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Die Wahrheit · 1912-06-14 · Heft 23 (14.6.1912) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 23 (14.6.1912)
Date
1912-06-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 23 _____Die Wahrheit Seite Feuilleton. Aer verkaufte Sohn Bon Ballette Fried, Prag. (Fortsetzung.) Wie es Goldstein dem Rabbiner erzählte, hatte sich die etwas geistig beschränkte, bei einer halb verrückten Tante erzogene Frau in den Kopf gesetzt, daß Gott ihr deswegen ihre kleinen .Knaben genommen habe/ weil er sie als nicht würdig erachtete, -Mutter von Söhnen zn werden, und diese.nach seinem Willen .zu erziehen. Daher der tiefe Kummer und die unablässige Sorge der armen, reichen Frau. Als diese von den bekannten Frauen zur Wiedergenesnng ihres Gatten beglückwünscht wurde, .da hatte sie für alle Aenßernugeu der aufrichtigen Freude nur ein stummes, tränenschweres Lächeln. Bei ihrer Heimkunft kamen ihr die beiden. Mädchen mit den Fahnen entgegen, die ihnen schon tagsznvor Kobi Weiß verfertigt hatte. Statt sich mit ihren Kindern zn freuen, zog sich ihr das Herz in; bitterem Weh krankhaft zusammen, als sie daran dachte, daß der allgemein gering geachtete Salme Bäck so glücklich im Besitze zweier braver, talentierter Jungen sei, während ihr Gatte, der allgemein geachtete und beliebte Borsteher, diesen ersehnten Schatz entbehren müsse. Es war nicht Aeid, sondern Mitleid mit ihrem Manne, was diese Gedanken erweckte. Sie hatte in der kurzen Zeit, während Kobi an ihrem Tische aß, den kleinen Gymnasiasten herzlich liebgewonnen. Jbre Einwilligung benützend, kam Markus hie und da seinen Bruder abholen, und das war ein Fest für die beiden kleinen Mädchen. Die Studenten, wie sie im Hause genannt wurden, wußten die Kleinen immer auf eine so angenehme und zugleich, nützliche Weise zu. beschäftigen, daß es eine Freude war, es mitanzusehen. Während Markus Geschichten und Märchen erzählte, schnitt Kobi aus buntfarbigen Bilderbogen die Bilder ans, klebte sie auf Pappendeckel, und formte auf diese Weise ganze Städte. Menagerien und Puppenstuben, ja selbst ein Regiment von Soldaten meisterte er zusammen. Zu jener Zeit standen den Kindern reicher Leute noch nicht jene kunstvollen Spielzeuge zur Verfügung, wie es jetzt geschieht. Wie so manches andere im Leben, war auch das Spielzeug einfach und kunstlos, und darum waren die von Kobi verfertigten Papierspielwaren für die Goldsteinsicheu Kinder eine Quelle des Vergnügens. Wenn aber die Studenten durch - Schularbeiten verhindert waren, ihnen Gesellschaft zu leisten, da schmollten die Kinder, oder weinten so bitterlich, daß es zum Erbarmen war. Es war dies auch kein 'Wunder. Die beiden Mädchen fühlten sich recht einsam. Die Mutter zog sich'in letzter Zeit von ihnen zurück, sie der Gesellschaft der Dienstboten überlassend. Dann kam der Tag. der den ersehnten Sohn und Erben brachte. Was Wunder, wenn sich das Interesse der Eltern sowohl, als des ganzen Haushaltes, um das neue Familienglied drehte, und die Mädchen noch mehr vernachlässigt wurden, als es schon vorher geschehen. Goldstein bemerkte dies. Er war aber durch ein geschäftliches'Unternehmen, das alle seine Zeit und Kräfte in Anspruch nahm, gehindert, den Vorgängen in seinem Hause viel Aufmerksamkeit -zu widmen. Deswegen sah er es als Glück -an. daß die Weißlichen Kinder, ihrem regen Daukbarleitsgefühle iiachgebend, sich mit den Kindern beschäftigten. Anstatt, wie andere gleichaltrigen Jungen, ihre freie Zeit mit Spielen und Schlittschuhlaufen zu verbringen, widmeten sie dieselbe den 'Kindern ihres Wohltäters. Der Rabbiner hatte die Nachricht, daß seinem Freunde der ersehnte Sohn geboren wurde, mit Freuden begrüßt. An die .geschlossene Uebereinknnft dachte er nicht ernst. Er hatte sich damals nur widerstrebend dem kranken Freunde zu Liebe dazu überreden lassen, und jetzt hoffte er, daß die Eltern im Vollgen nß der elterlichen Freude nicht mehr darauf znrückkommen werden. Jedenfalls hatte er erreicht, was ihm so sehr am Herren gelegen ist: daß'die Mittel zu Kobi Weiß Studium aufgebracht wurden. Diese