Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1912
- Issue
- Heft 36 (13.9.1912)
- Date
- 1912-09-13
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10. Die Wahrheit . Nr. 36. friedhofe eingefuuden, wo anläßlich des 1. Jahrzeitstages eine überaus , würdige und pietätvolle Feier stattfand. Nebst den beiden Schwestern des Verblichenen waren Kultusvorsteher Karl L e m b e r g e r, Sekretär Dr.A d l e r, Belhaussekretär B r a u n und mehrere Beamte der Kultusgemeinde sowie | die Chewra-Vorsteher Fischhof und Kann anwesend. Der Vorstand i des „Oest.-ung. Kautoren-Vereines war durch, den Präsidenten I.. Bauer, Bizepräses D ü n m a n n und die Vorstandsmitglieder I. S ch l e s i n g e r, Rosenberger und B a s s e r verrreten. Bizepräses S ch o r r und Kassier Jurberg er waren durch Funktionen verhindert. Bon den Wiener Kantoren waren die Kollegen Schiller, Fuchs, M a t y a s, L ö w i t, Smotritzky, Bassel. S. W e i jj; N e u m a n n, G r o b, M ü l l e r, Horndorf. Weißman.u, Roth und Recht erschienen. Als der Nachfolger des Verstorbenen, Oberkantor Morgen sie r n, in tiefer Ergriffenheit das „Michtom L’dowid“ sowie das „El mole raehamim“ vortrug, wurde die ganze Tranerversammlung von wehmutsvollem Gedenken und andachtsvoller Weihe erfüllt, und unter diesem Eindrücke hielt ~ der Präsident des Kautoren-Vereines, Oberkanlor Baue r, eine ergreifende Ansprache und schilderte das große chasonische Talent und die meisterhafte Vortragsweise des leider in so jungen Jahren verstorbenen Amtskollegen. Im Namen der Familie rezitierte I. Kantor M a t y a s wieder El mole raehamim in überaus erhebender Weise, worauf Prof. Nascher im Namen der Freunde und Verehrer des Heimgegangenen dem Andenken desselben gefühlsinnige Worte widmete. Mit der Absingung des „Lehlivissi“ durch den Chor unter Leitung des Dirigenten H e i m a n n schloß die überaus pietätvolle Feier. Wie». Der bestbekannte und beliebte Operettensäuger Willy Bauer hat das Cafe „Amerika", H.. Prarerstraße, erworbeu und bereits am 7. d. M. übernommen. In seiner stilvollen neuen Ausstattung reiht sich dasselbe den schönsten Kaffeehäusern des II. Bezirkes an. Im Cafe Willy Bauer wird sich ivohl die Theater- und Kunstwelt einfinden. Wien. Die mir der israel. Kinderbewahranstalt verbundene Erste Bildungsaustalt für Kindergärtnerinnen und Kinderpflegerinnen (mit Oeffentlichkertsrecht) in Wien, H.. Schiffamtsgaffe 15, eröffnet am 25. September ihre Kurse, für welche Anmeldungen bis zuui 19. d. M. eutgegeugeuommeu werden. Wien. Fräulein Jda Groß hat sich mit Herrn Hernranu Reich, Sänger vm Sradttempel und der k. k. Hofoper, verlobt. Wien, (Religionsschule der „A dass Jisro el“.) Die Einschreibungen für Knaben und Mädchen beginnen Sonntag, den 15. September, 8 Uhr früh, und werden an jedem folgenden Sonntag von 8—12 Uhr vormittags und Mittwoch von 2—5 Ühr nachmittags fortgesetzt. Es wird dringend ersucht, die Schüler sofort einschreiben zu lasten, da der Unterricht, der am 22. September beginnt, durch Verspätung des Eintrittes leidet. Schnllokal H., Malzgaffe 16 (Talmud Thora-Gebäude). Wie». Der Verein zur Unterstützung jüdischer Kleingewerbetreibender Wien, IL, Malzgaffe 1, veranstaltete für die im Vorjahre