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Die Wahrheit · 1912-08-23 · Heft 33 (23.8.1912) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 33 (23.8.1912)
Date
1912-08-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
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feeite 8. Die Wahrheit. Nr. 33. lehren, genau besehen, alle neutestamentarischen Schriftsteller. Ob diese neutestamentliche Haupt- und Grundlage unseren Idealen besser entspricht und zur religiösen und ethischen Bildung unserer Kinder sich besser eignet als die von Professor.Delitzsch gebrandmarkten Stellen des Alten Testaments, dürfte doch zum Mindestens fraglich sein. Hier gilt am Ende doch das von Professor Delitzsch selbst erwähnte Sprichwort: „Wer in einem Glashause wohnt, soll nicht mit Steinen um sich werfen". (Schluß folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien.' Sonntag, den 18. d. M. fanden in sämtlichen Gotteshäuser» der Kultusgemeiude, sowie der Wiener Tempel- und Bethausvereine anläßlich des 82. Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers feierliche Festgottesdieuste statt, die überall unter starker Teilnahme seitens der Honoratioren und der Gemeindemitglieder der einzelnen Bezirke von den betreffenden Funktionären zelebriert rourden. Wien. Im Tempel .der türkischen Gemeinde fand anläßlich des Kaisers Geburtstag ein feierlicher Gottesdienst statt. In Vertretung des Vorstandes erschien Tempelvorsteher S. Hassan. Die Festrede hielt Rabbiner-Stellvertreter Elias, Oberkailtor Bauer rezitierte das Gebet für den Kaiser, woraus der Chor unter Leitung des Kantors Löwit die Hymne sang. Wien. Anläßlich des im Tempel der Adas Jisroel, II., Große Schiffgasse 8, am 18. d. M. abgehaltenen Festgottesdienstes waren unter anderen erschienen: Herr Gemeiuderar Kodicek, die Herren Bezirksräte B a ck, P o l l a k und Ledlmay e r. Die Herren sprachen sich über den andachtsvollen Vortrag der üblichen Gebete von Seiten des Oberkantors Herrn Müller sehr lobend aus. Wien. Sonntag, den 18. August um 6 Uhr abends veranstaltete der Prarer Bethaus-Verein „Tefilath Jeschurun" in seinem Bethanse eine solenne Kaiserfeier, welche sehr zahlreich besucht war. Herr Oberkantor Ch ajtmann brachte die usuellen Gesänge in vorzüglicher Weise zur Geltung und fand mir seinem Vorträge bei,dem fast vollzählig erschienenen Ausschuß, wie bei allen anderen Anwesenden ungeteilte Anerkennung. Wien. (Bethaus a u z e i g e.) An den hohen Feiertagen *yiB2 an N2VN V8N wird im „Jüdischen Volksheim", H., Stefaniestraße 12, ein Gottesdienst abgehalten. Sitzkarten zu 10,6 und 4 Kronen gelangen täglich mit Ausnahme des Samstags zwischen 6 und 8 Uhr abends zum Verkauf. Da die Anzahl der Bethaussitzplätze eine beschränkte ist, werden die geehrten Leser ersucht, sich wegen Sitzkarten sofort vormerken.zu lassen. Wien. Am 18. d. verschied in Gastein nach kurzem Krankenlager im 88. Lebensjahre der Chef des Großhandlungshauses S. Aujpitz, Herr Karl A u s p i tz v. W a r t e n e g g. Der Verblichene, ein gebürtiger Wiener, war in seiner Jugend in der von seinem Großvater gegründeten Feintuchfabrik L. Auspitz' Enkel in Brünn tätig und trat dann in die Großhandlung seines Vaters S. Auspitz in Wien ein, die Jahrzehnte hindurch im Schafwollhandel Oesterreichs eine hervorragende Rolle spielte. Er begründete in Gemeinschaft mit seinem Bruder, dem Reichsratsabgeordneten Rudolf Auspitz, die Rohatetz-Bisenzer Zuckerfabriken und fungierte lauge Jahre als Generalrat der Oesterreichisch-ungarischen Bank und als Präsident der. Wiener Rückversicherungsgesellschaft, bis er seines Alters halber diese Stellen zürücklegte. Eine große Anzahl humanitärer Vereine verlieren in dem Verstorbenen einen hilfsbereiten Förderer. Wien. (Ein Warnungsruf für arme Kranke.) Der Erste österreichische israelitische Hilfsverein erläßt folgenden Ausruf: Die Kraukenfürforge für arme Kranke bedarf seit langen! einer