Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1912
- Issue
- Heft 32 (16.8.1912)
- Date
- 1912-08-16
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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m. 32. Seite 8. Die. Wahrheil dem Namen Dilettantismus verbirgt und dessen Kompilation nur ein verschlechterter Abklatsch aus Vorländer ist. H. St..Chamberlain ist uns mit derartigem schon früher begegnet. Das erstemal strandete er an Richard Wagner; da die Akten für seine Kompilation noch nicht abgeschlossen waren, versagte sein Verständnis an den Kernpunkten. Dann interpretierte er die Geisteshelden in den Grundlagen des 19. Jahrhunderts. Deren Kern, ein gewisses Pangermanentnm, stütz! sich auf die Arbeiten von Woltmann. Dieser war ein sozialdemokratischer Zimmerergeselle, der dann geisteskrank wurde und die Bücher schrieb. Wahrlich, ein würdiger Dilettantensockel des 19. Jahrhunderts." Also die „Grundlagen" nicht vielmehr als ein frisiertes und ausstaffiertes Plagiat dunkelster Herkunft! Die Mitteilung dieser Tatsache hat Dr. Henning, wie er in einer Fußnote angibl, von dem bekannten Proseffor F. v. Luschan, Direktor des Museums für Völkerkunde in Berlin, erhalten. Weiter wirft Dr. Henning dem Grundleger des 19. Jahrhunderts vor, daß er in seine«! Goeihekapitel Vorländer einfach kritiklos ausgeschrieben habe, indem er in seiner bekannten Weise Daten und Zitate noch entstellte. Chamberlain begeifere verdiente Naturforscher. Da er ihnen unsinnige Behauptungen unterschiebe, scheine er sie nicht gelesen zu haben, setzt Henning in den Anmerkungen noch hinzu. Hennings Ausführungen klingen in den Worten aus: „Es verbietet sich, die Fälschungen richtigzustellen, hier wie . allgemein, weil man kürzer ein eigenes Buch schriebe. Auf derartige Arbeiten hat der Meister (Goethe: Maximen und Reflexionen) die Worte gemünzt: Dilettantismus, ernsthaft behandelt und Wissenschaft, mechanisch betrieben, werden Pedanterie." Ein Mitarbeiter der „Köln. Volks-Ztg.", der diesen objektiven wissenschaftlichen Befund dem Leser feines Blattes unterbreitet, zieht, daraus mit Recht die Schlußfolgerung: „Wenn demnach die Dinge um Chamberlain so stehen, dann find die Grundlagen des 19. Jahrhunderts wahrlich auf tönerne Füße gestellt und die Zeit wird sie schon vollends zertrümmern. Zu bedauern bleibt freilich immer der Schaden, den solche Dilettantenkunststücke, die meist weit verbreitet sind und für viele in populärer Wissenschaft machende Tagesblätter das geistige Untersulter liefern, in den Kreisen urteilsloser und irregeführter Leser anrichten." Herr H. St. Chamberlain und feine „wissenschaftlichen Werke" stehen also auf derselben Höhe, wie Herr Adolf Bartels und seine Lileraturgefchichtsklittereien. Und im Bünde mit diesen beiden tönernen Götzen glaubte der antisemitische Rassenwahn noch .vor wenigen Jahren die gesamte voranssetznngslose Wissenschaft in die Schranken fordern zu können. Verschiedene Nachrichten. Wie«. Anläßlich des Allerhöchsten Geburtstages Seiner Majestät des Kaisers finden Sonntag, den 18. August 1912 in den Gemeindebethäuferu der Wiener israelitischen Kultusgemeinde feierliche Gottesdienste statt, und zwar: im Stadttenipel, I. Seilenstettengasie 4, um 9 Uhr vormittags, im Leopoldstädiertempel. II, Tempelgasse 3, um 8/410 Uhr vormittags, im Füushausertempel, XV.. Turn erg affe 22, um 7 Uhr früh, im Ottakringertemvel. XVI., Hnbergaffe 8, um 1la8 Uhr früh, im