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Die Wahrheit · 1912-06-28 · Heft 25 (28.6.1912) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 25 (28.6.1912)
Date
1912-06-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Die Wahrheit Seite 6. Nr. 25. Professor Dr. Gregorys. Bericht, der seither eine klassische Autorität der Cyreuaica geworden ist, fand die Cyrenaica. wohl sehr gesund und mit teilweise sehr gutem Boden, jedoch zu wasserarm für eine große jüdische Kolonisation. Wir überließen daher das Territorium Italien, dessen stolze Imperialisten dieses Land nach wie vor als ein vollendetes Paradies hinstellen. Ob, falls unser Bericht günstig ausgefallen wäre, die türkische Revolution oder der Tod .Redjeb Paschas unser Projekt nachteilig beeinflußt hätte, ob ferner die Mächte, wenn die Juden mit der Kolonisation bereits begonnen hätten, gestattet hätten, daß Italien die Cyrenaica unter dem Vorwände, sie zu zivilisieren, an sich reiße, sind heute nur mehr höchstens interessante Philosophenie. Unser Bericht über die Cyrenaica wurde ins Italienische übersetzt und von der anti-imperialistischen Presse veröffentlicht. Aber die Kriegspartei replizierte mit einem gefälschten Dokument, in welchem dem großen deutschen Forscher Rohl ein Urteil unterschoben wird, das' die Schlußfolgerung der „Jto" Lügen straft. Zum Unglück für den.Fälscher ist Rohlf noch vor Gründung der „Iw" gestorben. Aber politische Parteien halten sich eben nicht immer an. die Wahrheit und so schwimmt denn die Cyrenaica heute wohl im Blute, aber noch immer nicht im Wasser. Wir Inden haben ja auch keinen Mangel an Parteien und sie sind bereits über Angola hergefallen, obgleich es heute bloß ein Punkt in einer Tagesordnung ist.. Wohlan denn.^.ich denke, unser Vorgehen in Angelegenheit des Cyrenaica-Projektes gibt uns Anspruch ans das Vertrauen des gesamten Judentums. Niemand ist m der Lage, schlechteres über Angola oder besseres über Palästina zu sagen, als er im Verlaufe der Verhandlungen vou dieser Tribüne herab zu hören bekommen wird. Aber ich kann jedes Faktiousunwesen nicht bitter genug beklagen, daß jede Regung und Bemühung, unser Volk zu retten, umdüstert. verbittert und frustriert. Parteienpolitik mag wohl sehr gut sein für Völker, die im Wohlstände leben. Aber es ist kein Platz für sie inmitten eines landlosen, versvlgten Volkes. Unter uns sollte es bloß Brüderlichkeit und gemeinsame, vereinte Beratungen geben. Meinungsverschiedenheiten sind notwendig, aber sie müssen rechtschaffen und dürfen nicht böswillig sein. Nach Ausgeben des Cyrenaica-Projektes, auf welches wir so große Hoffnungen gesetzt hatten, wandten wir uns programmgemäß der Alternative Mesopotamien zu und ich trat öffentlich für die Vereinigung aller jüdischen Parteien und Organisationen ein behufs Erlangung eines Landes, dessen Besitz dem Programme sowohl der Zionisten, wie auch der „Jca" und der „Jto" entspricht. Der Plan, zu deren Verwirklichung diese Körperschaften eingeladen wurden, war die Erlangung der Bewässerung und Umwandlung eines Landes in ein Judenland, das heute wüst ist, einst aber sehr fruchtbar war, dessen moderne Entwicklung durch eine jüdische Bevölkerung auch ein gutes geschäftliches Unternehmen war und das nach den Ergebnissen ähnlicher Unternehmungen in Indien und Aegypten zu schließen, die Wahrscheinlichkeit bot, daß es sich zumindest mit zwanzig Prozent rentieren würde. Dieses Unternehmen ist jetzt in Ausführung begriffen, aber . . . durch die Türken. Die jüdischen Organisationen lehnten es ab, znsammenzngehen. Die „Jca" entsendete wohl eine Expedition nach Mesopotamien, hat mir jedoch ein Exemplar des Berichtes vorenthalteu. Es ist wohl wahr, mein Appell fand nicht überall ganz taube Ohren. Ein anderer Plan, betreffend den Ban einer Eisenbahn im Mesopotamien gegen gewisse Konzessionen für jüdische Kolonisten und Einwanderer wurde von einem weltberühmtem Finanzier, der wie Lord Rothschild bisher, in der Opposition stand, ausgenommen. Er schrieb mir. daß er bereit sei, eine Gesellschaft'mit einem Kapital von 5 Millionen Pfund Sterling (120 Millionen Kronen) zu gründen. Und um unsere Aussichten noch zu erhöhen, war mein persönlicher Freund und Mitglied unserer Geographischen Kommission, Mr.' Oskar Straus, zu jener Zeit Botschafter in Konstantiuopel. Und dennoch verfolgte ich diesen Plan nicht weiter. Ich ging nicht nach Konstantinopel. Warum? Ich