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Die Wahrheit · 1912-11-29 · Heft 46 (29.11.1912) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 46 (29.11.1912)
Date
1912-11-29
Page
– (sequence 8)
Language
German
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L>ene 8. schädlich. Der englische Historiker Gibbon, in seinen „Detlin and Fall of Roman Empire", bezweifelt diese Ueberliefernng, hauptsächlich deshalb, weil Eütythins in seiner Geschichte der Eroberung Alexandrias .davon nicht erwähnt. Er gibt jedoch zu, daß Reste der teilweise bereits schon zerstörten Bibliothek durch die Araber vernichtet sein mögen, wobei er meint, daß der Verlust der Schmöker für die Wissenschaft von nicht zu großem Belange sei. Der hundertste Geburtstag von Oberrabdiuer Josef Meiste s, A. Die Vereinsleilung des „Bet-Hamidrasch, Talmud-Thora" Wien, IL,' Malzgasse 16, veranstaltete Sonntag, den 24. d. M. in der Talmnd-Thora-Vereinssynagoge, die Rabbi Josef Weisse bei seinem Verweilen in Wien immer regelmäßig ' besuchte, eine Gedenkfeier, u. zw. wenige Tage vor seinem auf den 19. Kislew fallenden Geburtstage. - Wir bringen unseren Lesern ans dem Festvorlrage, den Professor Moritz Antscherl vor einer großen Zuhörerschaft hielt und diese über eine Stunde fesselte, einen gedrängten Bericht über das Leben und Wirken dieses großen Gelehrten, Seelsorgers und Menschenfreundes. Als einziger Sohn des frommen Elternpaares Isaak Samuel und Mirjam Weisse, wurde unser Josef am 19. Kislew d. i. am 23. November 1812 zu Plnmenan bei Proßnitz in Mähren geboren. Unter der Leitung des hochgelehrten Vaters und bedeutender Rabbiner war der junge Josef Weisse, noch nicht 20 Jahre alt, ein bedeutender Gelehrter im Hebräischen und im Talmud. Er ging 1833 nach Prag, machte daselbst öffentlich pädagogische und akademische Studien und stand mit den jüdischen Größen daselbst in intimem Verkehr. In Prag erschienen nun fein „33iur" zu den 2 Büchern der „Chronik", eine fundamentale Arbeit — 60 Jahre später wurde der Verfasser dieses Kommentars an der alten Oxforder Universität von einem berühmten Bibelprofessor in Ehren genannt — und die vortreffliche Uebersetzuug zu den „Königen" mit dem Kommentar zum Salomonischen Tempelban (beide Werke wurden 1836 in Prag gedruckt) und trugen des jungen Autors Namen weit über die Grenzen unseres Vaterlandes hinaus. Von 1837 an war Weisse Schuldirektor der hebräisch-deutschen Gemeindeschule in Proßnitz, bis er 1841 sich in Preran sein Haus gründete und neben dem Geschäfte, das er mit seinem Schwiegervater führte, eine „Jeschiwa" in seinem Hause hielt, die dem Meister eine bedeutende Schar Talmudbeflissener zuführte. Im Jahre 1845 folgte Weisse einem Rufe nach der mährischen Gemeinde Gaya, wo er 11 Jahre als Rabbiner wirkte. In diese Zeit fällt sein ersprießliches, allgemein anerkanntes Wirken in den Komitees der mährisch-jüdischen Gemeinden und sein Erscheinen in einer wichtigen Audienz bei Sr. Majestät Kaiser Franz Josef I. am 28. März 1849 im Interesse seiner Glaubensgenossen. Nach 11 jähriger segensreicher Tätigkeit in Gaya erhielt Josef Weisse einen Ruf nach der damals drittgrößten oberungarischen Gemeinde Waag-Neustadtl, in der er 42 Jahre, bis zu seinem am 8. Kislew — 2. Dezember 1897 — erfolgten Hinscheiden ununterbrochen tätig war. Er war hier der Nachfolger zweier berühmter Männer, des „Jecheskel David" und des R. Eleasar Straßer. Die Väg-Ujhellyer jüdische Realschule, die heute schon über 50 Jahre besteht, ist eine Gründung Josef Weisse's, der auch ihr erster langjähriger Direktor war. Seine Bibel- und Talmud-Vorträge in dieser Anstalt bildeten neben den anderen Uuterrichtserfolgen eine Spezialität der Waag- Nenstadtler Mittelschule, der einzigen jüdischen in ganz Ungarn. Auf jüdisch-historischem, nicht minder auf halachischem Gebiet war Josef Weisse eine Autorität, an die von Nah und Fern Anfragen gerichtet wurden. Seine Biographien des „Schach" und des „Jedaja Hapenini“, sind erstklassige Arbeiten, wie alles,-was er außerdem schrieb. Sein Plan, die Geschichte