen begründete Buchdrucker-Haus Franz Edlen v. Schmid und I. I. Busch in Wien ans die Mitarbeiterschaft Sterns und in dieser Stellung erst begann die große literarische Arbeit, die seinem Namen berechtigten Nachruhm brockte. Im Jahre 1845 überreichte Stern 15 Bände seiner Schriften dem Kaiser von Oesterreich. Dieselben wurden huldvoll für die Privatbibliothek angenommen, der Obersthofkämmerer Graf v. Dietrichstein händigte dem Verfasser ein Belobnngs-- schreiben des Kaisers ein und gleichzeitig wurde dem Autor diegoldene Medaille für Wissenschaft und Kunst verliehen; auch die morgenländische Gesellschaft zu Leipzig nnd Halle zeichnete denwackeren Schriftsteller durch ein Diplom aus. M- Emanuel Stern stand wie ein Hoherpriester, von der' hohen sittlichen Grundlage des echt jüdischen Geistes erfüllt, in seinen literarisch-jüdischen Bestrebungen. Sein fein geglätteter Stil und die metrisch klangvollen Uebersetzungen erregten viele Bewunderung. Mit seinen geistreichen Werken nnd Schriften hat. er der Menschheit genützt und sich die dankbare Anerkennung, der Nachwelt begründet. Auch das Judentum darf stolz sein — stolz bleiben — einen solchen Sohn besessen zu haben. Nur zn oft und zn leicht vergißt die Nachwelt die Namen solcher Männer, welche bestrebt waren, den jüdischen Geist zn hegen und zn pflegen nnd Werke der jüdischen Wissenschaft zn verbreiten. M. Emanuel Stern hat aber für seinen Ruhm so viel getan, daß seinem Andenken eine Ehrenstelle in den Annalen der jüdischen Literatur gesichert bleibt. In Nachfolgendem wollen wir noch eine alphabetisch geordnete Uebersickt seiner Schriften geben: Askoroth Nephesch (Dichtungen), Beth Hassepher (1842), Biknr H'nittim (1844), Dichtungsblüten (1843), Fromme Zionstochter (1846), Hymnen an die göttliche Einheit (1840), Jzachel (1842), Klänge ans der Vorzeit (1841), Kochbe Jizckok, prer '2212 (1845—1846), König Sauls Glück mtb Ende, dramatisches Gedicht (1833), Machsor mit Metrischer Uebersetzung (1844), Maßlnl Leschon Eber, Handbuch für hebräische Sprache (1832), Perlenblumen (1832), Perlen des Orients (1840), Rachel (1845). Slichoth (Ueberietznngen) (1842), Sprüche Salvmons (1833), Weisheitssprnch I. des Sohnes Sirach —- Tiphereth Hatischbikh (1839), Zeitstimmen (1841), Zioniden (1837—1845).! Albert Lö w. Merschiedpne Nachrichten. Wien. Freitag, den 13. Dezember 1912, Predigt im Leopoldstädter Tempel des Herrn Rabbiner Dr. M. R o s e n m a n u. "— Freitag, den 20. d. M., findet wegen des Fasttages (^ssorod dsts-wss) keine Predigt statt. Wien. (Vortrag ans j ü d i s ch e r G e s ch i ch t e, L i t er a t u r nnd Kultur.) Donnerstag, den 19. Dezember 1912, um halb 8 Uhr' abends, findet im Festsaale des Ingenieurnud Architektenvereines, 1., Eschen-- bachgasse 9, ein Vortrag des Herrn k. k. Negierungsrat Professor Dr. Wilhelm Jerusalem statt. Thema: „Der Knltnrwert des Judentums." Eintritt' frei, ohne Karten. Wien. (Jüdische Totznbeehalle, XX., Othmargasse 46.)- Beginn der Vorträge: An Wochentagen ^8 Uhr, Samstag, sowie an Sonn- und Feiertagen 7 Uhr abends. Eintritt frei für jeden.Erwachsenen!. Vortrags-Programm für die Zeit vom 14. Dezember 1912 bis 20. Dezember 1912: Samstag, den 14. Dezember, Konzert. Arrangement Herr Friedrich Herz. Sonntag, den 15. Dezember, „Neues und Altes aus denn Lande der Väter" (Vortragszyklus mit Lichtbildern, I. Teil), Neiseeindrücke von Jakob Bronne r. Montag, den 16. Dezember, Deutscher Literatur- Zyklus. (Fortsetzung). Dienstag, den 17. Dezember, Bilder aus der jüd>. Geschichte (Zyklus). Prof. Dr. K. Kupfer. Mittwoch, den 18. Dezember, Das Leben nnd Wirken zweier Rabbiner-Größen, Prof. M. Antscherl. Donnerstag, den 19. Dezember. „Die -Entstehung der Lebewesen", niebl Ernst D u s ch a k. Freitag, den 20. Dezember, Bibelvortrag. - ■ ' Wien. (Beförderung.) Der Minister für Kultus und Unterricht hat den Professor am Maximiliangymnasium, Dr. Heinrich P o l l a k, im die VH. Rangsklasse befördert. Wien (C h a n n k a f e i e r in der isra el. V ersorg ün g sanstalt.) Am 7. Dezember 1912 wurde, wie alljährlich, in der Versorgnngsanstalt die Channkafeier abgehalten. Zu derselben waren erschienen: der Präsident der isr. Knltusgemeinde Dr. Alfred Stern mit den Vizepräsidenten Dr. Gustav Kohn und Hosrät Dr. Rappaport,. der Obmann der Versorgungsanstalt Salo Cohn, Vorsteher Adolf S ch r a m e k, Tempelvorsteher Wasservogel, kais. Rat Dr. L i e b e n> Sekretär Dr. Emil Adler mir den Beamten Jofef P e r e r s e l k <v Rudolf Kraus und Richard Vogel.- Börserat S t e i n h ü b e l, Hugo K a d i s ch. Spitaiverwalter Dr. K o r a n y. Adolf Sing er, Dr. H alberstamm, k. k. Provisor Roch miß, Josef Witrofsky. Ferner die Damen: Präsidentin Jda D > a m a n t. Marie T e l e k y, Jda Eise nschitz, Nanny David, Jenny Adler, Adele v. M i s e s, Clementine Wiener, hermine Kadisch, Martha Stiaßny, Sophie Seligm a n n. Clotilde B e n e d i k t, Therese G e i s e n h e i m e r, Frau Primarius Dr. I n f e l d, Frau Scheu ierer und Frl. Tochter. Frl. R a p p a-. Dort, sowie Vertreter nnd Vertreterinnen verschiedener Vereine, n. v. 91;- Der Gottesdienst wurde vom Oberkantor M o r g e n st er n mit dem . Leopoldstädter Chor versehen. Herr Oberkantor Morgenstern entzückte die

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