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Die Wahrheit · 1912-06-07 · Heft 22 (7.6.1912) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 22 (7.6.1912)
Date
1912-06-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 22 Die Wahrden Seite. 7. Liele bezeichnen wir die Förderung von Thorawissen und jndiicher -Erziehung überhaupt. Wir erstreben ferner Besserung der wirtschaftlichen Lebensbedingungew der jüdischen Masse, in den Ländern der Diaspora und in Palästina. Dann die Organisierung und Förderitng von Hilfsaktionen im Falle des. Bedürfnisses. Es muß eine Stelle vorhanden sein,-wo die jüdische Masse nicht nur Objekt des Hilfswerks ist, sönderu auch Subjekt. wo sie ragen kann, wie ihr geholfen werden soll. - Weitere Punkte des Programms sind die Förderung der jüdischen Literatur in echt jüdischem Geist, die Vertretung der thoratreuen jüdischen Gesamtheit nach außen und Abwehr aller Angriffe gegen die Thora und ihre Bekenner. Auch alle diese Probleme siitd Weltprobleme, die eine Weltorganisation erfordern. Diese soll volkstümlich beschaffen sein. Jeder Mann in der Masse soll wissen, daß seine Stimme zur Geltung kommen kann; jeder muß das Gefühl haben, daß er ein Bestandteil des Ganzen ist. Die Organtsation muß aber getragen sein von dem jüdischen Gesetz. Die Vertreter der Thora müssen Gelegenheit haben, jederzeit ihre Meinungen über alle Unternehmungen maßgebend auszusprechen. Die einzelnen Landesorganisationen sollen ihrerseits dafür sorgen, daß den Bedürfnissen der einzelnen Länder- Rechnung getragen wird. Vier Strömungen sind in der jüdischen Gesamtheit zu nnterscheiden. In Rußland lebt die Mehrzahl der Judenheit, genährt und dnrchtränkt von Thorageist. Dort, wie in Galizien und 'Ungarn gedeiht des Thora-Lernen. Mit ihnen im Zusammenhang steht die große Masse der über das Meer Gewanderten, Die den Zusammenhang mit ihren bisherigen Genossen nicht -verlieren dürfen. Wir haben ferner den Chassidismus, jene Strömmung, die mit besonderer Kraft durch die Wärme des Gefühls und die Tiefe der Weltanschauung uns noch vieles zu geben hat. Wir haben ferner im Westen, in Deutschland und Ungarn die Leute, die im Kampfe mit anders Denkenden gewöhnt sind, ihre Ueberzengnng einheitlich zu vertreten. Wir haben endlich dort Erfahrungen in der Auseinandersetzung mit der westeuropäischen Kultur. Diese Strömungen sollen sich auf dem Boden der Agndath Israel zu einer großen Einheitlichkeit -ergänzen. Referent gibt einige Winke für die Generaldiskussion und schließt unter stürmischem Beifall, indem er ansführt: Unser 'Werk ist von erdrückender Größe. Wir wollen es aber beginnen, wie auch immer das Ergebnis sein möge, ob wir viel oder wenig erreichen. Wir schauen richig in die Zukunft, denn wir -gründen keinen Verein neben anderen; wir wollen alle zersplitterten Kräfte zusammenfassen und wollen tun, wozu der Geist Der Thora uns zwingt. Es gelangt eine große Anzahl von Begrüßungsdepeschen .zur Verlesung, sowohl von Gesamtorgauisationem wie von Einzelpersonen ans allen Teilen der Welt angelangt sind. Rabbiner Schn ür-Tarnow, spricht im Sinne der galizischen Rabbiner und zahlreicher Einzelpersonen, seineZustimmung zur Gründung der Vereinigung ans. Dr. S ch a e ch t e r-Bndapest, wünscht, daß in seinem Lande nur Mitglieder ausgenommen werden können, die sich nicht von der an dem Orte bestehenden orthodoxen Gemeinde fernhalten, damit nicht'Leute eiudringen, die nicht in die Vereinigung passen. Rabbiner Lipsch ü tz-Kalisch wünscht, daß die Agndath Israel jede Angriffspolitik vermeide. Die uns fern Stehenden zu gewinnen, aber nicht ansznschließen, ist unsere Aufgabe. Herr Jacob R o s e n h e i m-Frankfnrt a. M. erklärt, es scheine, man betrachtet die Agndath Israel als eine Kampf- Organisation. Das ist nicht der Fall. Wir wollen bauen. Daß ist unsere vornehmste Aufgabe. Wir wollen handeln. Bisher hat man uns vorgeworfen, wir kritisieren zu viel und tun Zu wenig. Kritik ist notwendig, und wir haben nichts dagegen, wenn jeder seine Ueberzengnng ausspricht. Die Hauptsache