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Die Wahrheit · 1912-12-06 · Heft 47 (6.12.1912) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 47 (6.12.1912)
Date
1912-12-06
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 47. Die Wahrheit Seite Fcanenwohltätigkeitsverein im 16. uub 17. Bezirk und gegen den Jfraetmschen Frauenverein im 18. Bezirk angestrengt, daß sie anznerkeunen haben, daß ihm allein das Legal gebühre und daß sie m die Ausfolgung des bei Gericht erliegenden Legats zu willigen haben. Dieser Anspruch wurde damit begründet, daß der Israelitische Franenwohlrätigkeitsverein Jahrzehnte hindurch der einzige derartige Verein war und unter dem Namen „Israelitischer Frauenverein" allgemein bekannt war und wieder- .holt Legate unter diesem Namen erhalten habe. Auch sei der Verein dem Erblasser bekannt gewesen, weil seine Mutter Mitglied des Vereines war nnd er dem Verein bei ihrem Ableben eine Spende machte; auch sei er ein persönlich Bekannter der Präsidentin des Vereines Baronin Königswarter nnd des Vorstandsmitgliedes Max Paul Schiff gewesen. Die Vertreter der beklagten Vereine juchten aus dem Wohnsitze des Erblasiers und aus dem Umstande, daß er speziell für Währing große Legate gemacht habe, darzntnn, daß nicht der allgemeine Verein, sondern ihre Vereine die Änsprnchsberechtigten waren. Das Landesgericht hatte der Klage des Israelitischen Frauenwohltätigkeilsvereines stattgegeben, weil nur dieser schlechthin unter dem Namen „Israelitischer Franenverein" bekannt sei nnd .auch der Umstand, daß die Mutter des Erblassers Mitglied des klagenden Vereines war, es wahrscheinlich mache, der Erblasser habe diesen Verein gemeint. Die von Dr. Welt für den Verein „Znflncht". Dr. Medak für den Hernalser und Dr. Grünberger für den Israelitischen Fcauenvereiu in Währing eingebrachte Berusnng wurde heute vom Oberlandesgerichr unter dem Vorsitze des Hofrates Dr. Kränze! z u r ü ck g e w i e s e u. Wien. Der Obmann des Tempelvereines im VIII. Bezirk, Herr .Hermann Beck, feierte Dienstag, den 3. Dezember, mit seiner gleichfalls in den weitesten Kreisen bekannten Gattin Frau Amalia Beck, die zur Anerkennung ihres vielfachen gemeinnützigen Wirkens von Sr. Majestät dem Kaiser ansgezeichner wurde, das 40 jährige Hochzeitsfeft. Aus diesem Anlasse fand am Vorabende im Hause des Jubelpaares ein Familienfest statt, dem der Vorstand des Tempelvereines, der Rabbiner, die Kantoren und Beamten desselben, sowie einige intime Freunde zngezogen waren. 'Namens der Familie überreichte Herr Adolf B e ck, mir einer herzlichen Ansprache die vom Maler Z e w i meisterhaft ansgeführten Porträts des Jubelpaares und der Vorstand des Tempelvereines brachte als Jubelgabe einen prachtvollen Silberpokal, wobei Schriftführer Dr. Goldberger die Ansprache hielt. Bei dem festlichen Mahle sprachen noch Rabbiner Dr. Bauer, Vorsteher N o b i t s ch e k und Hofrar Dr. Schlag nnd mir bewegten Worten dankten auch Herr und.Frau Beck für die ihnen bereiteten Ovationen. Kantor Grob trug einen zu dem festlichen Anlässe von ihm verfaßten Mischeberach ans das Jubelpaar und dann einen Mischeberach auf den Vorstand vor, den Sekretär R o s e n b e r g im Namen der Besamten machen ließ. ' Wien. Der „Allge m. Kranken- und Unterstützungs- Verein „Montefiore" beging das 30. Jahr seines Bestandes durch Veranstaltung eines Festgottesdienstes. der am 1. d. M., 1I25 Uhr nachm., im Leopoldftädter Tempel