Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1912
- Issue
- Heft 30 (2.8.1912)
- Date
- 1912-08-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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LZ8: Genießest' W die Frilcht von'deinem rredZicheri Wemühen, - Dann. Heil Dir, das ist wahres, echtes Glnckei blühen. Deine Frau, sie gleicht dem Weinstock, rebenreich. Der an des Hauses Wänden ranket hoch und rveit.1 Deiner Kinder Schar sitzend um Deinen Tisch herum Gleicht den jungen Oelbänmchen, gepflanzet um und um. Wer denkt da nicht an das schöne Hallel-Gebet, wo das Walten der Gottheit im Leben des Staates' und des einzelnen Staatsbürgers hoch gepriesen, die Natur als Zeuge der wunderbaren Vorgeschichte Israels augerufen, die monotheistische Idee gegenüber der polytheistischen, die Macht des Gottvertrauens gegenüber menschlicher Unznverläßlichkeil, die Armut und die Dürftigkeit in ihrer erziehlichen Wirkung, die Leideusschule als notwendige Lebensschule zur Heranbildung echter männlicher Charaktergeftalten gerühmt und der endliche Sieg des Guten über das Schlechte verherrlicht wird und schließlich die Seelenfreudigkeit im freien Naturgeuusse in lebhaften Farben geschildert wird. Und dies alles geschieht nicht nach einem systematisch geordneten Plane, sondern mosaikartig untereinander, geworfen, nur von der momentanen poetischen Stimmung eingegeben. (Schluß folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. (Ehrung des O b e r k a u to r s I os. M ö r g e n st e r u.) Anläßlich der ersten Jahreswende seiner Amtslärigkeir versammelten sich die Freunde des Herrn Oberkantors Morgenstern im Zeremoniensaal des Leopoldstädter Tempels, um vor dem Frenag-Abend-Gottesdienst den Oberkautor zu beglückwünschen. Vom Oberdirigenten Herrn H e i m a u n ' namens der Sänger herzlichst begrüßt, betonte er die Anhäuglichkeir an ihn, der heute aus das erste Jahr rühmlichen Wirkens zurückblicken kann, woraus der Oberkantor gerührt dankte und die Empfindung steter Zusammengehörigkeit bestätigte. Aus der Reihe der Betsitzbesitzer richtete Herr Dr. N a t h a » s o h n herzliche Worte au den Oberkautor uud überreichte als Ehrengeschenk einen mir Widmungsworrcn ausgestatteten Silberpokal als äußeres Zeichen allgemeiner Anerkennung und Wertschätzung. Es erfülle ihn dieses Zeichen mit Stolz — meinte der Oberkantvr Morgenstern — und er erblicke m dieser Ehrung die erste Errungenschaft. Namens der persönlichen Freunde nahm Prof. N a s ch 6 r das Wort, um in eindringlicher und herzlicher Rede die Verdienste .und das reiche Können Oberkantvr Morgensterns zu kennzeichnen uud mit dem tiefempfundenen Glückwünsche, in dessen Amen die Anwesenden begeistert einstimmten, fand diese intime Ehrung ihren Abschluß. Wien. Herr Abraham Chajimann aus Suczäwa wurde für den Pratertempel „Tefilath Jeschuron" einstimmig zum Oberkailtor gewählt. Wien. Der ehemalige Professor für Klavierspiel am Wiener Konservatorium, Julius Epstein, feiert am 7. August seinen 80. Geburtstag. Wien. Am verflossenen Sabbath (Schabos Nachamu) wurde der Lar-Niseeali-KnabeHugo Kraus, ein Neffe des beliebten Tempelirripektors Menaffe Kraus, im Stadttempel zur Thora gerufen, und hat die Haftorah nach altem Ritus mit dem Trop vorgetragen. Der Knabe, der von dem, bekannten Soser Mayer B r u n n.e r unterrichtet wurde, wurde allseits beglückwünscht. Wien. Die sehr treffliche Fürsorge für schwache Kinder, sie in jüdischen Gemeinden über die Ferien als „Kolonisten" uurerzubringen, hat ihre iehr guten Seiten, nur iollte jeder Gruppe eine Aufsichtsperson, wie dies in den großen Kolonien Tischnowitz rc. der Fall ist, mitgegeben werden. So hören wir aus einer alten mährischen Gemeinde Klagen über