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Die Wahrheit · 1912-10-10 · Heft 39 (10.10.1912) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 39 (10.10.1912)
Date
1912-10-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10. Nr. 39. Die Wahrheit ihrer dttrch Anmut, wie durch ihr bescheidenes Wesen gleich ausgezeichneten Tochter Helene mit Herrn Martin Schneider aus Bodenbach. Die Trauung fand in Anwesenheit zahlreicher Verwandten und Gäste, auch der Bethausvorstaud war durch mehrere Herren vertreten, im Neologentempel zu Preßburg statt. In einer gehaltvollen Ansprache zeichnete Herr Rabbiner Dr. Funk das schöne jüdische Familienleben im Elternhause des Brautpaares und ermahnte dasselbe, auch in diesem Sinne in ihrem neuen Heim zu wirken. Herr Oberkantor Deutsch aus Wien, besten schöne Baritonstimme, künstlerische Begabung bekundete, versah mit dem gut geschulten Chor die Traugesänge in herzerhebender Weise. Ein fröhliches Mahl vereinte daun die Gäste nach der Trauung im Hotel Savoy, wobei es nicht an gehaltvollen Tischreden, sowie an Spenden für religiöse wohltätige Zwecke mangelte. G. fEQten. („B ere in jüdischer Hochschüler Me n s a a c ad e m i c a I u d a i c a". Wien, IX. Pramergaste 31.) Freitag, den 18. Oktober l. I. fiudet um 7 Uhr abends in unserem Vereinslokale IX. Bez., Pramergaste 31 die dritte ordentliche Plenarversammlung mit folgender Tagesordnung statt: 1. Pcoiokollverlesung. 2. Rechenschaftsbericht. 3. Neuwahl des Vereins au-schustes und Wahl dreier Revisoren. 4. Eventualia. Bleibt die Plenarversammlung beschlußunfähig, so ist die. eine halbe Stunde später statlfindeude Plenarversammlung mit derselben Tagesordnung für alle Fälle von der Zahl der Mitglieder unabhängig. Stuttgart. Die Oberkirchenbehörde durch Erlaß vom 18. September 1912, Nr. 535. hat das Verbot der Feuerbestattung in Württemberg v. I. 1895 aufgehoben und folgende Anordnungen verfügt: 1. Die Mitwirknug bei einer Feuerbestattung ' (auch im Krematorium) sowie bei der Beisetzung von Ascheuresteu aus einem israel. Friedhof, wo ein solcher vorhanden ist, wird in das Ermesten des einzelneu Rabbiners oder Vorsängers gestellt. 2. Versagt der zuständige Rabbiner oder Vorsänger aus religiösen Bedenken seine Mitwirkung, so hat er einem hiezu bereiten würtrembergischen Kollegen die Erlaubnis gebührenfrei zu erteilen. 3. Die Beisetzung der Ascheureste ans einem israel. Friedhofe ist unbedingt zulässig. Sie'hat in einem rituellen Sarg ,und in einem besonderen Grabe zu erfolgen. Paris. Dienstag, den 8. Oktober, hat hier die Trauung von Frl. Marie Beer, Schwägerin des Barons Robert Rothschild, mit Herrn Liouel Nathan Rothschild in London stattgefunden. Das französische Amtsblatt publiziert eine Anzahl Auszeichnungen, welche mehreren , algerischen Juden für ihre Verdienste um die Hebung der Landwirtschaft in Algier verliehen wurden. So wurden ernannt zu „0kficiers du merite Agrieole“ der Getreidchändler Moste A b c a s s i s in Mascara, der Grundbesitzer Charle L e v y in Setif, zu „Obevaliers du merite Agricole“, der Landwirt Rachmin B a r k a tz in Batna, der Grndbesitzer Sadia S e r f a t y in Ain (Temouchent), der Kleiugrnndbesitzer Albert Z e r m a t y und der Obstzüchter Rüben Z e r m a t y in Setif. Warschau. Die jüdischen Kandidaten zur Wahl der vierten Duma sind folgeude: In Lodz Advokat Dr. Dubranitzky und Dr. Kann, in Odessa der Petersburger Advokat Dr. S ch l o ß b e r g, in Jekaterinburg der Moskauer Advokat Mandelstamm, in Minsk, bei der ersten Kurie Advokat