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Die Wahrheit · 1912-07-05 · Heft 26 (5.7.1912) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 26 (5.7.1912)
Date
1912-07-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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M. 26 Die Wahrheit Seite 0. Äim ein Lund anzuraten, in welchem die Einwanderer keine-Gelegenheit finden könnten, ihr Auskommen zn gewinnen. Die Jto will überhaupt niemanden dahin schicken, wohin er nicht freiwillig ziehen möchte.. Die Jto stellt sich blos zur Aufgabe ein Land ausfindig zu machen, welches, wie die anderen Einwandernngslünder. ökonomische Existenzbedingungen und gleichzeitig den Boden für ein jüdisches Leben zu bieten vermag. Wenn trotz der Bemühungen der Jto ein solches Land nicht zu finden wäre, so würde dieselbe es offen bekennen. Falls es sich erweisen sollte, dag Palästina diese Bedinguisse zu erfüllen geeignet ist, so würde er für Palästina, das ebenfalls ein Territorium ist, eifrig arbeiten und seinen Anhängern dasselbe empfehlen. Wenn aber alle Versuche in dieser Richtung fehlschlagen sollten, so würde man zu einer politisch bescheideneren Kolonisationsform Zuflucht nehmen und es gereicht thm zur Genugtuung, daß die Kolonisations-Kommission auch in solchem Falle nützliche Arbeit leisten könnte. Ohne der Entscheidung dieser Kommission vorgreifen zn wollen, mache er kein Hehl daraus, daß er in einent solchen Falle Amerika vorzrehen würdet wo bereits zwei Millionen Juden vorhanden sind und einen politischen 'Einfluß genießen, der sich erst jüngst durch die Kündigung des .Handelsvertrages mit Rußland offenbarte. Die Galveston-Emigration bewegt sich bereits in dieser Richtung und das Kiewer- Komitee, welches diese Aktion leitet, wird sich nicht nur der Realisierung einer Mandelstamm-Kolonie, sondern auch einer umfangreicheren landwirtschaftlichen Emigration gewachsen zeigen. Zum Schlüsse dankt Zangwill .den Koitferenzmitgliederu, sowie den einzelnen Landmannschaften, dem Züricher Juitiativ-Komitee und nicht zuletzt dem Wiener Jto-Konntee für ihre eifrige Mitwirkung und ersprießlichen Leistungen. Unter lebhaften, nicht endenwollenden Beifallskundgebungen und Ovationen schloß diese denkwürdige Konferenz. * * * . Es liefen zahlreiche Glückwunsch- und Begrüßungs-Telegramme, sowie Briefe ein, u. A. Vorstand Gromüngen (Holland), New-Yorker zionistisch-territoriatistische Mosseuversaulmlung. Ferdation Jto-Paris, Territorilistische Gruppe Paris, Jto-Vorstand Gromüngen, Jto-Komitee Korona, Mitarbeiter der jüdischen Emigrationsgesellschaft und' Monatsschrift „Wohin?" Kiew, Rechtsanwalt Simonowitsck. Ing. Rones, Ing. Rabinowitsch. Kapelow. Odessa, Knltnsvorstand Mähr.-Ostrau. Knltnsvorstand Linz, Oberrabbiner Dr. Rosenfeld Czernowitz, Rabbiner Dr. Grunwald, Kultnsvorsteher Dr. Leopold Kohn. erster Sekretär der Wiener israel. Knltnsgemeinde Dr. Theodor Lieben, Dr. I. Samuely. Obmann des Wr. Lokal-Komitees. Hermann König, Kassier des Wr. Lokal-Komitees, M. Tropp. I. Snßmann, Bakn (Rußland), Kohan Bendery. Alphons Lippetz Orenbnrg. Territorialisten Wilna. J.Sasinowskr Warschau, Dr. Eiß Zürich, Dr. Bela Taußig Wien, Dr. Jeremias Posen. Territorialisten Jekaterinoslaw, Regiernngsrat Dr. Frankfurter, Dr. I. Sotec Braila, Oesterr. Zeitung „Austria" in Amerika (New-Pork). Mrs. Auerbach als Vertreterin tu Süd-Afrika, Richter Rodolphe Lebel, Malv-les-Bains, Reverend Stephan Wise New-Aork. Am Tage der Konferenz-Eröffnung, am 27. Juni l. I. schiffte sich «ine aus 193 Auswanderern bestehende Partie nach Galvestou ein, die an Lie Konferenz folgende Depesche richteten: „Hnildertdreiilndnellnzig Jto-Answanderer. die heute nach Galvestou absegelten beauftragten mich Ihnen Herrn Zangwill sowie der Jto-Konferenz den verbindlichsten Dank für Fürsorge, sowie die wärmsten Glückwünsche zu übermitteln. Auch über 250 sonstige jüdische Auswanderer schließen sich den Glückwünschen an. Ich persönlich entbiete Ihnen und der ganzen Konferenz meine frenndlichsten Grüße und wünsche besten Erfolg zum Heile unseres armen Volkes. Möge das Ideal der Jto verwirklicht werden. Ito nomen est oxnen. Bloch. Dir Autonomie der jüdische« Ko» fesston i« Ungar«. Es ist bekanntlich seit der Wiederherstellung der Verfassung -ein ständiges Bestreben des Judentums, den Frieden und die Einigkeit der Konfession wieder herzustellen und eine solche ungarläudische, .universale, jüdische Religionsgemeinschaft zu schaffen, welche, jede religiöse Ueberzeugung und alle traditionellen -Gebräuche