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Die Wahrheit · 1912-08-16 · Heft 32 (16.8.1912) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 32 (16.8.1912)
Date
1912-08-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Die Wahrheit Nr. 32. beschwerten, während ihre Gegner den traurige;! Mut hatten, sie Lei ihm wegen Meuchelmord anzuklagen, sägte dieser zu letzteren: „Wenn die Kindlein gestorben sind, 'so lasset sie begraben^. Ein schlagender Beweis, daß der einsichlsyoÜe Fürst gar bald von der Schuldlosigkeit der Juden lvie von der Bosheit und Ruchlosigkeit ihrer Ankläger überzeugt war. Uni jedoch den Sturm, der sich infolge' dessen gegen ihn — Heu Kaiser — erhob, unterdrücken, das fanatisierte Volk beschwichtigen zu können, sah er sicht veranlaßt, eine Untersilchrlugskommiffion von gelehrten Männern einzusetzen, die die Frage, ob die Juden tatsächlich Christenblut am Pessachfeste zu rituellen Zwecken benötigen, beantworten sollten. Die Entscheidung fiel selbstverständlich zugunsten der Juden aus. Schon einige Jahre früher wandten sich wegen der gegen sie verbreiteten Blntlüge die deutschen und französischen Juden an den Papst Innozenz IV. um Schutz. In ihrem diesbezüglichen Gesuche gaben sie dem Papste in unverblümter Weise zn verstehen, daß dieses märcheU- und lügenhafte Gerücht von ihren Gegnern nur deshalb erfunden wurde, um hierdurch Gelegenheit zu haben, sich ihres Vermögens bemächtigen zu können. Der Papst fand die Klagen der Juden vollkommen gerechtfertigt und erließ am 5. Juli 1247 an die Kirchensürsteu von Frankreich und Deutschland eine Balle, in welcher er das Treiben derjenigen, die solche unsinnige Märchetl erfinden und "kolportieren, geißelte. Diese Bulle lautete; „Wir haben die traurigen Klagen der Juden Deutschlands erhalten, daß einzelne Fürsten -und sonstige Adelige und Mächtige Eurer Städte und Bezirke zn ihrer (der Juden) Ausplünderung und Konfiszierung ihres Vermögens eiuen Vorwand suchen, daher gegen sie allerlei Ränke schmieden und falsche Anklagen erheben, ohne zu bedenken, daß die Beweise des christlichen Glaubens aus ihre n Archiven hervorgegangen sind. Während die heilige Schrift unter den anderen Geboten des Gesetzes „Töte nicht!" erwähnt, betreffs des Pessachfestes aber auch die Berührung eines jedweden Leichnams verbietet, beschuldigen sie die Juden, daß sie gerade das Herz eines ermordeten Kindes unter sich verteilen, wo es doch offen bekannt ist, daß das Gesetz gerade das Gegenteil gebietet. Manchmal werfen sie einen zufällig anfgefundenen Leichnam unter die Juden und wühlen dann gegen sie auf Grund solcher und ähnlicher lügenhafter Erfindungen. ohne regelrechte Anklage, ohne Geständnis und Beweise, entgegen den vom apostolischen Stuhl ihnen gnädigst bewilligten Privilegium. Wider Gott und Gerechtigkeit berauben sie dieselben ihres ganzen Vermögens, peinigen sie durch Hunger, Einkerkerung und sonstigen Martern, verurteilen viele zu verschiedenen schweren Strafen, andere zum schändlichsten Ende^ so daß die unter den erwähnten Fürsten und Herren lebenden Inden viel schlimmer daran sind, als ihre Vorfahren unter Pharao in Egypten waren; sie sind gezwungen, elend auszuwastdern aus solchen Orten, wo sie und ihre Vorfahren seit Menschengedenken wohnten. In ihrer Angst vor gänzlicher Vernichtung haben sie es daher für gut befunden, sich an die Obhut des apostolischen Stuhles zu wenden. Und da wir .nicht wollen, daß die Juden ungerechterweise mißhandelt werden, empfehlen wir Euch und befehlen durch unser apostolisches Wort, daß Ihr gegen sie wohlwollend und gnädig seiet und wo Ihr erfahret, daß sie ungerecht angegriffen werden, machet solchen Angriffen ein End eünd gestattet nicht, d a ß s i e i n Z n k u u f l solchen oder ä h n l i ch e n G efahreu ausgesetzt sein sollen. Diejenigen aber, die sie unterdrücken, sollen mit kirchlichem Bann belegt werden rc." Am 7. Juli 1273 wurde diese Bulle vom Papste Gregor X. erneuert und im Jahre 1275 vom Kaiser Rudolf I. aufs Neue bestätigtjnnd mit dem großen Majestätssiegel versehen. . Trotz dieser päpstlichen Bulle kamen in Deutschland doch noch Jndenschlächtereien vor. Im Jahre 1283 hat man zur Osterzeit in der Nähe von Mainz ein totes Christenkind gefunden. Die erbitterten Judenfeinde begrüßten diesen Fall nnt Freuden, weil sich ihnen hierdurch die Gelegenheit darbot, die Juden verdächtigen zu können. Eine christliche