Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1912
- Issue
- Heft 23 (14.6.1912)
- Date
- 1912-06-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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fceite 8. Die Wahrheit, dir. 23. zur Vornahme durchgreifender Aenderungen gegeben waren. Das zeitliche Zusammen treffen dieser beiden-Momente ermöglicht nun im gegenwärtigen Zeitpunkte die Durchführung längst notwendiger Refornren. Durch die hochherzige Schenkung des verewigten Herrn Albert Freiherrn von Rothschild wurde der Kultnsgemeinde das dem Spitale benachbarte Haus, Gürtel 99. für Zwecke des Spitales und des Pflegerinuenheimes zur Verfügung gestellt, so daß durch die Verlegung der Verwalterwohuung, einzelner Wohnungen für Aerzte. Pstegerinneu und Hauspersonale in dieses Haus eine große Anzahl Räumlichkeiten im Spitale für unmittelbare Spitalszwecke frei werden. Des weiteren wurde der Kultnsgemeinde aus dem für wohltätige Zwecke bestimmten Nachlasse des verewigten Herrn Albert Freiherrn von Rothschild ein Betrag von L 200.000 für Spitalszwecke zugewendet, so daß die finanziellen Schwierigkeiten bezüglich der tlotwendigen Adaptierungen, Umgestaltungen, Einrichtung von Laboratorien, Schaffung therapeutischer Behelfe, rc. zum großen Teile beseitigt erscheinen. Das Vorstandsmitglied Herr Architekt G a r t n e r hat auf Grund vielfacher Besprechungen mit den Funktionären des Spirales Adaptiernngspläue und approximative Kostenvorauschläge ansgearbeitet. Im Sinne eines eingehenden Referates wird die Durchführung der notwendigen Adaptierungs- und Renovierungsarbeiten im Spitale auf Grund der oben erwähnten Pläne prinzipiell genehmigt und für alle diese Arbeiten unter Zugrundelegung der vorgelegten Kostenvorauschläge ein Maximalkredit von K 220.000-— eingeräumt, in welchem Betrage die Zuwendung aus dem Nachlasse des verewigten Herrn Albert Freiherrn von Rothschild per K 200.000'— samt Zinsen vom Erlagstage ab inbegriffen ist. Mit der Durchführung der Arbeiten wird ein Spezialkomitee betraut. Nach Erledigung diverser Steuer-Angelegenheiten wird die Sitzung um 3 Uhr nachmittags geschloffen. Verschiedene Nachrichten. Wien. (Terr i tori a l i st is ch e Del egierten - K o n f eren z in Sie n.) Am 27.. 28. und 30. Jnni l. I. findet in den Sälen des kaufmännischen Vereines, Wien, I. Johannesgasse 4, eine Konferenz der Delegierten aller territorialistischen Organisationen statt. Zu dieser Konferenz werden alle namhaften Jtoisten unter Führung des Präsidenten der Organisation Israel Zwangwill erscheinen. Die Vorbereitungen für den Empfang der Gäste und ihrer Damen werdeu von einem aus Wiener Territorialistcn bestehenden Lokalkomitee besorgt, welches vor einigen Tagen eine Sitzung abhielt und in dieser Angelegenheit verschiedene Beschlüsse faßte. Es wurde ein Preßkomitee eingesetzt, dem die Herren Direktor Dr. ,S. Krenberger, Wolf Pappeuheim, die Schriftsteller Dr. S. Bloch, Dr. Löwy und Jakob Krausz, ferner die Herren Schmidt-Wien und Ingenieur Ginzburg- Zörich ongehöreu. Die Leittuig des Bureaus wurde den Herren Dr. S. Krenberger und Jakob Kraus anvertrant. . . . . Wien. (B i b e l s ch u! - P r ü f u n g.) Am Sonntag, den 26. Mai d. I., hat die Prüfung der Schüler der -Bibelschnle des Schnlvereins im Bethause, VI.. Stumpergafse 42, stattgefunden. Herr M. F e l s e n b u r g, der opferwillige Präsident des Vereines, und die anderen stets hilfsbereiten Vorstandsmitglieder, viele der unterstützenden Mitglieder, die Eltern der Schüler und zahlreiche Freunde