Währingertempel, XVIII, Schopeuhauerstraße, um 7 Uhr früh, im Floridsdorsertempel, XXI, Schindlergaffe, 9 Uhr früh. Wie«.' Anläßlich des Gebnrtsfestes Sr. Majestät des Kaisers findet Samstag, den 17. d. M.. 9 Uhr früh, im Tempel, IX. Müünergasse 21, ein Festgottesdienst statt. Wie«. Anläßlich des Allerhöchsten Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers findet Sonntag, den 18. August um 9 Uhr vormittags in der Synagoge des Jiraelitischen Synagogen-Vereines „Beth Israel" nach polnisch jüdischem Ritus II., Leopoldsgaffe Nr. 29. ein feierlicher Gottesdienst statt. Wien. Am 12. d^. M. feierte der Temvelinspektor am Leopoldstädters tempel der Wiener Kultnsgemeinde, Herr Ignaz H a h n, feilten 70. Geburtstag. Aus diesem Anlafie wurden deni verdienten und allseits beliebten Jubilar mannigfache Ehrungen zuteil. Wie«. Im Bethause der Adaß Jisroel (Schiffschul), II. Große Schiffgaffe 8 findet aus Anlaß des Geburtsragfestes Se. Majestät des Kaisers am Sonntag, den 18. August um 11 Ühr voruiittags ein Fest- Gottesdienst statt. Wien. (Gottesdienst): Der Vorstand der Wiener israel. Knltusgememde veranstaltet anläßlich der diesjährigen hohen Feiertage im Mufikvereinssaale I, Dumbagaffe 3, im Großen Sofiensaale ÜI. Bez., Marxergoffe 13 und im Saale des Hotel Continental H Taborstraße 4 feierliche Gottesdienste. . Wie«. Rabbiner Dl A.H ü-x st, ein junger hoffnungsvoller Mann. ist vorige Woche infolge einer schweren Krankheit im 32. Lebensjahre gestorben^ Trotz seiner Jugend würde er bereits vor Jahren als Rabbiner zweier bedeutender Synagogen in-den westlichen Bezirken berufen, woselbst er' eine nur schwer ausfüllbare/Lücke, znrückgelassen hat, denn der Verblichene zeichnete sich durch stupende Gelehrsamkeit, glänzende Rednergabe und tiefe Religiösitat ans. Ein würdiger Sohn seines ehrwürdigen Vaters^ des Herrn S. Fürst, Rabbiner der Schlffschul. der. Stolz seiner Familie und leiner Gemeinde. Ein hervorragender Schüler seines verewigteii Großvaters- Salomon Knttner Rabbiner zu Eisenstadt, sowie des ver-- ewigten Oberrabbiners B. Schreiber zu Preßburg. Die große Teilnahme an dem Leichenbegäugniffe, welche von seinem Baterhanse aus stattsand,. sowie bei der in seinem Geburtsorte Eisenstadt stattgehabten zeugte von der Hochachtung und Verehrung, die sich der Verbliche,ie »n Kreise seiner „Baalebatim“ und aller, die chm im Leben nqhegestanden/erfreute. Dem gramgebeugten Vater und dessen hochverehrter Familie rufen wir zu: iCöm 227 jrv' 'Titf bfcl Möge derselbe für immer von jeden. Kummerbefreit sein und-in der großen Teilnahme, die sich weit über die Grenzen unserer Stadt erstreckt, Trost und Linderung in seinem Schmerze finden. L. Wien. Dienstag, den 13. d. M. ist hier der Begründer und Senior-- Ches der Firma Joses Saborsky L Söhne, Herr Josef Saborsky, Vater des kaiserlichen Rates Albert S a b ors ky und der Kommerzialräte Leopold und Eduard Saborsky, im 93. Lebensjahre gestorben. Das Leichenbegängnis findet am 15. d. um */z10 Uhr vormittags vom Trauerhause, 3. Bezirk, Beutrixgaffe 3, aus nach dem Zentralfriedhofe statt. Karlsbad. Herr Rabbiner, Dr. Ziegler, ersucht, uns, die in voriger Nummer enthaltene Karlsbädcr-Notiz m betreff des Konzertes Tkats dahin zu berichtigen, daß er Herrn Oberkamor Tkats nicht kenne, auchniemals weder direkt noch indirekt an ihn ein Ansuchen gestellt habe,', zu wohltätigem Zweck ein Konzert zu veranstalten. v Prag. Der Bildhauer Proseffor Salonn hat jetzt ein