Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1912
- Issue
- Heft 23 (14.6.1912)
- Date
- 1912-06-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Wahrheil Seite 6. Nr. 23. auch uns. ans diesen behördlich genehmigten Statnten folgende Paragraphen abzudrucken: „§ 2. Der Zweck dieses unpolitischen Vereins ist die Unterstützung der Katholiken in Bosnien und Herzegowina, vor allem der Jugend, in ihren religiösen, geistigen und materiellen Bedürfnissen. Der Verein will diesen Bedürfnissen abhelfen durch Gründung einzelner größerer Unternehmungen, die einen bleibenden Wert haben für die Interessen der katholischen Kirche... § 3. Die Mittel zur Erreichung dieses angeführten Zweckes sind: a) Die Förderung der katholischen Jugend . .. besonders armer katholischer Studenten, die durch religiöses Verhalten rc..... zu besonderen Hoffnungen für die Kirche berechtigen; b) die Unterstützung der katholischen Arbeiterschaft; c) die Heranbildung von Nednern. Schriftstellern und praktischen Hilfskräften für die katholischsoziale Arbeit; d) die Unterstützung der katholischen Presse; e) die Errichtung und Ausbesserung katholischer Kirchen_ § 6. Mitglied des Vereins kann jeder Katholik ohne Unterschied des Geschlechtes und Alters sein." Die Statuten, die diese Bestimmungen enthalten, wurden den Juden, die um Spenden angegangen wurden, natürlich verheimlicht. Nicht alle Juden sind ja von der Art jener assimilatorischen Streber, die selbst den Eucharistischen Kongreß bezahlen, wenn sie dadurch Aussicht erlangen, geadelt zu werden. Um den patriotischen Schwindel zu krönen, schickt der Herr R. v. Hoschek den Inden sogar Anmeldungssormnlare. Anmelden können sich die Juden — zwar nicht als Mitglieder, aber als Wohltäter, Gründer und Stifter — zahlen dürfen sie: als Mitglieder dürfen sie laut § 6 nicht ausgenommen werden. Ein derartiger Schwindel ist nur deshalb etwas Ungewöhnliches, weil der Name der Protektorin als besonderes Lockmittel für die Juden verwendet wird. Man braucht das jüdische Geld, da mit den aristokratischen Namen im Präsidium (Gräfin Sylva-Tarouca, Herma von Flesch Brunningeu, Jda Gräfin Czernin) und im Ehrenkomitee (Herzogin von Beaufort, Gräfin Bellegarde. Gräfin C l a m - G a l l a s, Gräfin C z e r n i n, Exzellenz Josefine E b e n h o ch, Baronin Fuchs rc.) kein einziger katholischer Magen in Bosnien gesättigt werden dürfte. Wir find nun gespannt, ob sich, nachdem wir den ganzen Schwindel enthüllt haben, doch Juden finden werden, die in die Tasche greifen und welche Zeitungen die schwindelhafte Spekulation unterstützen werden. Wir für unseren Teil halten es für eine patriotische Tat, dem Mißbrauch des Patriotismus zu klerikalen Zwecken entgegenzutreten. Schopenhauer, der Antisemit. Die lauge, im höchsten Ansehen gestandene, von Aristoteles kreierte Wissenschaft der Logik ist in nenerer und neuester Zeit zum Aschenbrödel degradiert worden. Man setzt sich über die Denkgesetze mit souveräner Verachtung hinweg, bedient sich ihrer wohl zu niedrigen Handlangerdiensten — denn wer vermöchte ohne sie in Wissenschaft und Leben auch nur einen Schritt zu inu — verweist sie jedoch gleich nach geleisteter Hilfe in die Küche, um sich' freie Bahn zu schaffen für schrankenlose, ausschweifendste Träume der Metaphysik. Die einzelnen Teile jedes philosophischen Systems mögen ja für sich ein notdürftiges, logisches Gepräge tragen, der Zusammenhang jedoch ist nichts weniger, als organisch gegliedert. Der Topf jedes philosophischen Systems — dies gilt so gut von Spinoza, wie von Kant, von Schopenhauer wie von Hegel, von ersterem insbesonders — weist logische Risse und Sprünge, Widersprüche auf, die gleichsam nach slovakischer Dratbinderart verkittet und sophistisch verdeckt erscheinen. Ein großer Teil der Menschen hat sich von der Religion abgewendet; warum? Weil jede geoffenbarte Religion — so wendet man ein — zn sehr ins Kindesalter der Menschheit zurückreiche, für heute nicht mehr passe, weil sie zu sehr von Wundern erfüllt, die den Naturgesetzen Hohn sprechen. So bauen sie denn Gedankenpaläste/ diese weisen und weltweisen Architekten, statt der zu demolierenden Kirchen, und Synagogen und laden die sich vom Glauben hochmütig , abwendenden Apostaten