Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1912-10-10 · Heft 39 (10.10.1912) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 39 (10.10.1912)
Date
1912-10-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3062972-3063623-3063662--08098-3075238
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 6. Die Wahrheit Nr. 39. Grafen Wischen Glaubens gibt es in Ungarn ebensowenig wie anderswo. Die einzige jüdische Grafenfamilie der Welt ist die der Cahen d^Anvers in Brüssel. Und auch das sind — päpstliche Grafen. Kericht des Kriedensansschusfes. Der zur Beseitigung der zwischen der Pariser Zentrale und dem Berliner Bureau einerseits, sowie andererseits unter den. deutschen Mitgliedern der A. J. U. bestehenden Differenzen gebildete Friedensausschuß gibt über die einzelnen Phasen der von ihm eingeleiteten Aktion folgenden Bericht heraus: Schon Ende Februar d. I. hatte Herr Jnstizrat Wolff-Lissa aus eigenem Antriebe und ohne jede Anregung sich mit Herrn Justizrat Dr. Blau in Frankfurt a. M. in Verbindung gesetzt, um eine einheitliche Organisation für alle deutschen Mitglieder der A. I. U. zu schaffen und die Differenzen unter den deutschen Mitgliedern der A. I. U. zu beseitigen. Es waren ja, wie bekannt, einerseits das Landeskomilee zu Berlin und andererseits das Bezirkskomitee zu Frankfurt a. M. geschaffen worden, und es schien Herrn Jnstizrat Wolff erwünscht, den Streitigkeiten zwischen den deutschen Mitgliedern ein Ende zu bereiten und eine Verständigung unter den deutschen Mitgliedern und zwischen diesen und Paris zu finden. Dabei diente ihm als Grundlage einerseits die Tatsache, daß das Landeskomitee mit dem Endziel geschaffen war, eine Gesamtorganisation aller deutschen Mitglieder zu sein und unter ihnen mit der Alliance Jsravlite Universelle zu Paris den Frieden herznstellen, und daß andererseits das Bezirkskomitee zu Frankfurt a. M., das für Süd-, Südwest- und Westdeutschland geschaffen war, am 11. Februar d. I. den Beschluß gefaßt hatte, „mit einem zu bildenden westdeutschen Bezirkskomitee und auch mit dem Landeskomitee zu Berlin zu verhandeln, um einerseits eine Einigung sämtlicher deutscher Lokalkomitees herbeizusühren und andererseits den Frieden mit dem Zentralkomitee in Paris herzustellen". Mm dieselbe Zeit hatte auch Herr Justizrat Dr. Blau, Frankfurt a. M., .eine solche Verständigung in Aussicht genommen. Er ging daher bereitwilligst auf diese Anregung ein, indem er ausdrücklich bemerkte: „Gegen ein deutsches Lokalkomitee ist an sich nichts, einzuwenden, anch nicht dagegen, daß sein Sitz in Berlin ist." Die bekannten Vorgänge, die im März 1912 zu den lebhaftesten Auseinandersetzungen zwischen dem Lokalkomitee und dem Bezirkskomitee führten, ließen jedoch Herrn Justizrat Wolff von der Weiterverfolgnng seiner Absichten absteheu, da unter den obwaltenden Umständen ein gedeihliches Zusammenarbeiten der beiden Komitees nicht zu erwarten war. Dies teilte er Herrn Justizrat Dr. Blau am 24. März d. I. mit. .So ruhte die Sache einstweilen. Demnächst erging von Herrn Philipp Schiff aus Frankfurt a. M. eine Anregung an Herrn Geheimrat Prof. Dr. Landau des Inhaltes, eine Zusammenkunft zwecks Herstellung des Friedens unter den deutschen Komitees und mit Paris in Frankfurt a. M, .abzuhalten. Herr Geheimrat Prof. Dr. Landau entsprach dieser Anregung und veranlaßte Herrn Justizrat Wolff- Lissa, von dessen Bemühungen um den Frieden ihm inzwischen Kenntnis geworden war, der Besprechung beizuwohnen. An dieser nahmen teil außer Herrn Philipp Schiff die Herren Rechtsanwalt Dr. Bärwald und Schlesinger aus Frankfurt a. M. sowie die Herren Landau und Wolff. Bei jener Besprechung wurden die Grundzüge für eine zu schaffende Gesamtorganisation und ferner für die Verhandlungen mit Paris festgestelll. Es wurde beschlossen, eine Anzahl Vertrauensmänner nach Berlin zu einer Sitzung einzubernfeu, in der die Vorbereitungen für die Gründung einer solchen Gesamtorganisatiou getroffen werden sollten. Die Versammlung fand am 15. Mai 1912 statt und ergab folgende einstimmige Beschlüsse: E soll eine deutsche Vereinigung der Mitglieder der A. I. U. gebildet werden. Der Name soll später festgesetzt werden. Die Regelung der für die deutsche Vereinigung