Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1912
- Issue
- Heft 28 (19.7.1912)
- Date
- 1912-07-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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öetie 6. Die Wahrbeil Nr. 28: „Fortschritts freunde^ die Mitglieder Streletz und Löwenberg rc. Bezirksrat Fischer- Magistratssekretär i. P. Dr. Wilhelm Löwy, die Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Alfred Grüubanm. Dr. Josef Jerusalem, Dr. Wilhelm Knöpfmacher, Dr. Moriz Schnabl und Gemahlin, die Mediziner Dr. Leopold Jtkowitz, Dr. Edmund Kohn, Dr. Moritz Laub, ferner akademischer Maler David Kohn, die Prokuristen Ernst Ehrenfeld, Ingenieur Kraßny und Richard Wiener, der Vorsteher der Fleischhauergeuossenschaft Engelhart, Gewerberat Stoll, Kommerzialrat Jerusalem, Generaldirektor Sauerbrunn, Restaurateur Siegmund Tonello, die Industriellen Wilhelm Bachrach, Ernst Götzl, Ernst Hirsch,-Adolf Hofbauer, Kremenetzky, Heinrich Lederer, Adolf Moser, Ernst Simon, Ignaz Simon, Dr. Bela Taussig, Julius Wolf und Gemahlin rc. Die trauernden Familienmitglieder des Verstorbenen, bis auf die Witwe Frau Engenie Frank, waren vollzählig erschienen. Frau Frank war der Leichenfeier ferugeblieben, weil der Verstorbene dies letztwillig verfugt hatte, mit der Begründung, daß er sein ganzes Leben hindurch getrachtet habe, von seiner Gattin jede Aufregung fernzuhalten und er ihr die Aufregung ersparen wolle, an seinem Grabe zu stehen. Tiefe Ergriffenheit herrschte in der großen Trauerversammlung, als Oberkantor Don Fuchs assistiert vom I. Kantor Matyas und dem Chorpersouale die wehmutsvollsten Klänge des ,,Hazm-tomiin“ zum Vortrage brachte, und als der gerade durch das Vermeiden dynamischer Effekte wirkungsvolle Tranergesang beendet war, trat Oberrabbiner Dr. Güdcmanu an die Bahre und würdigte anknnpfend an die einleitenden Worte des letzten Wochenabschnittes den Lebenslauf und das verdienstliche öffentliche Wirken des Verblichenen, indem er gleichzeitig trostreiche Worte fand für die schwergeprüfte Witwe, deren Trauer von der ganzen Gemeinde geteilt will). ■ - Hierauf hielt der Präsident der Kultnsgemeinde Dr. Alfred Stern folgenden Nachruf: „Für den Vorstand unserer Kultnsgemeinde spreche ich ein letztes Wort, ein Abschiedswort-dem teueren, dahingeschiedenen Kollegen. Er war der Jüngsten einer unter uns, der Jüngsten au Lebensjahren in dem Rate der Alten, der Jüngsten an Dienstjahren; kaum 5 Jahre gehörte er dem Vorstande an, aber seine Stellung in demselben war eine .prominente, eine hochgeachtete. Wenn er sprach, so hatte er das Ohr der Versammlung, denn er sprach nur, wenn er etwas zn sagen hatte, und sein Wort war ein inhaltsreiches, geschöpft ans reicher kaufmännischer Erfahrung, aus dem intensiven Studium der Gemeinde und aus seinem übervollen guten Herzen. Dem Haushalte der Gemeinde widmete er seine Fürsorge. Die Ordnung in demselben zu erhalten, war er bestrebt. Vielfache, vortreffliche Anregungen bildeten seine erschöpfenden Berichte, welche er alljährlich über den Rechnungsabschluß des vergangenen und über den Voranschlag des künftigen Jahres der anfmerksam zuhörenden Versammlung vortrng. Aber dieses umfassende Gebiet war nicht das einzige, welches er kultivierte. In noch höherem Maße nahm er Anteil an Wohltätigkeits-Institutionen unserer Gemeinde, an den bestehenden sowie an neu aus seiner Initiative zu schaffenden. Er, dem es versagt war-, Vater zu sein, war der liebevollste, aufopferndste Vater von Waisenkindern, von armen, hilflosen, verlassenen Kindern und da schwebt mir vor eine Szene, deren Zeuge ich war, die Eröffnung einer von ihm mit anderen wohltätigen Mitgliedern unserer Gemeinde geschaffenen Kinder- Heimstätle. Mit welcher Freude, welcher Herzlichkeit er diese verlassenen Kinder aufnahm, nicht allein die verwaisten, sondern auch die mitunter noch beklagenswerteren, welche beim Leben ihrer Eltern doch des Schutzes derselben beraubt waren. An der Gründung, und Leitung der Horte für schulpflichtige Kinder, an Ausspeisungsvereinen für solche, an der Schaffung.und Ausgestaltung des Seehospizes, an der Toyubeehalle, an all dem war er in hervorragendster Weise beteiligt und mitwirkend. Ebenso aber auch hei dem Vereine für unentgeltlichen Arbeitsnachweis und bei dem Hilfsvereine