Guttat, so hoffte er, werde das Gemüt -der allzuängstlichen Mutter beruhigen und sich ihres neugeborenen Sohnes freuen lassen. Die Ehe des Rabbiners Ahronson war bisher kinderlos geblieben. Wenn ihn auch manches Mal Sehnsucht nach einem Kinde erfaßte, so hütete er sich wohl, dies in Gegenwart seiner Frau zu äußern, aus Furcht, sie zn kränken. Sie wieder fand Ersatz in dem Bestreben, ihrem Manne eine angenehme, behagliche Häuslichkeit zn bereiten, und in der Ausübung ihrer Hausfrauen- und Gattenpflicht fand sie Ersatz für die ihr versagten Mutterfreuden. Das Ehepaar lebte ruhig und friedlich nebeneinander und im wahren Sinne des Wortes — für einander. Ans dieser idyllischen Ruhe wurden sie aber eines Tages anfgeschreckt, und zwar durch den Besuch Frau Goldsteins. Es war dies zwar kein ungewohntes Ereignis, denn in der letzten Zeit war Frau Sofie öfters ins Haus des Rabbiners, gekommen, hatte mit dessen Frau einen regen Verkehr ungebahnt und das Hauswesen mit. besonderem Interesse beobachtet. Aber dieses Mal war es ganz anders. Ein stiller Ernst lag über dem Antlitze der bleichen Fran gebreitet; sie schien etwas sagen zn wollen, ohne die rechten Worte finden zu können. Ihre sichtliche Verlegenheit teilte sich auch dem Rabbinerischen Ehepaare mit, so daß es ihnen nur mit Mühe gelang, ein gleichgültiges Gespräch zn beginnen. Endlich faßte sich Frau Sofie und sagte: „Ihr habt gewiß bemerkt, daß.ich in der letzten Zeit viel häufiger als sonst zu Euch gekommen bin. Gewiß habe ich Euch gar oft gestört, da Ihr doch beide so fleißig seid." „Nicht doch," unterbrach Louise die Sprecherin. „Wir freuten uns derart mit Ihrem lieben Besuche, daß wir gar nicht wußten, daß wir öfter als früher das Vergnügen hatten." Frau Goldstein hatte inzwischen Mut gefaßt und sagte: „Das höre ich gerne, denn ich möchte von nnn an noch öfter kommen und länger bei Ihnen verweilen, denn ich bin heute gekommen, um Sie, Herr Rabbiner, an das Versprechen zn erinnern, welches Sie vor säst 2 Jahren meinem Manne gegeben haben, nämlich mein damals erwartetes Kind als das Ihre zn betrachten, es ins Haus zu nehmen, zu pflegen und zn erziehen." Der Rabbiner wurde verlegen. „Liebe Frau Goldstein", sagte er, „so detailliert ist diese Angelegenheit damals nicht von uns besprochen worden. Von ins Hans nehmen war. so viel ich mich' erinnere, nicht die Rede gewesen. Ich bin, Ihren nervösen Zustand berücksichtigend, damals auf alles eingegangen, was Ihr kranker Gemahl von mir gewünscht hat, schon ans Furcht» durch Widerspruch auch sein Leiden zu verschlimmern. Indessen hat der gütige Gott alles zum Besten gewendet. Sie sind beute wieder frisch und munter und freuen sich Ihres Söhnchens. Ihr Gatte hat sein Leiden überwunden, ist jetzt kräftiger als je, lebt für Sie und Ihre prächtigen Kinder. Da hieße es undankbar gegen die götlliche Güte sein, wenn eines der Kinder ans diesem schönen Bande herausgerissen würde. Lassen Sie Vergessenheit mein Gespräch mit Ihrem Gatten bedecken, und freuen Sie sich des Sohnes, den Ihnen die Gnade Gottes beschert hat." (Fortsetzung folgt.) Austritte aus dem Judentum. Fuchs Paul Rich., geb. 24. Dezember 1335 iu Wien. II: Bez. Große Schistgasfe 16. Per mutter Eva, geboren 25. Juli 1882 in Sebastopol (Rußland). II. Novaragasse 18. M ö ß l Feige Cbaje, geb. 1. August 1868 in Lemberg. XVI. Haberlg. 15. Damask Dr. Moritz, geb. 15. September 1880 in Wien. IV. Bezirk Prinz Engeugasse 52. Singer Adolf, geb. 6. Oktober 1889 in Wien. Riva. Winter Sigmund, geb. 25. Jänner 1842 in Pilgram. III. Ungarg. 20. Winter Auguste, geb. 2. August 1888 in Prag. III. Ungargasse 20. Rein Bela, Privatbeamter, geb. 5. April 1866 in Bnkovar (Slavonien). I. Kurrentgasse 8. Oesterreicher Max Em-l Moses, Kaufmann, geb. 17. Oktober 1839 iu Budapest. VI. Rablgasse 1. Res e k Max, Ingenieur, geb. 10. November 1883 in Wien. IX. Bezirk. Grüue Thorgasse 32. Hollizer Anna. Komptoiristnr, geboren 22.Oktober 1886 in Warschau. IX. Bindergasse-9. Rebsel Jda, Operetten-Sängerin, geboren 27. Februar 1891 in Wien. IX. Berggasse 13.

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