internationalen Regelung. Der Erste österreichische israelitische Hilfsverein für arme Kranke hat es sich zur Ausgabe gemacht, die Krankenfürsorgesrage zu regeln und im Vorstand dieses Vereines sind Beratungen im Zuge, diesbezüglich Aktionen zu unternehmen. Speziell den internationalen Agenten, die ans den Bahnhöfen der europäischen Hauptstädte ihr Unwesen treiben, muß in aller Entschiedenheit entgegengetreten werde». Wien ist einer der gesuchtesten Punkte der armen Kranken, da der Ruf unserer medizinischen Fakultät und unserer Professoren und Aerzte bis in die entferntesten Winkel von Europa reicht. Ein armer Kranker trifft im Bahnhof ein mit seinen letzten Mitteln, die er zusammengescharrt hat, um Rettung zu finden.. Er wird von gewissenlosen Agenten, die sich wie Hyänen an ihr Opfer halten, in Empfang genommen und so lange von diesen gehalten, bis er aller Mittel entblößt ist. Dann fallen die armen Kranken gewöhnlich den öffentlichen Institutionen und Wohlfahrtsinstitnten zur Last. Der Erste österreichische israelitjsche Hilssvcrcin für arme Kranke richtet nun an die europäische Presse die Bitte, durch Veröffentlichung dieses Warunngsrufes die Kranken auf diese Gefahr und gleichzeitig die Behörden ans das unlautere Treiben dieser Agenten aufmerksam zu machen. Jeder Kranke, der nach Wien kommt, kann sich an den Hilssverein wenden, der ihm mit Rat an die Hand geht und. eventuell für notwendige Unterstützung sorgt. Die Adresse des Hilfs- Vereines ist: Wien, H., Stefaniestraße 12. Der Präsident: Dr. Salo R a p p ap o r t, Hof-und Gerichtsadvokat; die Vizepräsidenten: Med.-Dr. F l e s ch, Med.-Dr. N a t'a n s o h n. Klosterneuburg. Am 17. August d. I. fand anschließend an den Hauptgottesdienst die Kaiserfeier unter Anwesenheit des Vorstandes und der Schuljugend statt. Die Ansprache hielt Herr Religionslehrer Steiner, der auch den - gesanglichen Teil des Gottesdienstes -in erhebender Weiseversah. Bei dem zahlreichen Publikum, unter dem sich auch viele Sommergäste befanden, erweckte Herr Kantor Steiner durch seine schöne Stimme und seinen gelungenen Vortrag lebhaften Beifall, der auch nach Schluß, der erhebenden Feier-demselben zum Ausdruck gebracht wurde. Mödling. Der rührige Vorsteher der hiesigen israel. Kultnsgemeinde, Herr Ignaz Bslay, veranstaltete am 18. August d. I., um 11 Uhr vormittags, anläßlich des Geburtstages unseres vielgeliebten Kaisers in dem hiesigen Tempel einen feierlichen Dankgottesdienst, der nnter Beteiligung der Behörden, Vertretern der Stadtgemeinde und einem zahlreichen distinguierten Publikum einen glänzenden Verlauf nahm. Die ganze gottesdienstliche Feierjlag in den bewährten Händen des Oberkantors Ignaz Falk, der mir seinem gesanglichen Vortrage und dem von ihm wohleinstudierten Chore, bestehend aus den Damen: Konzertsängerin Frau Kamilla König, Frau Obering. Malva Fischer, Jda M o r g e r, Riga Specht, Fräulein Fritzi Frank, Henriette K a u f m a n n, Nelly- B e l a i, Melanie K l u g, Olga Groß, Regine Singer, Bettl Singer, Jda Klug, Leopoldine W i n t e r st e i n, Aly K a u f m a n nr Terese Kolben und B a r a s ch erbauende Stimmung hervorrief. Den Damen: Koiizertsängerin Frau Kamilla König und Frau Obering. Malva Fischer wurde für die mit künstlerischer Vollendung zu Gehör gebrachten Soli besondere Anerkennung zuteil. Herr Rabbiner Dr. Lev B a r d o w i cz. hielt eine von patriotischen Gefühlen durchgeistigte Festrede. Aus demselben Anlasse wurde auch der Grundstein der neu zu erbauenden Synagoge gelegt, dessen Ban der verstärkte Knltusansschuß unter dem Vorsitze seines Kultnsvorstehers Ignaz B e I a i in seiner Sitzung vom 25. Februar d. I. beschloß und mit dessen Ausführung der Architekt Ignaz Reiser, der Erbauer des Kaiser Franz Joses-Huldignngstempels in Wien, betraut wurde. Bei dieser erhebenden Feier waren außer den Mitgliedern des Kulrusausschusses von Mödling anwesend die Festgäste: Herr Dr. Alfred