Neitschach, bei der zweiten Kurie Dr. Bruzkus, bei der zweiten Kurie in Odesta Advokat S u k i w und Zsüchutinsky und in Wilna der Petersburger Advokat G r u f e u b e r g. Petersburg. Die neuesten Nachrichten über die E x z e s s e, welche sich in Kiew vor einigen Tagen abgespielt haben, beweisen in aller Deutlichkeit, daß die Agitaliou der „echtrussischen" Hetzagitatoren stets darauf gerichtet ist, j e d e G e l e g e n h e i t z u r L e r a u st a l t u » g von Pogromen wahrzunehmen. Denn die anderthalb Dutzend Exzedenten, welche in der Stadt selber die Ausschreitungen inszenierten, waren Heroen der Haßpropaganda, berüchtigte Offiziere der Berbändlertrupps, die, ärgerlich geworden über ihre Mißerfolge in der sogenannte» Ri tu al m ordaffä re, die Erinnerung an die vorjährigen' S to lyp i nt a g e auszuuutzen suchten. Die Vorgänge, die leicht das Präludium zu eurem schrecklichen Pogrom hätten bilden können, spielten sich folgendermaßen ab: Am Abend des 1. September (a. St.) überfiel eine Bande von Hooligans den Händler Milewski, der mit seiner Frau den Vcrchni Wal entlang ging, und verprügelte ihn mit Stöcken uuter ständigem Zuruf: „Da hast du den 1. September! Das sei dir zum Andenken!" Als dann der mißhandelte Milewski aus den Händen der Baude sich losriß und auf einen in vollem Gang befiudlichen Straßenbahnwagen sprang, eilte einer der Hooligans hinter ihm her und versetzte ihm vor den Augen der entsetzten Pastagiere mit seinem charakteristischen Pogromstock weitere wuchtige Schläge. Später stellte es sich heraus, daß dieser Hooligan, der seine Tätlichkeiten mit dem Rufe: „Das ist euch für Stolypin!" begleitete, der berüchtigte Student Golubew. der Chef des Pogromjugendbundes „Doppeladler", war. Die Polizei hielt nun Golubew und feine Geuosteu, die Studenten Schimansky und Karuatowsky, Karpow, Porapeuko usw. au, sie ließ sie jedoch nach Aufnahme eines Protokolls in Freiheit, so daß sie die Exzeste sorlsetzeu konnten. Schlimmer aber als in der Stadt ging es in dem Vorort Slobodka zu. wo eine Horde von Verbäudlern vier Juden, darunter den Lehrer Machlin, mit eisernen Stöcken und „eisernen Handschuhen" mißhandelte. Dort schritt die Polizei überharpt nicht ein. Am Todestage Srolypins, am 5. September a. St., erneuerten sich die Ausschreilnugen. In dem von Juden stark bewohnten Teil der Stadt, P o d o l genannt, erschien unter Führung desselben Golubew ein Haufe von Hooligans, die mit Schläuchen und eisernen Stöcken bewaffnet waren. Sie überfielen alle vorübergehenden Juden mit Gejohle und schrieen: „Haut die Juden! Das ist euch sür Stolppin! Haut sie!" Die Alexandroivskaja und die benachbarten Straßen hallten vom Geschrei der Mißhandelten wieder. Eine ganze Anzahl Juden und ein russischer Student erfuhren dabei schwere Mißhandlungen. Daraus begaben sich dieselben Hooligans nach dem oberen Teil der Stadt, nach dem Lybedskoi-- revier, einem zweiten Ghetto, und wiederholten dort vor der Hauptsyuagoge mit ihren Eisenstöcken und Schläuchen die gleichen Heldentaten. Als sie endlich mit ihren Opfern nach dem Polizeirevier gebracht wurden, da miß» handelte Golubew noch auf der Schwelle des Polizeiamtes einen von den Verletzten, indem er mit seinen Eisenstock ans dessen Schädel einhieb. Indes auch diesmal begnügte sich die Polizei mit der Aufnahme eines Protokolls und entließ die Exzedenten trotz ihrer wiederholten Pogrom-Versuche. Eiu richtiges Kiewer Bild! Jüdische Bühne. Direktion M. Siegler. „Hotel Stefanie"^ II., Taborstraße 12. Freitag, den 11.. Samstag, den 