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Die Wahrheit · 1912-11-08 · Heft 43 (8.11.1912) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 43 (8.11.1912)
Date
1912-11-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 43 Die Wadrherr Lette 7. -russische uub rumänische Emigranten nach überseeischen, bezw. westeuropäischen Ländern weiterbeförderr und 173 Rückwanderer repatriiert. Vien. (B e kl e i d u n g s f e st.) Der Verein zur Bekleidung und Unterstützung arnier alter Männer Israel, fäoniejiion, II.. Ferdinandsstcaße 22, veranstaltet Sonntag, den 17. November, präzise S1/2 Uhr nachmittags, im Festsaale des „Höret Continental", II., Taborstraße 4. das übliche Bekleidungsfest. Mit Rücksicht ans das große Elend unter der armen .jüdischen Bevölkerung hat der Verein im heurigen Jahre eine ungewöhnlich große Zahl von Bekleidungen durchgeführt. Die Zuteilung der Kleider an die Schützlinge erfolgt in diskreter Weise schon mehrere Tage vor dem Bekleidungsfeste, das dem Vorstände alljährlich Gelegenheit bietet, zahlreiche Gönner und Mitglieder des Vereines zu begrüßen und weitere Kreise über die Tätigkeit desselben zu. informieren. Wien. (Die bevorstehende Hochzeit des Baron A l f o n s R o r h s ch i l d.) Ans London wird gemeldet, daß die Vorbereitungen zu der am 20. d. staltfindenden Trauung des Baron Alfons R o t h s ch l l d mit Miß Clarice Adelaide Sebag-Montefiore schon ziemlich weit vorgeschritten sind. Die Zeremonie wird vom Oberrabbinec Michael Adler in der Zentcalsynagoge in Hallam Street vollzogen. Mr. Edmund Sebag-Monrefiore wird seine Tochter zum Traualtar ge- .leiten, zehn Kranzeljnngfern werden ihr folgen, darunter zwei Schwestern, ein Fräulein v. Gvldfchmidt-Rothschild, Miß Bennet, Miß Bnllock. Miß Behrens, Miß Hare. Ein kleiner Bruder der Braut. Vivian, wird in einem Lostüin nach Gainsborough als Page fnngieren, eine kleine Fould-Springer als Schleppträgerin. Die Braut hat von ihrem Vater einen Alt-Brüsseler Brautschleier bekommen, den sie über ein weißes Charmeusekleid trägt, die .Kranzeljungfern erscheinen in rosa Kleidern mit Fichn nach einem Bilde von Romney und großen schwarzen Hüten mit weißen Stranßfedern. Nach der Trauung findet im Hanse des Vaters der Braut, Bryanston Square, ein Empfang statt, worauf das Neuvermählte Paar nach Frankreich abreist, wo es die Flitterwochen im Süden verleben wird. Miß Sebag-Montefiore hat sehr viele Hochzeitsgeschenke erhalten, die größtenteils ans Möbeln in alten und neuen Stilarten und reichem Schmuck bestehen. Wien. (V e rein jüdischer H o ch s ch ü l e r „M e n s a a c ad e m i c a I u d a i c a". Wien, IX.. P r a m e r g a s s e 31.) Donnerstag, den 31. Oktober l. I. fand anläßlich des erstjührigen Bestandes der „Mensa ncademica Jndaica" in deren Lokalitäten eine Feier statt, zu der auch als Vertreter der israel. Kultusgemeinde Herr Uiuv.-Prvf. Dr. I. P o l l a k und für das Kuratorium der Mensa Herr Generalstabsarzt Dr. I. Zucke r- « fl n u erschienen waren. Auch hatten fast alle Wiener jüdisch-akademischen Vereine und Korporationen Vertreter entsandt. Nachdem der Präses des Vereines, med. I. V e c s l e r, die zahlreich erschienen Gäste auf das herzlichste begrüßt hatte, nahm exp. acad. A. Emanuel Reiner das Wort zur Festrede. Derselbe wies darauf hin, daß die jüdische Oeffentlichkeit ursprünglich voller Skeptizismus und Mißtrauen der Schaffung einer jüdischen Mensa durch die jüdischen Studenten gegenüber gestanden sei. .Heute, nachdem die Mensa durch ihren einjährigen Bestand, durch die hohe stets wachsende Zahl der täglichen Frequentäuten. durch die Größe des -jährlichen Umsatzkapitals (gegen K 53.000) und Lurch die Sympathien, die sich durch eine hohe Mitgliederzahl dokumentieren, ihre Existenzberechtigung, ihre Notwendigkeit und ihre Lebensfähigkeit bewiesen hat, wandte sich -dieser Institution auch das Vertrauen der gesamten jüdischen Oeffentlichkeit, und zwar nicht nur Oesterreichs, sondern auch des Auslandes, zu. Die Mensa wurde vor einem Jahre fast ohne Mittel förmlich aus dem Boden gestampft, heute sei ihr Bestand gesichert. Die jüdischen Studenten