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Die Wahrheit · 1912-09-20 · Heft 37 (20.9.1912) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 37 (20.9.1912)
Date
1912-09-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Die Wahrheit Nr. 37. Meter für die übrige Bevölkerung seien. Hierin läge auch der große Wert der Erforschung ihrer Lage für die Sozialwissenschaft überhaupt. Nuppin urd Knöpfe! haben Recht! Das hat sich besonders deutlich aus dem Gebiet der Bevölkerungsentwicklung gezeigt. Bereits macht sich in ganz Deutschland der Geburtenrückgang bemerkbar, der sich bei den Juden so besorgnisdrohend eingestellt hat, und es sind auch schon Männer auf den Plan getreten, die deshalb angstvoll ihre Stimme erheben. Ich verweise nur ans Oldenbergs Ausführungen im Archiv für Sozialwissenschaft.*) Es ist von mir selbst**) nachgewiesen worden, daß die Kriminalität der Juden die spezifische des Industriestaates ist, und daß sich die Kriminalität der sie umgebenden Bevölkerung in dem Maße, in dem Deutschland Industriestaat wird, der jüdischen immer mehr ausgleicht. Zn diesen Erscheinungen tritt nunmehr auch die Jndnstrialisieruug des deutschen Wirtschaftslebens selbst, bei der die deutschen Juden ja ebenfalls Pionierarbeit leisten. Die Juden als Barometer! Ein richtiges Wort! das einen bedeutsamen Ausblick und einen vielleicht noch viel bedeutsameren — Einblick eröffnet. Sollte diese Erkenntnis nicht die Judensrage in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen? Wir zerschlagen doch auch sonst das Barometer nicht, wenn uns die Witterung, die es für die Zukunft anzeigt, nicht paßt! Verschiedene Nachrichten. Wien. Am Jom-Kippur wird Herr Rabbiner Dr. Al. R ols e nmann im Leopoldstädter Tempel die rabbinischen Funktionen versehen. Wie». (Israelitische Kultu s g e m e in d e.) Die Einschreibungen für den Unterricht an der Bibel- und Talmudschule, H., Tempelgaste 3 und IL, Ferdmandsstraße 23, finden Montag, den 23. und Diensrag, den 24. September l. I. von 5—6 Uhr nachmittags im Lokale der Bibelschule. H. Tempelgasse 3, statt. Wien. Dem Vorstande der israel. Kultusgemeinde Wien sind nachfolgende Spenden zngekommen: Legat des sel. Herrn Adols Mandl sür die israelitischen Armen der Stadt Wien X 1000.—. Legat der sel. Frau Rosa Feist zu Gunsten der Allsspeisung armer israelitischer Kinder im XX. Bezirk X 50.—. Aus der Moses Adutt - Stiftung sür würdige Arme X 33.50. Von Herrn Markus Fein sür das Spital X 20.—. Von F. Ernst sür arme Kranke X 10.—, sür das Ferienheim X 6.— — X 16.—. Von Herrn Powondra für Arme X 12.50. Von den Kindern des Herrn Carl von Auspitz anläßlich des Ablebens ihres Vaters für Arme X 5000.—. Aus der Verlastenschaft der Berta Knlkä zur Errichtung verschiedener Widmungen im Sinne des Testamentes X 3200.—. Von Frau Hofrätin Elise von Gomperz für israel. Arme X 1000.—. Von Max Biedermann, London, sür Arme X 400.—. Bon Julie Thenen für das Siechenhaus X 200.—, für Arme X IM.— — X 300.—. Von kais. Rat Arnold Fröhlich für die Allianz X 100.—, sür den Frauenhort X 50.—, für das Blindeninstitut X 25.—, für das Tanbstummeninstitut X 25.—, für den Verein Brustleidender X25.—, für den Lehrmädchenhort X 25.— — X250.—. Entnahme der Sammelbüchsen bei Frau Rosenberg für die Ansspeisung von Schulkindern X 17.66, für Arme X 31.73, für Taubstumme X 14.95 — X 64.34. Von Silbermann sür arme Bräute X 50.—. Entnahme der Sammelbüchse im Fünfhauser Tempel für Arme X 34.55. Von Jsak und Betti Diamant, Bukarest, sür das Kinderspital X 20.—. Von Anonymus für fromme Zwecke X 10.