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Die Wahrheit · 1912-09-13 · Heft 36 (13.9.1912) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 36 (13.9.1912)
Date
1912-09-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Seite 7. Nr,.W Die Wahrheit rr%rrtni7trypj inelden^ M fejtje $0(000. iuiglitdflidjeu sodann sofort berijtestetju .wer.den, vaim H^Hietreiben'PhitiDsü des KchMN^/di^mrmeii^Mte^.des Hst^ttMdens)? ivelM'iüitsr ' .gräßhichAU;MartMM LMHaDi' ffmßten.^N ffeMmchbaiif Den l;Plgii)lM^HiinherttailsMesgefolter(epbKHg<b lind'BMGer^ welche: dM-MWii desVatisstrebendeu/Mpsttilmes'mrt'der Kaffer-) inachl^ in-Ktaüeil^nnl) dem( jb^ciiU.iutfclieli’:jftei^e'^uifr" O^fer'* -Aelen« Uub; schon ,qE sich bse 'Dpser. Hs'' bliMeu^'! Hasses: in Hpauien. Juden sind es) 'die im l3Hind 14?Jahr-/ .hundert,ans Scher terhanfeii für ihreti 'Glanben büßten. Und bald darauf, im 15. und. 16. Jahrhundert, begegnet uns' der entsetzliche Zug jener Hunderttausend alten und jungen Weiber, welche nach unsagbaren Foltern im Fenertode Erlösung fanden von Ihren vom Hexenwahne besessenen Peinigern. Doch die Scheiterhaufen lodern für die ihrem angestammten mosaischen Glauben 'Treugebliebenen und für die Freidenker weiter. Sie bilden eine Glanznummer in festlichen Geprängen und 1680 sehen wir noch .ein solches Auto da fe als Hochzeitsfeierlichkeit des Neuvermählten spanischen Königspaares, dem die Blüte der Nation, ungetan mit dem größten Schmuck und in Gala, mit vielem Entzücken beiwohnt. Inzwischen gellen die furchtbar gefolterten, niedergemetzelten Opfer der Gegenreformation zum Himmel, insbesonders jene armen böhmischen Kavaliere, die nach der Schlacht am weißen Berge, je ihrer Hände, Zungen oder Arme — imin er unter B eis ein eines I e s n i l e n p a t e r s — beraubt wurden. In allen Jahrhunderten lodern die Scheiterchanfen für die Juden, aller Orten werden sie gefoltert zum Zweck der Beraubung und ausgetrieben oder verkauft wie das Vieh. Mitten in die Todesschreie der französischen Hugenotten, der vertriebenen italienischen und spanischen Inden und der deutschen sowie slavischen Protestanten gellen aber auch die .Schreckenslaute ganz fremder, außereuropäischer brauner Rassen herein. Bon Hunderttausenden unschuldig Gefolterten und Gemorderten, welche ihre schutzlosen Leiber den.Feuerwaffen der wüsten Horden der Kouquistatoren ahnungslos aussetzteu, vernehmen wir die furchtbaren Anklagen dafür, daß ihr Land die von den Spaniern so gierig gesuchten Silberminen barg. Dafür, daß sie anstatt zu der ihnen unverständlichen Dreieinigkeit zu Ihre ii Götzen beteten, mußten sie, gleich wilden Tieren verfolgt, in unmenschlichster Weise durch Zuhilfenahme der Folter vernichtet und beraubt werden und wurde ihre uralte Kultur für immer zerstört. Und in späterer Zeit raste die roheste Herrschsucht über den schwarzen Weltteil, die ebenfalls Hekatomben Opfer forderte. -Europa hatte vermöge seiner Glaubensstreitigkeiten innerhalb des fast zweitausendjährigen Bestandes seiner Reiche keine Zeit, sich mit kulturellen und wirtschaftlichen Fragen zu befassen. Als daher die aufs äußerste durch eine beispiellose Adels-, Priesternnd Maitressenwirtschaft ansgesogene Bevölkerung Frankreichs in einer explosionsartigen Erhebung sich Luft machte, mußte mangels -jeglicher Volksbildung die von den Enzyklopädisten eingeleitete ideale Bewegung sehr bald in Bestialität ausarten — ähnlich wie bei den deutschen Bauernrevolleu — und es stellte sich als notwendige Reaktion wieder das rücksichtslose Eingreifen starker Zentralgewalteu schärfster reaktionärer Tendenz ein. Und als letztes Üeberbleibsel mittelalterlicher Glaubens- und Rassenkriege ergeben sich wohl die Befreiung Italiens vom Joche der Päpste, die Zertrümmerung seiner weltlichen Macht, gleichzeitig aber auch das verzweifelte Ringen des katholischen Frankreich mit dem protestantischen Deutschland 1870/71. Ohne die katholische Spanierin am französischen Zäsareniron mit deren Anhang wäre es niemals zu diesem Massenmorden gekommen. Und sieht man genau zu, so ist der heutige Zustand der gegenseitigen Waffen starrenden Feindschaft auch nur durch die Abwehr gegen die Entwicklung der Individualität hervorgernseu, zum Zwecke der Knechtung des Freiheitsgedankens, des Todfeindes aller Theokratie. Wohl wütet nicht mehr der blinde Fanatismus in seiner früheren rüden Form. Dennoch kann man nicht sagen, daß der 'Glaubenshaß gänzlich geschwunden ist. Die aggressive Haltung ganzer Bevölkerungsschichten gegen Andersgläubige in „gkaubens- Istprken^MrcheLÜ^'wse B<Ti-rol. fftz.zn Hkaiyit,, um besonders 'chfrvörAehobsv'f'werdM zu müst'en^Illxn Hnöerst o^iie. ÄiisiiaMe' ^fäst KemaUaMzistMeH Z.