dahingeschiedenen Ehrenmitglieder des Vereines I. M. Brenner und Moses Butterfaß sel. And. eine Traneraudacht. welche Sonntag, den 8. d. M. unter sehr zahlreicher Beteiliguirg der Mitglieder im Vereinsbethause abgehalten wurde. Herr Kantor Leo Wolfensohn versah hiebei in ausgezeichneter Weise die kantorale Funktion. Die Trauerrede hielt Herr Rabbinatskandidat Bernhard Lefkowitsch, welcher in sehr sinnreichen Gleichniffeu die Bedeutung und die Wirksamkeit der Verewigten für den Verein beleuchtete. Den Schluß der Trauerfeier bildeten die üblichen Gebete für das Seelenheil der Dahingeschiedenen. Wie«. (Jüdischer Schulverein für den H Bezirk, IX., Seegaffe 16.). Einschreibungen für alle Abteilungen finden Sonntag, den 15.. September, von 10—1 Uhr mittags, sowie Montag, Dienstag und Mittwoch, 16.—18. September, von 5—1/28 abends, statt. Es wird ersucht, die Anmeldungen rechtzeitig vorzunehmen, da schon eine größere Anzahl Schüler und Schülerinnen vorgemerkt sind. Wien. Am 9. d. M. ist der Architekt Jakob Modern im 75. Lebensjahre gestorben. Modern war Vizepräsident des Tempelvereines für den, 8. Bezirk und Mitglied des Bankomitees der israelitischen Kultusgemeinde. Wie». (Musikschule Ad l e r.) Höchst beachtenswert für Musiklernende (Kinder und Erwachsene beiderlei Geschlechter) ist der Perfektionsunterricht (Korrekturmethode) für Violine und Klavier. 1. Schnelle Ausgleichung der Tonleiter 2C. (Punktationsmethode). 2. Entwicklung des Gesangstones (Zugfingermethode). 3. a vista-@piel. Neueinschreibungen täglich in der Direktionskanzlei H, Roßauergaffe 4. Für die Besetzung der zwei halben Freiplätze (Klavier, Violine) endet die Anfnahme Ende Oktober. Austritte ans dem Judentum. Schwarz Ella, geb. 1. September 1896 in Ungarn, H., Kaiser Josefstraße 29. Sic im an« Adelheit. geb. 9. November 1891 in Prag, HI., Strohgaffe 8. Roh b e rg er Heinrich, Hilfsarbeiter, geb. 16. August 1880 in Slavonien, X., Absberggaffe 13. Weiß Rosa, geb. 17. März 1879 in Purkersdorf. Purkersdorf. Glanz Klara, Dienstmädchen, geboren 15. Oktober 1884 in Drohobycz. VH. Bez., Neubaugaffe 27. Zamachowsky Leo, Schüler, geb. 28. Oktober 1897 in Kiew (Rußl.). YL Mariahilferstraße 44. Kauder Ernst, Handelsangestellter, geb. 8. April 1888 in Wien. VL, Mollardgaffe 44. Ehanna. Eine Neujahrsbetrachtung von Dr. M. H. Friedländer. In der am ersten Neujahrstage zur Verlesung gelaugendew Haftarah wird ein in den lebendigsten Farben von Künstlerhand gezeichnetes Bild eines großen, edlen, gottbegeisterten israelitischen- Weibes vor unseren Augen entrollt; ein Bild, das uns zeigt, welch einen hohen Grad der sittlichen Größe, Bescheidenheit und- Anspruchslosigkeit, der Demut, Sanftmut und wahrhaften Frömmigkeit ein jüdisches Weib zn erreichen vermag, wenn es durch gediegene' Kenntnis der Religionslehre, wie durch eine streng, religiöse Erziehung, die es frühzeitig genossen, die feste Ueberzengnng gewonnen hat, daß es nur einen einig einzigen'Gow gibt, der allein ist der Schöpfer und Erhalter des Weltalls^ der Vater aller Menschen und Lenker aller Geschicke, und daß. alle irdischen und zeitlichen Güter nichtig, flüchtig und vergänglich seien, wenn man das Leben im materiellen Sinne betrachtet, daß sie