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Die Wahrheit · 1912-11-29 · Heft 46 (29.11.1912) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 46 (29.11.1912)
Date
1912-11-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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-Nr. 46 Dk^Mahr^tt . Sette 7. -Zchordert worden :-!- eine- Reform der ^llliänz-Schule»» »lud be-'! .^Mldersn die>- Beseitigung--!-des antijüdischen -- GÄsW -ans dM Schulen,! eme Reform' desveralteten Schulregnlativs^' sowie.die! Beseitigung der chauvinistisch-französischen Einflüsse in der Allianz.! LleiiUMersüchullg berechtigter Befchwerden,dürch^-^eine-'besonderej .Kommission, L»ie- Ersetzttlrg der Kooptation durch siit> den Mi-\ fordernngen der Mitgliedschaft und dem GerechtigMsgefähli jangepaßtes - Wahlrecht. '-Äon diesen- Forderilttgem lst^ütcht die \ geringste ersülltija -nicht! einmal erwögen worden.! Die'-rMe'; Organisatioli bringt-vielmehr nnv-Folgendes:; 1? Die Bezirkskomitees sollen je zwei-Delegierte 'erwählen, welche mit den dentschen Zentralkomiteemitgliederlt zu Beratungen ' AN summen treten und Wünsche für die Propaganda und Vorschläge für die Kooptation nach Paris machen dürfen. Wohlgemerkt, sie dürfen Vorschläge machen, aber Paris ist nicht verpflichtet, diese Vorschläge anzunehmen, und da die 25 französischen Zentralkomiteemitglieder immer die Mehrheit in der Hand haben, abgesehen davon, daß niemals alle deutschen Mitglieder zu den Sitzungen nach Paris gehenkönnen und daß Paris durch die Kooptation sich diejenigen Leute hineinwählen kann/ die-sie gerade braucht, so besteht nicht die geringste Aussicht, daß die dentschen Mitglieder jemals eine Forderung in Paris durchsetzen können. Man wird ihre Vorschläge genau so ab lehnen , wie mau seit Jahren die deutschen Forderungen niedergestimmt hat. 2. Paris bewilligt die Kosten für ein deutsches Bureau, welches zur Verfügung des Vorsitzenden der deutschen Zentrale -steht, aber der Leitung von Paris unterstellt wird. Es ist wohl nicht nötig, hinznzufügen, daß darin zum Ausdruck gebracht ist, Haß das Bureau überhaupt kein deutsches, sondern ein Pariser ist und daß im Konfliktsfalle der deutsche Vorsitzende nicht in -der Lage sein wird, dem Bnrean Anweisungen zu geben. - 1:8. Paris bewilligt einen jährlichen Betrag für Propaganda- .zwecke,, hat aber die Aufstellung eines dentschen Etats abgelehnt. Äußer diesen Mitteln wird nichts bewilligt, das heißt also, die deutsche Zentrale darf Mitglieder'werben und vielleicht für deren -Erlangung Versammlungen veranstalten oder Zirkulare hinansschicken, deren Kosten Paris trägt. Für Wohlfahrtszwecke auf -deutschem Boden, wie z. B. Unterstützungen für russische Auswanderer oder überhaupt für jüdische Zwecke, die im Sinne des Allianzstatnts liegen, aber außerhalb der französischen .Jnteressenzone wird nicht ein Pfennig bereitgestellt und Paris -wird sich' natürlich jedesmal daraus berufen, daß es ja Geld nnr für Propaganda bewilligt habe, nicht aber für Unterstützungen. 4. Die Bezirkskomitees sind nicht verpflichtet, ihre Beiträge an die Zentrale in Deutschland zu senden, sondern können -direkt mit Paris abrechnen. Wozu bedarf es da noch einer .Zentrale, da doch die Bezirkskomitees nichts anderes als Jnkassostellen für Paris sind? Sie werden sich selbst sagen müssen, daß diese Friedenswedingungen den dentschen Forderungen nicht das Geringste zubilligen und daß auch nicht die leiseste Aussicht besteht, jemals -einen Einfluß der dentschen Mitglieder in Paris zu gestatten^ Dieser Friede bedeutet viel mehr nichts anderes als eine schmähliche Anterwerfnng unter die Autokratie von Paris und ein Begräbnis aller derjenigen Wünsche und Forderungen, welche die deutschen Mitglieder un Interesse des Judentums erhoben haben und erheben müssen. Sie können sich daher nicht der in Aussicht genommenen Organisation, welche am 24. d. M. in Berlin 'konstituiert werden soll, anschließen, da die ihnen bekannten Richtlinien, über die hinaus Paris keinerlei weitere Konzessionen zu machen erklärt har, an dem gegenwärtigen Zustande' nichts -ändern. Eine Gewähr dafür, daß Paris entgegen dem Geiste und Wortlaute der Statuten der A. I. U. burcfi weitere Gewaltakte und Entrechtungen in seinem Tun nicht fortfahren wird, ist nicht gegeben. Von weiteren Entschlüssen werden wir Ihnen demnächst Kenntnis geben. * * ... * Weiters werden wir seitens des Land.eskomitees um Aufnahme folgender Erklärungen ersucht: -''Israelitische" Küttnsgemeinde ' Schweinfnrr. Von der ' Lllis-üos Isräslits Universelle, Berlin. Charlottenbnrg. Gröl- '-'ÄMÄM'äße'-'W,"wnr8e.slys enie längere Ausführung und Ein- 'lad»mg 'zu Mer Sitzung ünfden 24. d: M.'