—. Ferner gelangten an den Vorstand nachfolgende Zuschriften: Dankschreiben der Frau Eugenie Frank für die Kondolenz des Vorstandes anläßlich des Hinscheidens des Herrn Vertreters Gemeinderat Frank. Dankschreiben des Herrn k. k. Hofrates Dr. Karl Grünhut für die Glückwünsche des Kultusvorstandes anläßlich des Jubiläums seiner 40jährigen Wirksamkeit als Universitätsprofefsor. Dankschreiben des Oberdibliothekars der k. k. Universitätsbibliothek Dr. Michael Holzmann für die Glückwünsche des Vorstandes anläßlich.seiner Ernennung zum Oberbibliothekar. Dankschreiben des Herrn k. k. Kammervirtuosen Alfred Grünfeld für die Glückwünsche des Kultusvorstandes anläßlich. seines 60sten Geburtstages. Dankschreiben des Herrn Dr. Alfons Freiherrn von Rothschild für die Glückwünsche des Vorstandes anläßlich seiner Verlobung. Dankschreiben der Triester Kultusgemeinde sür die Glückwünsche des Kultusvorstandes .anläßlich der Einweihung des neuen Tempels. Dankschreiben der Direktion der Volks- und Bürgerschule in Purkersdorf für den Beschluß des Vorstandes, betreffend die Honorierung der Religionslehrer für den Religionsunterricht in den Sommermonaten. Dankschreiben des Mitgliedes der historischen Kommission, Herrn Abraham Epstein, für die Teilnahme des Vorstandes anläßlich des Hinscheideus seiner Gattin. Dankschreiben des Herrn kais. Rat A. Saborsky für die Kondolenz des Kulrusvorstandes anläßlich des Ablebens seines Vaters, des Herrn Josef Saborsky. Dankschreiben der Frau Charlotte Heller für die Kondolenz des Kultusvorstandes anläßlich des Hinscheidens ihres Varers. des sel. Herrn S. Heit. *) Diese Worte sind vor dem Erlaß der preußischen Regierung geschrieben, der sie aber trefflich illustriert. **) In einem Buch „Beruf, Konfession und Verbrechen". München 1907 Dankschreiben des Herrn Rabbiners S. Fürst für die/Teilnahme des- Kultusvorstandes anläßlich des Hinscheidens seines Sohnes, des sel. Herrn- Rabbiner M. Fürst. Dankschreiben des Bethausvorstehers Herrn Theodor Kohu für die Glückwünsche des Kultusvorstandes anläßlich seines 70. Geburtstages. Dankschreiben des Retigionslehrers Herrn Leopold Fehl für die Glückwünsche des Vorstandes anläßlich seines 70. Geburtstages. Dankschreiben des Herrn Prof. Julius Epstein sür die Gratulation des Kultusvorstandes anläßlich seines 80. Geburtstages. Wien. Am 5. Oktober d. I. feiert Herr Leopold Libesny,- Inkassant der Kultusgemeinde und früher Chorsänger am Stadlrempel, seinen 70. Geburtstag, mit welchem er gleichzeitig den Gedenktag seines vor 60 Jahren erfolgten Eintrittes in den Chor des S ntenstettenrempels begeht. Wien. (Bibelschule Jlg platz 2.) Die Einschreibung sür die Talmud-Thora-, Lese- und Bibelschnle Prater, Jlgplatz 2, findet- Sonntagden 22. September, von 9—12 Uhr, statt. Wien. (Eröffnung einer Lese- und Bibelschule Talmnd-Thora des Teinpelvereines Wieden-Margarethen i n W i e n für Volksn n d B ü r g e r s ch n l e n f ü t beide Bezirke). Die Einschreibungen für diese Schulen finden in der Tempelkanzlei V., Siebenbrnnnengasse 1a, statt. Sonntag, den 6. Oktober vormittags von 10—12 Uhr, Montag, den 7. nnd Dienstag, den 8. Oktober nachmittags von 4—6 Uhr. Die Schule bezweckt die Ergänzung und Erweiterung des Religionsunterrichtes der öffentlichen Schulen und steht unter Leitung des Herrn Gemeinderabbiuers und Bezirksschulrates Ehrwürden Dr. Heinrich Reich. Adolf H o f m a n n, Obmann; Ignaz. Taußig, Obmann der Schulsektion; Franz Frankl, Schriftführer. Wien-Josefstadt. Ein schwerer Verlust hat unsere Gemeinde getroffen. Am 9. d. M. ist unser erster Vizepräses, Herr Architekt Jakob Modern, nach kurzem, schwerem Leiden im 75. Lebensjahre gestorben^ Er war der Mitbegründer unseres Tempelbauvereines und hat Jahrzehnte hindurch in hingebungs- und aufopferungsvoller Weise unser Gemeinwesen mit all dessen Lasten und Sorgen an seinem guten, frommen, echtjüdischen Herzen getragen. Im Trauerhause versammelte sich unser Gesamtvorstaud und geleitete den Sarg zum Tempel. "VTEL, Neudeg g erg affe 12, vor dessen Pforten Herr Präses Hermann B e ck