Monument in Arbeit, das dem Sagenkreis des Prager Ghettos entnommen ist und in konservativen jüdischen Kreisen lebhafte Mißstimmung Hervorrusen dürste- Um die Geschichte des gelehrten Prager Rabbiners, des Hohen Rabbi Löw, hat sich ein dichter Sagenkreis.gebildet. Salonn benützt die Sage, vom Tode des Rabbi. Der greise Rabbi soll uralt geworden sein, unzählige Generationen hat er überlebt.. Denn seine tiefe Weisheit meisterte selbst die Dämonen des.Todes. Aber schließlich kamen sie doch. Seineschöne junge Lieblingsenkelitt brachte ihm eine düukelrote Rose — in der war der Tod. Den Augenblick, in dem das Mädchen dem Rabbi die Rose reicht, hat Salonn im Denkmal festgehalten. Es ist meisterhaft gearbeitet Die halb freundliche, halb ahnungsvvll schmerzliche Geste, mit welcher der rüstige, hagere Greis sich vom Mädchen abweudet, das sich an feine Knie lehnt und ihm dabei mit Eifer die Rose ausdrängen will, die ganze, edle Komposition des Denkmals, die schöne, niqterialgerechte Behandlung geben diesem Monument hohe künstlerische Klaffe. Zu Füßen des Rabbi käuert.- ein großer Hund, dessen Kopf mit starrblickenden Augen aus den Falten des Gewandes heraussiehr, ein Symbol des kauernden und zur Erde ge-- drückten mittelalterlichen Ghettojüdentums, dem stete Gefahr die Wach-- samkeit zum ersten Instinkt geschärft hatte. Der Leib des Hundes erfüllt. dem Bildhauer gleichzeitig den ornamentaleil Zweck, die drei.Meter hohe Figur zum Sockel nberzuleiten. — Es soll in ■ einer Nische des Rathauses Aufstellung finden. Wer der Auftraggeber des Kunstwerkes ist, ist nichi bekannt. Keinesfalls dürste die Prager Kultusgemeinde hiezu irgendwelche: Anregung gegeben haben. . Szeniez. Im Alter 73 Jahren verschied- Samstag, den 3. August der allgemein geachtete Herr Moses Müller/der zufolge seines biederen Charakters sich aufrichtiger Sympathien erfreute. Der Todesfallhat hier' in den Kreisen der Bekannten des Verblichenen innige Teilnahme, gefunden- Das Leichenbegängniß hat Sonntag Nachmittag im Beisein der Familienglieder und aller Bewohner der Stadt stattgesnnden. Herr Rabbiner Marmor st ein würdigte in einer schönen Trauerrede tiefempfunden'die Verdienste und Vorzüge des Verblichenen.. i Berlin. Sonntag, den 18. August, 3 Uhr nachmittags, findet in der Synagoge Lützowstraße 16 die Tranimg des Fräulein Selma Fried-- m ann. Tochter des königl. Musikdirektors A. F r r e d m a n n, mit Herrir Dr. xlil. Curt T i r s ch t i g e l, Rabbiner .in Könitz (Westpr.) siatt... Anslritle ans dem Indentnm. Klar will Hildegard, Edle von, geb. Golds ch m i d t. Fäbrikantensgallin, geb. 10. September 1887 in Breslau. IV., Bartenstein-' gasse 4. ' : /- ,, , K l a r w i l l Georg, Ludwig, Ritter von, Fabriksbesitzer, geb^/27. April-, 1876 in Wien. IV., Bartensteingäffe 4. ' - Altschnl Henriette, Lehrerin, geb. 24. Jänner 1870. V., Stollberggaffe 20. - ... /- - ' - - Fischer Fanny, Haushällerin, geb. 23. Dezember 1687 in Ujvidel : XVII., Geblergaffe 44. Nachod Sophie^ geb. Rosenberg, Private, geb. 8.' Dezember 1867 in Wien. XIX., Eichendorffgaffe 3. / -*>. ■ , Spie l m a n n Simon, Kutscher, geb. 24. Juni' 1876 in Wien. XVI., Speckbachergaffe 30. - i -.r/ Spielmann Marie, Näherin, geb. 3. Februar 1876 iii Fräüendorf. XVI., Speckbachergaffe 30. Neuberg er Jitte, Büglerin, geb. 7. März 1878 in Storozynecz. H.. Taborstraße 61. . ' .)■! , Weiß Max. Handelsangestellter, geb.- 26. April 1685 in Wien. X.,' Herzgaffe'6. -! - -