stattfand, den der Vorstand der Israel. Kulcnsgemeinde in entgegenkommender Weise zur Verfügung gestellt hatte. Mit dieser Jubiläumsfeier war auch die Einweihung einer neuen, vom genannten Vereine für sein temporäres Bethans angeschafften Thorarolle verbunden. Die Anschaffung dieser Thora entsprang der Initiative der .Herren Rudolf und Arnold G n t t m a n n, welche zum Andenken an ihre sel. Eltern zu diesem Zwecke einen namhaften Betrag spendeten; desgleichen wurden von den Herren Edmund Hofmann nnd Moriz Mund größere Spenden gewidmet. Die Einweihnng der Thora wurde unter dem üblichen Programme vollzogen. Herr Obcrkautor Morgen st e r n entzückte durch den künstlerischen Vortrag der Gesänge und Rabbiner Dr. A b e l e s erzielte mit der glänzenden Feftpredigt, die das 30jährige humane Wirken des Vereines und insbesondere dessen Aufschwung in den letzten fünf .Jahren unter der Aegide des Präsidenten Herrn Bezirksrat Edmund .H o f m a n n betonte, große Wirkung. Ueberaus wirksam und präzis waren auch die Darbietungen des Tempelchores, der unter der bewährten, ausgezeichneten Leitung des Dirigenten Herrn I. Heimann stand. Die bei der Einweihnng der Thorarolle üblichen Ehrenfunktionen wurden vom Ehrenpräses des Vereines, Herrn Moriz B o n d i, dem Präsidenten, Herrn Bezirksrat Edmnud H o f m a n n, nnd dem Ehrenmitgliede Herrn Ignatz Beckmann vollzogen, während das Arrangement für den Festgottesdienst von dem Schriftführer des Witwenfondes „Montefiore". Herrn Karl Kalma n, und Herrn Adolf M a r m o r c k in anerkennenswerter Weise getroffen wurde. Dem Festgottesdienste wohnten bei: In Vertretung der isr. Kultnsgemeinde die Kultnsvorsteher Herren Dr. Mark. Spitzer nnd Adolf Schrame k, die Temvelvorstände Herren W a s s e r v o g e l nnd Freu n d, die Gemeinderäte Herren Ferd. Eder und Sigm. K o d i o e k, für die Bezirksvertretnng Leopoldstadt Herr Bezirksrat Dr. Brady, die Herren Oberkantor Bauer und Kantor Löwit von der isr.-türk. Gemeinde, die Aerzte des Vereines und ein großer Teil der Mitglieder, die Herren Obmann R o s e n b l a t t nnd Kassier Löwy für den Verein ^Nächstenliebe", in Vertretung des „Vereines zur Bekleidung armer alter Männer" die Herren Präsident Isidor Schwarz nnd Kassier P l a n e r. in Vertretung des Vereines „Selbsthilfe" die Herren Obmann P l a s ch ke s und Schriftführer Emme r. für den Verein „Menschenliebe" Herr B e l l a k, für den Verein der Hollitscher der Obmann Herr Lud. Tansky, rc. Am Abend fand im Hotel Europe, IL, Aspernbrückengaffe, ein Festessen statt, an welchem Herr Bezirksvorsteher-Siellv. Ernst K l e b i n d e r samt Frau, Herr Rabbiner Dr. Abel es samt Frau, Vereinsarzt Dr. Straus ky. Herr Oberkantor Morgenstern nnd zahlreiche Bereinsmitglieder mit ihren Frauen teilnahmen. Den Reigen der Toaste eröffnete der Ehrenpräses des Vereines, Herr M. Bond i, der in längerer Rede die Leistungen des Vereines seit seiner Gründung beleuchtete; hierauf sprachen Bezirksvorsteher-Stellv. K l e b i n d e r, sowie Rabbiner Dr. Abeles, Bereinsarzt Dr. Straus ky, der Obmann des Witwenfondes „Montefiore", Herr Jul. Mühlrad, zum Schluffs der Verein-Präsident Bezirksrat Edm. H o f m a n n. Erst gegen Mitternacht endete diese schöne, animierte Feier. Petersburg. Dem Reichsdnmaabgeordneten F r i e d m a n n sind aus vielen Dörfern der Gouvernements Jekaterinoslaw, Podolien und Wolhynien Klagen über Ausweisungen von Inden zugegangen. So sollen