Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1912
- Issue
- Heft 34 (30.8.1912)
- Date
- 1912-08-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3062972-3063623-3063657--08040-3075175- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 34, Dte-Ma.drdett Gelte 7. Eadener Restaurationen Beftitbe. Eine Jnlieune-Snppe berührte ^hu schon wegen der Namensgleichheit mit seiner Tochter sehr sympathisch. Sie schmeckte ihm sehr gut. Doch, ans der Suche in der Speisekarte fand er nicht nur.nicht.seine konservativen. -Familienspeisen. sondern stieß sogar ans. Fleisch von Tieren, welche keine gespaltenen Klanen haben. Höchst betroffen durch diese Entdeckung, verließ er mit der Hoffnung, .auch , die bereits genossene Suppe baldigst los werden zu können, .unauffällig und mit einer Erfahrung reicher, das Lokal. In der hiesigen Arena wird flott gespielt. Nicht nur die Fünf Frankfurter", auch die neuesten Operetten werden exakt .zur Ausführung gebracht, wobei Gesangs- und Schauspielkunst mit viel Erfolg liub Talent von unseren Konnationalen, den Herren Engel, Kraus, Rnsso, Knüpfer und Fräulein Helmsdorf vertreten wird. Seit einigen Tagen haben wir auch eine Ausstellung hier. Es gibt nämlich in Baden vieles auszustellen; doch darüber -ein anderesmal. Wilhelm Geiger. > er viel stärker als-bei uns. . Es gibt ganze Bäder, indenen j. Juden keine Wohnungen.mieten können, große, vornehmem Hs-! tels, die völlig jndenrein sind, ja große Schulen, die nur von - der Aristokratie besucht werden, iu denen kein Jude Aufnahmey findet. Und all das ohne irgendwelche ökonomische Ursachen, die . . ja für diese Millionärkreise der amerikanischen Gesellschaft gavj nicht existieren, sondern einzig und allein ans — ans, ja. man suche welche Gründe mau auch will, man wird keinen anderen, finden als die instinktive Abneigung gegen den Juden. Wer nun noch, nach diesem eklatanten Beweis, daran, zweifelt, daß es eine solche instinktive Abneigung gibt, dem ist nicht zu helfen; der will nicht sehen. Für alle klar Sehenden aber steht es fest, daß die letzte Ursache des Antisemitismus, nicht temporäre, ökonomische oder politische Ursachen sind, son- : dern eilte instinktive Antipathie des Nichtjuden gegen den Juden, die ihrerseits wieder in unserer anormalen Lage ihre Ursache hat. Die Beseitigung dieser anormalen Lage ist darum auch das alleinige Mittel zur Beseitigung des Antisemitismus. Her Antisemitismus in Amerika. Das „Frankfurter israel. Familienblatt" schreibt: . Das Problem des .Antisemitismus als der sichtbarsten Reaktion der Wirtsvölker auf die Existenz der Inden hat immer -einen der wichtigsten Streitpunkte der Anhänger der nationalen Idee und ihrer Gegner gebildet. Ist der Antisemitismus nur -eine temporäre, ans wohl bestimmbaren Ursachen ökonomischer und politischer Natur hervorgegangeue! früher oder später zu -verschwindende Strömung, wie die Antiuationalisten aller Lager chehaupten, oder ist er etwas Konstantes, etwas, das so lange existiert, solange Minoritäten von Inden unter Majoritäten von Nichtjnden leben und so lange existieren wird, solange dieser -anormale Zustand währen wird? Dieses Problem gilt für viele als dasjenige, das über die Berechtigung der nationalen Idee -entscheiden muß. Probleme wie dieses lassen sich nun aber theoretisch nur sehr schwer lösen. Ihre Domäne ist das -praktische Leben, und die Erfahrung ist dabei das Entscheidende. Darum'war die Beweisführung fstr die Anhänger der nationalen Idee so schwierig. In Europa gibt es fast kein Land, wo der Antisemitismusnicht mit auf jenen ökonomischen Motiven beruht, die die Assimilation als die ausschließlichen ansieht. Das -einzige Land, in dem dies nicht der Fall ist. ist Nordamerika, Und so wurde bei der Erörterung des Problems fast stets Amerika als das wichtigste Beispiel heraugezogen. . Alts diesen Erwägungen heraus verdient nun eine Aenßernng .Hermann Strucks,, der soeben eine längere Reise in Amerika -beendet hat, lebhaftes Interesse. Hermann Struck will kouftatieren, -daß es in Amerika nicht llur einen Antisemitismus gebe, sondern