Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1912
- Issue
- Heft 22 (7.6.1912)
- Date
- 1912-06-07
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3062972-3063623-3063645--07905-3075028- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 10. Die Wahrheit Nr. 22. Weitere große Verdienste erwarb sich Moses auf dem Gebiete der Rassenhygiene, unmittelbar um das alte Volt Israel, mittelbar auch um die wichtigsten Fragen der Rassenhygiene überhaupt. Manche von Moses getroffene Bestimmungen, vor allem das ängstliche Fernhalten fremder Elemente und Sitten, würden nicht mehr in unsere modernen, auf Austausch von Arbeitskräften zugeschnittenen Kulturbeziehnngen zu anderen Völkern hineinpassen,, aber die seinerzeit von Moses getroffenen Maßnahmen zur Hebung der Sittlichkeit, das Verbot der widernatürlichen Unzucht und sonstiger Unsittlichkeiten und die Mäßigung gegenüber dem Alkohol müßten eigentlich auch noch heute im Mittelpunkt der rassenbygienischen Ziele, zumal beim deutschen Volke stehen. Mit zur Rassenhygiene gehören die von Moses geschaffenen Schutzmaßregeln gegen ansteckende Krankheiten (Beschneidung, Waschungen) und die Erziehung des Volkes zu größerer Sauberkeit. Ein großer Teil der sonstigen für die öffentliche und private Hygiene getroffenen Bestimmungen des Propheten eilte aber der Zeit weil voraus und gewann Bedeutung auch für die ganze Menschheit. So die Schutzmaßregeln gegen übertragbare Krankheiten (Lepra usw.), die Unschädlichmachung der menschlichen Fäkalien im Lagerleben mittelst Vergrabens, wie es ungefähr noch heute in den militärischen Lagern gehandhabt wird. Auch sei auf die unsere modernen sanitätspolizeilichen Vorschriften bei weitem übertreffenden mosaischen Maßregeln beim Leichendienste hiugewiesen, zu denen die strenge Absonderung des Toten, das Waschen oder Verbrennen seiner Kleider, der neue Bewurf und das Tünchen der Wohnräume, die Reinigung oder Sterilisaton der vom Verstorbenen beuntzten sonstigen Gegenstände und die Absonderung der Leichendiener gehörten. Auch können im Vergleich mit unserer neueren Nahrnugsmittelhygiene, sowie der Schlachtvieh- und Fleischbeschau die mosaischen Speisegesetze und Schlachtnngsvorschriften als hygienisch bedeutsam und vorbildlich angesehen werden. Verboten war unter anderem der Genuß des Hundesteisches, da der Hund zu den Aasfressern gehört. Auch das Verbot des Unterleibsfettes, selbst der sonst genießbaren Tiere, war ein Vorläufer unserer heutigen Fleischbeschauvvrschriften, die unter besonderen Umständen, z. B. ausgesprochener Tuberkulose, gleichlauten. Endlich sei — ohne auf die Schächtungsfrage näher einzugehen — darauf hingewiesen, daß die augeordnete Schächtung darauf abzielte, den Körper des Schlachttieres durch Verblutung möglichst blutleer zu machen und damit die Fleischstücke besser vor Fäulnis zu bewahren, was wir heute durch Kühlhallen bewirken. Und so könnte man noch eine Reihe von Analogien Nachweisen, die zwischen den von Moses geschaffenen Gesnudheitsgesetzen nnd unseren modernen hygienischen Maßnahmen und Bestrebungen bestehen. Uerschiedeue Nachrichten. Wien. Samstag, den 1. Juni, ist der in den weitesten Kreisen bekannte Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Arnold R a b e l, der durch eine Reihe von Jahren auch die „Neuzeit" redigiert hatte, im 74. Lebensjahre gestorben. Schweres Siechtnm