Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1912
- Issue
- Heft 46 (29.11.1912)
- Date
- 1912-11-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Seile 5. Nr. 46. Die Wahrheit Der Halsschnitt kann auch durch ein Federmesser, der Totschlag > durch'die Vorgefundenen acht Wunden am Kopfe herbeigeführt | worden sein— " W a n n endlich wird der Oberste Gerichtshof das ungeheure Verbrechen, das an der Sache der Gerechtigkeit begangen wurde, sühnen? Nicht d i e kuöch ern e Forderung nach ne neu Fakten muß erfüllt werden. Nein, nur die Nackensteifh eit zum einstimmigen Votum, daß hier ein Fehlurteil vorliegt, wie dies ja schon einmal durch diesen S^nat selbst erfolgte, ist notwendig. Glauben machen zu wollen, daß auch nur einer von diesen Ob erricht ern von der Schuld Hilsners überzeugt sei, ist einfach lächerlich. Es liegen also andere Motive für diese hartnäckige Ablehnung d e s R e v i s i o n s b e g e h r e n s v o r. D i e s e b l o ß z u l e g e n, b ezw. zu beseitigen, ist Pfli ch t j e d es a nstän d i g en Menschen! Wien, im November 1912. Verein zur Abwehr des Antisemitismus. Die Wiener Knlinswahien. In der am Sonntag, den 14. November 1912 stattgehabten Wahl von 9.Vorstandsmitgliedern der israelitischen Kultnsgemeinde Wien wurden w i e d e r g e w ä h! t: Für eine 6jährige M a n d a t s d a u e r: Emannel Hoffman n, Dr. Gustav Koh n, Hofn. Gerichtsadvokat, Dr. Josef Pollak, k. k. Universitäts-Professor. Adolf S ch r a m e k, k. u. k. Hoflieferant, Leopold Simon, k. k. Kommerzialrat, Dr. Maximilian Steiner, Dr. Alfred Stern, em. Hofu. Gerichtsadvokat. N e u g e w ä hlt: Für eine 6jährige Mandatsdauer: Ingenieur Robert Stricker, Oberkommissär der k. k. Staatsbahnen. Für eine 2jährige Manda tsd aue r: Dr. Jakob Ehrlich, Hofn. Gerichtsadvokat. Priistdentenwahl in der Kndapester Knltnsgemeiude. Seit dem Ableben des Hofrates Weinmann ist die Stelle eines Präsidenten unserer Kultnsgemeinde unbesetzt geblieben. Während dieser Zeit hat die Präsidialagenden der Präsident- Stellvertreter Ludwig Adler versehen. Nun hat, wie bereits in voriger Nummer dieses-Blattes gemeldet wurde, die Gemeinde eine -außerordentliche Generalversammlung abgehalten, um die frei gewordene Präsidentenstelle zu besetzen. Es trat hiebei der höchst seltene Fall ein, daß die konservativen und liberalen Fraktionen unserer Gemeinde einen einzigen Kandidaten hatten, Herrn Ludwig Adler, der durch seine der Öffentlichkeit gewidmete Tätigkeit jedermann die Beruhigung geboten hat, daß unter seiner Leitung die Gemeinde und ihre Institutionen stets blühen und gedeihen werden. In der Generalversammlung führte den Vorsitz Dr. Moritz S tiller, der zunächst im Namen des Vorstandes meldete, daß Vorsteher Max Grünbaum mit Rücksicht auf fein hohes Alter feine Stelle, die er jahrzehntelang bekleidete, niedergelegt habe. Da Herr Grünbanm seine Demission nicht znrnckziehen wollte, mußte sie zur Kenntnis genommen werden. - Auf Antrag des Vorsitzenden votierte die Generalversammlung dem scheidenden Vorsteher für dessen langjähriges Wirken protokollarischen Dank. Hierauf gedachte der Vorsitzende der Toten des laufenden Jahres: Dr. Ludwig Ballai, Berthold Herzmann, Dr. Bela Dalnoki und Emil Neuschloß, deren Andenken im Protokoll verewigt wurde. Die Stelle des verstorbenen Präsidenten Doktor Philipp Weinmann wurde durch die Religionsgemeinde aus Pietät für den. Verewigten ein Jahr lang nicht besetzt. Da jetzt das Trauerjahr abgelansen ist, wurde die Neuwahl vorgenommen. - Zum Präsidenten wurde Ludwig Adler gewählt, zu Vorstehern Dr. Friedrich Halaß und Baron Moritz