respektierend, die administrative und politische Einheitlichkeit des uugarläudischen Judentums ermöglichen, die Kraft der Religionsgemeindeu erhöhen und diese befähigen soll, ihren .administrativen, kulturellen und humanitären Zwecken zu entsprechen und den Verwaltungsbehörden des Landes die zahlreichen kleinlichen Agenden, welche denselben eben die unter den Juden herrschenden Zwistigkeiten anferlegen, abzn nehmen. Dieser Bestrebung hat auch der am 20. Februar d. I. stattgehabte Landeskongreß, au welchem 250 Gemeinden aller Schattierungen vertreten wareni Ausdruck gegeben. Vorige Woche erschien nun im Ausfluß eines von diesem Kongreß erbrachten Beschlusses eine ans zahlreichen Mitgliedern bestehende jüdische Deputation beim Minister für Kultus und Unterricht Grafen Johann Z i ch y und beim Ministerpräsidenten Ladislaus L u k a c s, um von beiden Ministern die Unterstützung der auf die Autonomie gerichteten Bestrebungen zu erbitten. Vorerst sprach die Deputation beim Minister für Kultus imd Unterricht Grafen Johann Zichy vor. Hofrat Franz Szekely verdolmetschte die Wünsche der Deputation, welche Wünsche — sagte ^Redner — sicherlich auf das Wohlwollen und die Unterstützung der Regierung rechnen dürfen, nachdem sie ja identisch sind nnt dem Interesse das Landes nud der Nation und im Schoße einer großen Neligiousgemeinschaft jenen Frieden wiederherstellen wollen, welcher die Garantie der zukünftigen Entwicklung und des kulturellen Fortschrittes ist. Kultusminister Graf Johann Zichy erteilte auf diese Ansprache die folgende Antwort: — Gerne nehme ich zur Kenntnis, was Sie mir hier sagen, in dem Glauben und in der Hoffnung, daß all das, was Sie hier zum Ausdruck brachten, Ansicht und Willen des Gros des ungarläudischen Judentums repräsentiert. Ich muß diese Fragen mir großer Vorsicht behandeln, zumal ich einer anderen Konfession angehöre; ich muß also bei dieser Frage den welteftgehenden Liberalismus walten lassen. Seien Die überzeugt, daß das Schicksal des Judentums auch bezüglich dieser Frage in die Hände des Judentums niedergelegt ist. Wenn Sie mit derjenigen Einheitlichkeit und demjenigen Gewichte auftreten können und wollen, welche eine Frage von solcher Bedeutung erfordert, daun werde ich der Erste sein, der Sie mit größter Freude unterstützen und an der Schaffung Ihrer Autonomie Mitwirken wird. Ich will glauben und hoffen, daß Sie auf dem Wege, den Sie betreten haben. Ihr Ziel erreichen werden und dann werden Sie noch weit eher das moralische Kapital jenes Judentums repräsentieren, welches auch in der Vergangenheit ein starker Hebel der kulturellen Entwicklung und des Fortschrittes Ungarns gewesen ist. (Lebhafte Eljenrufe.) Die Deputation begab sich sodann zum Ministerpräsidenten, wo gleichfalls Hofrat Franz Szekely die Ansprache hielt. Ministerpräsident Ladislaus Lukacs antwortete auf dieselbe wie folgt: — Genehmigen Sie meinen Dank dafür, daß Sie so freundlich waren, mich aufzitsuchen und sich mit Vertrauen an mich zu wenden. Wollen Sie überzeugt sein, daß ich die kulturelle uub politische Wichtigkeit des Judentums so sehr würdige, daß es sich von selbst versteht, daß Sie in allen vorkommenden Fragen sowohl bei mir. als auch bei der Regierung immer volles Wohlwollen und Unterstützung finden werden. Mit der Angelegenheit, die Ihr Redner, der Herr Hofrat, hier vorbrachte, habe ich — ich gestehe es offen — bis jetzt noch keine Gelegenheit gehabt, mich eingehender zu befassen und bin daher natürlich über die Details nicht orientiert. So viel kann ich jedoch erklären, daß ich die auf die Wiederherstellung des Friedens und der Eintracht gerichteten Bestrebungen der Herren immer mit rückhaltslosem Wohlwollen unterstützen und fördern werde. Und wenn Sie sich im Interesse dieser Bestrebungen an die Regierung ivenden, werde ich Ihnen immer gerne zur Verfügung stehen. Ich danke nochmals für Ihr freundliches Erscheinen. (Begeisterte Eljeurufe.) Der Ministerpräsident sprach sodann längere Zeit mil den Mitgliedern der Deputation. Bei dieser Gelegenheit bemerkte Franz Szekely. daß die Bitte der Deputation eigentlich in das Ressort des Ministerpräsidenten schlage, denn es fei auch das ein Gebiet, auf welchem einer Obstruktion ein Ende gemacht und Friede geschaffen werden muß. — Da haben Sie sich allerdings an einen Sachverständigen gewendet! antwortete der Ministerpräsident lächelnd. Dr.. Franz Mezei bemerkte, es gebe im Judentum nur in kulturellen Fragen Gegensätze: Die Juden wollen ihre Kon-

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