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Die Wahrheit · 1912-11-22 · Heft 45 (22.11.1912) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 45 (22.11.1912)
Date
1912-11-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 45 , Die / Wahrheit Seite 7 . Wichtigkeit ist. Ich. glaube, daß wir mit diesem ebenso segens- 2 eiche Erfahrungen machen werden und daß es gleich dem großen .Spital zum Segelt unserer Bevölkerung gereichen wird. Ich glaube noch. einen Paukt erwähnen zu sollen, der besonders ^oichlig ist. Trotzdem große Summen für das Kinderspital gewidmet wurden, sind wir bei dem teueren Grund und beim Ban nicht imstande, dieses für mehr als 50 bis 60 Kinder ein- Lnrichten. Wir legen nicht das Hauptgewicht ans die liegenden Patienten, sondern auf das Bedürfnis, das schon längst in der Leopoldstadt besteht, wo die Juden in großen Massen bei einander wohnen, daß nämlich eine mit allen wissenschaftlichen Behelfen ansgestatte Ambulanz errichtet werde. Wir glauben Damit etwas Großes zu leisten. Ich will nun über meine Tätigkeit nichts weiter sagen, ich habe als Mitglied der Vertreter-Körperschaft-selbstverständlich an allen ärzlichen Beratungen ireilgenommen und auch alle berechtigten Forderungen hinsichtlich Der rituellen Bedürfnisse immer unterstützt und ich glaube, wenn Sie mir die Ehre geben, mich lviederzuwähleu. Ihnen die -Versicherung geben zu dürfen, daß ich in diesem Sinne weiter -wirken werde. (Großer andauernder Beifall.) Adolf Schrämet': (Sympathisch begrüßt.) Meine sehr verehrten Herren! Für Ihre freundliche Begrüßung danke ich bestens, sie zeigt, daß ich Ihnen nicht unbekannt bin. Vor -6 Jahren in den Vorstand gewählt, habe ich das Prinzip gehabt, „Rede wenig und leiste viel". Sie alle werden wissen, -in welchen Kommissionen ich tätig gewesen bin und was ich in den 6 Jahren geleistet habe. Ich bin jetzt auch im Begriffe, eine große Arbeit zu vollenden, nämlich den ^empelban in der 'Leopoldstadt. Bei der Knltusgemeinde war ich in verschiedenen Kommissionen tätig, vornehmlich als Obmann des Bankomitees. Ich bin immer gerecht vorgegangen. Ich habe mich bei der Kultnsgemeinde nie nm etwas beworben, auch nicht um Kahlen- -liefernngen. Wenn Sie mit meiner Tätigkeit, die ich bisher -entfaltet habe, zufrieden sind, so bitte ich auch jetzt wieder um .Ihre Stimmen. (Lebhafter Beifall.) - Kommerzialrat I. Simon: (Beifällig begrüßt.) Meine -sehr verehrten Anwesenden! Vor 6 Jahren wurde ich durch Ihr Vertrauen in den Vorstand entsendet und war bestrebt, -dieses Mandat nach bestem Wissen und Gewissen ansznüben. Wenn sich Ihre Meinung nicht geändert hat, bitte ich um Ihre Stimme und Wiederwahl in den Vorstand. (Lebhafter Beifall.) Dr. Maximilian Steiner: (Mit lebhaftem Beifall Legrüßt.) Sehr verehrte Herren! In Bezug auf die Vergangenheit kann ich mich leider nur neben die alten Herren stellen. Ich bin nämlich 25 Jahre im Vorstand, also zwischen '.24 und 27 Jahren so ziemlich in der Mitte. Dagegen kann ich mich auf. geschehene Tatsachen nicht beziehen, sondern ich -vertrete ein Znknnftsprogramm. Ich habe nämlich vor einiger ,Zeit in Erkenntnis der Mängel unseres Religionsunterrichtes ein Programm für die Reformierung desselben ansgearbeitet. Der Vorstand hat dieses Programm akzeptiert und für die Durchführung desselben zunächst 5 Probeschnlen bestimmt. Dieser Probe möchte ich noch anwohnen und dann wäre es an der Zeit, wenn ich jüngeren Leuten Platz machen würde. Meine Autorschaft befähigt mich nämlich, noch da und. dort nachznhelfen und ich würde mich glücklich schätzen, wenn Sie mir da- Hn Gelegenheit geben würden. Unsere jungen Leute lernen sehr viel in der Schule uub nach dieser Richtung habe ich dieses Programm verfaßt. Ich hoffe, daß es ganz zur Ausführung 'kommt, ebenso wie ich hoffe, daß es sich so bewähren wird, daß es für weitere Schulen und für alle Mittelschulen ausgenommen wird. Unsere jungen Leute haben gar keinen Respekt -vor dem Jüdischen in der Schule. Das jüdische Hans versagt gänzlich oder wenigstens zum großen Teil. Unsere Mütter in Israel sind nicht sehr jüdisch gesinnt und die Lehrer hören sehr oft, daß sie besser tun würden, Französisch rc zu lehren. Wir müssen darauf sehen, daß den Schülern die jüdische Geschichte und Hebräisch in einer Weise gelehrt werde, daß sie ihnen die Religionsschnje nicht verhaßt machen. Sie müssen mittätig sein -und müssen selbst