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Die Wahrheit · 1912-10-25 · Heft 41 (25.10.1912) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 41 (25.10.1912)
Date
1912-10-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Nr. 41. Seite 10. Die Wahrheit der Herausgeber der agrarischen „Zeltfragen", hat gegen eine Identifizierung seiner Hetzartikel mit den Preßerzeugniffen dieser Periode entrüstet Einspruch erhoben, obwohl gerade die Hanptpreßorgane des Bundes der Landwirte in der Polemik gegen die Juden erfahrungsgemäß den ordinärsten Ton anschlagen. Bei weitem gefährlicher ist dagegen der latente, oder im schillernden Gewanhe der Wissenschaft einherschreitende Antisemitismus jener höheren, sogenannten gebildeten Gesellschaftskreise geworden, die die Ausschreitungen des Pöbels zwar mißbilligen, aber selbst vor jeder Berührung mit dem Judentum wie vor einem Gifthauch zurückschrecken. Nicht wenige dieser „vornehmen" Antisemiten haben vielleicht nie im Leben mit Juden aus ihrem gesellschaftlichen oder sozialen Milien irgendwelchen Verkehr gehabt; sie kennen die Psyche des Juden gar nicht, wissen nicht, was sein Denken und Fühlen beherrscht, ob und inwieweit die Empfindungsweise des Juden sich überhaupt irgendwie erkennbar von der ihrigen unterscheidet — und sind gleichwohl fanatische Gegner des Judentums. Fragt man sie nach den Gründen, so verschanzen sie sich, wenn sie infolge ihrer gänzlichen Unkenntnis des Judentums wie der einzelnen Juden schließlich nichts Stichhaltiges mehr anführen können, hinter das beliebte Schlagwort der instiktiven Abneigung. Wo der Intellekt fehlt oder Bankerott gemacht hat, muß der Jnstikt aushelfen, und daran knüpfen sich dann mehr oder minder geistreiche Hypothesen aus der Rüstkammer der Herren Rassengelehrten. Die heutige Indenmisere, so wie sie sich in öen Köpfen der nationalistischen Klageweiber beiderlei Geschlechtes oder der wirtschaftlichen Konkurrenten der Inden widerspiegelt, hat ein so klar denkender Kopf wie Robert Hamerling schon vor 25 Jahren vorausgesagt. Er hat dringend davor gewarnt, die Juden aus ganzen Kategorien von Staatsämtern auszuschließen und sie mit Gewalt in eine kleine Anzahl von privaten Berufen hineinzudrängen, was mit Naturnotwendigkeit zur Katastrophe führenmüsse: „Die größte Unklugheit wäre es, im Zeitalter der Humanität die Juden neuerdings zu interessanten Märtyrern zu machen. Und wollte man sie grundsätzlich von Staatsämtern, von öffentlichen und privaten Stellungen ausschließen, so würde man sie um so entschiedener auf jene Gebiete drängen, wo ihre Konkurrenz am gefährlichsten ist, ihre Macht und ihr Einfluß am meisten zu bedenken Anlaß gibt: auf die Gebiete der Börse. Geld- und Handelsspekulation, des Schachers, des Wuchers und — der Journalistik. Der Staat kann uns gegen Uebergriffe des Judentums nur durch dieselben Gesetze schützen, welche auch den Juden selbst schützen. Ich sehe keine Möglichkeit, das Umsichgreifen irgendwelcher einzelnen Raffe wirksam auf die Dauer anders zu bekämpfen, als im Privatwege mit den Mitteln einerrührigen und intelligenten Konkurrenz." (Schluß folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wie». Freitag, den 25. Oktober, abends. Predigt im Stadt-Tempel. - Wie». Herr Albert Frankl, Vorstandsmitglied dss Tempelvereines im V1H. Bezirk, hat die Barmizwahfeier seines Sohnes infolge Erkrankung desselben für Samstag, den 9. November, verschoben. Dieselbe findet im Tempel yiU., Neudeggergasse 12, vormittag 9. Uhr, statt. Wie». (Verein zur Hebung der Gewerbe.) Der Verein zeigt hiermit an, daß am Sonntag, den 27. d. M., um 10 Uhr vormittags, unter Führung seines Präsidenten S. B r o d, die Besichtigung des neuen Wiener Bank-Vereiu-Gebäudes, I., Schotteuring, stattfindet. Wie». (Verein jüd. Hochschüler „M ensa academica I u d a i c a", Wien, DL, Pramergasse 81.) Samstag, den 19. Oktober 1912 sanh die dritte ordentliche Plenarversammlung des Vereines jüdischer Hochschüler, „Mensa academica Judaica", statt, an welcher in Vertretung des Kuratoriums der Mensa der Präsident desselben, Herr Univ.