Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1912
- Issue
- Heft 26 (5.7.1912)
- Date
- 1912-07-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Wabrheir Nr. 26 Sette 7. Afrika forsch er Harry Johnston, sowie von einem zweiten Forscher, Lewinsoll ans London über Angola verlesen, die nicht .ganz günstig über dieses Projekt, urteilen. Herr Terlo ans' Lissabon hielt ein spezielles Referat über das gleiche Projekt, in. /welchem er sämtliche Details dieser Frage eingehendst beleuchtete. Am Schlüsse seines Referates, das sich mit einem anderen in Amerika gelegenen Gebiete beschäftigte, empsiehlt Zangwill chie. Annahme folgender Resolntion: „Die unter dem Vorsitz Israel Zangwills in Wien versammelte und ans Inden aller Länder zusammengesetzte Konferenz ergreift die Gelegenheit, um der portugiesischen Depnliertenkammer ihren Dank für die Annahme einer Gesetzesvorlage anszusprechen, welche jüdischen Kolonisten in Angola Laudkonzessionen anbietet. Dieses Anerbieten mildert das Andenken der Vertreibung im fünfzehnten Jahrhundert und fördert die Sache der menschlichen Brüderlichkeit. Die Konferez bedauert jedoch, daß infolge des ungeregelten, geometrisch noch nicht vermessenen und selbst gefährlichen Zustandes des Landes, wie auch der klimatischen Schwierigkeiten und der hohen Lebens- und Arbeitskosten es ihr nicht möglich sei. einzelnen Kolonisten zu empfehlen, eine Aufgabe zu übernehmen, die nur von einer mit den nötigen Garantien und der nötigen Macht ausgestatteten 'Organisation, wenn überhaupt mit Erfolg dnrchgeführt werden kann." Der Wortlaut dieser Resolution ist sowohl dem Präsidenten der portugiesischen Deputiertenkammer, wie auch der allgemeinen und portugiesischen Presse mitzuteileu. Hierauf wendet sich Zangwill der in verschiedenen Kreisen der Jto aufgetauchteu Frage der Reorganisation der Jto zu. Er spricht sich entschieden gegen eine Orgauisatonsform aus, ähnlich derjenigen der zionistischen Partei, da er eine solche Organisation in diesem Stadium der Dinge nicht nur für überflüssig, sondern sogar für schädlich für die Sache hält. Er gibt auch die Erklärung ab, daß er, falls die Konferenz eine solche Organisationsform beschließen würde, nicht in der Lage wäre, der Präsident einer solchen Organisation zu bleiben, da es ihm unmöglich sei. die Lasten eines solchen Amtes zu tragen. Das Referat Zangwills wurde mit langanhalteudem Applaus aufgenommen und unter dem Eindrücke des letzten Passus seiner Rede beschloß die Konferenz, eine Pause eimreten zu lassen, damit die verschiedenen Gruppen zu dieser neuen Situation Stellung nehmen können. Nach Wiedereröffnung der Sitzung wurden Zangwill abermals Ovationen dargebracht und zur Wahl des Konferenzünreans geschritten. In das Präsidium wurden gewählt: Präsident: Israel Zangwill. Vize-Präsidenten: Dr. I o ch e l m a n u -Kiew. 'Dr. K r e u b e r g e r - Wien, Dr. F i u k e l st e i n - Warschau; zu Schriftführern : Ing. Lew- Byalistock, Ing. G i n s b u r g- Zürich, M. Schmidt-Wien, Dr. Stein-Warschau, Dr. Wunderlich- Oppeln. Ferner wurde ein Perm a n e n zansschnß. eingesetzt, der in den wichtigsten Fragen dem Plenum Vorschläge zu unterbreiten hatte. Die Versammlung beschloß weiters, eine Kommission einznsetzeu, welche die vorliegenden Referate über Angola prüfen und bezüglich der Antwort an das portugiesische Parlament Vorschläge an die Konferenz erstatten soll. 2. K o n f e r e n z t a g, F r e i t a g, den 28. I u n i. Die Beratungen am 2 ten Konferenztage waren vollständig mit der Debatte über die Reorganisation ausgefüllt. Es kam in dieser Debatte wiederholt zu den heftigsten Szenen, die schließlich doch zu einem Einverständnis führten, da die einzelnen Gruppen in ihren Privatkonferenzen den Kompromißweg fanden. Am 2 ten Konferenztage erschien auch der Präsident der Wiener israelitischen Knltusgemeinde, Dr. Alfred Ster n, in der Konferenz. Er wurde von den Delegierten mit langanhaltendem Applaus akklamiert und folgte den Beratungen mit großem Interesse. In derselben Sitzung kam Herr Mayerovits ans Berlin zu Wort, der sich gegen beide vorliegenden Projekte ausfprach und den Vorschlag