zur Tatenandacht ein. Die verletzte Natnrordnung hat sie hinweggescheucht, die Sünde gegen das einfachste Gebot, das 2 .mal 2, schreckt sie nicht zurück, sie merken -nicht, daß sie vom Regen in die Traufe geraten, sie sind . taub für alle schreienden Gegensätze, taub gegen das. Geräusch der Ratten und Mäuse, die das Logis des Systems vom Keller bis zum Firste benagen. Sie berufen sich gerne auf Goethes Spruch: . Die Welt ist voller Widerspruch, Und sollte sich's nicht widersprechen? Hans Herrig versteigt sich so weit, über Schopenhauer zn schreiben, daß eine Philosophie „die ohne Widerspruch auskommt, von vornherein als oberflächlich anzusehen ist. Sie. ist unwirklich, ein am Schreibtische ausgeklügeltes Gedankengespinnst, ein Netz ans Spinnweben, das beim Stufaffen zerreißt, geschweige, daß es die Schwere eines trauernden Herzens tragen könnte." (Ob Hiob und die Psalmen nicht größere Tragfähigkeit besitzen?) „Die Scheu vor dem Widerspruch ist im weiteren Sinne auch meist, nichts als Feigheit." Das klingt gerade so wie .„die Scheu vor dem. Tollhanse, ist Feigheit." Ich aber sage, die. Scheu, Hiob, die Psalmen und den Koheleth zur Hand nehmen, ist Feigheit und eine Dummheit dazu. Denn fürs Erste scheut sich Schopenhauer trotz seines Antisemitismus gar nicht aus den genannten Schriften eine ganze Masse Zitate anzuführen, weil sie ihm in den Kram passen; fürs Zweite braucht sich niemand, der vor der ganzen römischen, griechischen oder germanischen Mythologie vor Entzücken sich auf den Bauch legt, bei biblischen Wüudermären aber schaudert, zn ängstigen, einfach deswegen, weil in diesen Teilen der Schrift auch nicht der geringste naturwissenschaftliche Verstoß enthalten ist. Fürs Dritte endlich hat es keiner nötig, sich mit dem geforderten Mut zn wappnen, denn er bekommt nicht den leisesten Widerspruch zu hören, wenn er nicht etwa den Glauben an Gott, den sogar ein Goethe zu bekennen sich nicht scheute, als solchen ansieht, an Gott, den Schopenhauer freilich blasphemisch „den alten Juden" nennt. Ein Bild widersprnchlosester W a h r h e i t und tiefster Philosophie entrollt sich dem Leser des Koheleth, Hiobs und der Psalmen trotz Schopenhauers Jnvektiven, daß das. Judentum die „wunderbare Abwesenheit alles dessen sei, was das Wort verecundia bedeutet." Am tollsten treibt es in Punkto Logik die neneste Richtung der Philosophie, „Pr a gm a ti s m ns" geheißen, sie wird auch nach einer entlehnten Kant'schen Wendung die „Als o b"- Philosophie benannt. Gehe man. auch von einer Fiktion, einer unerwiesenen, ja geradezu unlogischen Prämisse aus und gelange man trotzdem zu richtigen Folgerungen, so erweise'sich eben daraus — nun was? Daß ans der Unlogik, Logik geworden ist. Znm Teufel also mit aller Logik, es lebe die Rabulistik und Sophistik! Dies erinnert an das Hegel'sche Abrakadabra „der Begriff ist die Identität der Widersprüche." Pereat alter Aristoteles, der du das principram contradictionis anfstelltest und behauptetest A könne nicht B sein nnd nicht zugleich Nicht B! Weg mit der psychologischen Nötigung, die uns alle, ob gelehrt oder ungelehrt, zwingt dem S t a g i r i t e n zuznstimmen! Man tue' so, als ob es einen Gott gäbe, gelange man von dieser Fiktion aus zn fruchtbaren Ergebnissen, so freue man sich ihrer, ohne sich weiter an deren Herkunft gebunden zu erachten. Als einst T i eck mit S ch op enhauer über ein Buch von Iakob y sprach und in Gemäßheit dieses Buches von Gott als einer. Tatsache, verließ der. Philosoph den Dichter in höchstem Zorne. „Was, Sie brauchen Zeinen Gott?" und besuchte ihn nie wieder. Pragmatisten, tuet ein Gleiches! Doch ich will mit der Philosophie, den Pragmatismus, mit eingeschlossen, nicht allzustreng ins Gericht gehen. - Sämmtliche Philosophen sind Sisyphusse, die ihre schweren, das aufgelöste Welträtsel enthaltenden Bücherballen zur Höhe zn wälzen heiß bemüht sind, damit die Pyramide menschlicher Erkenntnis gekrönt erscheine. Schade, daß die Bibliothek zu Tal purzelt und menschliches Wissen nach wie vor Stückwerk bleibt. Trotzden bin ich weit entfernt davon, die ganze Bedeutung der Philosophie, sowie ihrer Vertreter zu längnen oder herabznsetzen. Töricht wäre es, die Philosophie als wichtiges -Glied