aber -ist positive Arbeit. (Stürmischer Beifall.) Arbeit, nicht nur für die Gegenwart, sondern für alle Geschlechter. Auch die Kinder derer, die heute noch nicht zu uns gehören, werden noch kommen. Wir arbeiten nicht für irgend eine Nuance im Judentum, sondern gerade weil wir für die Thora arbeiten, für a lle Inden auf Erden. Kämpfen werden wir nur, wenn wir kämpfen müssen, wenn wir von anderen dazu gezwungen werden. (Stürmischer Beifall.) Rabbiner Deiches-Leeds erklärt namens der englischen orthodoxen Inden die Bereitschaft an der Mitarbeit. Rabbiner R o t t e n b e r g-Waüowice spricht gegen die Heranziehung der Kulturfrage. Dadurch würde der größte Teil' der galizischen Inden abgestoßen. (Heftiger Widerspruch.) R o s e u h e i m sindet es natürlich, daß die Bildungsfrage besprochen wird. Es handelt sich nicht darum, das westliche Bildnngsideal nach Osten zu tragen. Aber die bedeutenden Männer im Osten, der Brisker Raw, der Wilner Räw und andere große Männer ans Rußland, die die Grundlage zur Agndath Israel gelegt haben, wissen in welcher Weise die Erziehungsflage zu lösen ist. Diesen Männern, nicht uns, solle man Vertrauen schenken. Dr. F r e i m a n n-Holleschau begrüßt die Agndath Israel. S chnnr-Tarnow verteidigt energisch seinen Standpunkt, Thora mit Derech Erez zu vereinigen. Rabbiner F ü r ft-Wien vertritt den ungarischen Standpunkt. Rabbiner Hi l l m a n «-Glasgow betont, es sei nötig, daß in England die Vereinigung stark arbeite. Die Vereinigung muß aber so beschaffen sein, daß alle Gelegenheit haben zur Vereinigung zu kommen. Moses S ch m e l k e s-Krakäu gibt für eine Anzahl galizischer Herren die Erklärung ab, es handle sich ausschließlich darum, die alten jüdischen Ideale in ihrer Kleinheit zu erhalten. (Hierauf tritt eine Mittagspause ein.) N a ch m i t t a g s s i tz u n g. Dr. K o h n-Ausbach: Die Herren aus dem Osten werden die Ueberzengnng gewonnen haben, daß auch in Deutschland Thora vorhanden ist. Man muß die Organisation nach den Bedürfnissen der einzelnen Länder einrichten. Die Thoralehrer müssen berufen sein, ans die Vereinigung Einfluß zu haben. Rabbiner Reich-Baden spricht über die österreichischen Verhältnisse und erwartet für die dortigen Juden Großes von der Agndath Israel. Rabbiner G r a u b a r t-Bendzin: Unsere Agndath Israel kann der Anfang der Geula sein; nötig aber ist es, daß wir auch für die Masse jetzt Arbeit schaffen. Rabbiner Dr. Ka atz-Zabrze: Wir müssen positiv arbeiten und diejenigen herauziehen, die noch fern stehen, statt daß wir sie bekämpfen. R a b i n o w i t s ch-Pnltawa bedauert, daß die deutschen Reden nicht in Jargon übersetzt wurden und verlangt ein Resultat der Versammlung. G r o ß b e r g-Lodz: Man muß den jüdischen Arbeiiern in Polen Arbeit verschaffen. Er dankt der Agndath für ihre Absicht. R o s e n h e i m erklärt nochmals, daß die Agndath Israel keine Kampforganisatiou sein soll. Der Vorredner habe gesagt, es seien keine Resultate zu erwarten. Das ist nicht der Fall. Für die praktischen Arbeiten ist alles vorbereitet. Eine Resolution wird sofort vorgelegt werden. Der Statuten-Entwurf ist in seinen Grnndzügen fertig. Er wird einer Kommission überwiesen werden, die weiter beraten soll. Ebenso sind Kommissionen zu gründen für Propaganda und die geplanten praktischen Arbeiten. Ein spezielles Projekt, um jüdischen Arbeitern, die den Sabbath halten wollen, Arbeit zu verschaffen, ist in Angriff genommen. Der Vorsitzende unserer Komitees hat dafür 25.000 Mark zur Verfügung gestellt. Auch für diese Arbeiten soll eine Kommission zusammengestellt werden. (Großer' Beifall.) Heule wird nur der Grundstein gelegt. Der eigentliche Ban wird erst auf der Hauptversammlung begründet werden. Dr. Sch er h ey-Riga ermahnt, alle Kräfte an die Gründung der Agndath zu setzen. Rabbiner R e i ch-Ban wendet sich gegen die Ausführungen der ungarischen Herren. Dr. Frau ck-Altona widerspricht der Behauptung, die Zionisten wollten die Gründung hintertreiben. Er begrüßt im

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