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Die Wahrheit · 1912-10-18 · Heft 40 (18.10.1912) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 40 (18.10.1912)
Date
1912-10-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Die Wahrheit Nr. 40. Liuz a. D. Am 12. September feierte unser allverehrte Tempelvorsteher, Herr Josef Beitler, feinen 80. Geburtstag. Aus diesem Anlasse hatten sich der Borstand mit dem Präses Herrn Schwager an der Spitze, korporativ im Tempel eingefunden, um dem verdienstvollen Manne.Ehre und Hochachtung zu bekunden. Herr Veitler, welcher seine ganze Zeit dem Armeninstitut der Kultusgemeinde widmet, um durch Gaben den Schmerz der Witwen und Waisen zu lindern, wurde zur Thora gerufen, bei welcher Gelegenheit Herr Rabbiner Fried mann eine schwungvolle Ansprache an den Jubilar hielt. Die Herren Oberkantor Löwensohn und Kantor Piskary rezitierten jeder .einen selbstverfaßten schönen wirknngsvolleu Mischeberach. Der Vorstand überreichte als Ehrengeschenk eine Silbertasse mit Widmung. B. L. . Jglau. Heute ist im Alter von 87 Jahren der langjährige allgemein verehrte Rabbiner unserer Kultusgememde Herr Tr.J. I. Ung er gestorben. Er blickte auf eine 54 jährige, verdienstvolle, seelsorgerische und reiche literarische Tätigkeit zurück. Die Trauer in der Gevieinde ist eiue allgemeine und aufrichtige. Lielitz. Herr Oberkantor Ignaz Goldmann, der zur Förderung des Kunstlebens in dieser Stadt Bedeutendes beigetrageu hat, feiert am 20. d. M. sein 25jähriges Amtsjubiläum. Aus diesem Anlässe planen die hiesige Gemeinde sowie aucb die zahlreichen Verehrer seiner Gesangskunst große Ehrungen für den hochverdienten Jubilar. Budapest. Kultusminister Graf Johann Z i ch y hat für das jüdische Lehrerpräparandeu-Jnternat als vorläufigen Jahresbeitrag K 25.000 bewilligt. Budapest. Was das offizielle Regierungsblatt „Budapester Korrespondenz" schreibt, ist im neuen Finanzbudget für die Erlangung der Seelsorgerbezüge durch Alterszulageu eine höhere Summe vorgeschlagen. Aber nicht nur für die mit höherer Qualifikation bedachten Seelsorger hat die Regierung Sorge getragen, für jene, die kein Reifezeugnis besitzen, find als Zulage X 3,699.267 präliminiert. Es haben demnach auch die in kleinen Gemeinden amtierenden orthodoxen Rabbiner Aussicht, von der Regierung irgendwelche Linderung ihrer unerträglichen Notlage zu erhalten; nur soll diese Unterstützung — wie die Allg. jüd. Ztg. aus gut unterrichteter Quelle erfährt — nicht systematisiert, sondern in jedem einzelnen Falle vom freien Ermeffen des jeweiligen Ministers abhängig gemacht werden. Czeruowitz. Im Alter von 36 Jahren ist der Wunderrabbi von Sadagora Aron Friedmann einer tückischen Krankheit, die ihn seit Monaten aus Krankenlager gefesselt hielt, erlegen. Im vergangenen Sommer hatte sich der Wunderrabbi im Sanatorium Fürth in Wien der schweren Operation einer Mastdarnifistel unterzogen, die einen günstigen Verlauf genommen hatte. Trotzdem hatte er an den Folgen schwer zu leiden, die sich mir der Zeit derart verschlimmerten, daß der Kranke in steter Lebensgefahr schwebte, umso mehr, als die Kraukheit auf tuberkulöser Basis beruhte und infolgedessen an eine Genesung nicht zu denken war. Trotzdem wirkte die Todesnachricht auf alle hiesigen Bevölkerungskreise erschütternd und bei Verkündung derselben umstand eine tausendköpfige Menschenmenge wehklagend und jammernd das Palais des verstorbenen Großrabbiners. Um 11 Uhr vormittags fand die Beerdigung statt. Ein tausendstimmiges Wehgeschrei durchzitterte die Luft, als der Zug der Leidtragenden sich in Bewegung setzte. Sämtliche Geschäftslokale hatten zum Zeichen der Trauer die Läden geschloffen. Eine unabsehbare Menschenmenge folgte unausgesetzt jammernd und klagend dem Sarge. Kaum wiederzugeben sind die Szenen, die sich am offenen Grabe abspielten. Die