der Bibelschnle hatten sich eingefunden. In Vertretung des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde Wien warAmtsleiter Bibelschul-Jnsvekior I. B r a u n erschienen. Vor Beginn der Prüfung wurde die Versammlung mit schön vorgetragenen Ansprachen von Schülern begrüßt. Die Schule feierte zugleich das 20. Jahr ihres Bestehens und des Wirkens des Lehrers. Herrn Franz T e l r s ch, defien erfolgreiche Lehrtätigkeit sich in den präzisen Antworten der Kinder zeigte und der, wie auch seine Schüler, volle Anerkennung fanden. Der Schulinspektor I. Braun richtete eine Ansprache au die Schüler, lobte deren Fleiß und ermunterte sie, ihre Kenntniffe zu erweitern. Die Ansprache des Präsidenten Felsenbnrg enthielt den Dank an den Kultusvorstand für die moralische und namhafte materielle Unterstützung und'"gipfelte in dem Preise der Bibel und der hebräischen Sprache. Den Bibelschulen, die von so aufopfernden Persönlichkeiten.geleitet und gefördert werden, ist für ihre idealen Bestrebungen ein weiteres gedeihliches Fortschreiten herzlich zu wünschen. Wien. (Jüdischer Turnverein „Favoriten".) Dienstag, den 18. Juni 1912, findet im Saale des Jüdischen Schülvereines, X., Hasengäfie 7, präzise ^8 Uhr abends, diediesjährig>.- o r d> e n t l i ch e G e n e r a l v e r i a m m l u u g statt. Tages-- Ordnung :, 1. Bericht des Tnrnrates über das abgelaufene Vereinsjahr^ 2. Bericht der Revisoren und Entlastung, 3. Feststellung der Beiträge der Mitglieder für-das nächste Jahr. 4, Wahl des Tnrnrates. - 5. Wahl bei" Revisoren. 6. Anträge. Im Falle der Beschlußunfähigkeir der Generalversammlung findet eine Stunde später eine zweite in demselben Lokale nnd mit derselben Tagesordnung statt, die ohne Rücksicht auf die Zahl der anwesenden Mitglieder beschlußfähig ist. Anträge müssen mindestens drei. Tage vorher beim Tnrnrate schriftlich emgebracht werden. Einlaß nur gegen Vorweisung der Einladungskarte. Vien. Kantor D. Schlamm hat bei einem im Tempelverein „Bne Berirh",'XX. Bezirk. Freitag Abend und Samstag Früh gehaltenen. Vortrage vielen Beifall gehabt. Wien. (Hilfsaktion für d i e O p f e r der Exzess e g e g e n d i e I u d e n in Fez.) Der Vorstand der Jsr. Allianz zu Wien, II., Untere Donaustraße 33, bestätigt dankend den Empfang folgender zugunsten der notleidenden Juden in Fez bis zum 12. Juni eingegangenen Spenden (3. Liste): Verband der Israel. Humamtätsvereine B'nai B'rith für Oesterreich X 3000.—, Sammlung, der Filiale der Jsr. Allianz in Prag durch Dr. Arnold Nosenbacher X1132'06- und X 493.— — X 1625 06, Alois Lemberger X 200.—, kais. Rat Carl Hirsch K 100.—, Sammlung in Marienbad durch Dr. S. Prager X85.—, Wilhelm Scheyer K 60.—, B. Kohn in Koste! X 50.—, Dr. Alfred Berger X 30 —, Sammlung in Lundenburg X 22 40, Adi Turcsan in Karlsbad X 26.—, Lazar Kaufmann X 20.— , Lazar Eppinger X 20.—,. „A. 93." X 20.—, I. Fluß X20.—, Jeanette Schneck X 20.—, Sigmund Geiduscheck X 20.—. Gesammelt durch „H. H." X 10.—, Dr. Bernhard Frankl X 10.—, Eduard Jonas Schachtitz X 10.—, Dr. Berrhold Meyerhoffer X 10.—,, Moritz Bloch X 7.—, M. Feiglstock X 5.—, Unbenannr X 3.—, F. Ernst X 1.