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Die Wahrheit · 1912-11-01 · Heft 42 (1.11.1912) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 42 (1.11.1912)
Date
1912-11-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Die Wahrheit. Nr. 42. so sei das deutsche Laudeskomitee die einzige zuständige Behörde, mit der verhandelt werden müsse. Die Versammlung wählte dann einen aus zehn Herren bestehenden Ausschuß zur Vorbereitung der notwendigen Satzungsänderungen und Festsetzung derjenigen Maßnahmen, die erforderlich sind, um das deutsche Landeskomitee als selbständige, unabhängige Organisation zu befestigen und zu erweitern." Das Laudeskomitee stoßt aber nicht nur bei dem Zentraltomitee, sondern auch in Deutschland selbst, namentlich bei den großen deutschen Organisationen ans heftige Opposition, und so hat sich m Berlin ein Komitee gebildet, das mit völliger Ausschaltung des Landeskomitees die Lösung des Allianzstreites in folgendem Sinne plant: 1. In Erkenntnis, daß irgend etwas Positives geschaffen werden muß, um den Alliaüzstreit zu begraben und das unglückselige Laudeskomitee ansznschalten. 2. In Würdigung des Standpunktes des Zentralkomitees, bei.der Verfügung über die ans Deutschland kommenden Allianzbeiträge unter Mitwirkung der 21 deutschen Z.-K.-Mitglieder autonom zu sein und kein zweites Zentralkomitee anerkennen zu können. In der Erwartung, daß das Zentralkomitee in Paris eine Organisation der deutschen Allianzmitglieder durch Bildung größerer Bezirks ko mite es gntheißen wird, welche eine größere Anzahl Lokalkomitees und die innerhalb des betreffenden Bezirkes vorhandenen Einzelmitglieder umfassen, beschließen die Berliner Allianzmitglieder die Bildung eines Bezirkskomitees für die Provinzen Braud e n bürg inkl. Groß-Berlin, Pom m e r n und Sachsen, unter folgenden Bedingungen: a) Das vorbenannte B ezi r k sko m i te e, umfassend die in den Bezirken vorhandenen Lokalkomitees und Einzelmitglieder, soll g l e i ch g e st e l l t werden den bereits grundsätzlich beschlossenen übrigen deutschen Bezirkskomitees, als: 1. Dem i ü d- und sü d w e std e n t s ch e n Bezirks-, komitee (Großherzogtum Hessen, Provinz Hessen-Nassau, Rheinland und einen Teil Süddentschlands). Vorort: Frankfurt a. M. 2. D e m n o r d w e st d e u t s ch e n B e z i r! s k o m i t e e (Hansastädte. Mecklenburg, Provinzen Westfalen, Sachsen rc ). Vorort: Hamburg. 3. Dem oft- und westpreußischen Bezirkskomitee (inkl. Posen und Schlesien). Vorort: Königsberg und Breslau. 4. Und dem bereits seit langen Jahren bestehenden Badischen Laudeskomitee. Vorort: Mannheim. 5. Pfälzisches Komitee. Vorort: Lndwigshafen 6. sowie den übrigen noch zu bildenden Bezirkskomitees. b) Die deutschen Bezirkskomitees haben sich unter der Form einer freien Organisation zu konstituieren, die als Vertretung der deutschen Allianzmitglieder zu betrachten ist und den Zweck hat: aa) Eine einheitliche Propaganda in Deutschland zur Werbung neuer Mitglieder in die Wege zu leiten, die bestehenden Lokalkomitees straffer zu organisieren und für Schaffung einer größeren Anzahl Lokalkomitees in jedem Bezirk Sorge zu tragen; dir) alljährlich die Vertreter aller deutschen Bezirkskvmitees ein oder mehrere Male in Gemeinschaft mit den 21 deutschen Mitgliedern des Zentralkomitees zu einer Sitzung' zu berufen, um über die allgemeinen Interessen der Mauz zu beraten und etwaige Wünsche und Vorschläge sowohl direkt schriftlich dem Zentralkomitee als den 21 deutschen Mitgliedern zur persönlichen Vertretung in Paris zu unterbreiten und für die Wahlen zum Zentralkomitee geeignete Mitglieder aus Deutschland zu präsentieren. ■ * * * In sämtlichen Staaten des Balkans, welche gegenwärtig jn einen Krieg verwickelt sind, leben die Inden im Genüsse vollster bürgerlicher Gleichberechtigung. Sie nehmen in den betreffenden Staaten auch bedeutende soziale und politische Stellungen ein. Hauptsächlich ist dies in den zwei wichtigsten Staaten, die in diesem Kriege in Betracht kommen, in der Türkei und in Bulgarien der Fall.' ' ' - Die 40.000 Inden, die