Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1912
- Issue
- Heft 26 (5.7.1912)
- Date
- 1912-07-05
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10.Die Wahrheit Nr. 26. session ausbauen, damit diese sich würdigden anderen Konfessionen anrerhen und von jenen Rechten auch Gebrauch machen Wune, welche das Gesetz den Juden durch die Rezeption sormell wohl gegeben hat, die jedoch in Folge der Zwistigkeiten erst jetzt verwirklicht werden müssen. Max S z a b o l c s i betonte, daß man mit großem Eifer überall verbreite, die Orthodoxie sei jenes Lager, welches die Mandate liefern. Das sei ganz grundlos und er könne zur : Ehre der Orthodoxie, seiner eigenen Religionsgemeinde, redlich behaupten, daß hieran kein wahres Wort sei. Die Religionsgemeinde und Konfessionen Haben ganz Anderes zu tun, als Kortesdienste zu leisten. Der Ministerpräsident versprach schließlich neuerdings, sich über die Sache zu informieren und seinerseits gerne Alles zu tun, was im Interesse des Friedens zu tun möglich sein wird. Unter Eljenrusen auf den Ministerpräsidenten zogen sich darauf die Mitglieder der Deputation zurück. Verschiedene Nachrichten. Wien. (Kinderspital der israelitischen Kultusgemeinde Wie n). In der Dienstag, den 25. Juni 1912 stattgehabren Plenarsitzung des Kultusvorstandes wurde über die Besetzung der Stelle eines dirigierenden Primararztes in dem neu zu errichtenden Kinderspital der israelltischeu Kultusgemeinde-berateil und beschlossen. Auf Grund eines eingehenden Referates, in welchem hervorgehoben wird, daß ein großer Teil der eingeschrittenen Bewerber sehr gut, zum Teile sogar vorzüglich für die Stelle qualifiziert erscheint, wurde der vom ärztlichen Komitee, von der Kiuderspitals-Kommifsion und, sohin vom Vertreterkollegium dem Plenum primo loco vorgeschlageue Dozent Dr. Julius Zappert zum dlrigiereuden Primararzt bestellt. Wien. (Klndergärrn.eriuneukurs). Am 1. Juli fanden an der mit dem Oeffeutlichkeitsrechte versehenen ersten B i l d u n g s a n st a l t für Kindergärtnerinnen in Wien, H., Schiffamtsgasse 15, unter dem Vorsitze des Abgeorueten des!. k. Landesschulrates Pros. Viktor Trautzl die Befähiguuugsprüsungen statt, welche ein sehr günstiges Resultat ergaben. Anmeldungen für den nächsten 46/Jahreskurs werden bis zum 15. Juli bei der Direktion entgegengenommen. Die Direktion macht bei dieser Gelegenheit darauf aufmerksam, daß die Nachfrage nach tüchtigen jüdischen Familien-Kmdergärtneriunen eine so große ist, daß sie das Angebot weitaus übersteigt. Wien-Josefstadt. Die diesjährige Schlußprüfung' an unserer Bibelschule wurde Dienstag, den 25. Juni im Tempelgebäude VIII. Neudeggergaffe in Gegenwart des Vertreters der Kultnsgemeinde, Herrn Vorsteher Dr. A. Holpern, des Inspektors Braun, Rabbiner Dr. Bauer, Kantor Grob, der Tempelvereinsvorstände und zahlreicher Gäste abgehalten. Die präzisen Antworten der Schüler, ihre Belesenheit und Fertigkeit in bebräischer Grammatik überraschten die Zuhörer und wurde dies in den Ansprachen des Herrn Inspektors, des Herrn Vertreters der Gemeinde, des Herrn Dr. Bauer und Vizepräsidenten I. Modern rühmend hervorgehoben. Unser Vorsteher Herr L. Vitali ließ durch unseren Herrn Sekretär Roseuberg auch diesmal den Schülern als Auerkennnng ihres Fleißes Aufmerksamkeiten zukommen. Besonderes Lob wurde bei dieser Gelegenheit dem Fachlehrer Herrn Sprinzeles, gespendet, der durch treue hingebungsvolle Arbeit solch schöne Resultate erzielte. Auch unser Vorsteher Herr Hermann Pollak, der seine Zeit und seine pädagogischen Kenntnisse in den Dienst dieser heiligen Institution stets stellt, konnte sich den