hatte ihn in den letzten Jahren vom beruflichen uud gesellschaftlichen Leben vollkommen losgelöst, ader die Erinnerung an seine anerkannte anwaltliche und schriftstellerische Tätigkeit, in .welch letzterer er sich als ein wackerer, von hohen ethischen Idealen beseelter Kämpfer für das Judentum bewährte, wird noch lange wach bleiben. Das Leichenbegängnis fand Montag, den 3. ds.. unter starker Beteiligung statt. Die kantorale Funktion versah I. Kantor M a t y a s m ausgezeichneter Weise und Rabbiner Dr. F e u ch t w a n g hielt dem 'Heimgegangenen einen tiesenipsundeuen und wirkungsvolleil Nachruf. Wien. Sonntag, den 2. Juni fand eine Prüfung der Schüler und Schüleriuueii der Volks-, Bürgeruud Mittelschulen des Jüdischen Schulvereines im X. Bezirk statt. Der große Lehrsaal war von Zuhörern dicht gefüllt. Unter den zahlreichen Anwesenden waren die Inspektoren Herr Julius Brauu und Herr Prof. M.Kauitz, ferner als Vertreter des „Jüdischen Schulvereines" im IX. Bezirk Herr Dr. Halberstamm. Alle Anwesenden waren über die hervorragenden Leistungen dieser Schule erstaunt. Schon die große Anzahl der Schüler, zirka 250 Kinder an der Pheripherie unserer Stadt, war imponierend. Die Leistungen wurden auch von fachmännischer Seite gebührend gewürdigt. Begeisternde Ansprachen hielten die Herren: Rabbiner Dr. A. L. Mandel. Obmann M. Faltitschek, Inspektor Juluius Braun, Inspektor Prof. M. Kanitz, Dr. Halberstamm und der Obmann des Tempelvereines X. Herr Johann Lampel. Volles Lob wurde dem Lehrkörper, Herrn Rabbiner Dr. Mandel, Leiter der Schule, Herrn Dr. Jakob Weiß und Herrn Josef Pick gespendet. Alle Anwesenden waren über das Gesehene und .Gehörte sichtlich erfreut und nahmen die feste Ueberzeugung mit, daß au dieser Stätte Ersprießliches geleistet wurde.. Wien. (Synagoge n-V e r e i n „B e t h I s r a e l.") Sonntag,- den 2. Juni l. I. fand im Sitzungssaale der Synagoge -im Beisein des Vorstandes und geladener Gäste die feierliche Ueberreichung der Diplome an die in der Generalversammlung vom 28. April l. I. ernannten Ehrenmitglieder Herren Dawid Kolieb und Jakob Weichjelbaum statt. Der Obmann begrüßte die Anwesenden, hielt an die Ehrenmitglieder eine herzliche Ansprache, in der er ihre besonderen Verdienste um den Verein erörterte,, und überreichte an dieselben mit innigsten Glückwünschen die künstlerisch ausgeführten Ehrenmilglieds-Diplome. Auch der Obmann-Stellvertreter nahm Beraulasiung den Ehrenmitgliedern seine Anerkennung auszusprechen.. Den Schluß der Feier bildete ein von Oberkantor Herrn M. S ch o r r vorgetragener, der Gelegenheit entsprechender Mischeberach, dem allgemeiner Beifall folgte. Wien. Ueber Wunsch des H.'rrn Oberkantor H e i l p e r n aus Lemberg teilen wir mir, daß er, entgegen der vorige Woche in den jüdischen Blättern emhaltenen Ankündigung, am nächsten Samstag inn Bethanse des Vereines Tefilath Jischurun im Prater nicht fungieren wird. Znaim. Bei dem diesjährigen Preisschießen an unserem Gymnasium errangen die Oktavaner Hans Fischer den ersten und Erwin Steiner den zweiten Preis, während der Septimaner Emil W e f s e l y den ersten der Septima bekam. Im vorigen Jahre waren dieselben auch die besten Schützen. Iägerndorf. (Schülerkonzert.) Diesem Worte begegnet man immer häufiger in den Spalten der Zeitungen und in allen solchen Fällen wissen diese stets nur Erfreuliches zu