aus dem Kreise Dubus in Wolhynien 200 jüdische Familien ausgewiesen werden, ebenso zahlreiche Familien ans Lugansk, Dunajewza und anderen Ortschaften. Zahlreiche Juden, die auf Grund des Srolypinschen Rundschreibens vom Jahre 1907 in Dörfern des Gouvernements Kiew leben und auf Befehl des Generalgonvernenrs -Trepow nunmehr ausgewiesen werden sollen, haben beim Minister des Innern gegen diese ungesetzliche Maßregel protestiert. Jüdische Bühne. Direktion M. Siegler. „Hotel Stefanie", II.. Taborstraße 12. Freitag, den 6. und Samstag, den 7. Dezember. „Kol N i d r e", Operette in 4 Akten von Scharkansky. Sonntag, den 8. nnd Montag, den 9. Dezember, „M e n s ch soll man fei n", Operette ul 4 Akten von M. Schorr. Sonnrag, den 8. Dezember, halb 4 Uhr nachmittags, „Die Seder-Nach t", Overette in 4 Akten von I. Lateiner. Dienstag, den 10. Dezember, Wohlrätigkeits-Vorstellung zu Gunsten der Fr. Edelhoffer unter freundlicher Mitwirkung des Tenoristen Herrn Max H e r z b e r g, „D ns Pintale Jü d", Operette in 4 Akten von B. Tomaichewski. Mittwoch, den 11. Dezember, Wohltätigkeits-Vorstellung „M e n s ch soll man sei n". Donnerstag, den 12. Dezember, Verein „Rasche Hilfe" „Der komische Herrscher", Operette in 4 Akten von Scheikowicz. Literatur. Soeben erschienen! Königspsalm (freie metrische Uebersetznng des 21. Psalms von A. Nußbannl) für Alt oder Barironsolo. vierstimmig gemischten Chor und Orgel, komponiert vom Oberkanror Hermann Zivi m Elberfeld, gewidmet Sr. königl. Hoheit dem Großherzog Friedrich von Baden, zu Allerhöchstdesselben 80. Geburtstage, sowie Ihren königl. Hoheiten dem Großherzog und der Großherzogin zum Feste der goldenen Hochzeit. Oberkantor Zivi ist als gediegener, zielbewnßter Fachmann und Musiker bestens bekannt, weshalb wir diesen herrlich bearbeiteten Psalm, ebenso wie seine bisher erschienenen Kompositionen, den Fachgenoffen ivärmstens empfehlen. Obiger Psalm ist zu beziehen im Verlag A. P. K ü p p e r, Musikalienhandlung. Elberfeld, Preis für Partitur mit Solostimmen 3 M a r k. Lenilleto». Analphabeten. Eine Episode ans dem ruffisch-japanischen Kriege. Bon Babette Fried, Prag. (Schluß.) Abraham schmachtete in fast unerträglicher Haft, ohne daß eine Nachricht von den Seinen zn ihm dringen konnte. Es bedurfte wirklich seines ganzen Gottesglaubens, um ihn vor Verzweiflung zn schützen.- Indessen war es in der Festung, in der die beiden Nachbarssöhne dienten, nicht so ruhig zngegangen, wie es am Anfang war. Die Belagerer schonten wirklich nicht die Munition, nnd die Soldaten, die dazu kommandiert wurden, die entstandenen Breschen auf den Wällen ausznbessern, mußten oft unter dichtem Kugelregen arbeiten. Da war an ein Schreiben nach Hause nicht zn denken, ein Drief hätte jetzt kaum das Lager verlassen können. Auch hatte sich unter den Soldaten das Gerücht verbreitet, daß die Briefe der Soldaten ein sogenanntes schwarzes Kabinet passieren mußten, woselbst sie geöffnet und gelesen wurden, und nur im Falle ganz vollständiger Harmlosigkeit wieder geschlossen wurden nnd an ihren Bestimmungsort abgehen durften. Dieses Gerücht wirkte verstimmend ans die Mannschaft, und nur im äußersten Falle und unter Beobachtung der größten Vorsicht waren von den Soldaten Briefe nach auswärts gesendet worden. Jetzt aber nach vollständiger Einschließung der Festung hörte jede Verbindung mit der Außenwelt ans, und sa

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