das Benehmen der aufsichtslosen Kolonisten. Mit Bedauern. bemerkte Schreiber.. dieses keinen einzigen der erwachsenen Knaben beim Wochentagsgotlesdienste arnd da kan» ein Wiener Knabe Manches lernen, dafür aber läßt das Treiben der Knaben Vieles zu wünschen übrig: In einem „Kampfe" bekam ein solcher von gegnerischer uichtjüdischer Seite einen solcben Niederwurf, daß ihm beide Arme gebrochen wurden. Sapienti sat. Eine Ueberwachuug ist also unbedingt notwendig. Wie». (Eine Epitaphien - S a m m l u n g v o u d e n a l t e n böhmisch-mährischen jüdischen Friedhöfe n.) Heute gibt es schon zahlreiche jüdische Friedhöse von einst blühenden oder auch kleineren alten Gemeinden, die verlassen dastehen und nur höchst selten mehr besucht werden. In ihren bemoosten, mehr oder minder gut erhaltenen Grabsteinen .ffildet sich manches interessante Materiale für unsere jüdische Kulturgeschichte. Große Brände, die in den meisten Gemeinden gewütet hahen, vernichteten vieles, was heute für uns das größte Interesse hätte; einzig und allein haben sich in den meisten Fällen d.ie Epitaphien, so weit der Zahn der Zeit sie nicht verwischte, erhalten. Gerade in der schönen Sommerszeit ließen sich diese Inschriften kopieren, um daun in einem Zentral-Archiv, etwa in der großen Wiener Gemeindebibliothek, hinterlegt zu werden. Eine Beschleunigung dieser Arbeiten wäre um so wünschenswerter, weil alte Sandsteindenkmäler dem Verwittern leichter ausgesetzt sind. Voller Spannung sieht man der Herausgabe der Dr. Wachsteinschen genialen Bearbeitung der Inschriften des derzeitigen ältesten Wiener jüdischen Friedhofes in der Seegaffe im IX. Bezirke entgegen, die den hier ausgesprochenen Wunsch, eine allgemeine Epitaphien-Sammlung zunächst in Böhmen und Mähren zu.Üeraijstalten,- baldigst -verwirklichen dürfte., >Jstk einmlsi mit ^Böhmen und' Mähren der Anfang gemacht und kommen dann die anderen Kronländer an dre Reihe, so hätten ipir'eincorpus^inscriptiomim vor. uns, dessen Wert nicht zu nnterslhätzen wäre. ' Moritz Antscherl. Mährifch-Budwitz. Am 30: ür M fand unter zahlreicher Beteiligung das Leichenbegängnis der Gättin. unseres allgemeill verehrten Kantors und Religiouslehrers Herrn Adolf Ko hm statt.. Die Verblichene war eine fromme, wohltätige Frau und ,itt allen Meisen geschätzt. Nebst, dem Gatten trällern Kantor Siegfried Kohn, - Wien ' und' Kantor Hn Kohu in Salzburg uriv die änderen Kinder um ihre unvergeßliche! Mütter.! - 1 Lemberg- Der „Hebräische Schulvereiu für Galizien und Bukowina" bestrebt sich, neue hebräische Schulen z» gründen und die Existenz, der alten zu sichern. Nene Schulen gründet' der „Hebräische Schulverein" mir unter folgenden Bedingungen: 1. Wenn der betreffende Schnlansschüß- oder Verein über einen minimalen Gründungsfoiids von 300 Kronen verfügt; 2. wenn das für die Schule bestimmte Lokal den Forderungen der Schulhygiene entspricht, so daß keine Hindernisse seitens der Behörde entstehen; 3. wenn eine gründende Zahl von Kinder-Anfäiigern eingeschrieben wird. Nähere Aufklärung erteilt die Zentrale des Vereines „Hebräischer Schulverein". Lemberg, Passage Hausmann 3a,; Außerdem schickt der Verein seinen Sekretär und andere' Delegaten.in die Bukowina, lim für die hebräische Schule..Propaganda, zu machen. Berlin. Fräulein Selnia F r i e d m a n n, Tochter, des Haupt--- kantors, königlichen Musikdireklors A. F r i e d m a n u, . hat sich mit dem Rabbi Dr. Curt T i r s cht i g e l in Komtz (Westpr.) verlobt. Berlin.- Zwei der angesehensten Berliner Aerzte, die Geheimen Sanitätsräte Dr. Ferdinand Straß m a n n und Dr. B l u m entha I feierten in den letzten Julitagen ihr goldenes Doktorjubilänni. S t r a ß?