haben -durch die Gründung einer eigenen Mensa bewiesen, daß sie zu praktisch positiver Arbeit fähig seien und das ihnen von der jüdischen O-ffentlrchkeit geschenkte Vertrauen vollauf rechtfertigen und verdienen. Wenn die jüdischen Studenten auch weiterhin mit derselben Begeisterung wie bisher an diesem -kollegial humanen Werke Mitarbeiten und auch die jüdische Oiffentlichkeit durch Zuwendungen die edlen Bestrebungen des Vereines fördert, dann werde die Mensa nicht nur dem heimatlosen Studenten das Heim ersetzen, den ärmeren Kollegen durch Verabreichung von billigen und dabei doch genügenden und rituell zubereiteten Speisen eine Stütze sein, sondern auch — und die Mensa sei der geeignetste Ort dafür — b<?r geistige Brennpunkt der jüdischen Studentenschaft werden. Nack den mit Beifall aufgenommenen Ausführungen des Festredners beglückwünschte im Namen Der israel. Kultnsgemeinde Wien Herr Univ.-Prof. Dr. I. P o l l a k und im Aufträge des Kuratoriums dessen Vizepräsident, Herr Generalstabsarzt 'Dr. I. Zucker mann, die Mensa zu ihrem erstjährigen Bestände und wünschten ihr auch für die Zukunft das beste Gedeihen und vollsten Erfolg in ihren Bestrebungen. Tosender, nicht enden wollender Beifall belohnten die vom Herzen kommenden Worte. Nachdem noch cand. med. M. K e s s l e r die tatkräftige Mitarbeit des Kuratoriums und insbesondere der dem .'Kuratorium angehörendeu jüdischen Universitätsprofessoren, denen die jüdische Studentenschaft Wiens zu größtem Danke verpflichtet ist, hervorgehoben batte, überbrachten noch -mehrere Vertreter jüdischer Studenten der Mensa ihre Glückwünsche. Hierauf wurde der offizielle Teil des Abends geschlossen und ein fröhlicher Kommers vereinte die Teilnehmer bis in die frühen Morgenstunden. - Wien. (Jüdische Toynbeehalle, XX., Othmargasse 46.) Samstag, den 9. di M. eröffnet die Toynbeehalle mit einem von der Gesangsmeisterin Frl. Alice G old b erg arrangierten Konzertabend die Vortragssaison pro 1912/13. Sonntag, den 10. d. M. findet der erste .chopnlär-wissenschaftliche Bortrag statt, den Herr Professor Dr. Moriz Rosenfeld über das Thema: „Moderne Ideen bei Propheten und °Psalmisten" abhalten wird. Das Wochenprogramm wurde wie folgt festgesetzt: Montag, den 10. November beginnt ein Zyklus aus deutscher Literatur^ der au jedem folgenden Montag fortgesetzt wird. Am ersten Abend liest Frau Anitta M ü l l e r - R o s e n z w e i g. Dienstag, de« 11. November spricht Herr Dr. Heinrich Keller über das Thema: „Die Verweichlichung der Jugend", Mittwoch, den 12. November Herr Dr. I. Lederer über „Verbrechen und Schuld". Donnerstag, den 14. November Fachlehrer Georg S ch m i e b l „lieber die Erziehung zum soziale« Wesen". Die Reihe der Bibelvocträge eröffnet Lehrer H. Löw - B 0 ge 1 am Freitag, den 15. November. Die Borrrüge beginnen Samstag, Sonntag und Freirag um 7 Uhr. au den anderen Tagen um halb 8 Uhr abends. Eine wesentliche Ausgestaltung erfuhren in diesem Jahre die unentgeltlichen Unterrichtsknrie der Toynbeehalle. Im XX. Bezirk, Othmargasse 46, werden Kurse aus: Kaufmännischer Buchhaltung, deutscher. französischer und englischer Sprache, ferner aus Stenographie abgehalteu. Anmeldeformulare sind bei Verwalter Klein. XX., Othmargasse 46, erhältlich. In der Religiousschule der Kultusgemeiude, I., Seirenstetteugaffe 2 wird je ei« Kurs Englisch für Ausüuger und Fortgeschrittene und ein Stenographieknrs abgehalren. Die Einschreibungen für diese Kurse finden Sonntag, den 10. November, von 12 bis 1 Uhr Mittags und Montag, den 11. November von 7 bis 9 Uhr abends im Schullokale statt. Als Einschreibgebühr für diese unentgeltlichen Unterrichtskurse ist pro Kurs der Betrag von -e i n e r K r o u e zu erlegen. Wien. (T a n z l e h r i n st i t u t H e i m a n n.) Das altrenommierte Tanzlehrinstilur H e i m a n n, H.. Pratersrraße 43, erfreut sich auch in der heurigen Saison, die am 1. September eröffnet wurde, großen Zuspruches. Besonderen Anklang finden auch die beliebten Jugenduud Kinder-Kurse, die am 1. Oktober begonnen haben, uud in welchen die jungen Leute nicht nur in die Geheimnisse der Tanzkunst elugeführt