Interesse für diese Aktion gewinnen. Sie -müssen kennen lernen^ daß das Judentum nicht veraltet ist nud Haß die moderne Weltanschauung ihre besten Faktoren dem Judentum entnommen hat. (Großer Beifall.) Wir wissen alle, daß die deutsche Jndenschaft ans dem Aussterbeetat steht. Leider ist bei uns die Taufe, auch kein seltenes Ereignis, ja auch unsere Jndenschaft steht den Täuflingen ziemlich gleichgültig gegenüber. Jndifferentismns herrscht überall. Die Jugend muß Interesse für das Judentum gewinnen, es müssen Mittel da sein, sie auch außerhalb der Religiousschnle zu interessieren. Wenn wir das Bewußtsein hegen, und sie Respekt für Ihre Vorfahren und das Jndentnm bekommen, dann wird die Solidarität in der jüngeren Generation wieder erwachen. Wenn Sie mir Ihre Stimme geben, so werde ich gewiß das Beste in dieser Hinsicht tun. (Lang anhaltender Beifall nud Händeklatschen.) In der ans die Kandidatenreden folgenden Debatte unterzieht Herr Hermann P l a s ch k e s in ausführlicher Rede die Tätigkeit des Vorstandes einer scharfen Kritik. Vor ungefähr 15 Jahren habe der jüdische Volksverein ein Kntlnsprogramm vorgelegt, das trotz der allgemeinen Zustimmung, das es damals gefunden, zum großen Teil bisher nicht dnrchgesnhrt sei, insbesondere sei der Wirkungskreis der Bezirkskommifsionen noch immer nicht erweitert worden. Betreffend die Rabbinerfrage in der Leopoldstadt wendet sich der Redner gegen die Auffassung, daß diese Stelle durch eine auswärtige Kapazität besetzt werden müsse. .Dies bedeute eine unnütze Zurücksetzung der Wiener Rabbiner. Auch die seit Jahren in Aussicht genommene Statutenänderung ist bis hertte nur in belangloser Weise durchgeführt worden. Weiters lenkt Herr Plaschkes die Aufmerksamkeit des Vorstandes darauf, daß gegen ein Mitglied des Beth Din in 2 öffentlichen Versammlungen schwerwiegende Auwürfe erhoben wurden, welche daun auch in die antisemitische Preffe Eingang gefunden haben. Es wäre nun Sache des Präsidiums gewesen, diese Anwürfe auf ihre Wahrheit zu untersuchen und falls sie unbegründet befunden wurden, den angegriffenen Rabbiner gegen feine Verläumder in Schutz zu nehmen und die antisemitische Presse zu berichtigen; erweisen sich jedoch die Beschuldigungen als wahr, gegen den Rabbiner in nnnachsichtlicher Weise vorzngehen. Zum Schluffe erhebt Redner dagegen Beschwerde, daß bei dem Ban des neuen Tempels am Volkert. dessen Obmann der kandidierende Knltusvorsteher Schrame! ist, die Tischlerarbeiten an einem Nichtjndeu vergeben worden seien. Er wisse wohl, daß zwischen dem Offerte des letzteren und dem des nächstbilligen jüdischen Bewerbers ein großer Preisunterschied war, doch fei er der Meinung, daß genau so. wie es wohl ansgeschlössen sein dürfte, daß Inden bei. einem Kirchenban Arbeit finden, auch bei einem Synagogenbau der jüdische Handwerker auch daun berücksichtigt werden müsse, wenn er teurer als sein christlicher Konkurrent ist. Kultusvorsteher S ch r a m e k weist nach, daß sämtliche Arbeiten, auch die meisten Tischlerarbeiten an jüdische Handwerker vergeben wurden. Auch bei Vergebung der Sitzbänke habe er den jüdischen Tischler eingeladen, von dem angebotenen Preis einen Nachlaß zn gewähren und erst als die Unterhandlungen gescheitert feien, hielt er sich verpflichtet, diese Arbeiten dem nichtjüdifchen Bewerber zuzuwenden, da er sich nicht berechtigt. halten konnte, für diese Arbeit ca. 15.000 Kronen mehr auszngeben, als das billigste Offert ansmachte, zumal für die sichere und tadellose Ausführung der Arbeiten durch den Ersteher genügende Garantie geboten wurde. In demselben Sinne klärt der mit dem Baue der Synagoge betraute Architekt Reifer die Angelegenheit auf. Kultusvorsteher B r o d nimmt die jüdischen Handwerker in Schutz. Advokat Dr. G n t t m a n n bespricht gleichfalls die von Herrn Plaschkes berührte Rabbiner-Angelegenheit. Demgegenüber erklärt Präsident Dr. Alfred Stern, daß der Vorstand seinerzeit alle gegen die Rabbiner vorgebrachten Beschuldigungen durch eine Untersnchnngskommission habe genau prüfen lassen, doch habe sich selbst bei der rigorosesten Auffassung kein Anlaß ergeben, gegen den Beschuldigten vorzngehen. Man möge doch nicht immer mit denselben, sich durch die Untersuchung als haltlos erwiesenen Anwürfen kommen. Er gebe die Versicherung, daß jede konkrete Beschwerde gewissenhaft

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