geltenden Bestimmungen wird einer Kommission übertragen; dieselbe setzt sich zusammen ans Landau, Wolff, Dr. Held, Dr. Bärwald und Gumpertz. Einer demnächst einzuberufenden Versammlung werden die Kommissionsbeschlüsse vorgelegt werden. Zunächst hat, bis die Kommissionsbeschlnsse besprochen und mit dem C. C. in Paris verhandele, ist, ein Waffenstillstand einzutreten. Von keiner Seite sollen Veröffentlichungen, die A. J.U. betreffend, erfolgen, auch keine Lokalmitgliederversammlungen sollen bis zur'Beschlnßfaffnug des Ausschusses stattfinden. Mit der Gründung der Neuorganisation der' deutschen Vereinigung der Mitglieder der A. I. U. lösen sich das Landeskomilee und die Bezirkskomitees auf. Die Kommission hat bei der Festsetzung des Regulativs sich von dem Gesichtspunkte leiten zu lassen, daß die Beziehungen zu Paris freundschaftliche werden, dabei aber die deutschen Rechte gewahrt bleiben. Einem weiteren Beschlüsse der Versammlung entsprechend, wurde folgende Veröffentlichung der Teilnehmer an der Versammlung beschlossen: „Die Unterzeichneten sind heute zu einer Versammlung zusammengetreten und haben einstimmig beschlossen, die zwischen den bestehenden Vereinigungen der deutschen Mitglieder der A. I. U. und dem C C. in Paris vorhandenen Mißverständnisse zu beseitigen. Zu diesem Zweck ist eine Kommission gewählt worden, welche den Weg hierzu feststellen soll. Berlin, den 15. Mai 1912. Direktor Dr. Adler, Frankfurt a. M. Justizrat Blau, Frankfurt a. M. Jnstizrat Dzialoszyuski, Berlin. Senator Fischer, Linden - Hannover, Kommerzienrat G a l l i n g e r, Nürnberg. Stadtrat G i m k i e w i c z. Berlin. H. G n m p e r z, Hamburg. Justizrat Dr. Held, Nürnberg. Prof. Kalischer, Berlin. Rabbiner Dr. Kopfstei n, Beuthen. Geheimrat Landau, Berlin. Rechtsanwalt Dr. Lippmann, Hamburg. Philipp Schiff, Frankfurt a. M. Prof. Dr. Silbergleit. Berlin. Rabbiner Dr. Werne r, München. Justizrat W o l s f, M. d. A., Lissa." Die Durchberatung und Feststellung der Satzungen für die Neuorganisation fand daun in stundenlanger Tätigkeit am 16. Juni d. I. in Karlsbad unter dem Vorsitze des Justizrates Wolff statt. Dieser betonte, daß es darauf ankomme, in friedlicher, sachlicher Erörterung die Grundlagen für die Tätigkeit einer Gesamtorganisation zu finden, daß er infolgedessen eine Abstimmung über einzelne Differenzpnnkte nicht für sachgemäß halte, sondern eine einmütige Feststellung aller für die Tätigkeit der Neuorganisation notwendigen Punkte für erstrebenswert halte. In der Tat wurden auch die Satzungen einstimmig von allen fünf Unteransschußmitgliedern festgesetzt. Diese einmütig zustande gekommene Grundlage für die Neuorganisation wurde dann in Berlin am 7. Juli d. I. durch den Gesamt-Friedensausschuß einer nochmaligen Durchberatung-unterzogest. Das Ergebnis war die eudgiltige Feststellung der Satzungen. Die Herren Wolff und Dr. Bärwald wurden mit der endgilti'gen Redaktion beauftragt. Zugleich wurde auf einen Antrag Bärwald-Held beschloffen, dem Zentralkomitee in Paris die Satzungen vorzulegen, um ihm Gelegenheit zur Erklärung zu geben, ob dasselbe Beanstandungen auf. Grund der Statuten der A. I. U. zu erheben habe, und dabei weiter mitzüteilen, es werde angenommen werden, daß solche Beanstandungen nicht zu erheben si'.'.d, wenn nicht innerhalb zwei Monaten eine solche Beanstandung erfolge. Nachdem die Redaktionskommission übereinstimmend die Satzungen durchgearbeitet hatte, übersandte Herr Jnstizrat Wolff dem Zentralkomitee mittels Schreiben vom 29. Juli d. I. die Satzungen. Das Anschreibeu lautet wie folgt: An die Alliance Jsraslite Universelle, Paris. Die deutschen Mitglieder der A. I. U. haben durch eine Anzahl von Vertrauenspersonen, insbesondere auch von Mitgliedern des C. C., für eine deutsche Organisation die beiliegenden Satzungen beschlossen. Indem ich mir die Ehre gebe, diese Satzungen der Alliance zur Kenntnis zu bringen, teile ich ergebenst mit, daß die Vertrauensmännerversammlnng mich beauftragt hat, mitzuteilen, daß dadurch dem C. C. Gelegenheit gegeben werden soll, sich darüber zu erklären, ob Beanstandungen auf Grund der Statuten der A. I. U. erhoben werden, und daß, falls eine Beanstandung

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.