chm gespendeten Worten des Tankes und der Verehrung nicht entziehen. Wien. Eine große Zahl von Freunden und Verwandten fanden sich am 30. Juni im „Hotel Europe" des Herrn S. Löwy ein, um die Verlobung des anmutigen Fräulein Louise Kuner. Tochter des Zahnarztes Hermann Kuner, mit Herrn Karl Bauer, Sohn des Herrn Solomon Bauer, zu feiern. Allseits wurde die humanitäre und kultuelle Tätigkeit des Ehepaares Kuner gerühmt, ebenso auch die trefflichen Eigenschaften des Bräutigams, der mit seinen Brüdern die Tüchtigkeit uud Gediegenheit der Lederfirma ihres Vaters repräsentiert. Der Onkel des Bräutigams, Herr Oberkantor Jakob Bauer, erfreute durch treffliche Worte, wie durch erhebendes Bentschen. Wien. Im Bethausvereine „Adas-Jesckurun" Prater, wurde über Einladung des Vorstandes, der bekannte Oberkantor Heilpern, welcher viele Jahre in Lemberg amtiert hat, ersucht, am obgenannten Bethause einen Vortrag zu holten. Es hatte sich ein zahlreiches Publikum nebst dem Vorstände enigefuuden. Alle Anwesenden waren entzückt von dem gediegenen echt chasauischen künstlerischen Bortrag. Herr Heilpern verfügt über eine kräftige, mächtige Baritonstimme. Der gesamte Vorstand sprach dem Vortragenden wärmsten Dank und vollste Anerkennung aus. Jagerndorf. Am jüngstverslosseneü Sckabbos-Roschchodesch Tamus beging der hiesige Lederhöndler Herr Moritz Jo kl die Dopp e l-B a rmizwah seiner Zwillingssöhne Wilhelm und Fritz I o k l, Schüler der diesigen Staats-Realschule. Wilhelm wurde als Acharon zur Thora gerufen und leinte hierauf seinem Bruder, der ihm als Mastir folgte, an Stelle des Kantors ans dem 2. Sefer den betreffenden Abschnitt korrekt vor, woraus Fritz die Hastarah verständnisvoll vortrug. Zum Schluffe richtete Herr Rabbiner Dr. Rudolser .au seine beiden Schüler eine erhebende Ansprache, in welcher er sie mit Beziehung ans den Wochenabschuitt Korach zu Eintracht und brüderlichem Zusammenhalteu, sowie zw unentwegter Treue für die Religion der Väter ermahnte. Die Eltern undgreisen Großeltern der Konfirmierten, die sich hier allgemeiner Wertschätzung erfreuen, erfuhren ans diesem Anlasse zahlreiche Beweise der Sympathie. Neumarkt. Vor Kurzem kam der neuernannte Krakauer Fürsterzbischof, Fürst S a p i e h a, in unsere Stadt. Auf dem Bahuhofe erwarteten den Kirchenfürsten verschiedene Deputationen, darunter auch eine Abordnung der jüdischen Gemeinde. Die Arrangeure des Empfanges hielten es jedoch für gut, die jüdische Deputation dem Fürstbischof, n icht vorzustellen^ Bei der jüdischen Bevölkerung hat diese Geringschätzung große Erbitterung hervorgerufen und auch der Bischof erfuhr von dem Affront, der den Juden widerfahren ist. Um nun zu zeigen, daß er mit dem Vorgehen seiner übereifrigen Gläubigen nicht einverstanden ist, sandte der Fürstbischof seinen Sekretär zum Kultusvorsteher Dr. Schein, um diesem die Er-- klärung zu übermitteln, daß der Fürstbischof es sehr bedaure, daß ihm die jüdischen Deputationen nicht vorgestellt wurden, und den Wunsch ausdrücke, daß die Juden und Christen friedlich, ohne Haß und ohne gegenseitige Verhetzung beisammen leben mögen. Budapest. Der König hat den Ministerialkonzipisten Dr. Ernste Friedman» zum außerordentlichen öffentlichen Professor für. römisches Recht an der Rechtsakademie in Kassa mit den jystemisierten Gebühren ernannt. Professor Dr. Friedmann bleibt auch weiter dem Ministerium für Kultus und Unterricht zur Dienstleistung zugeteilt. Der König hat der autonomen orthodoxen israelitischen Knltnsgemeiude in Czigünd für ihren Tempelbau 200 Kronen aus der Privat-' kassa gespendet. Budapest. Die „Israelitische Pädagogische Ru n d sch a u" konstatiert die traurige Tatsache, daß im vergangenen Jahre 20 jüdische Schulen gesperrt werden mußten. Das neue Schulgesetz nlit dem Verbot der Schulgeldsteuer, die durch staatlichen Zuschuß ersetzt werden sollte, aber nicht wurde, hatte die Tatsache herbeigeführr. 