Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1912
- Issue
- Heft 36 (13.9.1912)
- Date
- 1912-09-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Frau Dr. Lydia R a b i n o w i t s ch in Berlin erhielt als erste Jüdin den deutschen P r o f e s s o r t i t e l. — In Brzesko starb Rabbiner Tobias Lipschütz, 87 Jahre alt, nach 55-j ä h r i g e r Wirksamkeit; er war der ä l t e st e Rabbiner in Galizien. — Die Chewra-Kadischa in Linz begeht das 50-jährige Jubiläum ihres Bestandes. — 400 jüdische Familien des Amurgebietes treten zum Buddhismus über, um der drohenden Vertreibung zu entgehen. — Der italienische Großindustrielle Dr. Cesare P e g n a erhält das Kavalierskreuz des italienischen Kronenordens. — Baronin Mathilde v. Rothschild in Frankfurt am Main feiert ihren 80. Geburtstag. — Kaiserl. Rat Moritz Waizner in Wien feiert seinen80. Geburtstag. — Die Pariser Akademie verlieh dem türkischen Generalkonsul Neßim Rediti Bey die goldene Medaille. — Kaiserl Rat Leopold Sachs in Wie» erhält vom Kaiser den erblichen Adelftand. — Ignatz Lichtmeß, 30 Jahre Vorsteher im Bethanse Hammer-Pnrgstallgasse in Wien, feiert seinen 70. Geburtstag. — Der berühmte Maler Professor Max Li e b e r m a ii n wird Ehrendoktor der Universität Berlin. — 15. Oberkantor A. Reich ard in Kremsier (Mähren) feiert sein 40-jähriges Berufsjnbilänm. — 15. In Wien beginnt die „F r e i e Jüdisch e L e h r e r st i m m e", Organ des österreichisch-israelitischen Religionslehrerbundes zu erscheinen. Wien starb Doktor Theobald Pollak, k. k. Ministerialrat und Abteilnngschef im Eisenbahnministerium. — Der bekannte Zionist, Professor Dr. Emanuel Mandelstamm in Kiew, starb 74 Jahre alt. — Dr. Arnold Asche r, General-Sekretär der Baron Hirsch- Stiftung in Wien, erhielt vom Kaiser den Titel eines „Kaiserl. Rates". — 29. Der Nestor der österreichischen Philosophen, Hofrat Professor Dr. Theodor G o m p ec z, Mitglied des österreichischen Herrenhauses und aller großen Akademien der Wissenschaften, feiert unter vielen Ehrungen seinen a ch t z i g st e n Geburtstag. (Schluß in nächster Nummer.) D» sollst nicht töten! Jüdisches vom deutschen Jnristentag von Joses Grob, Wien. Als der deutsche Jnristentag in Wien die Frage der Todesstrafe diskutierte und Professor Dr. Kahl aus Berlin in längerer Ausführung für die Beibehaltung derselben plaidierte, da ertönte in die von 1800 Juristen beschickte Versammlung der jüdische Mahnruf: rann vb Du sollst nicht töten! Und so mächtig, stark und kräftig war dieser Mahnruf, daß fast die Hälfte der Teilnehmer sich mit diesem alten jüdischen Gebot solidarisch erklärte, und nur. mit einer Stimme Majorität die Beibehaltung der Todesstrafe angenommen wurde. Unter anderen hervorragenden Juristen war es auch Dr. Schneeberger (Wien), ein Jude, welcher mit kraftvollen Argumenten für die Abschaffung der Todesstrafe eintral, und selbst die größten Judenfeinde werden nicht behaupten können, daß der se Jurist dabei etwa ein besonderes Interesse hatte, jüdi- M. f'i Dl AiAehenJ, ■ Die;StästijlitzMAM^niH^fasHM'fttMMMieidM'chMtMtüerWchen "3; Sftmrhmnrh-sfötntif+il fritftpii' Ytitr J Siii>\itp -$UTf iVäv ^bhin;;MdW«fo reijlJHlüjebN' ist^ivwsdäs3 ' DG,.AHe.Ksttite welleiM,WÜch \ itb erfchMten- .c so eilst, e^zuWt, Jvie" anh^rif Mttionen^tliid'VVlker^^ i frei-mM ruhi^JkKeü^HiinMJHDHnL.Jei?'/'öer^JlD^ üßetattp^ ) s^lbst-M den.