will es Ihnen sagen; weil zur selben Zeit der zionistische Führer Herr Wolfs oh n in Konstantinopel weilte. um zu versuchen, wegen Konzessionen in Palästina Verhandlungen anzuknüpsen. Zur selben Zeit war auch Dr. Nossig dort mit dem Vorschläge, Juden in irgendeinem Teile des türkischen Reiches ohne jede politische Bedingungen einznführenV Ich wollte daher die Situation nicht noch mehr komplizieren. Die Pforte konnte sich auch so schon ein Hinreichend gerechtes Urteil über unsere jüdische Kapazität für geschäftliche Angelegenheiten oder Politik bilden. Drei Präsidenten, die drei verschiedene Dinge verlangen, welch Schauspiel für die Pforte! Und die türkischen Inden, sie waren mit den Dingen, wie sie eben standen, zufrieden, sie verlangten .. . garnichts, als für die türkische Flagge zu sterben. Ich stand abseits von der Komödie in Konstantinopel, in der Hoffnung, daß Herr Wolfsohu von den Jung- Türken das erlangen werde, was der Sultan zu tun abgelehnt hat. Aber leider ist der rote Judenzettel in Palästina noch immer in Kraft und selbst Edmont de Rothschild darfheute in Palästina kein Land kaitsen. Die Schaffung eines jüdischen Heimlandes in Mesopotamien ist auch heute nicht unmöglich. Ein führendes englisches Blatt schrieb vor kurzem: „Die Wiederherstellung Mesopotamiens in seinen vortürkischen Wohlstand hat mit einem Bewässernngsplan unter Führung englischer Ingenieure eingesetzt und muß, wenn das Unternehmen gelingen soll, mit Zufluß britischen Kapitales und wahrscheinlich indischer Arbeit in großem Maßstabe abschließen. Was heute eine Wüstenei, reich an'Sümpfen, ein Tummelplatz von Nomaden und der schwachen, anzweifelbaren türkischen Oberaufsicht' unterworfen ist, kann nach Verlauf einer Generation eine ebenso fruchtbare und durch intensive Handelsbeziehungen ebenso eng angegliederte Provinz sein, wie Aegypten es ist. Die Gefühle der Türken teilen sich zwischen dem Wunsche, diese Der* lassene Wüste wieder einmal anfblühen zu sehen und zwischen ihrer Angst vor dem Prädominieren britischen Einflusses." Ich glaube nun, daß, wenn es in dieser politischen Lage und bei dem notorischen Geldmangel der Türken für eine geeinigte Jndenschaft eine Möglichkeit gibt, in Mesopotamien große, Kouzessionen zu erlangen, alle jüdischen Parteien zusammetttreten müßten. Das Vorgehen des einen gegen den anderen kann nur ein negatives Ergebnis zeitigen. Noch eine letzte Bemerkung und ich will mich vom Orient abwenden. In den Basars von Kairo ging das Gerücht um, und einige Blätter griffen. das Gerücht ans, daß ich mit Lord Kitchener wegen Solum, das jüngst von der Türkei zediert wurde, um eine Invasion zu verhindernin Unterhandlungen getreten sei. An diesem Gerücht ist kein wahres Wort. Aber ich richtete an Sir Eduard Grey ein Schreiben, um zu erfahren, ' ob Lord Kitchener sich nicht etwa mit einer solchen Idee trage. Sir Eduard Grey fing in Kairo an und teilte mir im März dieses Jahres brieflich mit, daß die ganze Sache jeder Grundlage entbehre. Ich nahm nun die Gelegenheit wahr, zu fragen, ob es nicht einen anderen Teil im britischen Reiche gäbe, wo eine jüdische Siedlung die britischen Interessen zu fördern geeignet wäre. Aber diese Frage wurde diplomatisch ignoriert. Sie sehen, die Geschichte wiederholt sich nicht. Die Bücherder Sybillen offenbaren sich-nur einmal. Kanada wäre gleichfalls für ein Jto-Land geeignet, aber Welfried Lauria erklärte mir offen, daß unser Anerbieten um 10 Jahre zu spät komme. Und gerade 10 Jahre früher hat der erste zionistische Kongreß stattgefnnden. . , Selbst Australien, das sich in ^großer Bevölkernngsnot befindet, legt weder Großmut noch politische Klugheit an den Tag. Jahre hindurch stand ich mit australischen Staatsmännern in Verhandlung und besonders mit denjenigen von Westaustralien mit seiner geringen Bevölkerung von 200.000 Seelen auf einem Lande von einer-, Million Quadrat-Meilen. Ein, australischer Premierminister folgte dem anderen. Die Presse hörte nicht auf, die Vorschläge der Jto 'zu diskutieren oder sie zu verleumden. Aber alle Vorschläge zerschellen an dem Widerstande Australiens gegen . Ideen überhaupt. Vor Kurzem besuchteder Präsident unserer Vereinigung in .Melbourne, Mr. A Jacobs Perth,: die Hauptstadt von Westanstralien und studierte die Angelegenheit an Ort und Stelle- Die Schlüsse, zu denen er-gelangt ist, decken

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