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Die Wahrheit · 1912-10-10 · Heft 39 (10.10.1912) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 39 (10.10.1912)
Date
1912-10-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Lette 8. Die Wahrheit. Nr. 39. 4. Ohne ruhmredig zu sein, dürfen wir für uns in Anspruch nehmen, daß wir immer lrene Freunde der Alliance gewesen sind. Wir haben die Interessen ihres Werkes stets nach Maßgabe unserer Kräfte mit warmem Herzen verteidigt, wir haben es über uns ergehen lassen, wenn wir von Feinden der Alliance mit Schmutz beworfen und wenn einige von uns sogar wegen ihrer Tätigkeit für die Alliance des Mangels an Patriotismus in der Oesfentlichkeit geziehen worden sind; wir haben uns bemüht, auch tatkräftig zu arbeiten und haben als Erträgnis der Jahresbeiträge und Spenden, die wir hier gesammelt haben, für die Jahre 1911 und 1912 zusammen nicht weniger als Mk. 16.000.— an das Zeniral-Komitee abführen dürfen. Angesichts dieser Tatsachen dürfen wir den Anspruch erbeben, daß unsere Stimme gehört wird. Wir richten an das Zentral-Komitee die eindringliche Bitte, in eine rnhige, sachliche Prüfung der Statuten des deutschen Komitees einzntreten und sich dabei von dem Gedanken leiten zu lassen, daß diesem Komitee. soweit es mit den Statuten der A. I. U. vereinbar ist, die Möglichkeit gegeben werden muß, zu existieren und für die Alliance zu arbeiten. Wird diesem Standpunkt vom Zeniral- Komitee nicht Rechnung getragen und folgt es nicht unseren Ratschlägen, die nur ans Liebe zur Sache der Alliance hervorgehen, so müssen wir die mühevolle Arbeit, der wir uns bisher im Interesse des Friedens unterzogen haben, einstellen. Hochachtungsvoll Für das Lokal-Komitee der Alliance Jsraslite Universelle in Frankfurt a. M. Dr. Ed. B ä r w a l d ' . Vorsitzender. Justizrat Dr. Blau Direktor Dr. Adler Theodor Hch. Schlesinger stellvertr. Vorsitzender. Man war eben in Paris offenbar entschlossen, der Gesamtorganisation der deutschen Alliance-Mitglieder unter allen Umständen entgegenzntreten, und man hat dazu sogar die Begründung gewählt, daß man keinerlei Spezialorganisation anerkenne, obgleich derartige Spezialorganisationen in'.auderen Ländern (z. B. in den Niederlanden) seit Jahren existieren. Wir bitten daher die deutschen Mitglieder der A. I. U., in ihren Lokalkomitees in Erwägung darüber einzutreten, ob es unter den obwaltenden Umständen noch angängig ist, der Alliance noch weiter anzugehören, nachdem sie eine so ungerechte und gewalttätige Behandlung erfahren haben, und nachdem es ihnen unmöglich gemacht ist, durch eine Gesamtvertretung ihren Einsttlß im Zentralkomitee geltend zu machen. Herr Jnstizrat Wolfs und Herr Rechtsanwalt Dr. Bärwald beurteilen den Beschluß des Zentralkomitees übereinstimmend, und beide haben jede fernere Mitwirkung in dem früher geschaffenen Friedenskomitee abgelehnt. Dieser Friedensansschuß sollte nach einem Beschlüsse vom 7. Juli d. I. dann wieder einbernfen werden, wenn etwa Paris die Satzungen beanstandet. Eswar. dabei davon ansgegangen, daß möglicherweise, wenn auch unberechtigt, das Zentralkomitee den Wunsch aussprechen könnte, daß einzelne Satzutigsbestimmungen einer Aendernng unterzogen werden sollten. Unter den obwaltenden Umständen gibt es aber keine Möglichkeit mehr für eine Tätigkeit des Friedenansschnsses. Daß wir den Ansgang gerade im Interesse der A. I. U. aufs lebhafteste bedauern, zumal der gute Wille, eine Verständigung herbeizuführen, durch monatelange, mühevolle Arbeit betätigt worden ist, brauchen wir wohl nicht zu versichern. -» * Die Berliner Alliance-Mitglieder waren am Sonntag zu einer Generalversammlung zusammengetreten, um Stellung zu nehmen zu den Beschlüssen des Pariser Zentral-Komitees, welche den Frieden abgelehnt haben. In der Diskussion stellten sich sämtliche Redner der sehrzahlreich besuchten Versammlung (n. a. waren anwesend Geheimrat Landau. Professor K attischer, Professor Silbergleit, Stadtrat Stranz. Professor Dr. Carl Lewin. Professor Hörwitz, Rechtsanwalt Dr. Münz, Jnstizrat Horwitz, Stadtrat Gim'kiewtcz. Stadtrat