werden, sonder« was noch viel wichtiger fürs Leben ist. sich gesellschaftlich regen und bewegen lernen. Allgemeinen Beifall und Anerkennung sinder auch, daß der Unterrichtsleiter. Herr Rudolf H eimann, diese Kurse heuer durch eine Neuerung ergänzt hat. und zwar durch Einführung von gymnastischästhetischen Körper- und Geleuksübungen. welche das Turneu vollkommen ersetzen. Wien. Das Bethaus und das Bethamidrasch „Talmud- Thora" veranstalteten iic der geräumigen Synagoge des „Talmud- Thora"-Gebüudes am verflossenen Sonntag, den 3. d. M. eine Trauerandacht für den verewigten Herrn Simon B u ch w a l d. au der sich alle Wohltätigkeirs- und Belhausvereine mit ihren Vorstehern und viele Tranergäste aus allen Bezirken beteiligten. Die Kultusgemeinde war durch die Herren Bizepräses Dr. Gustav K o h n und die Vorsteher B r o d, Kanders und Schramek, die Adas Jisroel — „Schiffschnle" — durch Herrn Rabbiner F ü r st, den Obmann Herrn Markus Bond i, Dr. Reiniger, W. P a p p e n h e i m und alle übrigen Vorsteher vertreten, kurz was Namen und Klang hatte, war anwesend. Herr Rabbiner H. Schenk, schilderte in treulicher Rede das langjährige segensreiche Wirken Buchwalds' und die Anerkennung, die ihm zuteil wurde. Feierliche Stille herrschte bei der ganzen Andacht, deren liturgischen Teil die Kantoren L ö w y und Dukes bestens absolvierten. In einem besonders warm gehaltenen Kordolenzschreiben an die Leitung der „Talmud-Thora"- Synagoge erwähnte der Vorstand der „Schifffchnle" die große Lücke, die der selige Buchwald zurückgelassen und darin sind alle einig, die dieser großen Trauerfeier belgewohnt haben und mit diesen trauern viele Tausende außerhalb Wiens, die den Namen dieses Menschenfreundes in dankbarem Angedenken stets bewahren werden. Wien. Beginn der populär-wissenschaftlichen Freitag-Abend- Vortrüge — auch Frauen zugänglich — am Bet-Hamidrasch „Talmud- Thora^, II., Malzgasse 16. Am 8. November 1. Bortrag: Herr Rabbiner Schenk: „Die Psalmen", und am 15. d. M. Herr Prof. Antscherl: „Die geschichtlichen Ereignisse des Monats Kislew". Beginn jedesmal um 7 Uhr 30 abends. Wien-Josefstadt. Am Sonntag, den 3. November d. I. wurde im Sitzungssaale des Tempels. VIII., Neudeggergasse. zum Andenken an den verstorbenen Vizepräses, Herrn Architekten Jakob Modern s. A., sein vom Vorstände gewidmetes Porträt feierlich enthüllt, bei welcher Gelegenheit der Präses, Herr Hermann Beck, dem Dahingeschiedeneu einen tiefempfundenen Nachruf hielt. Nachher fand im Tempel ein Requiem vor zahlreichen Trauergästen statt. Außer der Familie des Verblichenen fanden sich znr Tranerfeier ein: der gesamte Vorstand des Vereines mit dem Präses Herrn Hermann Beck an der Spitze, als Vertreter der Kultusgemeinde die Herren Kultusvorsiände Brod, Grünwald. Dr. Schreiber, Herr Generaliekretär kais. Rar Lieben, ferner die Herren Rabbiner Dr. Rosen m a n n, Dr. Schwarz, Schulinfpektor K a «i tz, der Präsident des Tempels im IX. Bezirke. Herr Gottlieb Bertelheim. das Borstaudsmitglied des Mariahilfer Tempels, Herr Hermann König, des Fnabacher Tempelvereines. Herr Ehrenseld. vom Tempel des XIX. Bezirkes Herr Fl a u d r a k, weiters die Herren Alfred v. Strasser, Generaldirektor Horch, die Herren und Damen des Vorstandes des Rekonvaleszentenheimes „Philantropia", dessen Ehrenmitglied der Verstorbene war. mit seiner Präsidentin Frau Amalie Beck, zahlreiche Bereinsmitglieder n. a. m. Herr Oberkanior Neuman n leitete die Trauerfeier mit dem von Prof. S. S u l z e r komponierten Psalm, Kap. 49, in würdevoller und erhebender Weise und unter andächtiger Stimmung der Anwesenden ein, worauf Rabbiner Dr. Bauer in gediegener, schwungvoller und tiefempfundener Rede dem Verewigten einen wohlverdienten, warmen Nachruf widmete. Hierauf brachte Oberkantor Neumann das „Dl mole raehamim^ mit echt chasonischem und künstlerisch vollendetem Geschmack zum Bortrag. Das Mincha- und Maariv-Gebet versah Herr Kantor Grob unter Chor» und Orgelbegleituug zur vollsten Anerkennung. Krummau. Herr Rabbiner Dr. L. Hirsch ist zum k. k. Professor ernannt worden.

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