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Die Wahrheit · 1912-07-19 · Heft 28 (19.7.1912) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 28 (19.7.1912)
Date
1912-07-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 28. Sekte fr. Die Wahrheit lichen Rechte und der Möglichkeit beraubt sind, ihre geistigen und körperlichen Kräfte aus dem Gebiete voll auszunützen, für welche sie in sich Eignung besitzen. Dem jüdischen Volke ist ein Los vielhnndertjähriger Bedrückung und Erniedrigung zuteil geworden. Wir begegnen den Versolgungen aus unserem Lebenswege und sie begleiten uns bis an das Grab. Aber in unserer tiefen Trauer gibt es auch einen großen Trost, fühlen wir in uns einen unerschöpflichen Born von Lebenskräften: die Anerkennung der inneren, geistigen Kraft unserer Gemeinschaft. Wir empfinden ein Gefühl des Schmerzes und des Mitleids für diejenigen, die von uns fliehen, für diese Armen an Geist und ethischem Gefühl. Indem wir Abschied nehmen von diesen Abtrünnigen, die uns für immer verlassen, erklären wir ihnen feierlich, daß unsere Würde und unsere Ehre uns teurer sind, als die Rechte, welche sie um den Preis der Flucht aus dem Lager der Verfolgten sich erkaufen. Mögen sie erschreckt entfliehen. Wir aber wollen auf unseren Plätzen bleiben, treu und ergeben unserem Stamme, dem Volke der großen Leiden und der großen Zukunft." j Mar Krank. I Einen der Edelsten und Besten hat der Tod früh und unerwartet aus den Reihen des Wiener Kultusvorstandes hinweggerissen und frühzeitig einen Mann gefällt, der in der verhältnismäßig kurzen Zeit seiner öffentlichen Wirksamkeit den hohen Gehalt seiner Persönlichkeit bewiesen und noch zu großen Hoffnungen für die Zukunft berechtigt hat. Ein unerbittliches Schicksal hat es anders gewendet und am 11. d. M. ist Max Frank in St. Ullrich in Tirol, wo er mit seiner Gattin Eugenie zum Sommeraufenthalte weilte, im Alter von 49 Jahren plötzlich gestorben. In seinem kaufmännischen Berufe, dem er bis vor drei Jahren als Gesellschafter der Firma Josef Jerusalem in Wien oblag, hatte er sich durch die Integrität seines Charakters und seine umfassende fachliche und allgemeine Bildung eine hochgeachtete Position erworben und nicht minder anerkannt war seine von einem edlen, menschenfreundlichen Herzen impulsierte, hingebungsvolle Tätigkeit bei verschiedenen Wohlfahrtsinstitutionen, denen er sich in seinen Mußestunden widmete. Im Jahre 1905 wurde er in den Vorstand der Wiener israel. Kultusgemeinde gewählt und der hohe Ernst, mit welchem er die Pflichten seines Ehrenamtes auffaßte, sowie seine reiche Begabung führten ihn in die vorderste Reihe dieser Körperschaft, die ihm bald nach seinem Eintritte eine der schwierigsten und verantwortungsvollsten Agenden der Gemeindeverwaltung, das Finanzreferat, übertrug. Unvergeßlich werden seine formvollendeten Exposös bei Vorlage des jeweiligen Budgets bleiben. Mit seltener Klarheit und Schärfe leuchtete er in die einzelnen Zweige der Verwaltung hinein, in seinem beredten Munde erhielten die trockenen Ziffern Leben und Gestaltung und wenn auch der nüchterne Kaufmann in ihm das Gleichgewicht im Gemeindehaushalte stets als oberstes Prinzip hinstellte, so konnte sich doch der großzügige Mensch mit dem warmfühlenden Herzen den Anforderungen eines modernen Gemeinwesens nicht verschließen und immer brachte er neue Ideen und Anregungen, um die Pflichten gegenüber den Beamten und den verschiedenen kultnellen, erziehlichen und humanitären Aufgaben der Gemeinde mit ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit in Einklang zu bringen. Seine reiche Arbeitskraft wurde von seinen Vorstandskollegen geschätzt und geachtet und seine liebenswürdige, stets hilfsbereite Persönlichkeit allgemein verehrt. Mit besonderer Liebe und Anhänglichkeit waren ihm auch die Beamten der Gemeinde zugetan, die er nicht als Untergebene, sondern als Mitarbeiter an einem großen Werke betrachtete. Er war ihnen ein aufrichtiger Freund und Gönner und wußte Arbeit und Verdienst, dort, wo sie zur Geltung kamen, auch richtig einzuschätzen. Sein Heimgang bedeutet einen großen Verlust sür die Wiener Kultusgemeinde und wird in allen Kreisen derselben schmerzlich empfunden und tief bedauert. » * * Seit zwei Jahren