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Die Wahrheit · 1912-08-09 · Heft 31 (9.8.1912) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 31 (9.8.1912)
Date
1912-08-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Nr. 31. Die Wahrheit. Iienste, die sich der nun Heimgegangene erworben und spendete den Hinterbliebenen 'Trost. Am offenen Grabe hielt namens des Bethaüsvereiues. am Volkert Schriftführer Dr. M. Kohu einen Nachruf nnd betonte, -aß seine öpfervollen Bestrebungen ihm im Vereine ein bleibendes, dankbares nnd . ehrenvolles Andenken bewahren werden. Kantor G i b l i ch m a nn rezitierte in erhebender Weise die Trauergebete und der Verblichene wurde zur ewigen Ruhe gebettet. Er ruhe in Frieden. Gr. Wr.-Neustadt. Am Sonnrag, den 4. August, 4 Uhr nachmittags, heiratet im hiesigen Tempel das liebliche Töchterchen des Direktors der .Seifen-und Kerzenfabrik Sieger & Co. und Vizeobmannes der Chewra ' Kadischa, Herrn Friedrich Weiskopf, Fräulein Olly Weiskopf, mit dem Ing. ehern. Viktor Winkler aus Köln a. Rh. Karlsbad. Aus Karlsbad wird uns mitgeteilt: Auf Ansuchen des dortigen Rabbiners veranstaltete Herr Israel Tkats, Oberkantor im Rombachteurpel zu Budapest, ein Konzert zu wohltätigen Zwecken. Sein reichhaltiges Programm, das zumeist aus hebräischen Stücken bestand, wurde im großen Konzertsaale des Karlsbader Kurhauses von einem überaus zahlreichen Auditorium mitangehört. Herr Tkats erregte mit seinem sehr schönem Vortrage großes Aufsehen und seine einzelnen Stücke wurden mit unaushörlichem Applaus honoriert. Marburg. Dem Ordinarius der Philosophie Professor Hermann Cohen, der bekanntlich Ende dieses Semesters aus dem Lehramt scheidet, wurde von der Studentenschaft ein Fackelzng dargebracht. Der erste Chargierte des zurzeit präsidierenden studentischen Gesangvereines „Fridericiaua", stud. theol. Schwarz, hielt eine Ansprache an den Gelehrten, in der er dem Bedauern Ausdruck gab, das die Studentenschaft wegen des Scheidens Cohens aus dem Lehramte empsinde. Dann ging der Redner auf die großen iviffenschaftlichen Verdienste Cohens ein, auf den er zum Schluß ein dreifaches Hoch ausbrachte. Der greise Gelehrte dankte für die Ovation und versicherte, daß sein Lebensabend keineswegs ein Feierabend sein. werde. Er schloß mit einem Hoch auf die Alma mater Philippinen Alsdann begab sich der Zug nach dem Kämpfrasen, wo die Fackeln zusammengeworfen wurdeii. Budapest. Honvedminister H a z a y hat verordnet, daß man bei der Affeutierung auf die jüdischen Feiertage Rücksicht nehmen solle und am 12. und 13. September keine Militärstellung vornehme. Eisenstadt. Dienstag, den 6. d. M. wurde die Leiche des ehrw. Rabbiners L. Aron Fürst, Sohn des Rabbiners der Schiffschule, aus Wien hieher überführt. Unter überaus zahlreicher Beiteiligung fand das Leichenbegängnis statt. Sehr ergreifend war der Anblick des traurigen Bildes. Der alte, ehrwürdige Rabbiner, der Vater des Verewigten, stand am Sarge ganz gebrochen. Der Bruder, Rabbinatskandidat Gabriel Fürst, sprach tiefempfundene Worte des Abschiedes .".TS'S'yn Petrikau. Vor einigen Tagen starb im Alter von 86 Jahren der Vorsteher der jüdischen Gemeinde m Petrikau Max Hirsch. Als junger Mann machten auf ihn die heldenmütigen Freiheitskämpfe der Buren einen so mächtigen Eindruck, daß er seine Heimat verließ, und nach Transvaal ging, um in der Burenarmee einzutreten. Hier zeichnete sich Hirsch in verschiedenen Kämpfen der Buren durch Tapferkeit und Heldenmut aus nnd trug auch vielfach schwere Verletzungen davon. Als Dank für seine heldenmütigen militärischen Leistungen wurde er in den Rang eines Obersten erhoben. Hirsch kehrte vor einigen Jahren wieder in seine Heimat zurück, um seinen Lebensabend im Kreise seiner Verwandten zu vollenden. In Petrikau genoß der jüdische Bureuoberst bei der Gesamtbevölkerung großes Ansehen und die Sympathien für den Verstorbenen kamen denn auch in der Beteiligung sowohl der jüdischen als auch der uichtjüdischeu Bevölkernugsschichten an dem Leichenbegängnisse