Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1912
- Issue
- Heft 39 (10.10.1912)
- Date
- 1912-10-10
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 39 Die Wahrheit . Sette 9. 'wie sie Dr. Adolf 'Rojenzweig in'.den erwähnten Abhandlungen .geliefert hat, konnte an die Abfassung einer talinudischen Archäologie gedacht werden, wie sie Professor S. Krauß-Wien, beabsichtigt und zum Teil bereits fertiggestellt hat. Von sonstigen Veröffentlichungen nennen wir: „Zur Einleitung in die. Bücher Esra und Netiemia" (Dissertation 1875), Zum 100. Geburtstag des „Nathan der Weise" (1878), „Künstler und Jugendbildner". Eine pädagogische Parallele .(1886), „Schiller im Ghetto" (zum 100. Todestag Schillers, auch in der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" erschienen 1905), schließlich eine von echtem Humor erfüllte Schilderung „Aus den Kinderjabreu der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums" in der Festnummer von Ost und West, November ,1907. Auch einzelne Predigten und Reden bei besonderen Anlässen sind von Dr. Rosenzweig veröffentlicht worden. Roseuzweig hat es verstanden, sich durch sein mildes, allen Parteiungen fernes Wesen inweiten Kreisen Sympathien zu -erwerben. Als ein wirklicher Vater der Armen, als treuer Seelforger ist er unermüdlich tätig. Eine große Familie verehrt ihn -als würdiges und geliebtes Oberhaupt. Zu frischer Kraft übt -er eine weitverbreitete Tätigkeit ans. Möge ein heiterer Lebens- .abeud ihm und seinem Wirken beschieden sein! Soziale Probleme in Palästina. In der Kolonisation Palästinas ist die Privatinitiative 'berufen, eine große Rolle zu spielen und wichtige Aufgaben zu .erfüllen. Die Lösung gewisser Probleme ist jedoch in erster Lmie der Gesamtheit Vorbehalten. Es sind dies die sozialen Probleme, die bei der jüdischen Kolonisation mit den nationalen znsammenfallen. Das gilt besonders bei Beschaffung von Haus und -Garten für den jüdischen Arbeiter, die es ihm ermöglichen sollen, -sich dauernd mit dem geliebten Boden zu verwurzeln. Dort, wo der Bauer, sei es durch das Vordringen des Großgrundbesitzes, sei es ans anderen Ursachen, besitzlos wird, ist die sogenannte „Landflucht" am stärksten. Diese Erscheinung ist zum Beispiel im Osten Deutschlands, in Polen, Ungarn und einem Teile Englands zu beobachten. In letzterem Lande beschäftigt sich die öffentliche Meinung gerade jetzt sehr eifrig mit dieser 'Frage, wobei als eines der Gegenmittel die Ueberlassnng von „Cottages" mit einem Stück Gartenland an die Arbeiter vor- .geschlagen wird. Wenn die Frage der Landflucht bei Völkern, die seit Jahrhunderten dem Ackerbau obliegen, eine brennende geworden ist, um wieviel eher wäre diese Erscheinung bei -jüdischen Städtern zu erwarten, die sich erst in Bauern verwandeln sollen und sticht einmal Hans und Hof ihr Eigen nennen. Der Jüdische Natioualfonds, dessen Grundgedanke ein sozialer ist, hielt es darum für seine Pflicht, auch an die Lösung dieses Problems heranzntreten. Besondere Gelegenheit bot sich ihm durch den Notstand der eingewanderten Iemenitenfamilien. .Hier mußte sofort eingegriffen werden, wenn uitsere Brüder, die wor den unerträglichen Verfolgungen in Südarabien fliehen, nicht vom Regen in die Traufe geraten sollen. Es ist daher zu erwarten, daß alle Juden ohne Unterschied durch Spenden für Arbeiterhänser in Palästina die Sehnsucht der jetzt vielfach notdürftig in Zelten nntergebrachten 'Jemeniten nach nBatima C£)äufer) erfüllen werden. Die Frage der Arbeiterhäuser beschränkt sich jedoch nicht auf die Jemeniten, vielmehr beschäftigt sie im Hinblick auf das eingangs Gesagte die Natioualfonds-Verwaltuug schon feit langem. Den Anfang bildete die Errichtung von je einem großen Arbeiterheim in den jüdischen Kolonien Pefcach Tikwah uiib Ohedera und fünfzehn Einfamilienhäusern in den verschiedenen Kolonien ans dem David- und Fanny Wolffsohn-Fonds. 'Das N.-F.-Direktorinm hat daher kürzlich in Berlin beschlossen, durch die Einführung von ständigen Sammlungen für „Arbeiterheimstätten" diese Frage einer Lösung näher zu bringen. Eine Hansspende ist ans Frs. 1000.—, Mk. 800.— festgesetzt. Um ^anch Vereinen, Gemeinden und sonstigen Gruppen, die nicht Äuf einmal Frs. 1000.— anfbringen können, die Stiftung eines Hanfes zu ermöglichen, sollen auch Ratenzahlungen entgegengenommen werden. Doch muß die erste Rate mindestens Frs. 50.