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Die Wahrheit · 1912-10-18 · Heft 40 (18.10.1912) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 40 (18.10.1912)
Date
1912-10-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr^ 40. Die Wahrheit Lette 7. ' 1. Ist eine solche Bildnngsanstalt erwünscht? 2. Wenn ja, welche Körperschaften und Persönlichkeiten lind-berufen, ein Komitee zur Propagierung dieser Schöpfungsidee zu bilden? - Die erste Frage wurde einstimmig und unter Beifall bejaht. Bei der zweiten Frage entwickelte sich eine hochinteressante Debatte, die hier wiederzugeben kein Raum vorhanden ist und auf welche wir ausführlich demnächst znrückkommen. Das Ergebnis derselben nach einem von Beifall begrüßten Resümee des Präsidenten war die sofortige Bildung eines ständigen Komitees, welches beliebig kooptiert werden kann. Einstimmig wurden vorgeschlagen die Herren: Knltnsvorsteher Dr. Samuely und Kommerzialrat Simon, die kais. Räte Doktor Ascher und Dr. Krüger, die Frau Präsidentin Sophie Grüns- 7eld, Kommerzialrat Leo Wiener. ' Direktor Hecht, die Herren Direktoren Dr. Friedberger und Mautner, Stadtbaumeister 'Gießkann, Jakob I. Straßberg und Präsident I. Brod. Um halb 10 Uhr schloß der Vorsitzende die sehr animierte Expertise. Die Leiden eines Seelsorgers Am 2. September 1910 erschien in der „Ungarischen Wochenschrift" unter der Aufschrift „Wiederholte Reflexionen" ein gehässiger, meine Person und Berufsehre schädigender Artikel, welcher von einem gewissen D. Schwarz gezeichnet, aber schon mach meiner ursprünglichen Ueberzengnng von mir bekannten Dritten Personen diktiert und eingesandt war. Ich habe, um die mnwahren und verleitmderischen Angriffe abznwehren, zunächst beim Vorstande meiner Gemeinde um die Einleitung der Disziplinarnntersnchnng angesltcht, nach deren Durchführung eine won allen Vorstandsmitgliedern unterfertigte Vertrauenskundgebuug mir übermittelt wurde, in welcher die gegen mich erhobenen -Verleumdungen als unwahr mit Entrüstung zurückgewiesen wurden. Auf Drängen meiner Familie, welche wie auch sämtliche Mitglieder meiner Gemeinde und viele andere von der Zusendung Der betreffenden Nummer der „Ungar. Wochenschrift" nicht verschont blieb und endlich, um der ganz unbegründeten und nur der Rachsucht entspringenden gegen mich eiugeleiteten Hetze ein Ende zu machen, sah ich mich genötigt, die Strafanzeige gegen unbekannte Täter zu erstatten, und als die Untersuchung in dieser Richtung fruchtlos verlief, gegen den verantwortlichen Redakteur des genannten Blattes. Herrn Julius Gabel, durch meinen Anwalt Dr. Simon Medgyes in Budapest die Anklage zu erheben. Herr Julius Gabel wurde nach dem von ihm -vollständig mißlungenen geführten Wahrheitsbeweis und umfangreicher Voruntersuchung vom zuständigen Anklagesenat des Budapester Gerichtes in den Anklagezustand versetzt und die Schwurgerichtsverhandlnng auf den 23. September 1912 angevrdnet. In der Zwischenzeit trat Herr Julius Gabel direkt und indirekt an mich heran mit dem Ersuchen, die Angelegenheit gütlich beizulegen und erbot sich zu folgender Ehrenerklärung: Unter den Titel „Wiederholt Reflexionen, zur Beherzigung der Franzensbader Gemeinde empfohlen", erschien in der „Ungarischen Wochenschrift" von 2. September 1910, Nummer 25 mit D. Schwarz gezeichnet, datiert aus Franzensbad vom 24. August 1910 ein Aufsatz, worin die Zustände der jüdischen Gemeinde, besonders aber das Leben und Wirken des dortigen Rabbiners, Sr. Ehrwürden Herrn Dr. phil. David Spitzer, einer Kritik unterzogen und in fünf besonders angeführten Fällen Demselben Rabbiner Unmoral, Jrreligiösität, Pflichtvergessenheit nsw. zum Vorwurfe gemacht und für seineEntlassuug plaidiert wird. Gefertigter Chefredakteur der „Ung. Wochenschrift" erkläre nun hiemit, der Wahrheit die Ehre gebend, daß ich diesen Artikel im Glauben an die Wahrheitsliebe des Einsenders in mein Blatt anfnahm, ohne mich vorher um die Verhältnisse genannten Herrn Rabbiners zu erkundigen und zu überzeugen, ob die ge- -schilderten Verhältnisse auch der Wahrheit entsprechen. Erst als genannter Herr