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Die Wahrheit · 1912-11-08 · Heft 43 (8.11.1912) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 43 (8.11.1912)
Date
1912-11-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Die Wahrheit Nr. 43. Und selbst-ein großer Teil derer, die, von Sehnsucht getrieben, nach ihrer alten Heimat zurückwanderten, verstand nicht mehr die Sprache der Vater. Der Gottesdienst konnte nicht mehr in der Sprache der Lehre, der ewigen, göttlichen Thora, abgehalten werden. Aber Esra, weit davon entfernt, ein Reformrabbiner modernem Schlages zu fein.: gab nicht der Zeitströmuug nach, er verfaßte nicht ein fremdsprachiges Gebetbuch, führte keine persischen, babylonischen oder griechischen. Gebete ein, ließ auch nicht, um dem Gottesdienste eine „größere Weihe" zu geben, Orgelklänge erschallen, nein, schlichte, einfache, in ihrer Einfachheit erhabene 18 Segenssprüche und Bitten, in der klassischen Väterspräche waren es. die er verfaßte und um diese kristallisierte sich der jüdische Gottesdienst, von hier aus sollte dem Volke die klare Urvätersprache zurückgegeben werden. Und wenn der Jude, welcher sich noch als solcher, noch als ein Glied seines Volkes fühlt, vor Gott hintritt. so sind es die von Esra und denAiische kenesses — hagdola geordneten Gebete, welche seine Seele erzittern lassen, so sind es die hebräischen Tefillos. welche ihn der Vergangenheit und der Zukunft näher bringen und eins mit seinen Vätern, eins mit seinen spätesten Enkeln schwingen sich seine Gefühle zum höchsten Throne empor. (Schluß folgt.) , Schire beth Jossef. Anläßlich des Erscheinens des Nachtrages zu dem obgeuannten ausgezeichneten Werke des Mnsikprofessors Oberkantor Leon Kartschmaroff in Groß-Kanisza halten wir es für angezeigt, zur Orientierung der weiteren Kreise einige Urteile über dasselbe, wie sie sich in Briefen von Fachkollegen und zweier hervorragender musikalischer Kapazitäten an den Antor wiederspiegeln. im Nachfolgenden zu veröffentlichen: Musikschriftsteller Oberkantor Hermann Zivi, Elberfeld: Sehr geehrter Herr Kollege! Nach genauer Durchsicht Ihres Werkes „Schn: beth Jossef“ bin ich zu der Erkenntnis gelangt, daß ein ganz hervorragender Fachgenosse das Wort ergreift, um in seiner Weise für einen geläuterten Syuagogengesang Propaganda zu machen. Diese Weise ist keine neue Weise, sie ist vielmehr das Erbe des größten Meisters, der jemals „Kantor" sich nennen durfte, und wenn Sulzerscher Geist die Werke durchatmet, so ist das ein Beweis für die Kraft dessen, der imstande ist. diesen Geist selbstschöpferisch wieder zum Ausdruck zu bringen. Und in dsesem Sinne ist Ihr Werk eine Tat m o n u m e n t a! e r Bedeutung, zu der ich Sie vom Herzen beglückwünsche. Ihr Sie herzlich grüßender Kollege Hermann Zivi. Königlicher Musikdirektor A. Fried m a n n. Hauptkantor der jüdischen Gemeinde Berlin: Hochgeehrter Herr Professor! Haben Sie vielen herzlichen Dank für freundliche Zusendung Ihres geschätzten Werkes. Ebenso danke ich Ihnen recht herzlich für die mich ehrende Widmung. Dieselbe ehrt mich doppelt, da sie von einem Fachmanne herrührt, der schon seit Jahrzehnten in der Kantoreuwelt einen klangvollen Namen hat. Ihren großen Ruf haben Sie durch die Herausgabe Ihres Werkes bestätigt. Ich habe inzwischen dasselbe eingehend studiert und kann Ihnen nur zu Ihren musikalischen Ideen aufs herzlichste gratulieren. Jede Nummer legt beredtes Zeugnis ab von Ihren harmonischen Kenntnissen und der großen Sorgfalt, mit der Sie dieselben gearbeitet haben. Man fühlt bei allen Ihren Gesängen die Hand des Meisters sowohl im Reiche der Harmonie als auch in der Melodik. Das ganze Werk atmet den Geist eines großen Chasans und eines hervorragenden Musikers, der es meisterhaft versteht, den alten mit dem neuen Geist harmonisch zu