-Prof. Dr. M. H a j e k und Herr Kommerzialrat R o s e n z w e i g erschienen. Dem Rechenschaftsberichte des Präsidiums entnehmen wir, daß im abgelaufenen Vereinsjahre der Geldumsatz des Vereines die für einen Hochschülerverein recht ansehnliche Summe von ungefähr 53.000 Kronen erreicht hat. Außerdem konnte der Oekonom med. Kessler konstatieren, daß im laufenden Studienjahre die Zahl der Frequentanten der „Mensa academica Judaica" sich mehr als verdoppelt hat. Nachdem der Präsident des Kuratoriums, Herr Univ.-Prof. Dr. H a j e k, dem abtreienden Vereiusausschusie seine uneingeschränkte Anerkennung ausgesprochen hatte, wurde dem Ausschüsse unter lebhaftem, sich immer wiederholenden« Applaus das Absolutorium summa cum laude erteilt. Bei den hieraus folgenden Neuwahlen wurden folgende Herren in den Vereinsausschnß gewählt: med. Jean Vecsler Präses, med. Lipa Schummer I. Vizepräses, phil. Hersch Wolf Andermann H. Vizepräses, exp. acad. A. Emanuel. Reiner und med. Markus Salzberger Oekonomen, med. Sigmund Klein und med. Berl K l i n g h o f f e r Schriftführer, Caesar C a j o n und med. Samuel S i l b e r b u s ch Hausverweser, med. Moses Rabbach und med. Abraham Berger Kassiere, med. Moses F e u d r i ch Lektiouar. Zu Revisoren wurden per Akklamation folgende Herren gewählt: Dr. Heinrich S ch i f f m a n n, phil. Srul K v h n und Dr. Leo Goldhammer. Wie». (Jüd. Turnverein Favoriten.) Dienstag, den 29. Oktober findet im Saale des jüd. Schulvereins. X., Hajengasse 7, präzise 8 Uhr abends, der I. Vortragsabend d. I. statt. Thema: Zur Frage der jüd. Erziehung. Referent: Turnleiter Herr cand. med. Ad- T a g l i ch t. Gäste herzlichst willkommen! Wien. (A l l g e m. K r a n k e n - U u t e r st ü tz u n g s -'V e r e i n „Menschenliebe".) Zu Gunsten des Vereines veranstaltet das Vergnügnngskomitee am 2. November d. I. eine große Abend-Vorstellung im Zirkus Busch-Variete mit gewähltem dezenten Programm und anschließeu-- dem Tanz. Karten im Verein-lokale, IX., Porzellangusse 22, Cafe Jägerhof, von 1—3 und von 6—8 Uhr. Wien. In der Nachr von Sonntag zum Montag verschied nach dreitägiger Krankheit der nm seine armen und kranken Glaubensgenossen ans dem In- und Anslande, besonders auch aus Palästina, und noch um andere sehr wichtige Institutionen unserer Großgemeinde vielfach verdiente und allbeliebte Herr Simon Buchrvald, zum großen Schmerze seiner biederen Gattin und seiner drei angesehenen, verehelichten Töchter, aber auch zum tiefen Gram und zur aufrichtigen Trauer vieler Vereine, denen er als Mitglied und Vorsteher angehörte,- und ihrer Pfiegebesohleuen, und wurde in Preßburg am 22. d. M. unter großen Ehren bestattet. Ueber die Ehren, die dem viel zu früh uns entrisienen Menschenfreuude in Wien und Preßburg bei dessen Bestaltnng erwiesen wurden, berichten wir in der nächsten Nummer. Der ttesbetrübten Familie und all den zahllos Trauernden möge himmlischer Trost zuteil werden! Wien. Montag, den 21. d. M., 1j28 Uhr abends, fand im Festsaale des „Hotel Continental". H., Taborstraße 4. eine vom provisorischen Komitee der „Agudas Jisroel" in Wien einberufene Versammlung statt^ die sich eines außerordentlich zahlreichen Besuches