zum Ausdruck. Bnkovar. lieber Antrag des Präsidenten Herrn Dr. L. Veliä wurde Herrn Kantor A. S p r i n g e r, der in Lugos akzeptiert wurde, eine Gehaltserhöhung bewilligt, wodurch derselbe veranlaßt wurde, auf seinem hiesigen Posten zu verbleiben. Gleichzeitig erhielt auch Oberkantor A. Schwarcz eine Gehaltserhöhung. Berlin. Ein frivoler Diebstahl ist auf dem Begräbnisplatz der jüdischen Gemeinde in Weißensee verübt worden. Nachts drangen zerstöruugsfüchtige Buben auf den Friedhof und machten sich an die Zerstörung eines der Erbbegräbniffe. Die roheu Burschen riffen u. a. sechs Bronzeketten von erheblichem Werte aus den Füllungen heraus und nahmen sie als Beute mit. London. Kürzlich wäre es in Whitechapel fast zu einem regelrechten Pogrom gekommen. Ein herrschaftliches Anto hat ein jüdisches Kind überfahren. Das Kind war sofort tot. Jüdische Passanten hielten den Kutscher an. Es kam zu einem Auflauf und zu einer Schlägerei zwischen betrunkenen Engländern uud Juden. Die Polizei hatte viel Mühe, die auf Tausende augeschwollene Versammlung zu zerstreuen. Fast jede Woche kommen im dicht bevölkerten Whitechapel solche Unglücksfälle vor. Die Kinder spielen in der schulfreien Zeit ans der Straße, während die arme» Eltern auf dem Markte oder in der Werkstatt ihrem Berufe nachgehen, so daß die Kinder ganz ohne Aufsicht sind. London. Der Bischof von London, das Haupt der Judeumission, sprach vor einigen Tagen in der „Whitechapler Judenmiffiom" über die Aussichten der Miffion im Orient und speziell in Jerusalem, wo er sich jüngst eine längere Zeit aufgehalten hätte. Er beklagte sich bitterlich über den im Orient jetzt wütenden jüdischen Patriotismus, der alle Bemühungen der Miffion zuschanden mache. Die Mission, so meinte der Bischof, sehe jetzt sehr schlechte Tage. Gegen die alten Juden konnten noch geschickte Missionäre auskommen, die junge, jüdische Generation im Orient und speziell in Jerusalem zeige sich hartnäckig und weise jede beffere Belehrung, die sie .zur Seligkeit führen könnte, von sich. Daran sei teilweise der Zionismus, teilweise die Erstarkung eines unpolitischen jüdischen Nationalismus schuld. Der jüdische Nationalismus bilde die größte Gefahr für die Miffion im Orient, weil er mit Argumenten.snicht zu bekämpfen fest Das Christentum: habe, aber auch eigentlich gar, kein Recht, sich dieser neuen Tendenz imorientalischen Judentum entgegenzustemmen und die Kirche denke nicht daran, patriotisch fühlenden Menschenihr Teuerstes zu nehmen. Das verschlimmere noch aber die Lage der-orientalischen JNdenmiffion. Also klagte verzweifelt der Londoner. Bischof. Es mag noch hiuzugefügt werden, daß. die Judenmission in London selbst jetzt sehr schlechte Tage sieht. Ihr altes Mittel, armen Juden ärztlich b'eiznstehen, will nicht mehr verfangen. Die- Ostjuden in der englischen Merropole haben jetzt überall ihre eigenen Pollkliniken und ihre eigenen Armenärzte oder sie sucheu die großen allgemeinen Krankenhäuser aus. Die Zahl der. jüdischen Kranken, die Missionsärzte besuchen, ist in den letzten drei Jahren auf ein Minimum gesunken^ Der Miffionsarzr war aber immer der eigentliche „Schadchen" zwischen den armen Juden und der „Mutter Kirche". Wenn die Londoner jüdische Gemeinde in Whitechapel mehr jüdische Lesehallen errichten und die Aermsten der Armen im Winter mit Kohlen versorgen würden, damit sie auf die Hilfe der Mission nicht angewiesen seien, könnte die Londoner Judeniiiiffiou morgen ihre Anstalten in Whitechapel schließen. Paris. Der Ordensregen znm Nationalsest fiel diesmal reichlich auf jüdische Generäle, Offiziere und Beamte. Bekaninlich pflegt am 14. Juli, dem Tage des Nationalfestes der französischen Republik, alljährlich ein Ordensregen auf Offiziere und Zivilisten sich zu ergießen. Für die Offiziere gibt es die Ehrenlegion, den höchsten Orden der Republik, in ihren verschiedenen Abstufungen: Großkreuz, Kommandeurstern, Offizieikreuz und einfaches Ritterkreuz. Für die Zivilisten hat die Negierung neben der Ehrenlegion vorgesehen die „Palmen der Akademie" am violetten Bändchen zu tragen (xalrnes academicities\ den merite agricole,. den Ackerbauverdienstorden, den Kolonialster», den Tonkin-Jndo-Chinaorden, gen. Ishart-Xisthißar von Tunis und andere schöne Dingelchen.