—, zusammen X 537446, mit den bereits ansgewiesenen X 19307'50 der 1. und 2. Liste zusammen X 24681-96. Prag. Für den Tempel Geistgasse wnrde Herr I. Premitke (Schüler Oberkantor Baue r), bisher in Jamnitz, als Kantor gewählt und hat derselbe bereits sein Amt angetreten. Karlsbad. Der langjährige Kantor der Karlsbader Gemeinde Josef T e i n o w rtz wurde am ersten Schewuostage zu Grabe getragen. T e i n o w i tz war ein gediegener Chasan ans der Schule des Königsberger Weintraub. Von Chajim Wilnaer wandte er sich Anfang der 60er Jahre zu Weintraub, bildete sich hier im Kantorfache ans und betrieb mit Eifer in systematischer Weise solche musikalische Studien, wie sie für die umfassende Kenntnis des großen Gebietes der musica sacra nötig, erscheinen. Als Anton Rnb in stein seinen „Turmbau von Babel" persönlich in Königsberg einstudierte, fiel ihm als der tüchtigste Blattleser der Bassist des Kantors Weintraub auf. Die geregelte Form übertrug T e i n o w i tz auf die Entwicklung chasvnischer Sangesart und umso klarer' trat bei seinem Vortrag der tiefgründige musikalische Gedanke hervor, der die Art des Sagens eines Bezallel Odessa oder Chajim Wilna charakterisierte. Teinowitz war als Mensch ein großes Kind! Härten blieben seinem herzlich freundlichen Wesen fremd. Jedes zweite Wort bei ihm brachte einen Witz, aber nur aus Freude am Humor, niemals mit dem Hintergedanken jemand zu verletzen. Die enorme Teilnahme von Nah und Fern bei der Beerdigung galt daher in gleicher Weise, sowohl dem tüchtigen Fachmann, wie dem liebenswürdigen Menschen. Ujvidek. Bei der am 9. d. M. stattgehabten Plenarversammlung wurde unserem allseits beliebten Oberkantor, Herrn Samberg Mor„ noch vor Ablauf seiner Probezeit einstimmig das Definitivum zuerkannt.. Berlin. Zu unserer Nachricht, daß Oberkantor Magnus Davidsohn aus Gleiwitz in gleicher Eigenschaft vom Vorstand der Berliner Hauptgemeinde nach Berlin berufen wurde und per 15. August daselbst sein Amt antritt, gehen uns folgende nähere Daten zu: Wohl gehörte Herr D a v i d s o h n erst zwanzigjährig dem königlichen Ländesthearer in Prag^ während der rühmlichen Periode Angelo N e n m a u h s als erster seriöser Bassist an, sang dort neben Schmedes Lohengrin den König Heinrich, den Marcel, Bertram in Robert, Cardinal, Sarastro, Pogner rc., gab aber diesen Beruf nicht ans — weil dieser ihn anfgab, sondern ging zum größten Verdruß seines Schefs, obwohl noch für eine Reihe'von Jahren fest engagiert — aus ererbter Vorliebe für den religiösen Berus' zu jenem Beruf über, defien Freuden und Leiden er bereits im Elternhanse kennen lernte. So erzählte ein Prager Kantor, der eines Tages Davidsohn ans der Straße begrüßte, daß ihm der Sänger nicht von der Partie des Riesen Fasolt sprach, den er am Abend im „Rheingold" zu singen hatte, sondern von einem neu komponierten „l'cho dodi", den er dem Kantor zum Einstudieren übergeben wollte. Der inneren Vorliebe für den Berns entsprach auch das warme Interesse rür; Berussfragen. Dabei ließ es Magnus D a v i d s o h n aber nicht bloß bei Worten bewenden, er trat, so oft es leider nötig wurde, mit seiner ganzen Persönlichkeit füt gefährdete Kollegen ein und suchte an maßgebender Stelle durch freundliches und kluges Zureden gelockerte Positionen wieder zu befestigen. Einen Rangnnterschied kennt er nicht und sieht in dem Kollegen der kleinsten Gemeinde seinen Amtsgenofien, kennt keinen Neid und ist von sener dünkelhaften Art der Mittelmäßigkeiten frei, die deshalb einem Andern die berechtigte Anerkenung schmälern, weil sie nicht bescheiden genug sind anderes Können so hoch einzuschätzen wie dasjenige des eigenen Jchs. Einer solchen Persönlichkeit, wie dem Gleiwitzer Oberkantor, Herrn Magnus Davidsohn, gönnen wir von Herzen die Berufung nach Berlin und hoffen^ daß er auch von hier aus im Verein mit'seinen Berliner Kollegen sich so um unsere Standesinteressen mit Erfolg bemühen wird, wie bisher. '