Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1912
- Issue
- Heft 25 (28.6.1912)
- Date
- 1912-06-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Delle 4. Die Wayryeil. Nr. 25. »Die ehrlich arbeitenden Stände haben ein Recht, zn verlangen. daß sie nicht nm die Früchte ihrer Arbeit durch schwindelhafte Praktiken gebracht werden, zu denen sie selbst nicht fähig sind. Da es sich hierbei vielfach um Geschäftsmethoden handelt, die das Judentum in das geschäftliche Leben eingebürgert hat. möchte ich bei dieser Gelegenheit' erklären, daß wir vom Standpunkle unseres deutschnationalen Progrannnes ans ben schädlichen jüdischen Einfluß auf wirtschaftlichem Gebiete rücksichtslos zu bekämpfen bereit sind, aber auch vom nationalen Standpunkte aus entschiedene Gegner des Judentums sind. Von diesem Standpunkte aus könuen wir die Juden nicht als Bestandteil unseres Volkstums anerkennen, sondern sind im Gegenteil der Ueberzeugung, baß der jüdische Einfluß in unserem Volkskörper wie ein zerfetzendes Gift wirkt. Dies gilt insbesondere von dem Einflüsse der jüdischen Presse, die ihre international organisierte Macht stets nur zur Förderung der Interessen der eigenen Rasse und zur Aufrichtung einer rücksichtslosen Herrschaft über das Volk, in dem das Judentum seine parasitäre Existenz führt, verwendet hat." Ob ein Mann, der einen großen Teil des Sommerreisepublikums in dieser unqiralisizierbaren Weise beschimpft, als Geschäftsführer eines Vereines, der sich die Hebung des Fremdenverkehres in Tirol zur Aufgabe gemacht hat, gerade besonders geeignet ist, dürfte doch wohl auch manchem Mitgliede des Vereines-zweifelhaft erscheinen. Für jene Juden, die trotz dieser antisemitischen Gehässigkeiten einflußreicher Kreise und breiter Schichten der Tiroler Bevölkerung ihre übliche Sommerreise nach dem „schönen Land Tirol" nicht gern aufgeben möchten, fei bemerkt, daß nach nuferer Kenntnis die kleinen Seitentäler in Nordtirol und den Dolomiten von dem . antisemitischen Gift am meisten insiziert sind. In den größeren Verkehrszentralen, Innsbruck Gossensaß, Bozen, Mendel, Meran,. Toblach, Madonna di Campiglio, Sulden, Trafoi. Karersee — um nur die hauptsächlichsten zu nennen —, ist man in den meist von erfahrenen weltgewandten Direktoren geleiteten größeren Hotels vor-antisemitischen Belästigungen wohl ziemlich geschützt. Unter dem Vorsitz des Barons Edmund de Rothschild fand vor kurzem in Paris die diesjähre Generalversammlung des israelitischen Konsistoriums statt. Der zur Verlesung gelangte Jahresbericht enthalt unter anderem einen warmen Nachruf für den im Berichtsjahre verstorbenen Ehrenpräsidenten Baroii^Gustav de Rothschild, einen Bruder des Baron Edmund. Vor Schluß der Versammlung ergriff Baron Edmund de Rothschild das Wort zur längeren Rede, in welcher er unter anderem ausführte: ..Ich bin noch ganz gerührt von dem ehrenden Nachrufe, den Sie soeben meinen armen treuen Bruder gewidmet haben. Er hatte ein tiefes jüdisches Herz. In der letzten Zeit seines Lebens waren alle, seine Gedanken, alle seine Sinne dem Konsistorium und der Reorganisation des Kultus gewidmet. Zur Zeit, als die Trennung des Staates von der Kirche zum Gesetz erhoben wurde, war er von tieser Besorgnis erfüllt. Er frag sich, ob unsere Glaubensgenossen, die seit langem gewöhnt waren, immer auf den Staat zu rechnen, noch soviel Anhänglichkeit an das Judentum empfinden würden, um die Opfer zu bringen, welche zur Erhaltung einer so großen und wichtigen Gemeinde, wie diejenige von Paris, notwendig sind. Aber er hatte auch den Glauben an die gewohnte Opferwilligkeit unserer Glaubensgenossen, und dieser sein Glaube hat sich als berechtigt erwiesen. Bei uns Juden gehört die Bildung von Vereinen, von Chewroth zur Förderung des Kultus und der Wohltätigkeit zu einer alten, schönen Tradition." Nachdem Baron Rothschild noch auf die Notwendigkeit mancher neuer Schöpfungeu innerhalb der Pariser Judengemeinde und besonders auf die Unerläßlichkeit jüdischer