für die notleidende Bevölkerung - in Galizien. Und in der viel umfassenden Tätigkeit, sowie in all seinem Wirken und Handeln war es besonders ein reges Pflichtgefühl, das ihn leitete. In der Ansprache aus ehrwürdigem Munde, welche wir soeben vernahmen, wird Bezug genommen auf,den Thora-Abschnitt, den wir am letzten Sabbate lasen. Nach diesem Abschnitte, dem letzten des IV. Buches Moses wird/ wie am Schluffe eines jeden .dieser Bücher, uns zugerufen : das Wort„Chasak" sei stark, verzage nicht, der Abschluß bedeutet nicht das völlige Ende. Und so bedeutet auch der Abschluß dieses Lebens nicht das Ende seiner Wirksamkeit. Fort wirkt der reiche Segen, den er gespendet, segensvoll bleibt sein Andenken erhalten in den Herzen Hunderter von Kindern, denen er Vaterstelle vertreten, in den Herzen unserer Gemeinde, segensvoll das Andenken an den lieben, unvergeßlichen Kollegen in den Herzen unseres Vorstandes. Seclier zadik livroch.0!" Namens der Wiener'Gemeindevertretung zollte Vizebürgermeister Dr. Porzer dem Verstorbenen Worte der Anerkennung und des Lobes. Er war immer, trotz der verschiedenen Wege, die die Parteien gehen, für die Ehre und das Ansehen der .Vaterstadt eingetreten. Der Wiener Gemeinderat. welcher Partei er auch gehören möge, wirdso schloß Dr. Porzer, dem Verstorbenen ein ehrenvolles Andenken bewahren. Im Namen des fortschrittlichen Verbandes des Wiener Gemeinderates sprach Gemeinderat Löhner und zum Schluffe nahm der Präsident des Israel. Hnmanitätsvereines „Eintracht" Direktor Alexander- Hecht mit herzinnigen, rührenden Worten Abschied von dem treuen Freund und „Bruder". Als die Redner geendet hatten, wurde die Bahre gehoben und die Mitglieder des „Bnei-Brith" trugen die sterblichen Reste Max Franks zn letzten Ruhestätte. Er ruhe in Frieden! Seltsame Schwärmer. (Schluß.) Unser Autor geht nicht sehr vorsichtig um bei der Answahl seiner Beispiele, und er setzt als feststehend voraus, was noch sehr.zweifelhaft ist. Und aus falschen .Prämissen kann natürlich um; eine verkrüppelte Konklusion folgen. Unser Autor schreibt: „Wenn also die I n d e n künftig mit uns in Frieden leben wollen, und wenn wir duldsam gegen ihre vielen, uns sehr unsympathischen Eigenschaften sein sollen, so müssen sie auch gegen u lt § duldsa m fei n, dürfen uns jedenfalls nicht länger wirtschaftlich und geistig zu knechten suchen, wie sie das für die materiell und geistig Armen unseres Volkes leider schon größtenteils erreicht haben. Wir gönnen den Juden ihre Eigenart, die sie, ohne sich selbst zn vernichten oder sich eine eigene Heimat zu gründen, nicht mehr ändern können; aber sie müssen uns auch die unserige gönnen. Man gönnt uns diese zwar, soweit sie schlecht ist; aber man muß sie uns auch gönnen, soweit sie gut ist. Auch wir brauchen die gute Eigenart zur danerndeu Behauptung im Kampfe ums Dasein. Und wenn die Inden auch fernerhin versuchen sollten, unsere gute völkische Eigenart, die sich, namentlich in geistiger und seelischer Beziehung, wirklich vor der Menschheit sehen lassen kann, leichtsinnig odergar mutwillig zu zerstören, so werden sie die Folgen auf. sich nehmen müssen; denn wir werden nicht ewig politisch harmlos bleiben und nicht ewig uns entzweit sehen." „Das heißt also: Man wird die Juden m Ruhe lassen, wenn sie keine Rechte beanspruchen und sich in die Rolle schutzloser Fremden fügen. Für diese Großmut werden sich die jüdischen Bürger . schönstens bedanken, und auch der liberale Christ wird dagegen protestieren müssen. Der Verfasser beruft sich zum Schluß ans die deutsche Gerechtigkeit. Ja, alles, was wirklich deutsch ist, empfindet und. handelt gerecht und darum bildet der Antisemitismus in allenseinen Schattierungen ein undeutsches.Produkt. Karl Jentsch führt das Wort „deutsch" auf Wahrheit und Selbsttreue zurück. Es gibt aber nichts Gerechteres und Klügeres, als ein Volkselement än seiner Mitte zur Mitarbeiterschaft heranznziehen und sich mit ihm eins zu fühlen. Nicht verbittern und trennen, sondern die Freude an der Gesamtheit steigern und alles wegräumen, was: zwischen Judenheit und Deutschtum Hinderliches noch liegen mag, — das allein kann nur eine würdige Aufgabeder Kultur und der Politik sein. Niemand sehnt sich so sehr danach, ganz deutsch zu sein, wie die . deutschen Juden. Man