- Wenn wir nun die Liste der mit den höheren Klassen der Ehrenlegion bedachten Generäle und Jntendanzoffiziere durchfliegen, so sehen wir, daß ein reichliches Manna.des heißerfehnten Ordenssegens für jüdische Generälevorgesehen ist. So empfangen das Großkreuz der Ehrenlegion die beiden: israelitischen Divisionsgeneräle von den Kolonialtrnppen: Jacques Mercier- Melon uud Daniel Winckel-Mayer. die Kammandeurkravatte ist den jüdischen Brigadegenerälen I. Lncas, Abel Treitman nnd Simard-Simon verliehen, ebenso dem Militärintendanteu Abramovitch, das Offizierskrenzempfangen folgende Brigadegeneräle,. Gendre, Raffanel, Herz und Alvarez, sowie der Intendant David Betel n. s. w. Konstantinopel. Wie aus Könstautinopel verrichtet wird, hat der Großrabbiner der Türkei aus dem Jemen einen offiziellen Bericht erhalten, durch welchen die von einem Jerusalemer Blatte geschilderten Verfolgungen der yemeuitischen Juden vollinhaltlich bestätigt werden. Der Großrabbinee begab sich sofort zum Großvezir, um von ihm möglichst rasche Remednr zu verlangen. Die Antwort des Großvezirs war durchaus keine befriedigende. Anstatt sofort einzugreifen, forderte er vom Großrabbiner einen detaillierten Bericht mit Nennung der beschuldigten Beamten und der geschädigten Personen. .Bedenkt man, daß der am 10. Juli an das Großrabbinat gelangte Bericht vom 2. Mai datiert ist, daß also ein Brief von Konstantiuopel nach dem Jemen erst in zwei Monaten sein Ziel erreicht,- so bedeutet die Haltung des Großvezirs'nichts anderes, als eine stillschweigende Duldüng der Vorgänge im Jemen, und es ist begreiflich, daß die Antwort des Großvezirs eine große Mißstimmung hervorgerufen hat. Petersburg. Unter den auf dem Chersoues ansässigen Inden macht sich eine starke Beunruhigung geltend, weil es plötzlich heißt, der Gouverneur wollte sie ihres Wohnrechtes'berauben. Der Chersones gehörtnicht zur eigentlichen Ansiedluugszone der Inden, die aber dort kraft des Rundschreibens Stolypins vom 22. Mai 1907 bisher ungestört bleibenkonnten. Nun soll der Gouverneur eine „Interpretation" erlassen haben,- deren Veröffentlichung man nächstens erwartet.' wonach zehntausend aufdem Lande wohnende Inden vertrieben werden müßten. Die meisten von ihnen sind im Getreidehandel beschäftigt und vermitteln den Geschäftsverkehr nach Odessa. Die Inden haben nun beschlossen, den Gouverneur durch eine Abordnung um Auskunft über diegeplanten Maßnahmenzu ersuchen; wenn die Drohung sich verwirklicht, soll die Abordnung sofort nach Petersburg fahren, um bei den obersten Reichsbehörden vorstellig zu werden. Außerdem haben die Gutsbesitzer, diefür den Getreidehandel' fürchten uud viele Bauern, die als Hausbesitzer! us. w. von den Inden Nutzen ziehen, den Gouverneur gebeten; die bisherige Läge nicht zu ändern^ (Berichtigung). In den in letzter Nninmer erschienenen Artikel „Saisonbild aus Ischl" von Dr. M.'Grüufeld haben sich mehrere siunstörende Druckfehler eingeschlichen, welche wohl beim Lesen richtiggestellt wurden. Seite 5, 1. Spalte, 29. Zeile, soll es richtig heißen „Gänse"" statt Gäste, 2. Spalte, 20. Zeile „gläubig e" statt glänzende. Austritte aus dem Judentum. F i f ch e r Ludwig, geboren 15. Juni 1870 ui Brändeis a.d. Elbe. Böhmen^ VH. , Wimbergergasse 10.; . ... % lat au geb-v. Wolf f Gabriele Ludmilla, geboren 4. März 1867 in Wien, derzeit iu Marieubad. : Blum Israel Samuel, k. k. Rechnungsassistent, geb.28.Febrnar 1879in- Lemberg. XVI., Lorenz MaudlgaffeH7.' Fischer Malvine, Verkäuferin, geb. 25. Februar 1855 in Zablga, XVI., Hubergasse 14. ' -/ p Gottlober Salamon, Sollizitator, geb 1; Oktober 1886 iu Rostows VI. , Stiegengafse 16. Sic!nt au Sophie, Private, geb. 28. Februar 1882 in Odessa. VI., Stie-- gengasse 16.

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