Stern, Präsident der israel. Kultnsgerneinde Wien,. Herr Moriz Leitner, Präses, mit den Herren Simon M a n d l und Anton Schneider, Mitglieder des engeren Vorstandes der israel. Knltnsgemeiude Baden, Herr Alb. Leicht. Vorsteher der israel. Knltüsgemeinde St. Pölten und viele Gemeindemitglieder von Mödling. Nachdem der Kultusvorsteher Belai die Festgäste begrüßt hatte, verlas Herr Architekt Reiser die Gruildsteinurkunde, welche in Glas- und Metallkapsel gegeben, in den Grundstein versenkt und mit der Platte zugedeckt und vermauert wurde. Herr Präsident Dr. Alfred Stern führte die ersten drei Hammerschläge nach einem tiefempfundenen Spruch nud sodann ging der Hammer von Hand zu Hand, bis jeder einzelne seine besten Wünsche für das Gelingen des Baues dieses Gotteshauses vorbrachte und mit den üblichen drei Schlägen bekräftigte. Amstetten. Am 18. d. fand im hiesigen Tempel anläßlich des allerhöchsten Geburtstages des Kaisers ein Festgottesdienst statt. Die kantöralen Funktionen versah in erhebender Weise der geehrte Tempelvorsteher- Herr Alexander Deutsch. Die Festpredigt hielt unser ehrw. Herr Rabbiner' Dr. Berti sch, indem er auf die religiösen Lehren des Judentums, die seinen Bekennern tiefste Ehrfurcht, begeisterte Treue und Verehrung gegen das gekrönte Oberhaupt einschärfen, hinwies. Mit dem Absingen der- Kaiserhymne und Olenu schloß die schöne Feier. Znaim. Am 17. August d. I. fand im hiesigen Tempel eine solenne Kaiserfeier statt. Anwesend waren: Herr Bürgermeister Dr. Homma, Bezirkshauptmann Bach, Landtagsabgeordneter O b e r w i mm e r, Ober-- landesgerichtsrat Dr. Proksch, mehrere Vertreter der Offizierskorps, Sanitätsinspektor i. P.' Dr. Wolfe n st e i n und andere Körperschaften. Außerdem erschienen der Kultusausschuß mit Herrn Kultusvorsteher R. Wotzilka an der Spitze, Obmann der Chewra-Kadischa, Herr Dr. Schlesinger, Präsidentin des Frauenvereines Frau Louise Brüll„ Obmann des Turnerklubs Herr R. W e i n e r und der als Sommergast hierweilende Professor S. Kraus ans Wien. Die Honoratioren wurden vom- Kultnsvorsteher R. Wotzilka begrüßt. Die Festgesänge fanden eine exakte und eindrucksvolle Wiedergabe durch unseren Kantor Herrn S. Ha-ndgriff, Fräulein Alice Spitz und den gemischten Chor. Die Festrede hielt. Herr Rabbiner Dr. Kahan. . - Graz. Ein Schüler des Wiener' Gesangsprofessors Robinson,- Herr Friedrich Schorr, Sohn des Oberkantors M. Schorr in Wien, der in der abgelanfenen Saison an der Grand Opera in Chikago tätig war, gastierte in der vergangenen Woche in Graz als Wotan in der „Walküre" mit starkem Erfolge und wurde von Direktor Grevenberg als erster Heldenbariton engagiert. Die Grazer-Blätter rühnien an dem erst dreinndzwanzigjährigen Künstler die Füllet und Kraft der Stimme, die- Klarheit des Vortrages nud der Aussprache und die Sicherheit des Spieles. So schreibt die „Grazer Tagespost".», a.: „Herr Schorr ist ein. Anfänger, aber ein sehr begabter. Er hat den Motan zum erstenmal gesungen, aber nur wer es wußtekonnte es wirklich merken. Eine schwere Wotanstimme, gesund, nie heiser oder räspelig, orchesterbesiegend, auch im Nibelungensegen noch gut hörbar und bis zum Schluß aushaltend. Wir sind nicht gegen Anfänger, nur gegen schlechte Anfänger. Anfänger in einem reiferen Künstlerkreis find sogar sehr nützlich, eine gute Mischung- Bei Herrn Schorr ist besonders schön und packend nicht der Ton, nicht das Wort allein, sondern die Verbindung von Wort und Ton. Es wird selten einen Wotau geben, der das Textbuch so überflüssig macht, wie er. Die lange Erzählung des Wotan, die leicht langweilig werden kann, war diesmal nicht nur für Brünnhilde spannend, sondern auch für den Zuhörer- Es gibt Sänger, die singen, es gibt Sängerdie deklamieren. Das Ideal des Musikdramas aber ist und bleibt der Sprechgesang, nämlich das Sprechen, bei dem ans den Gesang' nicht vergessen wird. Der Abschied-

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