^ivisisierteit^esit-oMWiiDäNdKn Mterdrückl uüd / geknechtet wird. Aa,^hürffe M Mllejcht' wnchchen' Zlstpetitvei--! shÜWt,^etw as / freiex - llnd MhiM^Meü/.zm-/MnnM'- Pder däs' - ^1g,u^8is80^ könute.vfelleicht/manHesuiai woü' einettl Juden nicht . beachtet werden,/wenn, .sagen wir zum Beispiel, er gepeinigt und. gefoltert wird, .einzugestehen, einen religiösen Blutmord begangen zu. Haben, den kein Jude je verübt hat, und der Jude dann, um diese Folter loszuwerden, vielleicht falsch schwört, daß er wirklich diesen ihm angedichteten Mord begangen hat. Aber das „lau sirzoch“, das bleibt fest, und keines von den anderen Völkern, die sich doch auch unsere 10 Gebote zu eigen machten, könnte sich rühmen, an diesem Gebote: „Dü sollst nicht töten", so fest gehalten zu haben, wie das jüdische Volk. Und wenn manche antisemitische Zeitungen die Ausführungen Dr. Schneebergers als jüdische Machination zu stempeln suchten, weil er sich erlaubt hat auf den unschuldigen Hilsner hinzuweisen, so ändert es doch nichts an der Tatsache, daß ein Jude es war, welcher am deutschen Jnristentag in Wien, für die Abschaffung der Todesstrafe plaidierte und sich nicht gescheut hat, selbst dem Obersten Gerichtshof zuzurnfen: rann xb Offenes Schreibe» au dieUrranstatler des Gncharistische» Meltksngreffes. Eine Flut von Liebe wird sich in den allernächsten zwei bis drei Tagen über Wien ergießen. Tarsiende und Abertausende werden von näh und fern heranziehen, mit Liebe im Herzen, mit Aufrichtigkeit im Gemüte werden sie sich trotz fremder Zungen im einigenden Bande der allverzeihenden Liebe fiilden. So will es augenscheinlich die Kirche. Gewiß, es war ein echt freimanrerischer Lichtgedanke der Initiatoren dieses Macht entfaltenden Kongresses, eine Völkerwanderung znm Zweck des inneren Friedens zu inszenieren. Wir zweifeln auch gar nicht an der Reinheit ihrer Absicht, die Menschen zur Liebe und Ehrfurcht zu Gott zu führen, — schon um sie schließlich zur Liebe zu m Nä ch st e n zu bringen. Denn dies muß ja stets das letzte Ziel bilden, jenes Ziel, von dem wir aber dermalen so unendlich weit entfernt sind, wie mir zu deutlich unsere politischen Ereignisse im großen, die täglichen Vorkommnisse im kleinen beweisen. So wäre denn eine so mächtige Bewegung zum Behufe einer Masseneinwirkung — ohne Unterschied der Nationen und im Sinne der Erhebung des Menschen — nur mit Begeisterung zu begrüßen. Ob aber dies allein die Triebfeder ist und ob dieser anscheinend edlen Absicht die Wirkung entsprechen wird? Wir haben Grund, daran zu zweifeln. Denn nur mit. Hilfe und im Zeichen des Glaubens ist ja das Ganze geplant. Kein Weg jedoch ist so von Blutströmen durchzogen, als dieser. Er wird nur noch, so weit Europa in Betracht kommt, durch die Ereignisse bei den Hunnen-und Mougoleneinfällen an Granenhaftigkeit und Verzweiflung überboten. In Zentral- und Südamerika aber waren es umgekehrt wir Europäer, welche beiläufig zwei Jahrhunderte später ärger denn Hunnen und Mongolen hausten. Schauer erfassen uns, wenn wir vor unserem geistigen Auge Jene Revue passieren lassen, die im Namen unseres Glanbes leiden mußten. Den traurigen Reigen eröffnen da — abgesehen von früheren Opfern — jene 4000 Sachsen, welche nicht begreifen wollten, daß, was ihre Priester sie bisher gelehrt hatten, ein Verbrechen sei, daß nunmehr an Stelle ihrer Götter plötzlich ein neuer Gott zu treten habe, die ob ihrer Halsstarrigkeit auf Geheiß Karls des Großen an eine m Tage ihr Leben lassen mußten. Etwa 3 bis 4 Jahrhunderte später löschten die entsetzlichen Raub-und Mordbrennereinfälle, die wir unter dem Namen