Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1912-06-21 · Heft 24 (21.6.1912) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 24 (21.6.1912)
Date
1912-06-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3062972-3063623-3063647--07923-3075048
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

4. Die Wahrheit. Nr. 24. eine fremde Großmacht könne die Gelegenheit benutzen und sich , die betreffende Kolonie aueigneu. Da scheint denn einem findigen Kopf die Idee gekommen zu fein, die Baron Hirsch- und Rothschildschen. Millionen in die Kolonien zu leiten oder wenigstens den Versuch hierzu zu machen. Die Presse spricht in ihren Abhandlungen über die Frage auch stets von „kapitalskräftigen" Ansiedlern. Man scheint hier nicht zu wissen, daß die meisten jüdischen Auswanderer kaum das Hemd ans dem Leibe besitzen und fast ansnahmlos auf Kosten eines der großen Hilfsverbände reisen. Der neueruannte.Generalgonvernenr von Angola äußerte stch einem Mitarbeiter des „Secnlo" gegenüber, er sei im Prinzip mit dem Gesetzentwurf einverstanden, er spricht aber auch von „Familien, die über Kapital verfügen." Allerdings befürwortet er kleinere Konzessionen von 100, respektive 200 Hektar und ist auch Gegner der völlig kostenlosen Ueberlassung des Bodens. Um den Präzedenzfall der kostenlosen Konzession zu vermeiden und um eine greifbare Anerkennung der portugiesischen Herrschaft zu erzielen, schlägt er einen Grundzins von 10 Reis (4 Pfennig) für den Hektar vor, der ja in der Tat keine nennenswerte Belastung darstellt. Es ist nun allerdings hier die Rede davon, daß jüdische Hilssvereine eine große Vereinigung bilden wollen, die, mit den Rechten einer jitristischen Person versehen, eine riesige Konzession von einigen Millionen Hektar erhalten soll, um dann ihrerseits die Weiterverteilung an die Auswanderer vorzunehmen. Man glaubt auch, daß die Bemühungen zum Teil von zionistischen Elementen ausgehen, die hierdurch ihren Wunsch nach einem großen, unter Selbstverwaltung stehenden jüdischen Gemeinwesenzu verwirklichen hoffen. Diese Absicht trifft hier aber nicht auf Gegenliebe, denn gerade das ist es, was Portugal vermeiden will. Die Ansiedler sollen Vollblutportugieseu werden,- und ihre russische, deutsche oder andere Muttersprache ablegen. In dem Blatt „A Lucta", dem Organ Brito Camachos, bekämpt ein Marineoffizier das ganze Projekt in äußerst entschiedener Weise. Er bezeichnet es als „lächerlich", „unglücklich" und „unzeitgemäß". Wenn der Herr nun auch wohl das Kind mit dem Bade ausschüttet, so lenkt er doch die Aufmerksamkeit auf einen Umstand, der hierbei ernste Betrachtung verdient, nämlich auf die portugiesische Auswanderung. Er fände es viel natürlicher, wenn die Regierung es versuchen würde, zunächst die answandernden Landsleute in den Kolonien anzusiedeln und erst, wenn ein Kern eingesessener Portugiesen vorhanden ist. an die Heranziehung anderer Elemente dächte. Es sollen hiermit keineswegs die humanitären' Absichten des Antragstellers herabgesetzt werden, aber Experimente, wie es der Plan einer in großem Stile vorgenommeneu jüdischen Besiedelung Angolas sein würde, werden als bedenklich angesehen. In der Klage eines jüdischen Kaufmannes gegen eineu antisemitischen Aktuar wegen Beleidigung verdient bas Urteil des Dresdner Schöffengerichtes erwähnt zu werden. Der Aktuar würde Von einem Gerichtssekretär ausgefordert, in einem Restaurant mit an einem Tisch Platz zu nehmen, an dem auch jener Kaufmann saß. Der Aktuar lehnte das laut mit den Worten ab: „Ich setze mich nicht an einen Tisch, an dem eine Jude sitzt". Der Kaufmann eutgeguete nur, daß er es sonderbar finde, wenn ein Beamter eine solche. Aeußerung tue. In seiner Antwort gebrauchte der Aktuar das Wort „Schurke". Er wurde verklagt, und der Kaufmann wies vor Gericht darauf hin> daß der Antisemitismus des Aktuars unmöglich so tief sitzen könne, daß er es nicht rleide, mit einem Inden an einem Tisch zu sitzen, denn früher habe er in einem rein jüdischen Vereine für Geld' zum Tanz anfgespielt. Das Gericht entschied', daß der Beklagte wegen des Wortes „Schurke" 40.Mark Strafe zu zahlen habe, aber wegen der Aeußerung: „Ich setze mich nicht du einen Tisch, an dem ein Jude sitzt", freizusprecheu . sei, denn, er habe in Wahrnehmung berechtigter Interessen gehandelt.. (!) ' .;; .... . . 4- 4- 7:7 ■ .. ' 4- ' . 7 -- ' ' ■- Wie die jüdisch-griechische Zeitschrift „Jsraelitiki Epitheo--! rissis".