verbinden. So zweifle ich nicht, daß Jhr^ Werk -Eingang finden wird in den Gemeinden Israels und viel zur Andacht und zur Ehre Gottes beitragen. Indemich noch der Freude Ausdruck gebe, mit Ihnen im Briefwechsel zu stehen, verbleibe ich mit vielen herzlichen Grüßen Ihr Sie Hochschätzender Kollege A. Fried m a n n. Mein teurer Freund und Kollege! Meine aufrichtigste Gratulation zu ihrem herrlichen Werke „Schire beth Jossef“, mit welchem Sie unsere Synagogengesaugsliteratur so außerordentlich bereicherten. Nebst der Fülle von musikalischen Ideen und harmonischer Gewandtheit, die die einzelnen größeren und kleineren Kompositionen aufweisen, haben mich insbesondere die trotz voller Würdigimg des modernen Geschmackes echt traditionell klingenden Kantorsoli und Rezitative vielfach erquickt und entzückt. Wohltuend berührt auch die allgemein zutage tretende streng grammatikalische Behandlung des Textes und ich bin überzeugt, daß die vielen Vorzüge Ihres Werkes demselben viele Freunde erwerben werden. Schaffen Sie weiter in vollster Rüstigkeit für die Verherrlichung des jüdischen Gottesdienstes. Das ist der aufrichtigste Wunsch Ihres Sie hochschätzenden und in größter Verehrung ergebenen Freundes Oberkantor I. B a u e r Präsident des Oesterr.-ungar. Kautoren-Vereiues. Gmunden, 12. 9. 12. Herrn Professor Oberkantor Leo Kartschmaroff, Nagy-Kanisza. Sehr geehrter Herr! Entschuldigen Sie den späten Dank für die freundliche Uebersendnng Ihres geschätzten Werkes. Alle Musikstücke finde ich für schön, gut und korrekt geschrieben. Heber seine synagogale Qualifikation habe ich leider kein Urteil. Ich bin zwar der Sohn eines Kantors, aber schon von früher Kindheit weit« abliegende Wege gegangen. Nochmals Dank und freundliche Grüße Ihres ergebenen s Karl G o l d m a r k. Hochwohlgeboren Herrn Oberkantor Leon Kartschmaroff, Nagy- Kanisza. Baden bei Wien, 4. 10. 12. Geehrter Herr Oberkantor! Vor allem erwidere ich Ihre so lieben Neujahrswünsche auf das Allerherzlichste. Ich war der festen Meinung, daß ich Ihnen schon über Ihr interessantes Werk geschrieben habe. Verzeihen Sie, daß das bis jetzt unterblieben ist, etwas, was ich nicht verstehe, weil mir das sonst nie passiert. Ich kann Ihnen nur sagen, daß mich Ihr Werk riesig interessiert hat und daß ich dasselbe zu den besten zähle, die mir bis jetzt bekannt sind. Ich gratuliere Ihnen zu der f a m o s e n. herrlichen Arbeit und bin überzeugt, daß dieselbe in der ganzen Welt Anerkettnung finden muß. In der angenehmen Voraussicht, daß Sie, hochverehrter Herr Oberkantor, diese Zeilen bei bester Gesundheit antreffen werden, grüße ich Sie und Ihre werte Familie, aufs allerherzlichste und bin verehrnngsvollst Ihr alter ergebener Alfred G r ü n s e l d. Uerschiedene Nachrichten. Wien. Freitag, den 8. November a. c. abends. Predigt des Herrn Oberrabbiners Dr. M. ©üb ernennt im Stadt-Teinpei. Wien. Freitag, den 8. November a. c. abends. Predigt des Herrn Rabbiners Dr. M. Nosenmann im Floridsdorfer Tempel. Wien. ^(E m i g r a n t e n f ü r s o r g e d e r I s r a e si Allianz zu Wien.) Während der Monate September und Oktober 1912 wurden von der Zentrale der Israel. Allianz in Wien insgesamt 196 Emigranten, - davon 180 russische und 16 rumänische, weiterbefördert, und zwar: 104 nach den Vereinigten Staaten, 38 nach Argentinien, 24 nach Canada, 14 nach England, 13 nach Frankreich, 3 nach verschiedenen anderen Ländern. In , die Heimat zurückbeförderi wurden 27 Rückwanderer. Während des Aufenthaltes in Wien wurden im September und Oktober für 75 Personen zusammen 470 Tage Logis und volle Verpflegung gezahlt und an 148 Emi granten insgesamt 540 Sveisemarken für die israel. Volksküche ansgegeben. : Vom Jänner bis Ende Oktober wurden insgesamt von Wien ans „ 986

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