Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1912
- Issue
- Heft 38 (4.10.1912)
- Date
- 1912-10-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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M 38l Tie Wahrheu Lcue h. MWexeily Rundschreiben des Deutschen Bureaus deri Üisiän ,dieldeutschen Mitglieder wird, dieser ablehnende Beschluß u. a. wie folgt motiviert: Cm: Nach n der-! Ansicht: des Zentralkomitees widerspricht es d en,.S tatuteu,^sowfe,übexHaupt dem Gedeihen der Allianz, wenn iUuirgendenreM!.La^chbine!.selbstäudlge Organisation ins Leben genufeiitt wixd,!-.-W">dtzE Gpjtze ein Ausschuß steht, der den Anschein eineH Zentralkomitees hat und der sich nolens volens veranlaßt'ffehen Rolle eines Zentralkomitees zu übernehme.:^ . <r- 2v- Das: ZenhralkoItitee spricht ausdrücklich jeder Organisation ^Äs .Recht-.ah/, über irgend einen Teil der Beiträge selbständig -zil :verfügen runh D..allein befugt,, über die Verwendung debLlllianzgeld^r zch enkschsiden. Ueberdies genießen die deutschen Mitglieder chegeiiüher. ch?n ^Mitgliedern anderer Länder den Vorzug, die Monatsschrift'--,,Ost und West" unentgeltlich zu er- . ' ^.Der Bestich'des-nst^ischen Ministers Sasonow in London hat "auch-in-r den jüdischen-Krisen Englands Interesse hervor-- getüfen'. Lönd Mothschslö'hat einem Interviewer gegenüber die Erklärmng abgegeben/ daß,-falls Sasonow die Absicht hat, seine Anwesenheit' in Loüdöii-mit der Entriernng einer russischen Anleihe 'zn perbiiiden,- stö'aperde er unter keinen Umständen sich an 'einer solchen Anleihe beteiligen. Von »diesem, seinem festen Entschluß wurde'er nur iir dem Falle abkommen, wenn Sasonow in-ch'er' Läge^seni^wird,. 'GMantien dafür zu bieten, daß mit der sMematisDn^tmWjschltch'eü Verfolgung der jüdischen Bürger Rnßlands ein Ende'gemacht wird. Inzwischen hat sich auch die Londöner Bstie B'vith-Loge an die Spitze der Aktion behufs Anerkemunrg der englischelr Hasse im Besitze von Juden seitens 'der russischen Regierung gestellt. ' . ■ - ■ * J r , f t :; t. . *J* ■; DieinletzterZeitsich mehrenden jndenfeiudlichen Publikationen gewisser türkischer- Preßorggne haben von jüdischer Seite zu einer energischen Protestkundgebung geführt, die in einem durch den Vertreter des Großrabbiners und zwei Mitgliedern des Dschismani der Regierung linterbreiteten Takrir Ausdruck fand. Das dem Jnstizminister überreichte Schriftstück schließt mit folgenden Worten: „Der religiöse ., lindder weltliche Rat unserer Gemeinde, entrüstet und gekränkte angesichts dieser Publikationen, die die Gemüter anfzyhetzengeeignet sind und schwere und unheilbare Folgen nach sich ziehen können, protestieren entschieden gegen diese lügenhaften Behauptungen und lenken die Anfmerksamkeit .der Negierung hierauf, .haniit Maßregeln zur Beendigung dieser bedauerlichen Situation. ergriffen werden. Dü"-es eine-der Hauptpflichten der kaiserlichen Regierung -ist, darüber zu wachen,, daß jede Ursache zu Unruhen und Zwistigkeiten beschworen werde, erklären wir Sr. Exzellenz, daß die ganze jüdische Nation mit, Ungehuld die Maßregeln erwartet, die die osmanische Regierung für gut befinden wird, um dieser Preßkampagne gegen die Juden, die sich immer durch ihre Gefühle der Treue, .Ergebenheit, und Liebe für das Vaterland ausgezeichnet-haben, . dieser Kampagne, die vor allem den heiligen Gesamtinteressen unseres Landes schädlich ist, Einhalt zu gebieten". 'Der Jnstizminister Halim Bej hat der den Takrir überreichenden Deputation, den freundlichsten Empfang bereitet mnd -nach : Anhörung ihrer Beschwerde sein lebhaftestes Bedauern über diesei-tranrige Pre.