Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1912-08-09 · Heft 31 (9.8.1912) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 31 (9.8.1912)
Date
1912-08-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/3062972-3063623-3063654--08006-3075138
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

tzseite 6. Die Wahrheit Nr: 31/ ziert oder quadruMert swd. Alle diese Wochen tägliche» Psalmen, mit Ausnahme dieses einen (145). begmneu und schließen mit dem sogeuaunteu Halleluja und Meisen die Gottheit in ihren Schöpstingswerkeu. namentlich in dem regelmäßigen Wechsel der Jahreszeiten, daun. als ausgleichende Gerechtigkeit in Ihrem Walten über das Schicksal des Menschen. Auch des Psalms 6 ist hier zu erwähnen, der bekanntlich täglich als Bnßpsalw fp.oenitentialss) in echtbnßferüger Form, gesenkten Hauptes und geschlossenen Auges, still und lautlos gebetet wird und von dem hier nur die Verse 5—7 zitiert sein mögen: Wende Dich, o Gott, meiner Seele wieder Zu. Und «erschaffe meinem Herzen stille Seeleuruh'- Helfe mir schon um Deiner Gnade willen. Die das Gute wirket, ewig nur im stillen. Im Tode denket Deiner niemand mehr. Die Gruft bleibet ewig still und dankesleer. Ganz erschöpft bin ich schon ppu tiefem Stöhnen, Benetzt ist die Lagerstätte von heißen Tränen. Kummervoll dnrchsenfzte ich die ganze Nacht, Die schlaflos auf meinem Lager ich durchwacht. Erloschen schier ist vor Gram mein Angeulicht Und das Herz von Leid schon ganz zusammeubricht. Wer wird bei diesem Psalm nicht an das bekannte, herrliche deutsche Gedicht erinnert: Wer nie sein Brot in Tränen aß. Wer nie in kummervollen Nächten Schlaflos, seufzend ans seinem Bette saß, Der kennt euch nicht, ihr himmlischen Mächte. Das Charakteristische aller dieser in der jüdischen Liturgie für den Wochen- und Festlag ausgenommenen Psalmen liegt darin, daß sie in einer leichtverständlichen, hebräisckien Sprache geschrieben, zumeist aus zwei Versen, sogenannten Disticha bestehen und ihre Uebersetzuug weniger Schwierigkeiten bietet, dann, daß ihr Text unzweifelhaft feststeht, während viele andere Psalmen, sowohl sprachlich wie metrisch Schwierigkeiten bieten, daher auch den Kommentatoren zu vielen Textkritiken und Emendationen (Richtigstellungen des Textes) Veranlassung gaben. - Auf die anderen sechs Psalmen, die in alten jüdischen Gebetbüchern als Anhang für die sechs Wochentage beigedruckt sind, sowie auf den größten Psalm 118, mit seinen 176 Versen, die größtenteils in Krankheitsfällen und in Zeiten allgemeiner Bedrängnisse verrichtet wurden, hier näher einzugehen, halte ich für überstüssig, weil die hier ausgenommenen wohl genügen, uni die Rolle der Psalmen in der jüdischen Liturgie darznlegen. Was mm die römisch-katholische Liturgie betrifft, so dürfte wohl den wenigsten Laien dieses Bekenntnisses und noch weniger den Nichtkarholikeu bekannt sein, welche Rolle die Psalmen im römisch-katholischen Gottesdienste spielen. Nur Fachmänner, die dem Stande der römisch-katholischen Seelsorge angehören, dürften hjerüber etwas näheren Ausschluß geben können. Anläßlich meiner Psalmenübersetzung bin ich dieser Frage näher getreten. Aktuell schien sie mir darum, weil bereits Ende des Jahres 1911 die Tagesblätter meldeten, daß der Papst eine Umwandlung des sogenannten Breviarum ßomanum (Tägliches Gebetbuch römisch-katholischer Priester), namentlich mit Rücksicht auf die Psalmen anqeorduet habe und daß diese Anordnung bereits im Jahre 1913 in Wirksamkeit traten soll. Ich habe mich darüber näher informiert, und zwar zuerst aus dem sogenannten Breviarinm ßomanum, wie es im Jahre 1855 zu Kempten (Campodunnm) gedruckt erschien, das nach dem Titelblatte von den drei Päpsten Pius V. (1568), Klemens VIEL (1602) und Urban VIII. (1631) genehmigt und bis heute, also durch volle drei Jahrhunderte offiziell als tägliches Andachtsbuch der Priester gilt. Ferner aus dem Psalterium Breviarii Bomani 1912, d. i. die eben auf Anordnung des Papstes Pins X. veranstaltete neue Bt-eviarium-Ausgabe, die mit 1. Jänner 