- mann,, ein Bruder des verstorbenen Berliner Stadtverotduetcu Vorstehers und Reorganisators des städtischen Armenwesens, hat sich seit vielen Jahren in den Dienst der Oeffentlichkeit gestellt und als nnbesoldetes Magistratsmitglied insbesondere der Medizinängelegeuheiten angenomiiien. Er ist sozusagen der — ungekrönte Stadt - Medizinalrat von Berlin^ Seines wohlwollenden Charakters wegen erfreut er sich der ungeteilten Wertschäßung in allen Kreisen der Bevölkerung.. Geheimer Sanitätsrat Dr. Ferdinand Straßinann wurde am 24. Juli 1862 von dem damaligen Dekan der medizinischen Fakultät der Berliner Universität, dem Anatomen Reichert, unter dem Rektorat von Magnus, zum Doktor med. promoviert, damals 24 Jahre alt. Ans Rawitsch stammend, trat er vor, 32 Jahren in den Dienst der Berliner Gemeinde. Was er hier ans dem immer wachsenden Felde mit unermüdlicher Pflichterfüllung mit einem von allen Seiten anerkannten Geschick gewirkt har,. ist' zu wiederholtenmalen in die Oeffentlichkeit gedrungen. Am 13: Jniii 1889 trat er in den Magistrat, als nnbesoldeter Stadtrat in der Nachfolge des Generalarztes und Ministerialarztes a. D. Dr. Wafferfuhr, hat also 23 Jahre dieses Ehrenamt iiiue. Der Kaiser zeichnete ihn an seinem.Jubeltage durch Verleihung des Kronenord'eiis 3, Klaffe ans. Der andere: Jubilar, Geheimer Sanitätsrat B l u in e n th a l, gehört zu den beliebtesten Berliner Aerzten. Er hat sich namentlich in den höheren und höchsten Schichteil der Berliner Gesellschaft ein Vertrauen erworben; das unerschütterlich geblieben ist. Dank seiner ungewöhnlichen Lebensklngheit, Dank,über.auch nicht minder seiner fein entwickelten ärztlichen Knust, ist er der'ausgesprochene Liebling seiner' ansgebreiteten Klientel. Als Repräsentant steht er seit vielen Jahren im- Dienste der jüdischen Gemeinde. . V Kiew. Die neue Untersuchung im Beilis-Prozrß nahm Montag, den 22. Juli ihren Anfang. Brasul B rus ch kü w s ky, der auf der Halbinsel Krim zur Erholung weilte, ist nach Kiew znrückgekehrt, um vom Staatsanwalt Dtaschk e it) i t s ch vernommen zu werden. ' Vera T sch eberiakowa verbreitet die Nachricht, sie sei von Brasul und dein früheren Verteidiger von Beilis, dem Advokaten M a r g y l i n, .-bestochen worden. Brasul äußert sich über diese nichtswürdigen Ausstreuungen im Tone höchster Entrüstung. Ihm sei allerdings bekannt^ düWdie Tscheberiakowa bestochen wurde, aber natürlich Vonseiten der „SchwarzeiüHundertichaften". Im übrigen spricht sich Brasul über-den voraussichtlichen.:Ansgang der neuen Untersuchung wenig zuversichtlich ans,. Es seien-vitzle dünkle Mächte am Werke, die in völlig skrupelloser Weise darauf hinarbeiten. den Sieg der Wahrheit zu vereiteln und denen es nur darum -zu tun ist, um jeden Preis dre Inden als die Mörder des Knaben Jilstichjllskl-hinzustellen. AnsIrMe ans dom MÜWllm. Kaufmann Franziska, Private, geboren 16. März 1888, in Wien, ledig.- XIX., Döblinger Hauptstraße 61. '''''■>}•?>■?■ ■ Mayer Emilie, Verkäuferin, geboren 23. November 1887: in Wien, ledig. XIV., Braunhirschengaffe 21. Fasse l Aimie, Private, geboren 18. November'1691 än^Brünn, ledig. Führichgasse 16. ' ' A n gel Rosa. Kontoristin, geboren 1. Mai 1888 in Wien, ledig. XVI., Grimiffteingaffe 40. - ' ' R o s e ii se i d Richard, geboren 14. Juli 1887 in. Wien,, ledig.H., Vor-' gartenstraße 199. ' . ' - . . Eng elsmann Eva, geboren 18. Juli, in Bag-Ujhely, Koniitat Neutra, ledig. XXI., Am Krautgarten 131.' Fische r Julius, Privatbeamter, geboren 14. September 1874 ün Brandeis a. d. Elbe, Böhmen, ledig. VII., Wimbergergasse 10, . Gut mann Julius, Student, geboren 28. Jänner 1691 in Wien, ledig. VII.. Nenbangaffe 24. . - Fischer Gustav, geboren 20. Äpril 1881 in Brandeis a. d, Elbe,/Böhmen, VII., Wimbergergasie 10.