machte, eine Kolonisations-Gesellschaft zu gründen, mit dem Zwecke,- nach eingehendem Studium der vorhandenen Einwaudernngsmöglichkeiten größere Farmerkolonien ins Leben zu rufen. S o n n t a g. d e n 3 0. I u n i Vor in i t t a g. Der ergebnisreichste und wichtigste Tag der Konferenz war entschieden der letzte Tag. Der Samstag, an welchem die Konferenz nicht tagte, wurde zu Kompromißverhandlnngen benützt, die auch zu einem günstigen Resultate führten. Vor Beginn der Beratungen zogen sämtliche Delegierte, einem Konferenz-Beschlüsse entsprechend, an das Grab Doktor Theodor Herzls. am Döblinger jüdischen Friedhof, um ihrem großen, unsterblichen Führer den Tribut der Dankbarkeit zu zollen. Es herrschte eine tiefernste Stimmung unter den Teilnehmern, denen sich auch zahlreiche Gäste zngesellten. Als erster sprach Israel Zangwill tief empfundene Worte. Tief gerührt begann er damit, daß ihn an diesem Grabe ein Gefühl der Bangigkeit überkomme, die aber bei dem Gedanken, daß von dem im Grabe Schlummernden zwei große Bewegungen im jüdischen Volke ausgegangen sind, einer großen Hoffnung Platz mache. Doktor Herzl wurde durch den Zwist,, der in 'seiner Partei herrschte und selbst seine Person nicht verschonte, allzu früh ins kühle Grab gesenkt. Wir würden sein Andenken am besten ehren, wenn die beiden großen Bewegungen, deren Urheber er gewesen ist, große Arbeiten für das jüdische Volt gemeinsam machen, beim der Kampf ist 'wohl notwendig, aber nicht der Streit und der Zwist. Aber selbst, wenn wir getrennt marschieren, so wollen wir uns wenigstens das geloben, daß in .unseren Reihen, wenn nötig wohl der Kampf, aber niemals der Zwist herrschen möge. Hierauf sprach Herr U r i a f o n aus Kowuo Worte warmen Empsindens. Er gelobte im eigenen Namen, wie im Namen der ganzen Konferenz, sowie jener tausenden von Juden, in deren Vertretung dieie Konferenz tage, die Lehren Herzels dadurch zu betätigen, daß die Territorialisten alles anfbieten wollen, um dem jüdischen Volk ein Jioland zu geben. Von lautem Schluchzen aller Anwesenden begleiret, sprach Herr Uriason hierauf das Dl mole rachamim, womit die erhebende Feier ihren Abschluß fand. Nach Eröffnung der Sitzung wurde der Bericht der Angola- Kommission verlesen, die der Konferenz den Vorschlag unterbreitete. die Resolution Zangwills als Antwort an die portugiesische Kammer anzunehmen und die weitere Behandlung dieses Projektes dem Jtokounseil in London gemeinsam mit der von der Konferenz zu nominierenden Angola-Kommission zu übertragen. Die Aufgabe dieser Konferenz wird es sein, alle Vorbedingungen betreffend Angola zu studieren, eine Aenderung des portugiesischen Gesetzes vom 15. Juni 1912 in günstigerem Sinne anzustreben und schließlich, falls sie es für nötig hält, eine Expedition in dieses Land zu entsenden. Dieser Vorschlag wurde von der Konferenz einhellig angenommen. Schlußsitzung. In der Sitzung vom Sonntag-Nachmittag wurden die Berichte der verschiedenen Kommissionen in Beratung gezogen. Im Verlaufe der Debatte teilte der Vorsitzende Israel Zangwill mir, daß das Mitglied der Konferenz, Herr Schriro ans Baku, eine Anregung gemacht habe, welche, obgleich ihre Durchführung nicht als Beschluß der Konferenz gedacht ist, dennoch von weittragender Wichtigkeit ist. da sie nicht Worte, sondern eine Tat bedeuten. Herr Schriro ist in der Ausarbeitung eines Planes zur Schaffung eines Finanzinstitntes begriffen. welches für Landankaufszwecke und zur Gründung größerer jüdischer Kolonien ins Leben gerufen werden soll. Dieses Finanzinstitut soll nicht auf dem Gelde der kleinen armen Juden, sondern auf Zeichnungen von Reichen aufgebaut fein. Deshalb sollen bloß Shares zu 1000 Pfund Sterling ausgegeben werden. Wie alles, was die Jto im Interesse des jüdischen Volkes unternimmt, so soll auch dieses von Jtoisten zu gründende Finanzinstitut nicht auf philantropische, sondern alff reelle geschäftliche Grundlage gestellt werden. Die näheren Details dieses Planes werden in kürzester Zeit in einem Prospekte der Oeffentlichkeit bekanntgegeben werden. Welchen Anklang diese Idee gefunden hat, gehe daraus hervor, daß er in der Lage sei, schon