daß dieser sogar' vielstärker und krasser sei als in Europa. Wegen dieser Aenßernng wurde er von der amerikanischen Presse lebhaft angegriffen, und es, ward ihm entgegeugehalten, daß er auf Grund eines kürzen Besuches in Amerika gar nicht in der lLage sei, eine Fylche Behauptung anfzustellen. Daraufhin hat jedoch Prof. Gottheil, der bekannte Gelehrte, ein gründlicher Kenner Amerikas, in einem Interview mit dem „Jewish Chronicle" sein vollstes Einverständnis mit Strncks Behauptung erklärt und sie durch -eine Anzahl Beispiele noch bestätigt. Und ans dem was , diese beiden Persönlichkeiten anssühren, geht mit Evidenz hervor, daß in Amerika ein Antisemitismus krassester Art existiert. All die ökonomischen -Ursachen fällen aber dort fort. Das äußert sich in der .Tatsache, die dem Ganzen erst die eigentliche Bedeutung gibt, daß die niederen Schichten des Volkes viel weniger vom Antisemitismus befallen sind als gerade die höheren, Und daß auch die niederen Schichten der jüdischen Bevölkerung viel weniger unter .demselben zu leiden haben als gerade die höheren. :; ' ' Der Antisemitismus in Amerika ist fast ausschließlich gesellschaftlicher Natur. Darum macht er sich nach außen so wenig bemerkbar, daß man meinen könnte, Amerika sei von diesem Uebel frei. - Innerhalb,- der amerikanischen Gesellschaft jedoch ist GinFeld;ng gegen dnsAtteTestament. (Schluß.) Diese Abfuhr war bitter, das Bedniuen-Triumphlied findet sich danach genau, so — sogar mit stärkeren Farben aufgetragen — im Johannis-Evangelium. Professor Delitzsch braucht es allerdings nicht zu wissen, denn, wie er selbst bemerkte, liegt das Neue Testament seinen Studien fern. Nur sollte er, wenn er selbst zngibt, daß diese Studien ihm fernliegen, nicht die Behauptung wagen, daß die Theologen Altes und Neues' Testament nicht genügend auseinanderhalten. In wahrhaft christlichem Sinne hat denn auch der selige Professor Franz Delitzsch, der Vater des Herrn Friedrich Delitzsch, seinerzeit Anlaß genommen, mit allem Nachdruck zu betone», daß die „Wurzeln des Christentums mit denen der alt« testamentlichen Religion dieselben" sind, und was diese herabwürdige, jenes erniedrigt. Delitzsch der Vater trat eben an das jüdische Schrifttum nicht allein mir einem großen Wifsensschatz. , sondern auch mit jener eigenartigen Kougenialität heran, ohne die selbst eine umfassende Gelehrsamkeit nicht imstande ist,- dem Geiste der Schrift gerecht zu werden. . ,; Es sind erfreulicherweise nur sehr wenige Theologen, die in den Spuren Professor Delitzschs wandeln, die erdrückende Mehrzahl, und zwar sowohl die positiven wie die liberalen Geistlichen, wollen von einer Znrückdrängung des Alten Testaments nichts wissen. In einer Berliner Versammlung des , Evangelischen Bundes hat der Pfarrer an der Berliner Marienkirche, Pastor D. Weser, erklärt, der Evangelische Bund sei nicht nur eine Kampfesorganisation, sondern wolle dem Volke auch die Schätze des Evangeliums erhalten, zu denen vor allem das „Alte Testament" gehöre. Der liberale, protestantische Theologe Pfarrer Stade hat in der Einleitung zu seiner „Geschichte des israelitischen Volkes" folgenden Satz geschrieben: „Man kann die Einwirkung israelitischer Gedanken auf dieheutige Menschheit au keinem Beispiele besser verdeutlichen, als wenn man sich der Bedeutung erinnert, welche die religiösen Gestalten des alten Israel für unser Volk haben. Für die Masse unseres Volkes ist die biblische Geschichte die Geschichte über-,' Haupt... Es empfindet diese Gestalten als Fleisch von seinem Fleisch, als Bein von seinem Bein." Der berühmte Göttinger Naturforscher und Popnlarphilosoph Lichtenberg, einer der klassischen Stilisten des 18. Jahrhunderts, schreibt jene äußerst charakteristischen Worte: „Die unnützesten Schriften in unseren Tagen scheinen die moralischen zu sein, nachdem wir die Bibel haben. Man möchte fast den Ausspruch des Kalifen Omar bei dem Brande der Alexandrinischen Bibliothek gebrauchen: Entweder sie enthalten, was in der Bibel steht, und daun sind sie unnütz, oder sie sinb dawider, dann muß man sie verbrennen."