verschiedenen Aeußerungen der Trauer und der Klage um den Verstorbenen spotten jeder Beschreibung. Aron Friedmann war der älteste Sohn des vor sechs Jahren verstorbenen Wunderrabbi Israel Friedmaun aus deffen erster Ehe. Der Verblichene hinterläßt eiue Witwe mit fünf unversorgten Kindern im Alter von 4 bis 16 Jahren. Der Nachfolger des Verstorbenen wird der älteste Sohn seines Vaters Israel Friedmann aus zweiter Ehe, Jakob Friedmaun. Berlin, 8. Oktober. Die Berliner Alliancemitglieder waren am letzteu Sonntag zu einer Generalversammlung zusammengetreten, um Stellung zu nehmen zu den Beschlüffen des Pariser Zentralkomitees, welche den Frieden abgelehnt haben. In der Diskussion stellten sich sämtliche Redner der sehr zahlreich besuchten Versammlung (n. a. waren anwesend Geheimrat Landau, Profeffor K a l i s ch e r, Professor Silbergleit. - Stadtrat S t r a n z. Profeffor Dr. Carl L e w i n, Profeffor Horwitz, Rechtsanwalt Dr. Münz. Justizrat Horwitz, Stadtrat G i m k i e w i c z. Stadtrat Rechtsanwalt Schachtel, Sanitätsrat F r a e u k e l, Stadtverordneter Max Solinger, Jnstizrat B e r n st e i n, . Chefredakteur Landau, Justizrat P i n n e r, Dr. P l o t k e, Jos. Chai m, Justizrat Max Fuchs und etwa 200 Mitglieder) auf. den Standpunkt, daß man gegenüber den unerhörten Herausforderungen von Paris an der Organisation der deutschen Mitglieder festhalten muffe, um auf deutschem Boden den Alliancegedanken zu erhalten und diejenigen statutenmäßigen Zwecke zu erfüllen, welche die deutsche Organisation bisher erfüllt habe. Die Versammlung nahm schließlich einstimmig folgende Entschließung an: „Die Generalversammlung der Berliner Alliancemitglieder hält nach wie vor an der Organisation des deutschen Landeskomitees als der berufenen Vertretung des Älliancegedankens in Deutschland fest. ' Sie ersucht den Vorstand des Laudeskomitees, die Organisation unverzüglich derart auszugestalten. daß das Landeskomite in der'Lage ist. die Ausgaben zu erfüllen, die es sich bisher gemäß dem Geist und Wortlaut der Alliancesatzungen gesetzt hat, insbesondere unbeschadet etwaiger Friedens-Verhandlungen eine energische Agitation für Werbung neuer und Erhaltung alter Mitglieder der A. I. U. zu entfalten." Berlin. Als Präsident des „Deutsch-israelitischen Gemeindebundes" wurde au Stelle des zurückgetreteuen Profeffor- Philippsohn Herr Profeffor K a l i f ch e r gewählt. London. Der Besuch des russischen Ministers des Aeußerir Sasanow in England hat, wie dem „Israelit" berichtet wird, auch bet den englischen Inden das größte Interesse hervorgerufen. Die Juden Englands haben, wie bekannt, in Angelegenheit der russischen P a ß f r a g e eine jahrelange Agitation entfaltet, diese Frage auch int Parlamente zur Sprache gebracht und mit der Aktion besonders stark eingesetzt, als'die Kunde von dem Erfolge derselben Bewegung in Amerika vor Jahresfrist nach London kam. In dieser Angelegenheit haben die führenden Kreise der englischen Judenheit dem englischen Minister des Aenßern Grey ein aussührliches Memorandum, überreicht, in welchem auf die Anomalie hingewiesen wird. daß der Schutz der englischen Regierung für ihre gleichberechtigten Bürger jüdischen Glaubens an'der russischen Grenze sozusagen gesetzlich aufhöre. Man gab sich nun der Hoffnung hin. daß Minister Grey auf Grund dieses Memorandums mit seinem russischen Kollegen während deffen Aufenthalt in London die Frage besprechen und die Angelegenheit selbst fördern werde. Ueberdies tauchte auch der Gedanke auf, daß eine jüdische Deputation, bestehend aus den einflußreichsten Persönlichkeiten. bei Sasanow vorspreche, um mit ihm persönlich wegen der Versolgnugen, denen die Inden Rußlands ausgesetzt sind, Rücksprache zu pflegen. Wohl hat diese Idee nicht in allen Kreisen der Londoner Inden Anklang gefunden, da es einflußreiche Personen gab, die einen solchen