Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1912
- Issue
- Heft 40 (18.10.1912)
- Date
- 1912-10-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 4. Die Wahrheit. Nr. 40. auf 7176 Stimmen brachte, trotzdem der dentschuationale Wahlwerber Vetter am Hauptwahltage 1503 Stimmen auf sich vereinigt hatte, so ist hiemit erwiesen, daß bei der Entscheidung eine verhältnismäßig bedeutende Zahl der Wähler Vetters zum Sozialdemokraten abschwenkten. Dies Resultat organisierte ohne Zweifel Dr. Waber, der alle Ursache hat, dem kleinen Häuflein jüdischer Wühler in Währing, das sein Reichsratsmandal m Zukunft gefährden kann, nicht vor den Kopf, zu stoßen und Antiklerikalismus nach außen zu markieren. Dieser Wiener Führer der Deutschnationalen ist es auch vorzugsweise, der die Vereinigung der Verfechter städtischer Interessen innerhalb des „deutschnationalen Verbandes", von welcher m den letzten Wochen alle Tagesblätter berichteten, zustande brachte, um den volksverräterischen Talen dieses Verbandes im Abgeordnetenhanse gegenüber mindestens scheinbar sein Mißvergnügen zu markieren. Wir erinnern nur an die schullehrer- und beamtenfeindliche Haltung des angezogenen Verbandes. Aber auch diese „jungdeutsche" Fraktion kann Floskeln, wie „Wahrung der rechtlichen und wirtschaftlichen Stellung des eingeborenen deutschen Volksstammes in Oesterreich", Wahrung der sittlichen- und wirtschaftlichen Integrität der deutschen Volksgenossen" u. dgl., die eine deutliche judenseindliche Spitze bergen, nicht lassen und es ist zu hoffen, daß sich die Wiener jüdischen Wähler auch bis zu den Wiener Landtagswahlen im Jahre 1914 nicht mehr von ihrer zielnnd zweckbewußten Solidarität abbringen lassen werden. Sehr bedauerlich ist es jedoch, daß die jüdischen Wähler in den Sudetenläudern, der eigentlichen Heimat der Deutschradikalen. die Festigkeit und den Mut der Wiener Juden nicht zeigen. Daß dem so ist. wird nicht nur dadurch erwiesen, daß dort von ihnen gewählte „dentschfortschrittliche" Reichsrats- Abgeordnete ohne Eiuwand der Wähler sofort in den judenfeindlichen „deutschnationalen Verband" eintreteu dürfen, sondern leuchtete ans der letzten Ersatzwahl in Neutitscheiu deutlich hervor. Am Hauptwahltage (23. September 1912) erhielt dort der Sozialdemokrat Nießner 2518, der dentschradikale Wahlwerber Dr. Bodirsky 2358. der christlichsoziale Angeli 961 und der dentschsortschrittliche Kunovsky. dem die meisten jüdischen Wahlstimmen zufielen, 805 Stimmen. Am Stichwahltage (30. September 1912) wurde nun Dr. Bodirsky mit 3594 Stimmen gewählt, während der Sozialdemokrat nur 3057 Stimmen erreichen konnte, wodurch erwiesen erscheint, daß eine bedeutende Zahl der Wähler Kunovskys am Stichwahltage den Deutschradikalen wählte. Es genügte, daß der antisemitische Deutschradikale Dr. Bodirsky in dem Intervall von 8 Tagen den jüdischen Wählern mit einigen allgemeinen Redewendungen versicherte, seine Judenfeiudschaft sei keine tiefreicheude. er kenne die Juden als brauchbare Mitkäinpser für das Deutschtum an. Wahrlich, bei solcher politischen Naivität ist es nicht verwunderlich. wenn die politische Intelligenz der jüdischen Wähler von den Deutschradikalen der Sudetenländer so tief eingeschätzt wird, als sie es tun. Des Kuckucks Dank wird dafür nicht ausbleiben. B. L. Richtlinien;n einem Programm für das liberale Judentum. (Schluß.) 11. Die Jugend, die aus der Schule entlassen ist. soll in Jugeudvereinen für die Mitarbeit an religiösen Aufgaben des Judentumes gewonnen werden. 12. Die Wissenschaft des Judentums ist ganz besonders zu fördern nnd zu verbreiten, damit durch sie eine immer größere Verinnerlichung und Vertiefung der jüdischen Religion herbeigeführt und die Achtung vor ihr gemehrt werde. 13. Die fachwisfenschaftliche Ausbildung der Rabbiner, Lehrer und Vorbeter soll in einer den Bedürfnissen der Gegenwart entsprechenden Weise erfolgen. 14. Zur Mitarbeit au den Gemeindeanfgaben, insbesondere auch auf dem Gebiete der Wohltätigkeit und der sozialen Fürsorge sind möglichst alle Gemeindemitglieder heranzuziehen. 