Amme, so wurde das Gerücht verbreitet, hätte das Kind den Juden verkauft, die es erschlagen haben, um dessen Blut am Peßachfeste zn genießen. Am vorletzten Peßachtage überfiel dqs aufgestachelte Pols die Mainzer Judengelsieiude. Zehn. Persopeu iuuybe(n\getötet und viele jüdische, Häuser geplündert. .Ein Mück war, daß her edle Erzbischof Werner sich der armen Juden angenommen hatte, . fpnft wäre kein einziger Jude in Mqinz am Lehen geblieben. Am selber; Tage'fand auch in Bachrach ein Judeugemetzel statt, wöbe; sechsundzwanzig Juden nmkamen. Auch in anstereu Städten wurden M jene. Zeit viele Juden ermordet. Im Jahre 12M wurde die Gemeinde zu München eben so hart heimgesucht. Es wurde nämlich das Gerücht verbreitet, hie Achen hätten von einem alten Weibe ein Christenkind ge? kaust und erdrosselt. Infolgedessen überfiel die raub- und hlnt? gierige Menge die Juden und niordefen nach Herzenslust. Und als viefe Juden sich in die Synagoge siüchteten, steckten die Mordbrenner dieselbe in Brand. Hundertflchlzig Personen fanden darm ihren Tod. Ein Jahr später wurden einer ähnlichen Anklagewegen vierzig Inden in Oberwesel und Boppard erschlagen. Im Jahre 1^03 hatte in Thüringen eine allgemeine Judenverfolgung stattgefnnden, weil die Klage laut winde, die Juden hätten ein christliches Kind geschlachtet und dessen Blut zu religiösen (!!) Zwecken verwendet. Am 1. März 1332 ist in Üeberlingen ani Bodensee ein christlicher Knabe verloren gegangen, und als er nach einigen Tagen in einem Brunnen tot gefunden wurde, so waren es die Juden (!), die ihn nmgebracht hätten. Ungefähr 300 Inden erlitten hei dieser Gelegenheit den Märtyrertod, ohne haß vorher eine gerichtliche Untersuchung eingeleitet worden wäre. Im Jahre 1605 fand in Ingolstadt der Ermordung des nie vorhanden gewesenen Knaben Simon wegen eipe Judenhetze statt. Im Jahre 1670 hat wieder das Märchen vom Christenmorde in Metz Schrecken verbreitet. Daselbst wurde ein armer unschuldiger Hausierer namens Rafael Lew; unter furchtbaren Folterqualen getötet, weil man ihn fälschlich beschuldigte, er hätte ein Bauernkind, das verloren gegangen war, ermordet, um mit dessen Fleisch Zauberei zu treiben. Im Februar 1682, wurde in Berlin das Gerücht, verbreitet, die Inden hatten ein christliches Kind kaufen wollen, was natürlich ebenso erlogen war, rose alle ähnlichen Anklagen. Dort hat wenigstens dieses falsche Gerücht fein Blut gekostet, während in Lissabon drei Monate später einer ähnlichen Anklage wegen drei Märtyrer verbrannt wurden. Gegen Ende desselben Jahrhunderts, nämlich 1696, drohte eine ähnliche Anklage der Poseuer Gemeinde die völlige Vernichtung. Es wurde nämlich im Frühling, dieses Jahres, wie Znnz berichtet, in Posen ein junger Mann namens Jsaac b. Chajin'l ans der Straße ermordet; der Mörder rettete sich zu den Geistlichen. Als die Juden die Auslieferung desselben forderten und Miene machten, dieselbe zn erzwingen, entstand ein solcher Dtmnlt, daß es Mühe und Geld kostete, die Gefahr zu beschwören. Allein eine größere drohte der ganzen Gemeinde den Untergang. Man fand am Tage nach dem Wochenfeste (8 Juni) einen ermordeten Studenten im Walde, gräßlich verstümmelt. Sofort erhob sich das Geschrei, daß die Juden aus Rache diesen Mord begangen hätten; man nahm sich vor am grünen Sonntag über ' sie herzufallen 'und in der Umgegend schien man geneigt, dem Beispiele von Posen zu folgen. Man ermittelte jedoch eine Frau, welche die blutigen Kleider des Studenten zum Verkaufe gebracht, und ihren Sohn in dem nahen Flecken Rogoszna als dessen Mörder. Dieser wurde in Haft gebracht und von den Judenfeinden, gehörig bearbeitet, alle Schuld auf die Inden, die ihn dazu gedungen, zu werfen. Das weise Gericht entschied, daß, wenn der Täter stach dreimaliger Folter auf dieser Aussage beharre, der Rache gegen die Juden freien Lauf gelassen werden solle. Von dem Zustande dieser armen Bedrängten mag die heutige Welt sich schwerlich einen Begriff machen können. Der Juli ward wie ein Versöhnungstag begangen; Alles bereitete sich auf den Tod vor. Den Schulkindern wurde eingeschärft, sich eher schlachten als taufen zu lassen. Glücklicherweise hat der Mörder die volle Wahrheit bekannt, daß seine Mutter ihn zu jener Tat verleitet habe, weil sie aus dem Blute und den Gliedern Zailbermittel bereiten wollte. (Systag. Poes. 349.)

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