war Max Frank auch Mitglied des Wiener Gemeinderates. Sein vornehmes Wesen paßte wohl nicht zn den häßlichen Erscheinungen, die der politische Kampf gegenwärtig zutage fördert, aber dafür besaß er manche andere, sür einen Politiker unschätzbare Eigenschaft, die ihm auch im Gemeinderate bei Freund nnd Gegner Lichtung verschaffte. Ueber seine Stellung innerhalb des fortschrittlichen Gemeinderats-Verbandes äußert sich Gemeinderat Melcher in folgender Weise: - „Von dem persönlichen Schmerz, der mich um den Vertust des treuen Freundes und hervorragenden Parteigenossen erfüllt, will ich schweigen und nur das aussprechen, daß Max Frank sich um die Gemeinde und um den fortschrittlichen Parteiverband, dem wir beide angehörten, Verdienste erworben hat, die man mit einem kurzen schmeichelhaften Wort nicht abtut. Er war formell der Schriftführer unseres Vereines — in der Sache aber noch viel mehr. Alle, die ihn kannten, werden es mir bestätigen, daß seine Geschäftskenntnis eine geradezu erstaunliche war, und ebenso enorm seine Gründlichkett nnd sein Pflichtgefühl. Das drückte sich in all den vielen Reden aus, die er über die kommunalen Angelegenheiten hielt, und in den Ratschlägen, die er immer zu erteilen wußte. Ilm kennzeichnendsten ist es für ihn, daß er trotz seiner oppositionellen Stellung auch bei den Gegnern immer achtungsvolle Aufmerksamkeit fand. Er war eine hervorragende organisatorische Kraft, und feine Klugheit, Erfahrung und Liebenswürdigkeit machten ihn förmlich oft zur Seele unseres Verbandes. Am rührendsten war es aber, wenn man sah, wie in ihm, der förmlich die maßvolle Ruhe verkörperte, doch eine wahre Leidenschaft entbrannte, wo es um die Fragen des Fortschrittes ging. Immer und in jedem Augenblick war es das Wohl der Bevölkerung, das ihm zu oberst stand. Diesem Dienste opferte er den größten Teil seiner Zeit und alle seine Kräfte. Es war ein geradezu beispielloser Fleiß, den er in diesem Dienste entwickelte. Wir vom Fortschrittlichen Parteiverband, die wir am besten dieie seine Arbeit zu beobachten Gelegenheit hatten, wissen auch am meisten, was ftir ein Verlust durch sein plötzliches Hinscheiden bereitet wird." * * Unter überaus zahlreicher Teilnahme fand Sonntag, den 14. d. M-, mittags, das Leichenbegängnis am Zenlralfriedhose in Wien statt. Der Sarg mit der sterblichen Hülle war früh aus St. Ulrich hier eingetroffen und wurde vom Südbahnhof direkt auf den Zentralfriedhof gebracht, in der Beisetzkammer der israelitiichen Abteilung aufgebahrr und mit dem von der Gemeinde Wien gespendeten Blumenkränze geschmückt. Die zahlreichen Leidtragenden versammelten sich vor dem Beginne der Trauerfeier in der Zeremonienhalle. Es waren anwesend: In Vertretung der Gemeinde der geschäftsführende Vizebürgermeister Dr. Porzer mit dem Präsidialvorstandstellvertreter Magistratssekretär Böttger, Vizemagistratsdirektor Asperger, der Präsident der israeiitischen Kultusgemeinde Dr. Adolf Stern mit dem Vizepräsidenten Hofrat Dr. Rappaport und den Vorstandsmitgliedern Dr. Markus Spitzer, W.Kuffner, kais. Rat Jonas, Weil, Schramek, Dr. Heinrich Schreiber, Dr. Engel nnd Grünwald, Bethausvorsteher Waffervogel, Sekretär kais. Rat Dr. Lieben, Sekretär Dr. Adler und der Beamtenkörper der Wiener Kultusgemeinde, die Universitätsprofessoren Dr. S. Ehrmann und Gemahlin, Dr. Leopold Königstein, Dr. Ludwig Mandl, Dr. Ludwig Braun und Dr. Julius Neumann, Dozent Dr. Julius Zappert, Reichsratsabgeordneter Friedmann, die kais. Räte Anninger, Direktor Josef Frendenberg, Karl Hirsch, Messinger, die Schriftsteller Dr. Josef S. Bloch. Adolf Gelber und Gemahlin, Siegmund Skrein, Julius Uprimny nnd Dr. M. Löwy, die Gemeinderabbiner Dr. Feuchtwang, Dr. Grunwald, Religionsinspektor Kanitz, Vorstandsmitglied der „Chewra Kadischa" Jakob Kann, die Gemeiuderäte Eder, Dr. Hein, Kodischek, Löhner, Melcher, Neustadtl, Dr. Mittler. Schäfer und Stein, Bezirksvorsteher vom zweiten Bezirk Blasel, Bezirksrat Förster mit einer Abordnung der deutsch-freisinnigen Partei im neunten Bezirke, Bezirksrat Dr. Brady mit einer Abordnung des Vereines „Donauklub", eine Abordnung des Freiheitlich-Sozialen Vereines im zweiten Bezirke, als Abordnung des Vereines der

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