8633- Knaben und 7463 Mädchen sind ohne Volksschulnnterricht geblieben. Es sind in ganzen Lande 43.0 Volksschulen vorhanden. Budapest. Die Ofner israelitische Knlrnsgemeinde hat einen Konkurs für die Pläne eurer neuen freistehenden Synagoge ausgeschrieben. Dieselbe soll auf dem Christinenringe errichtet werden und die Banfninme 1,100.000' Kronen betragen. Die aus dem Gemeindepräses Dr. Isidor Szabolcsi, den Architekten Florian Korb, Emil M a t a n s ch e k, Emannel P o l l a V und dem Erbauer der großen Synagoge in Frankfurt Franz R o e ck l e bestehende Jury har den ersten Preis dem Architekten Bsla Lajta, den zweiten Preis Emerich Gouda, den dritten Preis Alexander Löffler znerkannt. Ueberdies wurden die. Pläne der Gebrüder Jonas und Leimdörfer^s von der Gemeinde aigekauft. Die Entwürfe werden bis 1. Juli im Sitzungssaale der Kultusgenieinde, vom 2. bis 10. Juli im Saale der ungarischen Bauküustler (IV., Franziskanerplatz) zur Besichtigung ansgestellt. Triest. Donnerstag, den 27. Juni, halb 8 Uhr abends, fand di feierliche Einweihung des neuen israelitischen Tempels statt. Die israelitische Gemeinde besaß bis jetzt in Triest vier Bethäuser in der Altstadt, welche in Anbetracht ihrer Lage, ihres Faffungsraumes sowie in ästhetischer Hinsicht manches zu wünschen übrig ließen. Dank einem ansehnlichen, vom verstorbenen Mitgliede der Gemeinde, Moses Usiglio gespendeten Betrage konnte man nun an die Verwirklichung des langgehegten Planes der Errichtung eines würdevollen Tempels schreiten. Nach Ausschreibung eines Konkurses wurde der Bau dem Triester Architekten B e r l a m übertragen^ der im Vereine mit seinem Sohne die Idee znm neuen Tempelbau in den ältesten Architekturen des Orients schöpsre. Der Monnmentalbau steht nun vollendet da und ist bestimmt, eine der Sehenswürdigkeiten Triests zw werden. Ganz aus massivem Marmor gebaut, bietet er von seinem Turmbau, auf welchem die Tafeln der zehn Gebote errichtet sind, eiuen herrlichen Ausblick. Im Innern ist der Tempel mit goldenem Mosaik dekoriert.. Der neue Tempel besitzt auch eine sehr schöne Orgel und irr einem Anbaue befindet sich die Kauzlei der Gemeinde. Der Einweihungszeremonie wohnten der Statthalter Prinz Hohenlohe mit Statthalterei-Vizepräsidenten Grafen A t t e m s, der Podesta Dr. V a l e r i o und die übrigen Spitzen der Behörden bei. Ferner sah man alle hervorragenden Mitglieder der' hiesigen israelitschen Gemeinde. Austritte ans dem Judentum. Leich mann Franziska, geb. 2. Mai 1853 in Nemöic, Schlossersgattin, VHX, Lederergasse 14. Spie! inann Eleonora, geb. 14. August 1853 in Wien, Private, VHL,. Alserstraße 57, Freund Valerie, geb. 15. Juni 1877 in Wien, Private, I., Bognergaffe 7. - ‘ . Forstei n Schlome, geb. 14. Oktober 1876 in Slawianoserbsk/ Rußland, H., Große Pfarrgasse 23. Forst ein geb. M i n k i l e w i tz, geb. 21. Oktober 1882 in Poltawa„ Rußlands II., Große Pfarrgasse 23. Kreu tn er Ernestine, geb. 9. April 1882 in Güns. Ungarn, Musikerin, II., Pillersdorfergasse 8. W o l l f a s Ivan, 8. Juli 1888 in St. Gallen, Schweiz. XIV.. Märzstraße 111. Urban Elisabeth, geb. 19. November 1879 in Wien, Private. XVHL, Autonigasse 21. M u n k Marie, geb. 12. Jänner 1881-in Wien, Private. V., Spenzern gaffe Nr. 52. Treu sch Emma. geb. 27. Juni 1878 in Wien, Private/VIII. Floriani-- gasse, Hotel Hammerand.