ßkampagne ansgedrückt. Er versicherte, daß er die jüdische Nation als eines der besten Elemente des Landes .betrachte und versprach, sich sogleich mit dem Minister des Innern in Verbindung zu setzen, dem er den Takrir übermitteln werde, idamit energische Maßregeln ergriffen werden, die den Presseiangriffen auf diejüdische Nation ein Ende machen sollen. Höchst bemerkenswert ist auch eine suchen letzten Tagen erfolgte Aeußerung .'des Sultans, der beim Empfang der neuernannten Gouverneure von Anatolien.folgende Worte sprach: „Ich wünsche, daß alle .meine Untertanen, ohne Unterschied der Nationalität und des Glaubens, gleiche Rechte genießen." * * * Dieser Tage ist die Verordnung des italienischen Generalgonverneurs von Tripolis, betreffend die Gerichtsbarkeit in dem anneklierten Lande erschienen. Die Verordnung gibt bekannt, daß von nun ab in allen Rechtsfragen italienische Gerichtshöfe zu entscheiden haben werden, anerkennt jedoch das Recht des Kadi als Richter über die Mohammedaner zu fungieren. Hingegen wird mit keinem Worte des bisher bestandenen jüdischen Gerichtes erwähnt, das in Form eines Bet- D i n mit dem Chacham Baschi an der Spitze, eine eigene Gerichtsbarkeit für Inden geführt hat. Bisher hatte dieses Beth-Din im Sinne der türkischen Gesetze in allen zivilen und eherechtlichen Prozeßfragen der Inden zu jndizieren und gesetzlich anerkannte Urteile zit fällen. Der Chacham Baschi von Tripolis hatte sogar das ihm gesetzlich eingeräumte Recht, in gewissen Fällen über einen Inden Freiheitsstrafen zu verhängen. Durch die oben erwähnte Verordnung des italienischen Geueralgouvernenrs scheint nun das Beth-Din aller dieser Vorrechte entkleidet worden zu sein, während den Mohammedanern ihre eigene Gerichtsbarkeit nach wie vor belassen wurde. „Pornehmer" AntisernMsinns. Der Herausgeber des Knnstwarts, Dr. Ferdinand Avenarius, ersucht uns zum Abdruck der folgenden Zeilen: Unter der Ueberschrift „Vornehmer" Antisemitismus ist im „Berliner Tagblatt" ein Aussatz erschienen. Es heißt darin n. a.r „Der Knnstwart hält sich viel zu gut ans seinen vornehmen Charakter und behauptet, in der Judenfrage einen ganz objektiven Standpunkt zu besitzen." aber dieser, tageblattdeutsch zu reden, von ihm „besessene Standpunkt" „hindert ihn nicht, notorische Antisemiten in seiner Zeitschrift schreiben zu lassen. In einem Artikel hat der agrar-antisemitische Schriftsteller Ph. Stanff den Abgeordneten Gothein und den von diesen geleiteten Verein zur Abwehr des Antisemitismus in höchst persönlicher und von gröblichen Unterstellungen wimmelnder Weise angegriffen. Ävenarius hatte den Artikel ohne irgendwelche Einschränkungen ausgenommen und lehnte später sogar eine Richtigstellung des Abgeordneten Gothein ans nichtigem Grunde ab." Diese Darstellung ist teils unwahr, teils nnwahrhaftig. Unwahr ist, daß ich eine Richtigstellung des Abgeordneten Gothein abgelehnt hätte. Ich habe mich vielmehr schon in einem ersten und nochmals in einem zweiten Briefe bereit erklärt, sie zu veröffentlichen, unter der einzigen Bedingung, daß die persönlichen Beleidigungen gegen den antisemitischen Debatteredner weggelassen würden. U n w a h r h a f t i g ist sie. insofern das „Berliner Tageblatt" Tatsachen verschweigt, die den Sachverhalt in ganz andresLicht stellen. Das B-T. verschweigt, daß die Aeußerungen des Antisemiten in einer Sprechsaalaussprache über das Judentum stattfanden, die den ausgesprochenen Zweck hatte, Juden und Nichtjuden durch offene Darlegung ihres Denkens und durch die gegenseitige Besprechung ihrer Beschwerden einander besser kennen zn lehren. Dieser Zweck wäre verfehlt gewesen, wenn nicht wenigstens ein Antisemit auch seine Meinung von den Dingen dargelegt hätte. 'Das B. T. verschweigt zweitens, daß diese Debatte von einem Juden eingeleitet, daß sie in weit überwiegender Zahl von Juden geführt und daß sie von dem einleitenden Inden mit einem Schlußwort beendet wurde. Diesem jüdischen Herrn ist auch der Beitrag des Antisemiten vor dem Druck vorgelegt worden und er hat ihn in seinen Schlußwort berücksichtigt. Das B. T. verschweigt drittens, daß die Redaktion des Knnstwarts noch ausdrücklich erklärt hatte, was sich bei Sprechsaalbeiträgen ja eigentlich von selbst versteht: daß sie sich mit keinem der Redner identifiziere. Das B. Tverschweigt viertens, daß die Redaktion durch mich in einem eigenen, langen Aussatz ihren, vom Antisemitismus weit abliegenden Standpunkt gezeichnet hat. Da dieser Aufsatz der L e i t a u f s a tz desselben Heftes war, so ist es wohl nur dem B. T. gelungen, ihn zu übersehen. Herr Dr. Moritz Goldstein, auf dessen Kunstwartanfsatz „Jüdischer Parnaß" hin die Aussprache mit Inden bei uns einsetzte, schrieb mir über ihre Durchführung: „Es drängt mich,