. vormittags 10 Uhr, ' iiE neuen- Hanse^ der^s Berliner Logeist Kleiststraße? 12, über* ''üiittelt!-' - - '^ v ■ .4 ■- Wir haben mit, den maßgebenden Persönlichkeiten des hiesigen Lokäl.kvmiW-/dtBbez»lgtlche Rücksprache genommen und sst^ »na»r ' hier' astgemeil» der Ansicht, daß man auf die Bedingungen; dei Alliance Israelite Universelle nicht ein gehen kann'Üttd eingehen wird^ Wir sind der Meinung^ d a ß »v ir in. Deutschland nicht dafür zu haben sind, dem Pariser Komitee unser Geld zu senden und daß das P a r i s e r K o m i t e e d a n n »m I»»teresse Fran kreichs wirtschaftet, wie es ihm beliebt, ohne auf Deutsch! a n d R ü cks i ch t z n n e h m e n. Man hat bereits davon gesprochen, daß das hiesige Komitee sich anflösen »vird, wenn nicht ein Modus gesunden wird, der dem dentschen Komitee dieselben Rechte einräumt, wie sie das Pariser Komitee bis jetzt für sich in Anspruch genommen hat. Die Alerandrinischeu Dilcherlchiitze. Löbliche Redaktion! In dem in der Nummer 45 Ihrer Zeitschrift verlautbarten Reisebriefe des Herrn Dr. Kaminka wird bei dem Bedauern über das Verschwinden der großen Denkmäler des alten Alexandria in Egypten auch erwähnt, „daß der Chalif O»nar die wertvollen Bücherschätze zur Heizung der Bäder verwenden ließ." Dieses von christlichen Geschichtsfälschern erfundene Märchen ist so allgemein verbreitet, daß ich es für angezeigt halte, im Interesse der geschichtlichen Wahrheit die Haltlosigkeit desselben durch nachstehende Konstatierung neuerdings darznlegen: Von ganz einwandfreien christlichen Schriftstellern des 5. und 6* Jahrhunderts, also von sogenannten Kirchenvätern ist berichtet tvordeu, daß der fanatische Bischof Cyriüos von Alexandria eine blutige Verfolgung und Austreibung der sehr zahlreichen und wohlhabenden Inden und Heiden ans Alexandria durch die zu diesem Zwecke herbeigeholten rohen und wilden Einsiedler der Sinaihalbinsel veranlaßt hat.. Bei dieser höchst blutigen und grausamen Verfolgung und Austreibung der Heiden i»nd Inden ist auch der als Universität dienende Serapistempel zerstört und die weltberühmte alexandriuische Bibliothek als „verruchtes, gotteslästerliches Schriftdenkmal" verbrannt und die als Philosophin und letzte Trägerin der griechischen Philosophie weltberühmte Griechin Hypätia getötet worden. Also nicht der gar nicht kulturfeindliche, sondern nur streng religiöse nnd gegen Andersgläubige harte Chalif Omar, sondern der fanatische christliche Bischof Eyrillos hat im Jahre 415, also mehr als 200 Jahre vor Omars Einzug in Alexandria, die unschätzbare und unersetzliche Bibliothek in Alexandria vernichtet »u»d d»»rch den Verlust der Werke der alexandrinischeu Mathematiker, Physiker, Astronomen und Natnrforscher den Kulturfortschritt der Menschheit um mehr als ein Jahrtansend aufgehalten. Ein' frommer Muselmann vernichtet kein beschriebenes oder bedrucktes Papier, weil darauf der Name Gottes verzeichnet sein könnte. Dr. Wolfenstein, k. k. Sanilütsinspeklor i. R., Znaim. * * * Anmerkung der Redaktion: Herr Dr. Kaminka, dem »vir den Bürstenabzug des vorstehenden „Eingesendet" zur Verfügung stellten, beinerkt hiezu folgendes: Die Vernichtung der alexaitdrinischen Bibliothek bei der arabischen Eroberung und die Verivendung der Pergameutrollen zur Heizung von 4000 Bädern »vird von Abulfarag* überliefert »md nach ihm von zahlreichen Geschichtsschreibern erzählt, »vobei auch die bekannte Anekdote überliefert »vird, der Chalif Omar habe gesagt, »venu die Bücher dasselbe enthalten, wie der Koran, seien sie überflüssig; »venu sie etwas anderes enthalten, seien sie

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