der mährischen Rabbiner zu schreiben, kam trotz seiner Sammlung eines bedeutenden Materials leider nicht znr Ausführung, es strengt arbeitenden Manne an der hierzu nötigen Zeit. Wer' einmal Weisse's prosaische oder poetische hebräische Aufsätze gelesen, kann deren Stil und Klassizität nicht genug rühmen. Mit Oberrabbiner Josef. Weisse, der ein Vater seiner Gemeinde^ seinen Schülern und den Armen insbesondere stets gewesen, schied eine rabbinische Größe von uns. deren Andenken zur ersten Jahrhundertfeier in neuem Glanze erstrahlt und lange noch fortleuchten wird. Die Psalmen als Gebannngslelrtnre für Kranke.*) (Schluß.) In den Psalmen findet sich für jede Seelenstimmnng^ nnd jeden Gemütszustand das erlösende Wort, der befreiende Ausdruck. Ja, jener Gewürzkrämer, der einst eine Arznei znr Erhaltung des Lebens aubot und welcher daun zu der herbeieilenden Menge sprach: „Schlaget nur das Buch der Psalmen auf", hat wahrlich nicht zu viel versprochen. Sie beugen nicht nur durch ihre ethischen und diätetischen Maßregeln dem Leiden vor, sondern sie verscheuchen die bereits eingetretene Krankheit, mildern und erleichtern ihre Schmerzen. Sie sind nicht bloß ein Heilmittel für eine bestimmte Krankheit, sondern für den ganzen Körper^ Und während gewöhnliche Heilmittel nur für ein spezielles Uebel und auf ein Glied wirken, aber wirkungslos bleiben, wenn sich im Körper zwei bösartige, verwickelte Leiden festgesetzt haben, von denen jedes eine andere entgegengesetzte Behandlung erfordert, verfehlen die Psalmen niemals ihren wohltuenden Einfluß aus den ganzen menschlichen Organismus. Glaubt ja selbst das heutige Geschlecht an die Heilkraftder Psalmen. Und sie besitzen diese auch wirklich, aber nicht, wenn sie ein anderer für den Kranken sagt, sondern wenn dieser selbst sie andächtig liest. Muß nicht in das Gemüt des'Kranken die belebende Hoffnung auf Besserung einziehen, wenn er mit dem Psalmisten betet: „Mein Gott, raffe mich nicht weg in der Hälfte meiner Tage, in ewige Geschlechter reichen Deine Jahre." (102, 24, 25)? Oder müssen nicht die Psalmenworte: „Nichtsterben werde ich, sondern leben und erzählen die Taten Gottes. Züchtigen wollte mich Gott, doch dem Tode hat er mich nicht preisgegeben. Ich danke Dir, daß Du mich leiden ließest und mir warst zur Rettung" (118, 17, 18. 21), erfrischenden Tau in sein Inneres gießen und seinen gesunkenen Mut anfrichten?' Die jüdischen Weisen waren von der herzerhebenden Wirkung der Psalmen so überzeugt, daß sie. von ihnen die weitgehendste praktische Anwendung machten. Für jeden körperlichen Schmerz, jedes seelische Leiden hatten sie einen bestimmten Psalmvers bereit. Sie dürften ihre heilsame Macht an sich selbst erfahren haben, in den Nächten, da sie von inneren Leiden gequält, dennoch nicht den Gleichmut verloren, weil Gott zu ihren Rechten weilte (16, 78). Daß sie sich mit den Psalmen auf dem Krankenlager beschäftigen, das beweisen ihre erbaulichen Betrachtungen, welche sie an Psalmverse anschlossen und aus denen sie Seelenruhe schöpften, um gleich dem königlichen Dulder die qualvollsten Leiden ertragen zu können. Einige Stellen aus dem Talmud sollen hier angeführt werden: Wer mit dem Studium des Gesetzes stillhält, wird von Krankheiten heimgesncht, wie es in den Psalmen heißt: ,-Jchschwieg von der guten Lehre, darum trafen mich elende Leiden (Ps. 39, 3 Ber. 5). Leiden, die Gott aus Liebe schickt, sind daran zu erkennen, daß sie den Leidenden vom Studieren nicht abhalten (Ps. 94, 12). „Heil dem Manne, den Du Gott züchtigst und dabei ihm Deine Lehre lernen läßt." (Tr. Berach. 25:) R. Jehuda wurde wegen einer Gefühllosigkeit mit schweren Schmerzen heimgesucht. Ein in die Schlachtbank geführtes Kalb Dieses Thema behandelt Dr, Frankl-Grün in einem Anhänge zur zweiten Psalmenausgabe,' welche allen Vorstehern zur Verwendung in den Synagogen, Bibelschulen, Krankenhäusern und Humanitären Vereinewbcstens empfohlen wird. Die Wahrheit. Nr. 46. fehlte dem von 4 Uhr morgens bis spät in die Nacht ange¬

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