— und die weiteren sollen mindestens Frs. 10 betragen. Die Frist zur Vollzahluug eines Hauses wird bis Ende 1913 festgesetzt. Jedes, voll eingezahlte Hans wird unter einer bestimmten Nummer in einem künstlerisch ansgestatteten Kataster eingetragen nnd das zu errichtende Hans in Palästina mit der gleichen Nummer versehen. Da sich nach der Berechnung von Architekten nnd sonstigen Sachverständigen ein Arbeiterhaus in Palästina selbst ans Steinmaterial auf höchstens Frs. 700.— stellt, soll für den Rest der Eintausendfraucs-Speude 1—2 Dnnam für Hof.nnd Garten erworben nnd für jedes Haus zur Verfügung gestellt werden. Gemäß dem modernen sozialen Prinzip sollen Hans und Garten den Arbeitern nicht geschenkt werden, sondern sie sollen dem N.-F. solange eine Miete entrichten, bis der investierte Betrag zu angemessenen Bedingungen verzinst und amortisiert ist.. An allen Juden, die den Leiden ihrer Stammesgenosien nicht teilnahmslos gegenübersteheu. ist es nun. diesen schönen Gedanken, der die jüdische Kolonisation im heiligen Lande um ein mächtiges Stück vorwärts bringen wird, in möglichst großem Maßstabe verwirklichen zu helfen. Spenden sind zu richten an das Hanptbureau des Indischen Natioualfonds zu Händen des Herrn Dr. M. I. Bodenheimer, Cöln a./Rh.; Nenmarkt 33. Verschiedene Nachrichten Wien. Freitag abends Predigt im Stadt-Tempel. Oberrabbi,rer Dr. M. ©übemanu. Wien. Zar Ergänzung des in Nummer 37 d. M. veröffentlichten Berichtes über die der isr. Kultnsgemeinde zugekommenen Spenden nnd Widmungen sei hier mirgeteilr, daß die daielbst erwähnte Widmung der Frau Berra K u l k a im Betrage mm Kr. 8200 eine testamentarische Zuwendung der seligen Gattin unseres verancworttichen Redakteurs Herrn Alois Knlka ist. Wien. Der Steuerinkassant und ehemalige Chorsänger der israel. Kultusgemeuide, Herr Leopold L i b e s n y. wurde anläßlich seines 70. Geburtstages Sanrstag, den 5. d. M. beim Vormittagsgottesdienste im Leopoldstädter Tempel zur Thora gerufen und nach Verlesung des AbschnNles rezitierte Oberkantor Morgenstern einen dem Jubilar gewidmeten Mischeberach und Rabbiner Dr. K a m i n k a richtere an denselben eine gedankenvolle Ansprache. Von den weiters zur Thora gerufenen Familienmirgtiedern wurden größere Spenden für wohltätige Zwecke, insoesondere für den Verein zur Bekleidung und Unterstützung armer alter Männer israel. Konsesston, dessen Vorstandsmitglied Herr Leopold Libesntz durch eine Reihe von Jahren war, gewidmet. Beim Gottesdienste waren der Präsident der Kultnsgemeinde Dr. Alfred Stern und die Vorsteher Dr. Hermann L ö w i und Adolf Schrame k, die Bezirksräte O r t n e r und Hosmann in Bertretnng des Bezirksausschusses des II. Bezirkes, sowie zahlreiche Freunde des Jubilars anwesend, die denselben herzlich^ beglückwünschten. Im Laufe des Tages sind auch im Hanse des Jubilars viele Gratulationen eingelausen. Wien. Rabb. Dr. Armand K a,n i n ka, Sekretär der „Israelitischen Allianz", tritt am 13. d. M. mit dem Dampfer „Schleswig" des Norddeutschen Lloyd von Venedig eine Reise nach Palästina an und wird in Jerusalem. Jaffa, Ka'ifa. Liberias, Sofed und anderen Orten die erziehlichen und humanitären Anstalten besuchen.. Wien. Sonntag, den 6. d. M. fand im Tempel (Fünfhans) die Trauung des Frl. Lonne Knner, Tochter des Vorstehers des Hietzinger Tempelvereines Herrn Hermann K n n e r, mit Herrn Earl B a n e r. Sohn des Herrn Salamon Bauer statt. Unt-r den zahlreichen Festgästen bemerkte man den Vorstand des Hietzinger Tempelvereines unter Führung des Obmannes Dr. K r e n b e r g e r. den Vorstand des Hietzinger Frauenvereines unter Führung der Präsidentin Frau Dr. K reu b erg er, für den Verein „Einheit" Herrn B. Hosbaner, für den Verein „Edelsinn" Herrn Karl G r ü n s e l d, Kommerzialrat S t, a s s n y," kaiserliche Rat M e s s i n g e r, den Präsidenten des „Oesterr.-ungar. Kantoren-Bereines" Oberkantor Bauer, die Kantoren G. F r i e d l ä n d e r nnd H. Kühner n. v. a. Den Tranungsakt vollzogen Rabbiner Dr. Grnnwald nnd Erster Kanror Schleifer in überaus weihevoller nnd erbebender Weise. Im Restaurant „Tonello" fand das Dmer statr, bei welcher Gelegenheit seitens der Vertretungen der verschiedenen Vereine Ansprachen an das Brautpaar und namentlich an die Braurelrern gehalten wurden, welche sich im XIII. Bezirke allgemeiner Verehrung erfreuen. Wien. Die Einschreibungen in die Bibelschule des israel. Tempelvereines XIX. Bezirk. Döblmg für Volks-, Bürger- und Mittelschüler findet Sonntag, den 13. nnd Sonntag den 20. Oktober von 0 bis 10 Uhr vormittags für Volks- und Bürgerschüler und Sonncag, den 13. von 10 bis 11 Ubr für Mittelschüler statt. Wien. Das rührige Mitglied und Gründer des Bethausvereines „Tefilat Jeschnrun", Herr Moritz Altmann, feierte Sonntag, den 6. d. vereint nur seiner wackeren Gattin Amalie geborene Dukes die Vermählung