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Die Wahrheit · 1912-11-22 · Heft 45 (22.11.1912) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 45 (22.11.1912)
Date
1912-11-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. . Die.Wahrheit. Nr. 45. untersucht und falls sich eine Schuld ergebeil sollte, gegen den Beschuldigten auch entsprechend vorgegangen werden würdet Vizepräsident Dr. Gustav Kohn betont gleichfalls,, daß der Vorstand nicht auf bloße Ansstreuungen hin feines Amtes walten tonne. Hingegen sei der Vorstand entschlossen, in jedem! positiven Falle das Nötige zu veranlassen. Dr. Plaschkes beschäftigt sich in seinen Ausführungen: mit dem Religionsunterrichte, der bei der heutigen Methode nicht seinen Zweck erfülle und regt mehrere Verbesserungen in der Gemeindebibliothek an. Besonders ist er der Meinung, daß unsere Bibliothek deshalb nicht den gewünschten Nutzen bringen könne, weil sie für die jüdische Bevölkerung der äußeren Bezirke zu entfernt gelegen ist. Aus diesem Grunde wären auch in den bevölkerten Bezirken Bibliotheken zu schassen. In Vertretung des Vereines jüdischer Portiere und Hausbesorger richtet Herr Bechner einen warmen Appell an die Versammelten, insbesondere an die Mitglieder der Bezirkskommissionen und Bethausvereine, den Verein in seinen wichtigen sozialen Bestrebungen zu unterstützen, jüdische Portiere und Hausbesorger unterzubringen. Alle jene 60 Personen, welche der Verein seit seinem zweijährigen Bestehen untergebracht hat, haben alle Vorurteile, welche bis dahin geherrscht haben mochten, glänzend zerstört. Redner nehme die Gelegenheit wahr, auch an dieser Stelle dem Herrn Präsidenten Dr. Adolf Stern den Dank des Vereines dafür äuszusprechen, daß er die Ziele des Vereines seit dessen Entstehen aufs werktätigste unterstützt und dadurch zu den erzielten Erfolgen das Wesentlichste beigetragen hat. - Aus -er Wiener Knttusgemeinde. (Aus der Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 10. November 1932 unter dem Vorsitz des Präsidenten Dr. Alfred Stern. Namens des Vertreter-Kollegiums werden die folgenden Berichte dem Plenum zur Genehmigung in Vorlage gebracht: Konform den vom Tempelverein Brigittenau dem Knltusvorstande vorgebrachten Wünschen wurde ab 1. November 1912 Herr Dr. Moritz Rosenseld damit betraut, im Brigittenauer Vereinstempel an jenen Sabbath- und Festtagen, an welchen Herr Rabbiner Dr. Armin Abeles im Bethause des Vereines „Beth Hachnetheth", im HI. Bezirke fungiert, jene rabbinischen Funktionen, welche nicht staatlich amtlichen Charakter tragen, zu versehen. Der Genannte wurde überdies verpflichtet, von Zeit zu Zeit populär-wissenschaftliche Vorträge aus seinem Fachgebiete im XX. Bezirk abznhalten und an der obersten Abteilung der Vibelschule des XX. Bezirkes zu unterrichten. An jenen Sabbath¬ und Festtagen, an welchen Herr Rabbiner Dr. Armin Abeles im Brigittenauer Vereinstempel fungiert, wird er im Bethanse Landstraße von Dr. M. Rosenfeld vertreten und es hat sich der Vorstand des Bethausvereines Beth Hachnetheth mit diesen Maßnahmen einverstanden erklärt. Die vom Brigittenauer Tempelverein unter Beistellung einer Subvention von K 3000.—, seitens der Kultnsgemeinde auch im abgelaufenen Schuljahre geführte Bibel- und Leseschule ist mit Beginn des Schuljahres 1912/13 von der Knltnsgemeinde übernommen worden. Im Hause Othmargasse 46 hat die Kultusgemeinde geeignete Lokalitäten gemietet und adaptiert, so daß nun 2 Lehrsäle und die erforderlichen Nebenränme für die Zwecke der Bibel- und Leseschnle zur Verfügung stehen. Mit Rücksicht ans die in diesem Bezirke vorherrschenden Verhältnisse wird von der Einhebung jedes Einschreibe- oder Unterrichtsgeldes abgesehen. Die Schule weist 460 Schüler ans, welche in 14 Gruppen mit je 2 Wochenstunden den Unterricht erhallen. 12 Gruppen sind von Volks- und Bürgerschülern,. 