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Die Wahrheit · 1912-06-28 · Heft 25 (28.6.1912) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 25 (28.6.1912)
Date
1912-06-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Die Wahrheit Seile 5. Nr 25. -Zusammen mit ihnen begraben lassen, mich aber lassen Sie in Ruh'. Und nun machen Sie,, das; Sie fortkommeu, sonst lasse ich Sie hinauswerfen I" Das ist die Sprache der Echtrussen. Ito-Konferenj Wien. R ed e I sra e l Z ang w i l ls in der Eröffnnngssitznng der Jto-Kon serenz am 27/Juni 1912. In Anwesenheit zahlreicher Delegierter aus aller Herren Länder und hervorragender, offizieller Persönlichkeiten der Wiener jüdischen Gesellschaft fand Donnerstag, den 27, d. M., 10 Uhr vormittags, im großen Saale des Kaufmännischen Vereines die festliche Eröffnungssitzung der Jto-Konferenz statt. Nach der Begrüßung durch den Vizepräsidenten des Wiener Lokalkomitees Dr. I. Engel hielt Israel Zangwill folgende Rede: Im eigenen Namen, wie auch im Namen meiner Kollegen ans den anderen Ländern danke ich dem Vizepräsidenten des Wiener Jl.o-Komitees Herrn Dr. I. Engel für seinen herzlichen Willkommgruß m dieser großen Stadt, in welcher Dr. Herzl begraben liegt. Ich kann meine Ausführungen nicht beginnen, ohne das Andenken unseres Heimgegangenen Führers in Rußland Professor Dr. Man de Ist am ins wachzurufen, der es leider nicht erlebt hat, wenigstens von den Anfängen der verheißungsvollen Pläne eines jüdischen Zukunftslandes, die im Verlaufe der vertraulichen Verhandlungen entwickelt werden sollen, selbst etwas zu hören. Aber es ist doch zum Teile tröstlich zu wissen, daß demnächst wenigstens eine Mandelstamm-Kolonie entstehen wird. Eine Jto- Grüppe, die sich nach Mandelstamm benennt, wurde erst jüngst in Südafrika ins Leben gerufen und diese unsere Freunde können füglich nichts Schöneres tun, als die Fonds dieser Kolonie, die als eine Stufe zu unserer größeren Arbeit anzusehen ist, mit dem größten.Eifer zu stärken. Unsere Konferenz wird möglicherweise stürmisch und heiß verlaufen. Ein sicheres Zeichen, daß ihr pulsierendes Leben innewohnt. Aber ich hoffe, daß der Geist unseres unvergeßlichen Mandelstamm unseren Debatten vorschweben wird, jener Geist, der selbst in den Meinungsverschiedenheiten nicht das Hervorkehren persönlicher Eitelkeiten oder die Förderung egoistischer Ziele sucht, sondern ausschließlich das Wohl des jüdischen Volkes im Auge hat. Wie Sie wissen, waren die meisten von uns, die wir uns heute im Lager der „Jto" befinden, ursprünglich Schüler des unsterblichen Dr. Herzl, welcher lehrte, daß die endgiltige Lösung der Jndenfrage in der Errichtung eines eigenen Heimlandes bestehe. Nach dem Tode Dr. Herzl's hat eine Palästina-Sektion die Bewegung an sich gerissen und deute fast zur Karrikatur verzerrt und als der Zionistische Kongreß vom Jahre 1905 es auf sich genommen hatte, das ostafrikanische Plateau, welches von der britischen Regierung angeboten wurde, zurückzuweisen, bildeten wir eine eigene Organisation — ohne zunächst notwendiger Weise an eine Sezession zu denken — zum Zwecke der Erlangung dieses ausgezeichneten Territoriums für das jüdische Volk. Wir drückten unsere Ziele und Bestrebungen in der allgemeinen Formel aus: Die Erlangung eines Territoriums auf autonomer für jene Inden, w e l ch e in beu Säubern, in denen s i e gegenwärtig leben, nicht leben können oder wollen." Ein Programm, wie Sie also sehen, das sich ebenso mit Palästina und den Nachbarländern, wie mit jedem anderen Territorium vereinbaren läßt und das auch von den Zionisten nicht als hoffnungslos zurückgewiesen und verspottet werden kann, ohne dadurch ihre eigene Plattform zu zerstören, vorausgesetzt, daß der Zionismus ein reelles territoriales Projekt und nicht eine bloße Kulturschwärmerei fein will. Auf meiner jüngsten Reise nach Lissabon traf ich auf dem Schiffe einige britische Ingenieure, welche dank ihrer Kenntnis von dem Vorhandensein dieses gesunden und fruchtbaren Plateaus in Ostafrika daselbst größeren Landbesitz erwarben. Dieses Zusammentreffen erweckte in mir von Neuem das schmerzliche Gefühl des historischen Fehlers, der von dem Zionisten-Kongreß im Jah.re 1905 begangen wurde. Es ist hier nicht der Ort, des Näheren auf die Gründe