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Die Wahrheit · 1912-06-07 · Heft 22 (7.6.1912) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 22 (7.6.1912)
Date
1912-06-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Nr. 22. foeite 8. , . , Die Wahrheit. Gegenteil die Begründung und hätte niemals daran gedacht, das zionistische Problem in die Debatte zn werfen. Das sei von anderer Seite geschehen. Rabbiner H o r w i tz-Dwinsk sagt Dank für die Grundsteinlegung der Agudath. Hierauf verliest der Vorsitzende die Resolution, die ins Hebräische übersetzt wird. ■ Gabel verlangt, anstatt thoratreu orthodox zn setzen. Dr. Hoffmann wendet sich gegen Gabel. Sowohl der Ausdruck orthodox, als auch der Vorschlag glaubenstreu, seien nicht richtig. Nicht der Glaube sei die Hauptsache in Judentum, sondern die Tat. Dr. Mölke r-Altona, der Vorsitzende der Moriah- Bereinigung, bezweifelt, ob die Agudath Israel in richtiger Weise stch auch der Palästina-Arbeit widmen werde, und bittet darüber um Auskutist. A u e r b a ch-Hämburg polemisiert gegen Möller. R o s e n h e i m: Wir unterscheiden uns von der Moriah darin, daß wir die Palästina-Angelegenheiten nicht zur einzigen Ausgabe einer Gesamtorganisation machen wollen. Er teilt mit, daß die Ungarn sich damit einverstanden erklärt haben, daß in der Resolution statt orthodox die Worte „traditionell-gesetzestreu" gesetzt werden. Die Resolution wird ins Hebräische übersetzt und gelangt in folgender Form zur Annahme: Resolution: Die heute in Kattowitz versammelten Vertreter der traditionell-gesetzestreuen Judenheit aus allen Ländern der Diaspora erklären nach Anhörung der vorgetragenen Resolution für dieselbe und verpflichten sich, für den Aufbau der Organisation mit allen Kräften zu arbeiten. Die Agudath Israel dient der Förderung aller jüdischen Interessen auf religiöser Grundlage, unter Ausschluß jeder politischen Tendenz. Die Abstimmung ergibt unter, ungeheurem Beifall der Versammelten die einstimmige Annahme der Resolution. Dr. Munk-Lemberg führt aus, daß die Gegensätze zwischen den Ost- und West-Juden leicht zu überwinden seien. Meist handele es sich um Vorurteile. Er ladet zu einer Versammlung ein, die morgen Abend in Krakau statlfindet. Nach Ausführungen von Wolf-Möller-Altona, und Aron Markus-Krakau wird die Diskusfion geschlossen. R o s e n h e i m erklärt, daß alle organisatorische Arbeiten bis jetzt nur ein Provisorium seien. Nun müßten Männer aller Länder in Kommissionen zusammentreten, um die Vorarbeiten bis zu der bevorstehenden allgemeinen Versammlung vorzubereiteu. Zunächst ist ein rabbinischer Rat zu wählen, dem Thoragelehrte ans allen Ländern angehören. Gewählt wurden einstweilen die Rabbinnen aus B r i s k, Wilna, D v i n s k, P o n e w i e s, der Rebbe yom Gor, die Rabbiner Dr. Breuer-Frankfurt a. M-, Dr. Hoffman »-Berlin, Dr. F e i l ch e n f e l d-Posen, Jsac H a-! e v Y-Hamburg, Oberrabbiner Koppel R e i ch-Budapest. Weitere Herren ans verschiedenen Ländern sollen noch kooptiert werden. Hierauf werden Arbeitskommissionen gebildet. Das provisorische Komitee erhält die Vollmacht, in Gemeinschaft mit dem Rabbinjschen Rat die weiteren Arbeiten vorznnehmen, insbesondere Ort und Zeit der ersten Hauptversammlung festzusetzen. /Hierauf wird zur kräftigen Propaganda anfgefordert. Bis jetzt sind 25.000 Mark in Beträgen von 500 bis 2500 Mark aufgebracht. Am Schlüsse der Versammlung werden in die aufgelegte Beilragsliste weitere große Beträge gezeichnet. Außerordentlichen Beifall findet es, als Herr Pseffer-Warschan, Mk. 25.000 für Erziehnngszwecke zeichnet. Nach Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten und einer Einladung zum Besuch der Versammlung in Krakau wird die Versammlung mit warmen Schlußworten des Vorsitzenden geschlossen. Rabbiner S ch u u r-Tarnow fordert in warmen Worten die Versammlung auf, dem provisorischen Komitee ein kräftiges Hoch auszubringen. Die Versammlung stimmt darin begeistert