berichten. Wer aber einem solchen Schülerkonzerte einmal anwohnte, wird es begreiflich finden, daß Publikum und Presse stets einig sind im Lobe über das von Schülern Gebotene. Und das' aus mannigfachen Gründen. Die Begeisterung und der Ernst, mit dem die Jugend an die Erfüllung ihrer Aufgaben schreitet, wirkt auf die Zuhörer mitreißendein; man jubelt weniger ihrer Person als den Idealen zu, denen sie nach-' strebt und die zu erreichen sie noch die größte Möglichkeit hat. Gesellt sich noch ein gewisses Maß von Können hinzu, so hat die Jugend gewonnenes Spiel. Hiezu kommt'noch der ewige Zauber der Musik, der in den Menschen die edelsten Gefühle auslöst nnd der Umstand, daß die Eltern in ihren Kindern das zu erreichen suchen, was ihnen ein mißliches Schicksal verweigerte. Deshalb erfreuen sich alle Schülerveranstaltnngen eines zahlreichen Besilches und deshalb auch herrscht stets nur eine Stimme des Lobes. So war es auch bei dem Schülervortrag der Musikschule des Kantors Herrn Hermann B e h r, der am Donnerstag im Schützensaale stattfand. Einezahlreiche, aufnahmsfreudige Zuhörerschaft füllte den Saal uud zeichnete alle Vortragenden mit lebhaftem Beifall aus. Es ginge auf Kosten sämtlicher Vortragenden, wenn man einzelne ans der Reihe der andern hervorheben würde, da alle mit hervorragender Technik und tiefer Empfindung ihren gewiß nicht leichten Aufgaben gerecht wurden. Die Vortragsordnung wurde von den Schülerinnen nnd Schülern Ilse Böhm, Jda und Ernst Reiß, Grete En gl er, Fritz Geiringer, Franz L a s k e, Emmy- C o h n, Karl F i e tz, Paul M o n d s ch e i n, Frieda Heide, Marta S^ch i n k o r a und Hermine H e g e r mit einer Geläufigkeit erledigt, die für ihr Alter ein hohes Maß von Können darstellt. Die Schülerkonzerte im allgemeinen und die der Musikschule B e h r im besonderen werden sich stets einer großen Beliebtheit erfreuen. Oäwiecim. Nach langem schweren Leiden starb hier in ihrem 66. Lebensjahre Frau Auguste Haber geborene Klein, Gattin des Altvvrstehers der hiesigen isralitischen Gemeinde Herrn Arnold Haber. Die Verblichene zeichnete sich durch außergewöhnliche Herzensgüte aus und betrauern sie nebst der Familie die Ortsarmen, um die sie sich stark bemühte.. Dem schwergeprüften Gatten und den Kindern kamen aus Freundes- und, Bekauutenkreisen zahllose Theilnamskundgebungen zu. Paris. Im Monat Juni wird die ordentliche GeneralDtzrsammlnug des-französischen Rabbinervereiues stattfinden. Die TagesordWug ntbä It folgende Punkte: 1) Der Religionsunterricht, Referent: Rabbiner Metzger in Paris; 2) Entwurf einer Pensionskasse der Rabbiner, Referent: Rabbiner M. Liber in Paris; 3) Die Getfrage, Referent: Rabbiner Haguenau in Paris; 4) lieber die Gründung einer Gesellschaft für empfehlenswerte Bücher, Referent: Oberrabbiner Alfred Levy in.Paris; 5) Einführung einer Feier in der Synagoge bei Todesfällen, Referent: Rabbiner Raphael Levy in Paris. Austritte aus dem Judentum. Groß Rosa, geb. 28. Dezember 1888 in Morchenstein, V.. Castellig. 26. F e l s ch a r e k Rudolf, geb. 21. Juli 1846 in Wien, I.. Weihburggasse 18. Lakenbacher Friedrich, geb. 18. Oktober 1888 in Wien, I.,Weihburggasse 13. Schnabel Hermann, geb. 22. September 1892 in Wien, Kammerg. 10. KkSöiiigs Zusammenkunft der Wiener Kantoren ab Dienstag, den 16. April, 3 Uhr nachmittags Cafe OH TN ER Wien, II. Praterstrasse 33, I. Stock