15. Die Teilnahme der Frau am religiösen und Gemeindeleben ist unentbehrlich. Wie an den religiösen Pflichten, soll ihr auch au den religiösen Rechten der volle Anteil eingeräumt werden. XU. Die Durchführung dieser Forderungen wird, wie dem einzelnen liberalen Inden, so insbesondere auch den liberalen Gemeinden dringend aus Herz gelegt. Wie weit hiebei besondere örtliche Verhältnisse zu berücksichtigen sind, bleibt den einzelnen Gemeinden und ihren berufenen Organen überlassen. Gemeindeinstitutionen. welche auch nur eine Minderheit in der Gemeinde zur Befriedigung ihrer religiösen Bedürfnisse braucht, .sind unbedingt zu erhalten. Die Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands tritt mit aller Entschiedenheit für die religiöse Einheit des Judentumes ein. Sie weist deshalb die Behauptung einer konsessionellen Verschiedenheit innerhalb des Judentumes als unwahr und alle Versuche einer Spaltung der Gemeinden als unjüdiich und unheilvoll zurück. XU!. Der wissenschaftlichen Erörterung aller dieser Grundsätze und Aufgaben sowie ihrer praktischen Ausgestaltung für das religiöse Leben im einzelnen will die Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands ihre Tätigkeit in ernster Arbeit einmütig widmen; sie betrachtet es vornehmlich als ihre Aufgabe, diese Richtlinien durch Behandlung der sich aus ihnen ergebenden Einzelfragen näher zu begründen und zu ergänzen. Die Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands ist dabei von. der heiligen Ueberzeugung erfüllt, daß es ihr auf diesem Wege allein möglich sein wird, die überlieferte Religion mit dem Denken und Fühlen und mit den Lebensmöglichkeiten unserer Zeit auszngleichen, für die erhebenden Grundwahrheiten und sittlichen Ideale unserer Religion in Bekenntnis und Leben zu wirken, das Verständnis dafür wachzuhalten, daß das Judentum in der Gegenwart seinen notwendigen Platz und für die Zukunft seine unersetzliche Bedeutung hat. und so die religiöse Teilnahmslosigkeit und Entfremdung vom Judentum zu überwinden und die durch Jahrtausende bewährte Treue den kommenden Geschlechtern zu vererben. Dr. Appel, Stadtrabbiuer, Karlsruhe. Dr. Appel, Rabbtuer. Bingen. Dr. Bäck, Rabbiner, Düsseldorf. Dr. Baron, Rabbiner. Kolberg. Dr. Behrens, Rabbiner, Göttingen. Doktor Bergmann, Rabbiner, Berlin. Prof. Dr. Bloch, Rabbiner, Posen. Dr. B l n m e n t h a l, Rabbiner. Berlin. Dr. Caro. Rabbiner, Köln. Dr. Chone, Stadtrabbiner, Konstanz. Doktor Co b lenz, Rabbiner. Bielefeld. Dr. David. Rabbiner, Bochum. Dr. Dienentnnn, Rabbiner, Ratibor. Dr. E i nsteiu, Bezirksrabbiner, Landau-Pfalz. Dr. Elsaß. Rabbiner, Landsberg a. W. Dr. F r e u d e n t h a l, Rabbiner, Nürnberg. Dr. Freund, Rabbiner, Görlitz. Dr. Fuchs, Rabbiner,, Chemnitz. Dr. Galliner, Rabbiner, Charlottenburg. Doktor G i n s b u r g e r. Rabbiner, Gebweiler. Dr. G o l d m a n n, Rabbiner, Oppeln. Dr. G o l d s ch m i d t. Rabbiner, Offenbach a. M. Dr. Grünfeld, Stadt- und Distriktsrabbiner, Augsburg. Dr. H e i l b r o n n. Rabbiner, Nürnberg. Dr. H o chfeld, Rabbiner, Berlin. Dr. Italiener, Rabbiner, Darmstadt. Dr. Kälter, Rabbiner, Danzig. Dr. K a h l b e r g, Rabbiner, Halle. Dr. Koch, Rabbiner. Weißenbnrg i. E. Doktor Landau, Bezirksrabbiner, Weilburg. Dr. Lazarus, Rabbiner, Frankfurt a. M. Dr. L e v i, Oberrabbiner, Krefeld. Dr. L e v y, Rabbiner, Nordhausen. Dr. L e w i t, Rabbiner, Alzey. Doktor L e w k o w i tz, Rabbiner. Schneidemühl. Dr. L o r g e, Rabbiner, Mainz. Professor Dr. M a y b a u m, Rabbiner, Berlin. Doktor Neu ui a r k. Rabbiner, Duisburg. Dr. Norden. Rabbiner, Elberfeld. Dr. O p p e n h e i m, Rabbiner, Mannheim. Doktor Posner, Rabbiner. Kottbus. Dr. Rülf, Ländesrabbiner, Brannschweig. Prof. Dr. S a l fe l d, Rabbiner, Mainz. Doktor Salomo n.'Distriktsrabbiner, Bayreuth. Dr. S a l o m o n s k i, Rabbiner, Frankfurt a. O. Dr. Salzberger, Rabbiner, Frankfurt a. M. Dr. Samuel, Rabbiner, Essen. Dr. Sander, Rabbiner, Gießen. Dr. Schreiber, Rabbiner, Potsdam. Dr. Selig mann, Rabbiner, Frankfurt a. M. Doktor Seligkowitz, Rabbiner, Köthen. Dr. Silberstein, Ländesrabbiner, Schwerin. Dr. Silberstei n, Rabbiner, Stargard. Dr. Sonderling, Rabbiner, Hamburg. Doktor