1 von Mittelschülern der unteren Klassen, 1 von Mittelschülern der obersten Klassen, Handelsschülern und Handelsakademikern besucht. Nach Anhörung der Lehrer-Konferenz und konform dem Anträge der Unterrichtskommission hatte der Knltnsvörstand bereits im Jahre 1897 den Beschluß gefaßt, in den 2. Klassen der Volksschulen, in. welchen nach dem Gesetz der israelitische Religionsunterricht im Ausmaße von nur einer Wdchenstunde zu erteilen! ist, eine zweite fakultative Wochenstunde einznsühren,. die speziell dem Hebräisch-Lesen gewidmet sein soll. Aus manuigfachen Gründen mußte diese Neneinführnng etappenweise erfolgew und wurde für das Schuljahr 1907/08 an 12 Schulen mit dem Versuche begonnen, der von da ab alljährlich auf weitere Schnlstationen erstreckt worden ist. Im' Schuljahre 1911/12 wurde die fakultative Stunde bereits an 52 Schulen erteilt und mit Beginn des Schuljahres- 1912/13 konnte sie in sämtlichen Volksschulen des Wiener Schulbezirkes eingeführt werden. Die Berichte der Inspektoren .für den israelitischen Religionsunterricht verzeichneten die vorzüglichen Erfolge, welche hinsichtlich des Hebräisch-Lesens durch die Einführung dieser Lesestnnde erzielt werden und ans den dem Kultusvorstande vorliegenden statistischen Daten ist ersichtliche daß 95o/o aller Schüler und Schülerinnen der 2. Volksschulklasse au dem fakultativen Unterrichte teilnehmen. Seitens des k. k. n.-ö. Landesschulrates ist der zur versuchsweiseu Einführung an 6 Anstalten bestimmte Reformlehrplan für die 2 obersten Klassen der Mittelschulen genehmigt worden, so daß nunmehr die Durchführung des Reformversuches an dem folgendeil Anstalten eingeleitet wurde: ft. f. Maximilian-Gymnasium, IX., Wasagasse 10, k. k. Staatsrealschnle, I., Schottenbastei 7, k. k. Staatsrealschnle. IX., Glasergasse 25, k. k. Staatsrealschnle, H., Joses-Gallgasse 2, k. k. Staats-Gymnasium, H., Sophienbrückengasse 22, k. k. Staatsrealschnle, HI., Radetzkystraße 2. Für die Schüler der Reformklassen wurde im Schulgebäude, IX., Seegasse 16, ein Lesezimmer eingerichtet, in welchem: die von den Religionslehrern im Verlauf, der Vorträge angegebenen und auch sonst geeignet erscheinende Bücher und Zeit-- schriften zur freien Benützung anfliegen. Daselbst finden im Beisein der Religionslehrer Disknssionsabende statt, welche jeweilig durch ein Schülerreferat eingeleitet werden. Für das- Lesezimmer ist eine Selbstverwaltung der Schüler nach dem: Muster, wie sie an der k. k. 2. Staatsrealschnle im II. Wiener Gemeindebezirk für den obligaten Unterricht besteht, eingerichtet. Die Schüler legen für diese fakultative Einrichtung lebhaftes Interesse an den Tag, so daß ein günstiger Erfolg des Reform-' Versuches erwartet werden kann. . Das Plenum beschließt, die vorstehenden Berichte sowie die sich aus denselben eraebenden Maßnahmen und finanziellem Erfordernisse zu genehmigen. Nachtragssnbventionen für das Jahr 1912 werden bewilligt: Dem Bethansverein Israel“, dem Tempelverein für den X. Bezirk und dem Tempelverein für den XIX. Bezirk. Es werden weiters eine Reihe von Personalangelegenheiteir. erledigt. Auf dem Wege uach Jerusalem. Reisebriefe von Rabbiner Dr. Armand Uaminkä. II. Alexandrien. — Tantah. ■— Schulen der Alliance^ Am 17. Oktober bei Sonnenaufgang näherte sich unser Schiff der Küste Egyptens. Bald sollten wir die Stadt Alexanders des Großen und der Ptolemäer betreten, die Stadt des Hellenismus, der Septuaginta, des Philosophen Philo und seines vom Judentum abgefallenen Neffen, der Statthalter oder Chef der Okkupation von Egypten wurde — der Lord- Kitchener der römischen Kaiseizeit. Gewaltige Erinnerungen drängen sich ans. Von dieser Küste ist die mit platonischen Ideen verwebte Religionsphilosöphie in die Welt gezogen, die jüdische und dann die christliche, die das ganze Mittelalter beherrscht hat. Hier hatdie größte jüdische Gemeinde des Altertninsäußerhalb Palästinas bestanden, die Riesensynagöge, in der ben versammelten Volksmassen nur durch das Schwenken einer Fahnebedeutet werden konnte, wann der Vorbeter eine Benediktiou geschlossen hatte und mit „Amen!" zu antworten war. Aber der Anblick der Stadt, die stach gelegen ist und keine besonderehervorragenden Bauten besitzt, ist, wenn man von der See kommt, nichts weniger als imposant: er wirkt eher ernüchternde

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