einzugehen, weshalb die „Jto" den Besitz dieses Plateau nicht zu erlangen vermochte: Es ist die alte böse Geschichte von der Opposition seitens der Inden selbst. Aber meine noch größere Idee, daß die Juden das ganze Britisch-Ostafrika, eine Area von 200.000 Quadratmeilen, gewissermaßen als ein Britisches Jndea zur Verfügung erhallen, wurde daznmal sowohl von Mr. Joseph Chamberlain als auch von seinem politischen Gegner Winston Churchill akzeptiert. In dem von uns als Manuskript herausgegebenen Blanbnch findet sich die Geschichte dieser Transaktion und dem allmählichen Aufgeben dieses Projektes, das teilweise in der Befürchtung erfolgte, daß unsere Jung-Jüdische Zivilisation ans Negerarbeit basiert sein könnte. In der ersten Jto-Konferenz in London im Jahre 1906 wurde der Konseil der britischen Sektion mit der gigantischen Arbeit betraut, die Möglichkeiten für die Beschaffung eines Jtolandes, das in diesem Zeitalter des Landhungers etwa noch freigeblieben ist, ausfindig zu machen. Es wurde mit dem Namen „Geographische Kommission" ein internationales Fünfer- Komitee gewählt, das hinsichtlich der besten Projekte Vorschläge zu unterbreiten hatte. An der Spitze dieser Kommission steht Lord Rothschild, der sich ursprünglich öffentlich als Gegner der „Iw" bekannte. Ueberdies wurden als Mitglieder dieser Kommission gewählt der gewesene amerikanische Handelsminister Oskar Straus, Dr. Paul Nathan, James S i m o u und der nunmehr selig entschlafene Professor Dr. Mundelstamm. Seit jener Zeit hat die Erfahrung alle Sektionen der „Jto" zur Ueberzengung gebracht, daß die vorherige Sicherung eines Territoriums mit einer politischen Garantie, und mag sie die beste sein, nicht der einzige Weg ist, um ein Jto-Land zu schaffen, daß vielmehr bei Berücksichtigung der Vorurteile seitens der Inden sowohl als seitens der Nichtjuden ein leichterer, zum Ziele führender Weg darin besteht, den jüdischen Emigrationsstrom in ein unbewohntes oder wenig bevölkertes Land zu lenken, bis die Einwanderer und ihre Nachkommen die Majorität der Bevölkerung bilden würden. Wären auch nur einige Garantien dafür zu erlangen, daß die Einwanderung nicht später künstlich eingeschränkt werden würde, so wäre das an zweiter Stelle genannte Mittel nicht so aneifernd für das jüdische Volt, aber es würde zu demselben Endergebnisse führen, wie die an erster Stelle genannte Methode. Bei unserer ersten Umschau auf dem Erdball ließen wir denn auch die sekundären Möglichkeiten nicht außer acht. Wir studierten die unentwickelten Landteile in Argentinien, Australien, Bolivien, Brasilien, Britisch-Ostafrika, Kanada. Kolombo, Mesopotamien, Nevada, Idaho, Paraguay. Rodesien und Tripolis, wir studierten die politischen Bedingungen in diesen Ländern und wir traten in einzelnen Fällen in Vorverhandlungen mit den Regierungen und Privatbesitzern ein. Am 31. Juli 1907, der zweiten Jahreswende unserer Gründung, unterbreitete die Leitung der britischen Sektion den Mitgliedern der Geographischen Kommission ein Blanbnch, welches die Ergebnisse ihrer Arbeit enthielt und von allen seinen 31 Mitgliedern beginnend mit dem Finanzsekretär des britischen Amtes für Indien, Mr. Liouell Abrahams und schließend mit Lnzien Wolf und mir einmütig unterzeichnet wurde. Dieser Bericht empfahl die Kolonisierung der Cyrenaika oder im Eventualfälle von Mesopotamien. Das erstere Projekt sollte auf Grund einer dringlichen politischen Unterhandlung mit dem damaligen, weitausblickenden Gouverneur von Tripolis, Redj eb P a s cb a, der die Ansprüche Italiens auf Tripolis fürchtete, versucht werden. Aus diesem Grunde wurde 1908 eine wissenschaftliche Expedition nach dem bisher verbotenen Lande des Cyrenaika entsendet. Die Expedition stand unter der Führung des hervorragenden Forschers und Geologen Professor Gregory, der von Redjeb Pascha jeden gewünschten Beistand erhielt. So zog die Expedition friedlich durch jene von Arabern bevölkerten Gegenden, deren Namen heute nach Kriegsblut riechen. Gerade als er sich in der Wildnis befand, brach die türkische Revolution ans, Redjeb Pascha wurde als Kriegsminister nach Koustantinopel berufen und starb bei seiner Ankunft in Konstantinopel eines bis heute noch unaufgeklärten Todes.

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