1913 obligat werden soll. Nach einem sorgfältigen Studium dieser beiden offiziellen Quellen habe ich folgende Tatsachen festgestellt: 1. Daß sowohl im alten wie im neuen Brevier sämtliche 150 Psalmen ausgenommen sind> und zwar genau nach dem Texte der Vulgata, das ist die lateinische Uebersetzuug der im zweiten Jahrhunderte v. CH. zu Alexandrien von 70, Gelehrten veranstalteten griechischen Bibelübersetzung, Septuaginta oder auch Alexandriua genannt. . , 1 2. Daß Papst Pins X. in seiner als Vorrede beigedruckten Bulle: „Divino afflatuu sich folgendermaßen ausspricht:- In Psalmis mirabilis (juaedam vis inest.-ad excitand a in ani mis omnium studia .:vi rtutum. (In jenen Psalmen liegt eine gewissermaßen wunderbare Kraft, um im menschlichen Herzen alle edlen Regungen zu wecken.) Daselbst werden auch die Aussprüche des Athanasius und des heiligen Augustinus nachstehend zitiert: Von Ersterem: Mihi quidem videtur, psallenti Psalmos esse instar speouli, utet s e, ipsnm et proprii animi motus in ipsis confcempletur atque ita affe et us eos re eitet. (Mir erscheint der Psalmengesang wie ein Spiegel, in dem her Mensch sich selbst und die eigenen Gemütsbewegungen erschaut und so erregt sie selbst rezitiert.) Von Letzterem: Quantum, inquit, flevi in hymnis et canticis tuis suave sonantis Ecclesiae tuae vocibus com motus acriter! Voces illae influebant auribus meis et eliquabatur veritas in cor me um et exaestuabat i n d e. a f f e c tus p i e t a t i s et currebant lacrimae et bene mihi erat cum eis. (Wie oft habe ich unter diesen Hymnen und Gesängen geweint, tief bewegt von dieser so lieblich tönenden Stimme Deiner heiligen Kirche. Diese Töne umflnteten mein Ohr. Die Wahrheit drang in mein Herz und daraus entwickelte sich das Gefühl frommer Gläubigkeit, die. Tränen rollten und dabei wurde meinem Herzen wohl). Diese aus der päpstlichen Bulle genommenen Zitate zeigen deutlich, wie hoch der poetische oder besser, der ethische Wert der Psalmen seitens des päpstlichen Stuhles eingeschätzt wird? Die wesentliche Aenderung des, alten Breviarium Bomanum gegenüber dem neuen, wie es bereits nach der Regensburger Ausgabe vom Jahre 1912 (Verlag Friedrich Pustet) vorliegt, besteht darin, daß im neuen das genannte Psalterinm einen selbständigen Teil, und zwar den Hauptbestandteil des ganzen Breviers bildet, dem nur das sogenannte „Ordinarimn divini Officiiu vorangeht und ein Appendix „ln Commemoratione defunctoramVb. i. für das Seelenheil der Verstorbenen für den Allerftelentag folgt. Synagogenchor. Wie der Synagogenchor in orthodoxen Gemeinden dem Gottesdienste -förderlich sein kann, darüber läßt sich in einer der letzten Nummern des „Israelit" eine konservative Stimme in folgender Weise vernehmen: Der Gesang hat eine große Bedeutung für das Geistesnnd Elnpfindnngsleben des Mensche,,. Besonders Letzteres ist so allgemein anerkannte Tatsache, daß man darüber gar nicht nachdenkt. Der Gesang ist die natürliche Aeußerung der Stimmung in Freud und Leid. Es ist der Gesang die Sprache des Herzens. Die Musik ist der in Sätzen gesonnten Rede vergleichbar. Wo daher das Herz allein spricht, muß es nach Tönen greifen, um sich verständlich zu machen. Will es im Ueberstrom seiner Empfindungen sich , ausweinen oder will es aufjauchzen, dann ergeht es sich in Sangesweisen. Ohne Worte, ohne Lieder, unbegrenzt in seinem Ausdruck, weitet sich das Herz, schlägt höher der Busen, wenn im Gesang das Heiligste sich offenbart. . . Und doch, . der Ton bleibt nur das physische Mittel, der Psyche. Die-Melodie ist nur das „Mittel" an dem sich der Gedanke „emporrankt." Wo daher das Herz nicht allein zu sprechen hat, wo. der Geist zu uns spricht, da ist wohl auch der Gesang willkommen. Er hat aber hinter dem Wort znrückzutreten. Als Mittel ist auch hier der Gesang unentbehrlich. Singen wir Inden doch geradezu. alles. Die tiefsten philosophischen.Gedanken, die. spitz--, findigsten Satzungen des Rechtes, die Geschichte Md die religiösem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.