- in Athen berichtet, wird an., der Durchführung der. Vererurgung.^sämtlicher jüdischen Gemeinde»-i/GNechMhands,; -spchiei an dem Zustandebringen eines Gemeindetages in Athen eifrig gearbeitet. Der Präsident der jüdischen-Gemeinde von Athen wird in den nächsten Tagen an sämtliche Gemeinden des Landes ein Zirkular ergehen lassen, in welchem Vorschläge betreffend den Zeitpunkt des Kongresses wie auch die für denselben bestimmre Tagesordnung gemacht werden. Der Kongreß dürfte zu Beginn des Herbstes in Athen stattfinden. -. % 4- -. 4- Trotz des dichten Gewebes von Lug und Trug, das von den Judenfeinden in Rußland eifrig zusammengetragen wurde, um die Legende vom Ritualmord neuerdings aufzusrischen, kommt die Wahrheit über den Knabeumord doch allmählich zum Durchbruch und als Beweise für die Ermordung des Knaben Jnschtschinski durch die Tfcheberjaksche Diebsbande werden von dem Journalisten Brasul-Brnschkowski in der „Kiewskaja Myßl" nachstehende Tatsachen angeführt: 1. Gespräche Singajewskis mit befragten Zeugen weisen darauf hin, daß er mit R n d i n s k i, L a t y s ch e w und Wjera T s ch e b e r j a k den Mord verübte; 2. Die Zeugin D. hat angegeben, daß Wjera Tscheberjak ihr gegenüber den Mord eingestand, da sie die Mörder unmittelbar nach der Tat in der Wohnung der Tscheberjak überrascht hatte; 3. am 3. April erhielten die Eltern Juschtschinskis einen mit dem Pseudonym „Ein Christ". Unterzeichneten Brief,, in dem die Ermordung.Juschtschinskis als „Ritnalmord" bezeichnet wurde. Als Antor dieses Briefes ist der Zuhälter- Tscheberjak, M a n s e l e w s k i, eruiert worden, der, wie der Detektivchef Kr a s s o w s k i deponierte, die Leiche aus dem Keller in die Höhe gebracht hat; 4. in der Höhle fand man neben der Leiche genau ein solches Schreibpapier, wie es Manselewski der Tscheberjak gebracht hat; 5. zwei Zeuginnen sagen aus, daß unmittelbar nach der Mordtat. aus dem Tscheberjak gehörenden Grundstücke blutige Lumpen von Hunden aus der Erde gegraben wurden; 6. für die Ermordung im Hanse der Tscheberjak spricht der'Umstand, daß Wjera Tscheberjak kurz^ vor der Mordtat ihre Kinder zu deren Großmutter schickte und sie nach der Ermordung wieder znrückbrachte. Im „Kiewljanin". veröffentlicht der ehemalige Kiewer Detektivinspektor K r a s s o w s ki folgende Enthüllungen über den Mord: Im Anfang des vorigen Jahres wurden in Kiew eine Reihe frecher Diebstähle verübt, ohne daß es der Polizei gelang, der Täter habhaft zu werden. Als Hehlerin diente der Bande die Frau des Telegraphenbeamten Wera Tscheberjak. In ihrer Wohnung versammelten sich die Mitglieder der Diebsbande und dort wurden die gestohlenen Sachen aufbewahrt. Mit dem Sohne der.Tscheberjak, Jewgeni, war der Knabe Andrei Juschtschinski befreundet, und erfuhr durch seinen ständigen Verkehr, im Hause der Tscheberjak allmählich alle Geheimnisse der Bande, Die. beiden Knaben zankten sich aber bisweilen und dabei drohte Juschtschinski seinem Freunde, die Geheimnisse des Hauses der Polizei anznzeigen. Jewgeni Tschebelffak erzählte davon seiner. Mutter. Als nach einiger Zeit einige Mitglieder der Baude verhaftet wurden, fiel der Verdacht, sie verraten zu haben, auf Juschtschinski. Die Teilnehmer der Bande beschlossen, ihn in der Wohnung der Tscheberjak zu ermorden, da es nicht möglich war, den vorsichtigen Knaben an einen -anderen Ort zu locken. Als Juschtschinski am 12. März 1911 wieder zum Besuch zu Tscheberjaks kam, " überfielen ihn Peter S i n g a j e w s k b R ud ins k i und Iwan La t y sch e w, knebelten ihn und marterten ihn. mit einer Ahle. Sie durchstachen ihm mit einer Ahle die' Schläfe und den Schädel, bis er tot war, worauf lM^Leii? ent-- kleideten Leichnanr in eine Wanne' mit kaltem Wasser leg'tenl ilin! das Blut abznwaschen. Während dieser Arbeit'wurden-sitz'durcheinen Besuch, den die Tscheberjak erhielt, gestört. 'Dann -wurdet; die Leiche im Keller - verscharrt und die Tscheberjakdie^schdn- - am Tage vor dem Morde ihre Kinderzu ihrer Mutter - gebrachthatte, wohnte die Nacht über-mit -'einem ihrer Komplizen im' Hotel „Orion". - - ' "^7 -/ - “i'i; ---•' ' 7 -Anfang Juni - fänden '--in- Petersburg- Beratungeil'' -der' Delegierten - der Jüdeüstädte Über "Hi'e./Halkn'ng.'^d'er--jüdischen Wähler anläßlich der kommenden Wah^n7'in/'diel'öieM^Reichs^^

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.