in Bulgarien leben, wohnen nicht bloß in den Städten, sondern sind auch ans die Dörfer verteilt, in denen sie Landwirtschaft treiben und mit der Bauernbevölkerung im friedlichsten Einvernehmen leben. An den Fortschritten, welche das bulgarische Militär aufznweisen hat, haben die Inden einen nicht geringen Anteil. Bezeichnend ist, daß die bulgarischen Juden seit dem bulgarisch-serbischen Krieg im Jahre 1878 ein eigenes jüdisches Freiwilligen-Neservekorps erhalten und die bulgarischen Blätter wiesen wiederholt daraus hin, daß dieses jüdische Korps zu den tapfersten und verläßlichsten zählt und auch eine ruhmreiche Vergangenheit besitzt. In dem obenerwähnten bulgarisch-serbischen Krieg hat dieses jüdische Freiwilligenkorps ganz selbständig einen sehr wichtigen strategischen Punkt unter besonderem Heldenmut besetzt und dadurch einen späteren Sieg herbeigeführt. Unter solchen Umständen ist es wohl nicht zu verwundern, daß die bulgarischen Inden in ihrem glühenden Patriotismus jeden wehrfähigen Mann in die Front schicken, um dem Vaterlande znhilfe zn eilen. Aber auch in der Erbringung materieller Opfer stehen, wie die bulgarischen Blätter besonders betonen, die jüdischen Staatsbürger obenan. Die Juden in der Türkei zeigen dieselbe Opferwilligkeit und Entschlossenheit zur Verteidigung ihres Vaterlandes. Die attomanischen Juden, deren größter Teil in der europäischen Türkei lebt, werden seit der Zulassung der „nichtmohammedanischen Otlomauen zum Militärdienst jetzt zum erstenmale in die Lage versetzt, als türkische Soldaten in größerer Zahl für ihr Vaterland zu kämpfen. Und es vergeht fast kein Tag, wo die ottomauischen Juden nicht neue und erhöhte Beweise ihres Opfermutes und ihrer Bereitwilligkeit erbrächten, Gut und Blut für ihr bedrängtes Vaterland zn opfern. Allsabbathlich wird jetzt in den Synagogen durch den Rabbiner die jüdische -Bevölkerung aufgefordert, dem Vaterlande znhilfe zu eilen. Und diese Appelle werden mit Enthusiasmus ausgenommen und in allen Städten, in denen die Inden in größerer Anzahl leben, melden sich jüdische Freiwillige, die sich für den Krieg anwerben lassen. In Konstantinopel, im Stadtbezirke Haskeny, fand eine von vielen Tausenden besuchte jüdische Versammlung statt, in welcher eine neuerliche Verbrüderung zwischen Mohammedanern und Juden stattfand und die mit der Wahl eines Komitees endete, das die Aufgabe hat, in den jüdischen Vierteln über die Pflichten des Patriotismus aufklärend zu wirken. Der „Rote Halbmond", eine nach dem Muster des „Roten Kreuzes" geschaffene Institution', zählt zu den Hanptsörderern Juden. * * * Zur Affaire Justschinski wird aus Kiew berichtet: Vor einigen Tagen hat hier der Jnstizminister S t s ch e g l o N> i t o w geweilt und sich mit dem Ritualmordprozeß beschäftigt. Man hatte allgemein mit Bestimmtheit damit gerechnet, daß die Anwesenheit des Justizministers in Kiew endlich die lange erwartete Freilassung des des Ritualmordes angeklagten Beilis zur Folge haben würde. Statt dessen ist eine Wendung znm Schlimmen eingetreten. Die antisemitische Staatsanwaltschaft wagt es jetzt, gegen einen der Verteidiger von Beilis, den Rechtsanwalt M a r g o l i n, die Anklage zn erheben, daß er die berüchtigte Wera Tschebyrjak durch eine hohe Geldsumme habe bewegen wollen, sich selbst des Mordes an Justschinski zu beschuldigen. Es ist zwar feststehend, daß die Staats-Auwaltschaft sich damit außerordentlich blamieren würde, wenn es einmal zum Prozeß kommen sollte. Im gegebenen Moment handelt es sich jedoch um einen geeigneten Hetzstoff zur Beeinflussung der Kiewer Wähler, und es scheint, daß es der Regierung und den reaktionären Parteien ganz besonders daran gelegen ist, in Kiew einen Sieg zu erfechten. Die Gewissenlosigkeit der Hetzagitation hat denn auch jn diesen Tagen ihre Spitze erreicht. So wurde einem Wahlflngblatt zugunsten der reaktionären Kandidaten die Affaire Justschinski zugrunde gelegt. Wiederum ist darin der Kopf des ermordeten Knaben abgemalt, wiederum lautet die schreiende

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