tief ergriffen den folgenden Nachruf' hielt: „Jakob Modern! Schmerzbemegten Herzens nehme ich Abschied von dir, treuer Freund, fleißiger, ehrlicher Mitarbeiter an diesem schönen heiligen Werke! Selbstlos und aufopfernd hast du deine Kräfte in den Dienst dieses Heiligtumes gestellt. In schweren Stunden bist du mir treu zur Seite gestanden. Du warst meine Stütze, auf deine Mithilfe haben wir, deine Kollegen, zu jeder Zeit und unter allen Umständen rechn können. Darum tut es uns in der Seele weh, dich von uns so früh scheide" zu sehen. Hoffnungsvoll waren unsere Augen stets auf dich gerichtet — und nun ist erlahmt deine fleißige,'tätige Hand, erloschen dein liebes Äuge,, dein gutes, kameradschaftliches Herz hat zu schlagen aufgehört. So nimm denn hin den besten, innigsten Dank, den ich dir im Namen deiner Kollegen hiermit entbiete, für den idealen Sinn, den du in unserer Gemeinde entfaltet hast. Dein Name wird in unserer Mitte fortleben, denn du hast Unvergängliches geschaffen. Dein Andenken wird auch in diesem Gotteshause, für welches du gewirkt und gestrebt hast, ein dankbares und ehrendes bleiben. Ziehe in Frieden!" In bewegten Worten schilderte hierauf Herr- Rabbiner Dr. Mor. Bauer das Wirken des Verblichenen in unserer Gemeinde, in deren Namen er ihm in ergreifender Weise Worte des Dankes und der Anerkennung zollte. Die Zeremonienhalle des Zentralfriedhofes war von einem dichtgedrängten, vornehmen Publikum gefüllt,- das gekommen war, diesem wahrhaft edlen Menschen die letzte Ehre zu erweisen. Vertreter der Kultusgemeinde, der Tempelvereine, verschiedene Korporationen. Künstler und Architekten n. a. m. eilten herbei, um der trauernden Familie nnd Gemeinde ihr innigstgefühltes Beileid auszudrücken und Ehre zu geben dem, dem Ehre gebührt. Kein Auge blieb tränenleer bei dem warmen Nachrufe, den Herr Rabbiner Dr. Mor. Bauer dem Verblichenen in tiefempfundenen Worten hielt nnd in welchem er die hervorragenden Tugenden nnd Charaktereigenschaften desselben rühmend hervorhob. Der greise Präsident der Kultusgemeinde, Herr Dr. Alfred Ster n, war trotz des schlechten Wetters aus Baden gekommen, um unseren teuren Toten zu Grabe zu geleiten. In beredten, ans tiefem- Herzensgründe kommenden Worten schilderte er die Selbstlosigkeit des Verblichenen, der seine schönen Fähigkeiten auch in den Dienst der Knltusgemeinde stellte, indem er als Mitglied der technischen Kommission treu nnd gewissenhaft seine in selbstloser Weise übernommene Pflicht erfüllte. Herr Dr. Sigmnud Goldberger, Schriftführer unseres Vereines, sprach namens unseres Gemeinwesens Worte des Dankes für das rastlose^ Streben und für den frommen.Eifer, den Jakob Modern durch eine lange Reihe von Jahren in unserer Mitte entfaltete. Für den Rekouvalenfzentenverein „Philantropia", dessen Ehrenmitglied der Verblichene war, sprach die Frau Präsidentin Amalia Be ck, tief bewegt und erschüttert. Worte dankbarer Anerkennung und ehrenden Nachrufes. Auch bei diesem traurigen Anlässe haben sich unsere beiden Herren. Oberkantor Nenmann und Kantor Grob, ausgezeichnet. In kollegialer Weise teilten sie sich in den Funktionen, welche sie in gewohnter Meisterschaft zur Ausführung brachten. Der tiefe Eindruck, den dieses Leichenbegängnis auf alle Teilnehmer machte, wird ein unvergeßlicher bleiben, wie auch das Andenken dieses Frommen ein ewiges, gesegnetes sein wird, ,-cro*? p-ni* 221 Wiener-Neustadt. An beiden Neujahrstagen war die Synagoge vollgefüllt von andächtigen Betern. Herr Oberkantor L a n d a u, der nach dreimonatiger.-schwerer Krankheit nur mit dem Aufgebot, aller Kräfte die' Funktion an den hohen Festtagen übernahm, führte" diese trotzdem in gewohnt vortrefflicher Waise aus. Herr Rabbiner Weiß hielt eine erhebende Neujahrspredigt.

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