Schritt weder für opportun noch für nützlich hielten. Schließlich entschloß man sich dennoch zu dem Versuche, eine solche Deputation zu entsenden. Zu diesem Zwecke haben die Mitglieder der Deputation sich zunächst an den Minister Grey wegen der Audienz gewendet und gleichzeitig angegeben, daß sie in dieser Audienz den englischen Minister des. Aenßern bitten wollen, der jüdischen Deputation eine Audienz bei Sasanow zu verschaffen» Zwei Tage später erhielt nnn das Deputationskomitee die Mitteilung Greys, in welcher er selbst den Empfang der Deputation a b l e h n t, und ebenso a b l e h n t. der Deputation eine Audienz bei Sasanow zn erwirken. Diese schroffe Ablehnung hat in den Kreisen der englischen Judenheit begreiflicherweise einen peinlichen Eindruck gemacht. Newyork. Um den höchsten Posten im Staate Newyork ringen nun zwei Juden. Der demokratische Staatskonvent von Newyork, der nr Syracuse zusammengetreten ist, nominierte gestern zum demokratischen Gouverneurskandidaten William S n l z e r von Newyork, der ein von Tammany unabhängiger Demokrat ist. Sulzer ist feit 1894 Kongreßmitglied. Er wertrat die Newyorker Ostseite im Kongreß. Die Partei hofft, seine Popularität werde dem von der Rooseveltpartei ausgestellten Oskar Straus den Sieg entreißen. Sulzers Popularität in der Newyorker Ostseite rührt davon her, daß er die Kündigung des Handelsvertrages mit Rußland wegen der Nichtanerkennung der Pässe amerikanischer Juden veranlaßt hat. Jüdische Bühne. Direktion M. Siegler. „Hotel Stefanie" H., Taborstraße 12. Freitag, den 18. Samstag, den 19.. Sonntag, den, 20. Montag, den 21. und Dienstag den 22. Oktober 1912 „Der Jachs e n" Operette von A. Schorr, Musik von Rumschinsky. Sonntag, den 20. Oktober 1912, um halb 4 Uhr nachmittags, bei ermäßigten Preisen „D i e e r st e L i e b e" Operette von A. Schorr. Mittwoch, den 23. Oktober 1912, Wohltätigkeitsvorstellnng des Vereines der „Jüdischen Klein» gewerbetreibende", „Sulamith" von Goldfaden. Donnerstag, dem 24. Oktober 1912 „Der Jachsen" Operette von A. Schorr. In Vocbereitung „Bas Schewa" Operette von Lateiner und „Der Unbekannte von I. Gordin. Ost und West. Heft 10. Oktober 1912. 12. Jahrgang. Inhalt: Ueber nervöse Entartung bei den Juden. Dr. A. Kutzinski. E. van Beever mit 8 Illustrationen, Karl Schwarz. Ueber die Notwendigkeit einer Genealogie jüdischer Familien (H), Felix Halle. Die Propheten, Binjamin Segel. Die neue Synagoge m Charlottenburg, mit 9 Illustrationen, Karl Bayer. Der erloschene Stern, Sch. Gorelik. Literarische Rnndschan. Mitteilungen des Central-Komitss der Alliance Jsraslite Universelle: Expose betr. Stellungnahme des Central-Comites der A. I. U. zu einer neuen deutschen Souder-Organisation. Auszüge aus den Satzungen des sogenannten Deutschen Comites der A. I. U. Kommerzienrat Jakob Gallinger, mit Porträt. Aus den Allianceschulen. Notizen: Eingänge ans Deutschland. Hilfstätigkeit der A. I. U. Noch einmal: Aron Horwitz, Bernhard Traubenberg. Literarische Rundschau. Schach. Inserate. Austritte uns dem Judentum. Rosenfeld Gisela, Private, geb. 26. August 1887 in Spasza. XVIH. Schulgasse 31. Grünbaum Rosa, geb. 12. März 1890 in Wien, II. Ennsgaffe 23. Landesberger Marianne, Private, geb. 22. August 1893 in Wien. IX. Porzellangasse 5. Kramer Rosa von, Private, geboren 1. September 1870 in Budapest» H. Pulverturmgasse 7. Floch Bernbard Dr., Gymnasiallehreraspirant, geb. 22. August 1887 in Wien. IX. Servitengasse 15 Hvsfmann Johanna, Komptoiristiu, geb. 16. Oktober 1892 in Wien» IX. Berggasse 20. Weinberg Walter. Bankbeamter, geb. 29. Jänner 1881 in Wien. TEL Blindengaffe 38. , . Reiß Gisela, Klavierlehrerin, geb. 29. August 1869 in Wien. V. Bezirk, Rembrandtstraße 14. Spriuzeles Josef, geb. 10. März 1886 in Korneuburg. XVI. Bezirk, Koppstraße 26.

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