aber von unendlicher Dauer sein können, soman das Leben im Lichte der Ewigkeit erfaßt. — Dieses herrliche Bild etwas näher zu beleuchten soll die Aufgabe dieser Festbetrachtnng sein. Ehanna, die Heldin des Tages, die von ihrem treuem Gatten Elkana, wie einst Mutter Sarah von dem Patriarchen^ Abraham, geliebt, verehrt und gefeiert wurde, Ehanna, dieses herrliche Musterbild der Frauen, fühlte sich gleich jener Patriarchenfran in ihrem Innern ob ihrer Kinderlosigkeit tief gekränkt.. Wie all die großen Reichtümer Abrahams für Sarah keinen Reiz und kein Interesse hatten, ebensowenig vermochten all die vielen Aufmerksamkeiten, die der reichbegüterte Elkana der Ehannazu schenken sich bemühte, sie freudig zu stimmen! und wie Sarah, von der, vom Stande einerlMagd znm Range einer vornehmen Frau erhobenen Hagar gekränkt und verletzt wurde, ebenso' mußte sich Ehanna von ihrer mit Kindern gesegneten Nebenfrau Penina manch bittere Kränkungen gefallen iassen: nrns nriDysr .V“'i djd dj „Ihre Nebenfrau verhöhnte sie sehr, um sie zn kränken, weil der Ewige ihr den Kindersegen versagt hatte." — So frappant ähnlich das Geschick dieser zwei großen und edlen Frauen des biblischen Zeitalters gewesen, ebenso mannigfach verschieden voneinander waren sie in ihrem Charakter, inihrem ganzen Wesen, ja man wäre sogar versucht zu behaupten, daß Ehanna in mancher Beziehung selbst die Mutter Sarahübertroffen hatte, denn während Sarah von dem Momente an, als Hagar ihr den Gehorsam zn kündigen gewagt, bemüht sieso sehr zu behelligen, daß sie — Hagar nämlich — sich gezwungen sah, die Flucht zu ergreifen, in die kahle öde Wüste' hinauszneilen, ohne zu wissen, welche Gegend sie aufnehmen, werde, um ihr Dasein fristen zu können, ertrug Chänna all die ihr von der mit Kindern gesegneten Peninazugefügten Kränkungen mit einer Geduld sondergleichen. Kein Wort bes Unwillens, kein Angstrnf, kein wilder Ausbruch der Rachsucht entfuhr ihren Lippen; sie suchte vielmehr den Gram ihres Herzens zn verbergen. — ’ ,i., - Alljährlich zur Festzeil so erzählt, uns die Geschichte,, pflegte Elkana nach Sehilv hinanfzngehen, um dort -die schönen Festtage im Kreise seiner Familie würde- und weihevoll feiern zu können. Alles in der Familie jubelte und frohlockte, Alleswar frohen Mutes und heiteren Sinnes, nur ein einziges Mitglied derselben, die fromme Ehanna, befand sich in einer sehr gedrückten Stimmung und wollte durchaus nicht an den von ihrem Gatten Elkana veranstalteten Festlichkeiten teilnehmen. ... Obwohl Elkana mit Kindern gesegnet war, .und daher' nicht, wie einst Vater Abraham, ansrnfen durfte: „Ach Herr,- Gott! Wozu sollen mir die Reichtümer und Schätze, wenn ickkeinen leiblichen Erben besitze", hatte.er doch ein tiefes Mitgefühl für das Leid und Weh seiner teuren, liebreichen, treuherzigen Ehanna. Er gab sich daher .alle mögliche Mühe um sie zu erheitern, zn beruhigen und zn besänftigen xb iriöbi niab n:tr -■’bssn „Ehanna! warum weinest du und essest nicht yn'cniabv *pnb warum bist du so unmutig?" Dn hast nichts verloren, hast doch wohl keinen Verlust erlitten. Bisnun Hast dn nur' nichts gewonnen und wahrlich deshalb hast du inoch keinen Grund so unmutig und niedergeschlagen zn sein/Verdient denn