12., Sonntag, den 13. und Montag, den 14. Oktober 1912 „Die weiße Sklavin" von Salotorewski. Sonntag, den 13. Oktober 1912, um halb 4 Uhr nachmittags, bei ermäßigten Preisen „Der I es ch i w e B o ch e r" von Rakow. Dienstag, den 15. Oktober 1912 „Der Deserteur" von Lateiner^ Mittwoch, den 16. Oktober 19l2 „D i e erste.Liebe" von M. Schotte Donnerstag, den 17. Oktober 1912 „Die weiße Sklavin" von Salotorewsky. Austritte aus dem Judentum. T a u s s i g Leonie, Knnstgewerbetreibende, geb. 17. September 1878 im Wien, V., Zeinlhofergasse 8. Glasser Leopold, geb. 15. März 1891 in Baden bei Wien, Wien XII., Arndtstraße 89. Weiß Wilhelm, Bankbeamter, geb. 3. Oktober 1869 in Wien, VHL, Florianigasse 2. Kleiner Karl, Privatbeamter, geb. 17. Oktober 1872 in Pardubitz, Wien, VIII., Schlöstelgasse il. Fantl Leopold. Chauffeur, geb. 9. September 1875 in Wien, H. Bez.^ Zirkus gaste 47. Brouuek Edle von, geb. 5. August 1865 in Prag. II. Floßgasse 4. Gold reich Franzi, geb. 6. März 1887 in Prag, H. Floßgasse 4. Z u d e k Karoline, geb. 3. Februar 1869 iu Brody, IX. Höfergasse 3. Hillmaun Emil. Reisender, geboren 20. August 1871 in Perelinsko^ IX. Lustkandlgasse 46. I e l l i n e k Stephan, Ingenieur, geb. 27. Oktober 1865 in Wien, IV.- Mayerhofgasse 9. Klineberger, Dr. Oskar, Advokat, geb. 20. Mai 1878 in Karlsbad,. VIII. Josefstädterstraße 30. Berg manu Cornelie, Private, geboren 11. September 1893 in Wien, VIII. Laugegasse 2. Spitzer Paul, Prokurist der Auglo-Bauk (Filiale Graz), geb. 14. April 1887 in Wien, Graz. - ' Dr. Adolf Sacks-Stiftung für Techniker. Anzahl der Plätze: Vierzehn im Betrage von je K 600.—. Bewerbungsberechtigt sind: Studierende der k. k. technischen Hochschulen in den im Reichsräte vertretenen Königreichen und Ländern, ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses, welche ihre Vermögenslosigkeit und die Armut ihrer Eltern nacbzuweisen vermögen. Bevorzugt sind: Kompeteuzbere<'htigte Bewerber, welche bereitsim Genüsse dieser Stiftung gestanden sind, bei gleichgebliebeuer Würdigkeit. Gesuchsb ei lagen: Geburtsschein, Heimatsschein, Armutszeugnis,. Frequentationszeugnisse und Studirnzeugnisse. Letzter Tag der Einreichungsfrist: 31. Oktober 1912. Eiureichstelle: 1., Seitenstettengasse 4, II. Stock, (Einreichungsprotokoll). Zur Bewerbung sind Gesuchsbögen zu verwenden, welche in der Einreichstelle (I., Seitenstetteugasse 4, II. Stock) unentgeltlich zu haben sind; diese Formulare enthalten auch nähere für die Einschreiter wichtige Bestimmungen. Wien, 1. Oktober 1912. Der Vorstand der israel. Kultusgemeinde Wien. Charlotte^ Kuffner’sche Familien-Stiftung. Anzahl der Plätze: Unbestimmt, zusammen K 660.— Bewerbungsberechtigt sind: Arme Verwandte der am 28. Dezember 1896 in Wien verstorbenen Frau Charlotte Kuffner. Bevorzugt sind: Insbesondere mit der genannten Stifterin verwandte arme Witwen. Verleihungstag: 23. Thebet (2. Jänner 1913). Gesuchsbeilagen: Geburtsschein, Armutszeugnis, legaler Nachweis der Verwandtschaft mit der Stifterin, eventuell Totenschein . des Gatten. Letzter Tag der Einreichungsfrist: 31. Oktober 1912. Eiureichstelle'! I. Seitenstetteugasse 4, H. Stock (Einreichungsprotokoll.) Zur Bewerbung sind Gesuchsbögen zu verwenden, welche in der Einreichstelle (I., Seitenstetteugasse 4, H. Stock) unentgeltlich zu haben sind; diese Formulare enthalten auch nähere für die Einschreiter wichtige Bestimmungen. Wien, 1. Oktober 1912. Der Vorstand der israel. Kultusgemeinde Wien.

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