Rechtsanwalt Schachtel, Sanitälsrat Fraenkel, Stadtverordneter .Max Salinger, Jnstizrat Bernstein, Chefredakteur' Landau, Jnstizrat Pinner, Dr. Plotke, Jos. Chäim, Jnstizrat Max Fuchs und etwa 200 Mitglieder) ans den Standpunkt, daß man gegenüber den unerhörten Herausforderungen von Paris an der Organisation der deutschen Mitglieder festhalten müsse, um ans deutschem Boden den Alliancegedanken zu erhalten und diejenigen statutenmäßige Zwecke zu erfüllen, welche die deutsche Organisation bisher erfüllt habe. Es müsse entschieden die Ansicht des Pariser Komitees bekämpft werden, daß. die Allianz nur dazu da sei, französische Politik und sranzösische Jnteressen zu fördern. Eine Organisation der deutschen Mitglieder habe wichtigere und näherliegende Ausgaben zu erfüllen und müsse diese erfüllen, auch ohne daß das Pariser Komitee sich dareinzumischen habe. Die Versammlung nahm schließlich einstimmig folgende Entschließung an: „Die Generalversammlung der Berliner Alliaucemitglieder hält nach wie-vor au der Organisation des deutschen Landes-- Komitees als der berufenen Vertretung des Alliancegedankejis in Deutschland fest. Sie ersucht den Vorstand des Landes- Komitees, die Organisation unverzüglich derart auszugestalten, daß das Landes-Komitee in der Lage ist die Aufgaben zu "er* füllen, die es sich bisher gemäß dem Geist und Wortlaut der Allianzsatznngen gesetzt hat. inbesondere unbeschadet etwaigen Friedensverhandlungen eine energische Agitation für Werbung, neuer und Erhaltung alter Mitglieder der Ä. I. U. zu entfalten." 25 jähriges Amtsjnbiläitm. Auf eine 25 jährige überaus segensreiche Wirksamkeit als Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Berlin kann in diesen . Tagen Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Adolf R o s e n z w e i g. zürückblicken. Ans diesem Anlaß findet seitens des Vorstandes der jüdischen Gemeinde am Freitag, den 11. Oktober, in der Neuen Synagoge ein feierlicher Festgottesdienst statt. Bereits vor kurzem wurde die erfolgreiche Tätigkeit des Jubilars, der als einer der hervorragendsten Kanzelredner sich allgemeiner Beliebtheit erfreut und vor seiner Berufung an die größte Gemeinde Deutschlands als Rabbiner der israelitischen Knltusgemeinde Teplitz wirkte, durch eine allerhöchste Ordensauszeichnung anerkannt. Ueber den Lebenslauf und die Wirksamkeit des Gefeiertem entnehmen wir der „Allgem. Zeitung des Judentums" vom 21. Oktober 1910 folgende Daten: Rabbiner Dr. Adolf Rosenzweig ist am 20. Oktober 1850 in Tnrdossin (Ungarn) geboren. Er besuchte die jüdische Volksschule seines Geburtsortes, dann das Gymnasium in Budapest und kam nach Absolvierung desselben nach Berlin, wo er sich an der Universität dem philosophischen Studium widmete und zugleich einer der ersten Hörer der damals begründeten „Hochschule für die Wissenschaft des Judentums" wurde (1872 bis 1875). Als erster Schüler dieser Anstalt, an der damals Cassel, Geiger, Lewy und Steinthal lehrten, ging er auch in die prak-' tische Tätigkeit über, als er 1.875 als Rabbiner nach Pasewalk berufen wnrde. Später wirkte er in Birnbaum und Teplitz, seit 1887 in Berlin. Trotz seiner umfangreichen und angestrengten amtlichen Tätigkeit als Rabbiner und Prediger benutzte Dr. Adolf Rosenzweig die ihm gegönnte Muße zu schriftstellerischer Arbeit auf verschiedenen Gebieten der jüdischen Wissenschaft. Geschichtliche Studien, hat er niedergelegt in. seinen Ab-' Handlungen: „Ueber das Jahrhundert nach dem babylonischen Exil" (Berlin 1885), „Der politische und religiöse Charakter .des Flavins Josephus" (Berlin 1889) und „Jerusalem und Caesarea" (1890). Als besonders wertvolle Beiträge zur Kulturgeschichte des Altertums sind die zum Teil in früheren Jahrgängen mtfeier „Allgemeinen Zeitung des Judentums" erschienenen Arbeiten: „Das Auge in Bibel und Talmud" (1892), „Geselligkeit und Geselligkeitsfreuden in Bibel und Talmud" (1895) und „Kleidung und Schmuck im biblischen und talmudischen Schrifttum" I (1905) zu erwähnen. Erst auf Grund solch eingehender Arbeiten

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