Rabbiner durch diesen Artikel, in seiner persönlichen und Standesehre gekränkt, gegen mich die Preßklage erhob, ging ich der Sache genauer nach und fand, daß meine bona üäs8 mißbraucht und ich von dem glaubwürdig scheinenden Ein seüder des Artikels in unverantwortlicher Weise düpiert wurde Da ich nun sowohl persönlich als auch durch andere Ehrenwerte die Ueberzengnng gewonnen, daß der Inhalt des inkrimi» liierten Artikels den Tatsachen nicht entspricht und es nur böswillige A n wü r f e und Erdichtungen s i n d, ergreife ich mit Vergnügen die Gelegenheit, Sr. Ehrwürden Herrn Dr. phil. David Spitzer, Rabbiner in Frauzensbad, damit vollste Satisfaktion zu geben, daß ich das Geschehene tief bedauere. B u d a p e st, den 26. August 1912. Julius Gabel. Als treuer Diener einer auf dem Grundsätze des Friedens aufgebauten Religion, stimmte ich der gütlichen Beilegung dieser Angelegenheit zu. Hierauf wurde bei meinem Anwälte in Budapest ein Vergleich abgeschlossen und erschien in Nr. 31 der „Ung. Wochenschrift" vom 20. September 1912 eine unwesentlich gekürzte Aufklärung, mit welcher ich mich gleichfalls aus dem angeführten Motiv zufrieden gab. Nur um der Oeffentlichkeit Gelegenheit zu bieten, die Gefahren, welchen ein jüdischer Seelsorger in Oesterreich, wo er jeden staatlichen Schutzes entbehrt, in seinem Berufe gegenüber gehässigen Verleumdern ausgesetzt ist. kennen zu lernen, fühle ich mich zur Veröffentlichung der ganzen Angelegenheit verpflichtet. Ich erkläre hiermit, daß mir die in Franzensbad ansässigen Verfasser des Artikels genau bekannt sind und ich lediglich infolge eingetretener Verjährung nicht in der Lage bin, gegen diese gerichtlich einznsch reiten. Ich erkläre ferner, daß diese Einsender, falls sie ihr verleumderisches Werk fortzusetzen und meine Ehre herabzumindern wagen sollten, von mir schonungslos zur Rechenschaft gezogen werden und daß ich mit Vergnügen die Gelegenheit wahrnehmen werde, selbst in der Rolle des Angeklagten diese meine Behauptung zn vertreten und zu verteidigen und vor dem Forum der Oeffentlichkeit das Treiben dieser Leute zu kennzeichnen, die aus den unedelsten Motiven nicht zurückgeschreckt sind, einen Seelsorger auch vor Andersgläubigen herabzuwürdigen versuchten, weil er nicht dazu zu haben ist, eine ungerechtfertigte und nicht genug zu verurteilende Opposition unserer Gemeinde zu unterstützen, sondern pflichtgemäß und offen ihr entgegentrat und eifrig bestrebt war und ist, die geradezu bewundernswerte und mustergiltige Führung der Kultusgemeinde mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln zn unterstützen und zu fördern. Die Knltusgemeinde Franzensbad wäre gewiß schon heute zu einer großartigen Entfaltung gelangt, wenn sie nicht auf Schritt und Tritt durch jener Leute Verhetzung und Herabwürdigung gehemmt würde, worüber die ergreifendsten Jeremiaden angestimmt werden könnten. In der Zwischenzeit aber überlasse ich es dem menschlichen Gewissen der Einsender des letzten Artikels, sich mit den Tatsachen abzusinden, daß sie in unverantwortungsvoller Weise den Versuch, den allerdings mißglückten Versuch, gemacht haben, einem Familienvater und Seelsorger die Existenz zu untergraben und die persönliche und Berufsehre abznschneiden. Franzensbad, den 14. Oktober 1912. Rabbiner Dr. D. Spitzer. 3v jähriges Konto rjnlrUiinm. $ Czer nowitz, im Oktober 1912. Das Wirken eines Kantors durch volle 30 Jahre ist schon allein eine rühmens- und beachtenswerte Leistung und diese wird noch bedeutender, wenn sie sich in so ausgezeichneter Weise vollzog, wie es bei Oberkantor Simon Schechter der Fall ist. Darum soll dem Jubilar dasjenige nachgerühmt und anerkannt werden, was er sich redlich und aufopferungsvoll verdient, insbesonders aber, was er mit seiner phänomenalen Baritonftimme geleistet hat. Als Sohn orthodoxer Eltern geboren, wurde er streng fromm erzogen und auf talmudischem Gebiete vorzüglich ausgebildet. Noch im zartesten Alter stehend, trat bei ihm in auffallender Weise sein Gesangstalent zutage. Wenngleich das Be-

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