Patronägegesellschaften hingewiesen hatte, schloß er seine Rede wie folgt: »Meine Herren! Ich habe das volle Vertrauen und die beruhigende Ueberzeugung, daß iuir nach wie vor treu bleiben werden nuferen ehrenvollen Traditionen, gerade jetzt in einem Momente, wo die Prinzipien des Judentums in der ganzen Welt Triumphe feiern. Vergessen Sie nicht, meine Herren, daß die Solidarität der Menschheit, von welcher jetzt so viel gesprochen wird, zum erstenmal von den Propheten Israels der Welt proklamiert wurde." Ans der Woche. Das provisorische Komitee der „Agudas Jisroel", an dessen Spitze Commerzienrat Louis Feist steht, versendet einen Aufruf, in dem es unter anderem heißt: Ist es ja seit Jahren die Sehnsucht unserer weitblickendsten Führer in allen Teilen der Welt, wie der breiten jüdischen Volksmassen im Osten, daß endlich einmal eine umfassende, auf dem geschichtlichen Boden der mm ruhende Organisation erstehen möge, die, von dem Vertrauen der Millionen treugebliebener Söhne und Töchter des jüdischen. Volkes getragen, sich der Lösung der vielgestaltigen praktischen und religiösen Aufgaben der jüdischen Gesamtheit, wie sie jede Zeit neu hervortreibt, im Geiste der Thora widme. In einhelliger Begeisterung hat die Kattoivitzer Versammlung folgende Resolution gefaßt: „Die heute in Kattowitz versammelten Vertreter der traditionell-gesetzestreuen Jndenheit aus allen Ländern der Diaspora erklärten nach Anhörung des vorgetragenen Referates die ..Agudas Jisroel" für begründet und verpflichten sich für den Aufbau der Organisation mit allen Kräften zu arbeiten. Die „Agudas Jisroel" dient der Förderung aller jüdischen Interessen auf religiöser Grundlage, unter Ausschluß jeder politischen Tendenz." So ist der Keim in die Erde gesenkt, den rüstige Arbeit zum Lichte emporführen, der Rahmen geschaffen, den die tätige Mithilfe aller bs-ivr rnr-rr mit lebendiger Wirklichkeit erfüllen kann. Wer bereit ist, in die persönliche Werbearbeit für die „Agudas Jisroel" in seinem- Kteise einzutreten, wolle seinen Namen und seine Adresse an das provisorische Komitee Frankfurt a. M-, Gr. Eschenheimerstraße 23, mitteilen, damit wir ihm das nötige Propaganda-Material zur Verfügung stellen können. Wir werden um Aufnahme nachstehender Erklärung ersucht: Die Friedeuskommission der deutschen Mitglieder der A. I. U. hat einen aus Vertretern' der verschiedenen Richtungen bestehenden Unterausschuß eingesetzt, der die Schaffung einer Neuorganisation für ganz Deutschland vorbereiten soll. Dieser hat seine Arbeiten beendet. Er ist zu einen befriedigenden Ergebnis gelangt, und es ist zu hoffen, daß seine Vorschläge allseitige Zustimmung finden werden, damit der Friede in der A. I. U. in nächster Zeit hergestellt werden wird. * * $ Nach der Stimmung, die in der jetzigen Duma herrscht, wird es als Glück bezeichnet, daß die Kommission für persönliche Freiheit und Menschenrechte, die das Rayonprojekt zu beraten hat, die Vorlage zurückstellte, so daß erst die nächste, jetzt zu wählende vierte Duma sich .mit derselben beschäftigen wird. Mittlerweile werden massenhaft. Judenfamilien aus Dörfern ausgewiesen. in denen sie seit Jahrzehnten wohnhaft waren. Mit besonderem Eifer lutrb dieses Verfahren im Gouvernement Wolhynien unter dem neuernannten Gouverneur Melnikow betrieben. Wie dieser wackere Beamte die Bittsteller, die ihn um Barmherzigkeit auzuflehen wagen, empfängt, davon bringt das in Warschau erscheinende hebräische Blatt „Hazenrah" eine kleine Probe. Die Frau eines jüdischen Kaufmannes, dessen Großvater schon in dem Dorfe ansässig Jvar, aus dem man ihn jetzt ausweist, erhielt vom Gouverneur M e l n i k o w. als sie ihn weinend um Gnade anflehte, wörtlich zur Antwort: „Jüdische Tränen erguicken nur mein Herz, werden mich aber nicht weichstimmen." Und als die Frau darauf hinwies, daß durch die Ausweisung die Familie mit. fünf unmündigen Kindern dem Hunger preisgegeben' wird, erwiderte' der Gouverneur: ,,Was gehen mich Ihre Kinder an? Meinetiveqen können Sie sich