erfreute. Den Vorsitz führte Herr med. Dr. I. Reiniger, welcher nach einem warmen Nachrufe für den kürzlich dahiugeschiedeueu, glaubeuseisrigen und um zahlreiche jüdische Institutionen in Wien hochverdienten Herrn Simon Buchwald, die anwesenden Gäste begrüßte und hieraus Herrn Rabbiner Dr. Arnold' Klein aus Nürnberg das Wort zu semem angekündigten Vortrag, „D i e Weltorganisation des g e s e tz e s t r e u e n Judentums", erteilte. Der Vortragende, der über ein sympathisches Organ und eine bedeutende Rednergabe verfügt, behandelte das interessante Thema in überaus eingehender und fesselnder Weise und erntete am Schlüsse seiner Ausführungen stürmischeil Beifall. An der hierauf eröffneten Diskussion beteiligten sich Knltnsvorsteher Dr. Schreiber, welcher die Organisation der „Agudas Jisrol" namens des Kultusvorstandes begrüßte, sowie Rabbiner Dr. Feuchtw an g und die Herren Stern, Austerlitz, Wilhelm Papp enh eim und Plasch kes. Ueber den Bortrag selbst sowie über den zweiten Vortrag, „D i e Z u k u n f t d e s I n d e n t u m s unb her Sabba t", den Rabbiner Dr. Klein Mittwoch, den 23. d. M., über Einladung des „V e r e i n s der S a b b a t s r e u n d r" hielt, werden wir nächstens aussührlicher berichten. Wien. Sonntag, den 20. d. M., wurde am Zentralsriedhose das Grabdenkmal für weiland kais. Rat Oberkantor Josef Singer und seine ihm im Tode vorausgegangene, nunmehr in gemeinschaftlichem Grabe wieder mit ihm vereinigte Gattin, Othilde Singer, aufgestellt. Der Trauerfeier, bei welcher Oberkantor Morgenstern die üblichen Gebete' rezitierte, wohnten über ausdrücklichen Wunsch der Familie nur die nächsten Verwandten bei. Wien. Sonntag, den 20. d. M., feierte der frühere Seniorches der bekannten Selchwarenfabrik I. Theumann, Herr Jakob Thenmann, seinen 70. Geburtstag im engsten Familienkreise. Aus diesem Anlasie wurde der Jubilar Samstag, den 19. d. M., im Leopoldstädter Tempel zur Thora gerufen, woselbst ihm Oberkantor Morgenstern einen besonderen Mischeberach machte. Vom Jubilar sowohl wie auch von seinen Angehörigen wurden bei der Thora größere Spenden für wohltätige Zwecke 'gewidmet.- Wien-Josefftadt. Sonntag, den 3. November 1912, findet im Tempel VIII., Neudeggergasse 12. um 5 Uhr abends, die Gedächtnisfeier für Herrn Jakob Modern s. A.. I. Bizepräses des Tempelbauvereines des VIH. Bezirkes der Stadt Wien, statt. Budapest, 22. Oktober 1912. In dem heute in Budapest tagenden Hnuderrer-Komitee hat die vorbereitende Kommission auf Grund des Vorschlages des Präsidenten, Magnatenhaus-Mitgliedes Franz Sz e ke ly, Herrn Rabbiner Dr. Funk aus Pozsony zum Vorsitzenden gewählt. Birovitiea. Bei der am 20. Oktober abgehaltenen Sitzung dev Repräsentanz unserer israel. Kultusgemeinde wurde Herr Oberkantor Tobias- Schuss ing er, der bislang das hiesige Oberkautoramt nur provisorisch bekleidete, einstimmig zu in definitiven Oberkantor unserer Gemeinde gewählt. Jüdische "Bühne. Direktion M. Siegler. „Hotel Stefanie" H, Taborstraße 12. Freitag, den 25. Samstag, den 26., Sonntag, den,- 27. und Montag, den 28. Oktober 1912 „B a s Schema" Operette von I. Lateiner, Musik von Moguleskn. Sonnraa, den 27. Oktober 1912, um halb 4 Uhr nachmittags, bei ermäßigten Preisen „S Anne b e i der Tora" bon Rakow. Dienstag, den 29. und Mittwoch, den 30. Oktober „Der Unbekannte" von I. Gordin, (Auftreten des Fräulein Souia ISagorskaja vom jüdischen Theater in Kiew als Gast.). Donnerstag, den 31. Oktober 1912 „B as Schew «". Freitag, den 1. November 1912, um halb 4 Uhr nachmittags, bei ermäßigten Preisen „Sulami th" von A. Goldfaden.

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