ein>. Besonderen Dank verdient aber auch das Lokal-Komitee, das unter der aufopfernden Leitung des Herrn Siegfried Wiener" Bedeutendes geleistet hat.' Schluß der Versammlung 5 Uhr nachmittags. Israels Geschick. Das Judentum hat das traurige Geschick, daß die Fehler und Schwächen einzelner seiner. Bekenner von den Jndeuseindeu. stets generalisiert, die Tugenden und herrlichen Eigenschaften der einzelnen Juden hingegen blos als Ausnahme bezeichnet/ werden. Wenn irgend ein Jude den biblischen Vorschriften über Wahrheitsliebe, Ehrlichkeit, Redlichkeit rc. keine besondere Beachtung schenkt, so wird er nicht als ein mit Mängeln, Schwächen und Fehlern behafteter Mensch, sondern als frecher, unehrlicher und unredlicher Jude stigmatisiert, und das ganze Judentum für sein Tun und Lassen verantwortlich gemacht. Wenn, aber, einer der Juden — deren Zahl heute noch gottlob recht groß ist — sich durch Herzensgüte, Biedersinn, Munifizenz und Opferwilligkeit anszeichnet und einen großen Teil seines Vermögens dem allgemeinen Wohle — ohne einen konfessionellen Unterschied zu machen — in hochherziger Weise widmet, sowerden diese schönen Verdienste, die er sich um die leidende Menschheit erworben, im besten Falle — wenn sie eben nicht, verkannt und absichtlich verdächtigt und verunglimpft werden — als rühmliche Ausnahme charakterisiert. „Acht" hört man ausrnfen, „wenn alle Juden so wären, wie dieser, würden wir sie: nicht hassen und verachten." Diese Methode ist aber nicht neu. Schon der alte moa-- bitische König Balak hatte von derselben ausgiebigen Gebrauch gemacht. Als Bileam, der von ihm berufen wurde, Israel zu verwünschen und der Verachtung preiszngeben, die Vorzüge diesesgottbegnadeten Volkes glorifizierte, rief er ihm zu: „Ich habe dich gerufen, meine Feinde zu verwünschen, ihre Schwächen und Fehler schonungslos zu geißeln, und du segnest und verherrlichst sie. Wohl kann ich es nicht leugnen, daß die Gottesidee eine erhabene und Israel in seiner Gesamtheit ein großes Volk sei, allein einzelne unter ihnen haben große tadelnswerte Fehler. Wes kozehu tireh, wechullau lau sir eh. Fasse nicht dieses Volk in seiner Gesamtheit, sondern das Tun und Lassen der Einzelnen ins Auge, dann wird es dir wohl ein Leichtes sein, über die Gesamtheit den Stab zn brechen. Du brauchst nur die Fehler der Einzelnen zu generalisieren und das ganze Volk ist geschlagen. Wekowno li mischom. Von diesem Standpunkte ans betrachtet, wirst du sie wohl auf die leichteste Weise verwünschen und unschädlich machen können." Und so wurde diese Methode Gemeingut aller Judenfeinde aller Zeiten. Eine rühmliche Ausnahme hatte der Persische König: Achafchwerofch gemacht. Als dieser erfuhr, daß der Jude Mordechai fein Lebensretter war, wurde nicht nur Mordechai, sondern auchdas ganze israelitische Volk von ihm ausgezeichnet, daher wurde jener Tag, an dem dieses Wunder geschah, als Festtag für ewige Zeiten eingesetzt. An Männern gleich Mordechai, die sich hohe Verdienste um Thron und Vaterland erworben, hat es wohl in der Geschichte nie gefehlt, allein außer Achaschwerosch hat es in allen Zeiten nie einen Fürsten gegeben, der das ganze jüdische Volk für die Verdienste, die sich irgend eir großer edler Jude erworben, reichlich belohnt und ihm v o l lst ä n d i g st e Freiheit un.d Gleichberechtigung gemährt hätte. So z. B. hatte ein Jude, namens Kalonimos im zehnten Jahrhundert dem Kaiser Otto H., in dessen Gefolge er sich befand, in einem gefahrvollen Moment das Leben gerettet. Kalonimos wurde wohl belohnt, seine Glaubens- und Stammesgenossen aber lebten nach wie vor im Golns. Dieses Ereignis, das der Bischof Thitmar von Merseburg in feiner Chronik mitgeteilt, wird im Wiener Israel. Jahrbuch 1857 in folgender Weise geschildert: „Ueber die Schlacht, welche Kaiser Otto H. am 12. Juli 982 in Calabrien, südlich von Kotrone, gegen die Araber verlor, und die unter dem Namen

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