Leopold Herzogder Ausschuß wurde mit den Herren Josef Brody und Max Grünbaum ergänzt. Sämtliche halten 105 Stimmen erhalten. Nachdem eine Deputation unter Führung des Barons Adolf Kohner den neuen Präsidenten eiugeholt hatte, richtete der Vorsitzende Dr. Moritz Stiller an ihn eine warme Begrüßungsansprache. „Wir haben", sagte Dr. Stiller, „den Präsidenten der ersten Religionsgemeinde des Landes gewählt, welche Würde nur einem solchen Manne verliehen wird, der sich wirklich große Verdienste erworben hat. Der Generalversammlung schwebten die 40 Jahre vor Augni, die Du im Dienste der Religionsgemeinde verbracht hast. Die Neligionsgememde wußte die großen Verdienste zu werten, die Dn mit Deiner bisherigen Tätigkeit Dir erworben hast, denn während andere in Deinem Alter sich zur Ruhe setzen, hat Dich die Religionsgemeinde mit einer großen und verantwortungsvollen Arbeit betraut." Die Rede wurde mit lebhaften Eljenrufeu ausgenommen. Präsident Ludwig Adler dankte in herzlichen Worten für seine Wahl und sagte n. a. das Folgende: „Drei Gesichtspunkte sind es, welche ich als Präsident stets vor Augen halten werde: der Glaube, die Liebe mib der Friede., Was die Frage des Glaubens anbelangt, wird mein Hanpttrachteu sein, die wahre Religiosität zu fördern, ich werde mit ganzer Kraft darauf hinarbeiten, daß sämtliche Knltusinstitutionen, und hauptsächlich das Niveau unseres Gottesdienstes, auf die höchste Stufe der Vollkommenheit gehoben werde. Ich werde trachten, in den verschiedenen Teilen der Hauptstadt an den entsprechendsten Stellen neue Tempel zu bauen und Bethänser zu errichten, um den Gemeindemitgliedern Gelegenheit zu bieten, ihre Andacht stets verrichten zu können. Aitf der Liebe soll jede wohltätige und kulturelle Institution basiert sein, auf daß die Liebe viel Gutes und Edles vollbringe, auch will ich den Hang zur Wohltätigkeit heben, damit die Gemeinde in die Lage komme, stets neue, unserem fortschrittlichen Zeitalter entsprechende Institutionen zu schaffen. Friede: Ich werde stets darauf achten, daß Angelegenheiten, welche den Frieden stören können, mit Takt und Umsicht in die entsprechende Bahn gelenkt werden, auf daß der Friede stets gewahrt bleibe, weil ausschließlich das friedliche Zusammenwirken, die Eintracht und das Zusammenhalten die Möglichkeit dafür bieten, daß die hehren Ziele der Gemeinde verwirklicht werden können. Eben deshalb werde ich das Interesse und die Liebe auch der größeren Massen der Gemeinde gegenüber erwecken, denn es fnmt nicht länger geduldet werden, daß das Interesse der Gemeindemitglieder der Gemeinde und ihren Institutionen gegenüber noch weiter sinke." Die formvollendete Rede des Präsidenten wnrde von langanhaltenden Eljenrnfen begleitet. Nachdem noch die neuen Vorsteher Dr. Friedrich Halaß und Baron Leopold Moritz Herzog für ihre Wahl gedankt hatten, schloß Dr. Stiller die Generalversammlung. In den jetzigen schweren Zeiten hat der Präsident schwere Aufgaben zu lösen; es ist ein Glück für unsere Gemeinde, daß es derselben gelang, Herrn Ludwig Adler zur Annahme dieser Stelle bewegen zu können, denn Ludwig Adler/der durch und durch ein Jude ist, wird mit seinem scharfen Verstand und seinem sprichwörtlich guten Herzen stets die Interessen der Gemeinde zu fördern wissen. Möge ihm, der seit 40 Jahren im Vorstande der Gemeinde Platz nimmt, gegönnt fein, sein Programm zum Heile unserer Gemeinde verwirklichen zu können. Josef Jelinek. Im 81. Lebensjahre ist Sonntag, den 24. d. M. der Vorsteher der Armenstalt der Wiener Kultusgemeinde und Vizepräsident des Krankenvereines der Handlungsangehörigen Jsrae-