-Hgr:,@1aubeü an ,dem , NitnalmoH/Hv llGt'eiEMM,i'Mifü.dW.sich-n ) hsid^WikwahLt MiWs i5[36> der Hnstsich. bHellte ,, Hensör oep Hüdentzncher??, der Jesusteu-?Pate^ HaMquer, mst seiner/Hter-'' schrift - wffcheinigtG )daß in, der 4ganzen Hpii^sehr wqhl chMiinten^' s hebräischen LMatüx inichts Wrfomme^was/aufchig PsiitHHnlldig4iW'Hnwemn1öniiw">.so?tancht diese/lach er siche Mar inHer lwieder'Don neuem ans» umfftrstseineHahreTollimit ansznlösen. Mehrfachlhabeir sich "schonerleuchtete Papste dagegen äns- - gesprochen, auch solche, die keineswegs in den Verdacht des Liberalismus kommen konnten, wie z. B. Innozenz IV. (1243 bis 1254), der in seiner ersten Bulle vom 5. Juli 1247 auf den Widerspruch hiuwies, der zwischen der heiligen Schrift und der Blutbeschuldigung bestehe, da ja in der ersteren dem Juden direkt untersagt wird, während der Zeit des Passahfestes etwas Totes zu berühren. In einerspäteren Bulle vom 29. Oktober 1253bedrohte er sodann Jeden mit Exkommunikation, welcher den Juden vorwerfe, bei ihrem Ritus Menschenblut zu gebrauchen. Ebenso energisch setzte sich für das unterdrückte Recht Papst Sixtus IV. (1471"—1481) ein. dessen unsterbliches Verdienst es bildet, in das verbrecherische Drama, das unter dem Namen „Simon von Trient" bekannt ist, Licht gebracht zu haben. Es hatte sich um den 1475 in Trient ermordet aufgefundenen Christen- Knaben S i m 0 11 ein undurchdringliches Lügengewebe gebildet, dessen Opfer die dort ansässigen Inden bildeten. Der Papst ruhte nicht eher, als bis es ihm gelungen war. in einem dritten Prozesse zu Rom 1478 endgiltig erwiesen zu haben, daß nicht die Inden das Knäblein aus rituellen Zwecken umgebracht — um dessentwegen sie den furchtbarsten Mnrtertod erlitten hatten und selbstverständlich ihres Besitzes beraubt wurden — sondern eilt christlicher Bürger (Zanesius) es war, der aus Rache wegen eines verlorenen Prozesses die Juden ins Verderben brachte, indem er zu Ostern das arme Kind schlachtete und in ein Judenhaus hinterlegte, selbstverständlich nachdem die christlichen Ortsbewohner entsprechend vorher von der Kanzel aus „belehrt" worden waren. Auch einem anderen edlen Oberhaupt der Kirche. Papst Clemens XIH. (1758—1769), gelang es im Jahre 1760 bei einem ähnlichen Falle in Volhynien nachznweisen. daß ein christlicher Bürger sein eigenes Kind mit Schnittwunden verletzt hatte, um die Inden mit diesem Verbrechen zu belasten! Leider verschmähten es auch gelehrte geistliche Schriftsteller unserer Zeit nicht, auf Grund falscher Angaben die Lüge vom Osterblut wieder in die Welt zu schleudern. Außer diesen sprachen sich aber noch andere Päpste in mehr oder minder bestimmter Art gegen den Blntaberglanben aus 11. zw.: Gregor I. der Große (590—604), Alexander III. (1159—1181), H0n 0 rius DI. (1216—1227), Gregor IX. (1227—1241). Gregor X. (1271—1276), Benedict XII. (1334—1342). M a r t i n V. (1417—1431). F e l i x V. (1447), S i x t n s IV. (1471—1484). Clemens VII. (1523—1534), Paul III. (1534 — 1549). Pius IV. (1559 — 1565), Sixtus V. (1585—1590). Benedikt XIV. (1740-1758), Clemens XIV. (1769—1774). Endlich breiteten ihren Schutz über die verfolgten Juden aus: Erzbischof Hermann UI. von Köln, sowie der Prager Dechant C 0 s m a s i. I. 1096 beim ersten Kreuzzug, in Frankreich der Mönch Bernhard von C l a i r v a n x 1146 beim zweiten Krenzzug, ferner verteidigte sie Marlin Luther, wiewohl selbst ein ausgeprägter Antisemit, rücksichtlich des Ritualmordes, indem er diesen als „Lüge" und „Narrenwerk" stigmatisierte. ebenso der berühmte Philosoph Job. Reuchlin, Professor W a g e u s e i l um das Jahr 1700, Erzbischof K 0 z d a r a von Lemberg 1801, die Bischöfe: Dräseke (1832—1844), Reinkens 1882. die Professoren: I. v. D ö l l i n g e r, Dr. M 0 l i t 0 r, Dr. Strack, N ö l d e k e, B a u m g a r l n e r, M. Paul, Lagarde, Kautsch, Fürstbischof Dr. Ko pp, dann die theologischen Fakultäten von Leipzig, Amfter-^

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